Elektrodynamik und Energieübertragung
Ein Fahrraddynamo erzeugt Spannung, obwohl er keine Batterie enthält. Ein Handy lädt „kabellos“ auf einer Platte. Ein Windpark in der Nordsee schickt seinen Strom über hunderte Kilometer nach NRW. Hinter all dem steckt ein einziges Prinzip: Ändert sich der magnetische Fluss durch eine Spule, entsteht eine Spannung. Am Ende der Seite können Sie erklären, warum man Strom für lange Strecken auf Hochspannung bringt.
Magnetischer Fluss und Induktionsgesetz
Der magnetische Fluss $\Phi$ gibt an, wie viel Magnetfeld eine Fläche senkrecht durchsetzt. Zählen Sie sich die Feldlinien vor: Je mehr Feldlinien durch die Fläche gehen, desto größer ist $\Phi$.
Eine Spule mit $N$ Windungen hat den Gesamtfluss $N \cdot \Phi$. Der Fluss kann sich auf zwei Arten ändern: Die Flussdichte $B$ ändert sich, oder die durchsetzte Fläche ändert sich (Verschieben, Drehen, Verformen der Leiterschleife).
Die Spannung ist also proportional zur Änderungsrate des Flusses, nicht zum Fluss selbst. Ein großer, aber konstanter Fluss induziert nichts. Das erkennen Sie im $\Phi$-$t$-Diagramm: $U_\mathrm{ind}$ ist $-N$ mal die Steigung der Kurve.
Bei einem abschnittsweise geraden $\Phi$-$t$-Diagramm berechnen Sie $U_\mathrm{ind}$ für jeden Abschnitt einzeln. In Abschnitten mit konstantem Fluss ist $U_\mathrm{ind} = 0$.
Im Physikunterricht untersucht Lena Induktionserscheinungen. Eine Spule mit $N = 200$ Windungen steht in einem homogenen Magnetfeld. Die Querschnittsfläche der Spule…
Im Physikunterricht untersucht Lena Induktionserscheinungen. Eine Spule mit $N = 200$ Windungen steht in einem homogenen Magnetfeld. Die Querschnittsfläche der Spule beträgt $A = 50\,\mathrm{cm^2}$ und steht senkrecht zu den Feldlinien. Die magnetische Flussdichte beträgt zunächst $B = 0{,}40\,\mathrm{T}$. Anschließend wird das Feld in $\Delta t = 0{,}20\,\mathrm{s}$ gleichmäßig auf null verringert.
- a) Berechnen Sie den magnetischen Fluss $\Phi$ durch eine einzelne Windung zu Beginn.
- b) Berechnen Sie den Betrag der mittleren Induktionsspannung $U_\mathrm{ind}$, die während der Abnahme der Flussdichte an der Spule auftritt.
- c) Nennen Sie zwei verschiedene Möglichkeiten, in einer Leiterschleife eine Induktionsspannung hervorzurufen.
Eine Spule mit $N = 500$ Windungen befindet sich in einem zeitlich veränderlichen Magnetfeld. Mit einem Messwerterfassungssystem wird der magnetische Fluss $\Phi$ durch…
Eine Spule mit $N = 500$ Windungen befindet sich in einem zeitlich veränderlichen Magnetfeld. Mit einem Messwerterfassungssystem wird der magnetische Fluss $\Phi$ durch eine Windung der Spule in Abhängigkeit von der Zeit $t$ aufgenommen. Das $\Phi$-$t$-Diagramm besteht aus drei geraden Abschnitten:
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Von $t = 0\,\mathrm{s}$ bis $t = 0{,}10\,\mathrm{s}$ steigt der Fluss linear von $0\,\mathrm{mVs}$ auf $4{,}0\,\mathrm{mVs}$.
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Von $t = 0{,}10\,\mathrm{s}$ bis $t = 0{,}30\,\mathrm{s}$ bleibt der Fluss konstant bei $4{,}0\,\mathrm{mVs}$.
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Von $t = 0{,}30\,\mathrm{s}$ bis $t = 0{,}40\,\mathrm{s}$ sinkt der Fluss linear auf $0\,\mathrm{mVs}$.
- a) Bestimmen Sie die Induktionsspannung $U_\mathrm{ind}$ in jedem der drei Zeitabschnitte.
- b) Skizzieren Sie das zugehörige $U_\mathrm{ind}$-$t$-Diagramm für $0\,\mathrm{s} \le t \le 0{,}40\,\mathrm{s}$ mit beschrifteten Achsen.
- c) Begründen Sie mithilfe des Induktionsgesetzes, weshalb die Induktionsspannung im zweiten Abschnitt null ist, obwohl der magnetische Fluss dort seinen größten Wert hat.
Die Leiterschaukel und die Lorentzkraft
Wird ein Leiter durch ein Magnetfeld bewegt, entsteht auch ohne Spule eine Spannung. Der Leiter der Länge $\ell$ („Leiterschaukel“) bewegt sich mit der Geschwindigkeit $v$ senkrecht zu den Feldlinien.
Die Elektronen im Leiter bewegen sich mit dem Leiter und erfahren die Lorentzkraft $F_\mathrm{L} = e\cdot v\cdot B$. Sie werden zu einem Ende gedrückt: Dort entsteht ein Elektronenüberschuss, am anderen Ende ein Mangel. Zwischen den Enden baut sich ein elektrisches Feld $E = U/\ell$ auf. Es wirkt mit $F_\mathrm{el} = e\cdot E$ der Lorentzkraft entgegen. Die Ladungstrennung endet im Gleichgewicht:
$$e\cdot E = e\cdot v\cdot B \;\Rightarrow\; \frac{U_\mathrm{ind}}{\ell} = v\cdot B \;\Rightarrow\; U_\mathrm{ind} = B\cdot\ell\cdot v.$$Ein gerades Leiterstück der Länge $\ell = 8{,}0\,\mathrm{cm}$ wird mit der konstanten Geschwindigkeit $v = 0{,}50\,\mathrm{m/s}$ senkrecht zu den Feldlinien durch ein…
Ein gerades Leiterstück der Länge $\ell = 8{,}0\,\mathrm{cm}$ wird mit der konstanten Geschwindigkeit $v = 0{,}50\,\mathrm{m/s}$ senkrecht zu den Feldlinien durch ein homogenes Magnetfeld der Flussdichte $B = 0{,}25\,\mathrm{T}$ bewegt. Die Bewegungsrichtung steht senkrecht zum Leiter, und der Leiter selbst steht ebenfalls senkrecht zu den Feldlinien.
- a) Erläutern Sie mithilfe der Lorentzkraft, weshalb sich an den Enden des bewegten Leiters Ladungen trennen.
- b) Berechnen Sie die Induktionsspannung $U_\mathrm{ind}$ zwischen den Leiterenden.
- c) Im Gleichgewicht ist die Kraft des entstehenden elektrischen Feldes auf ein Elektron betragsgleich zur Lorentzkraft. Berechnen Sie die elektrische Feldstärke $E$ im Leiter und zeigen Sie, dass sich daraus dieselbe Spannung wie in Teilaufgabe b) ergibt.
Lenz'sche Regel und Thomson'scher Ringversuch
Das Minuszeichen im Induktionsgesetz hat eine Bedeutung:
Beim Thomson'schen Ringversuch steht ein geschlossener Aluminiumring auf dem Eisenkern einer Spule.
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Einschalten: Der Fluss im Ring nimmt zu. Im Ring fließt ein Induktionsstrom, dessen Feld dem Spulenfeld entgegengerichtet ist. Zwei gleichnamige Pole stoßen sich ab: Der Ring springt nach oben.
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Ausschalten: Der Fluss nimmt ab. Der Induktionsstrom hat die umgekehrte Richtung, sein Feld stützt das Spulenfeld. Der Ring wird leicht angezogen.
Ein geschlitzter Ring (kein geschlossener Stromkreis) bleibt liegen: Zwar entsteht eine Induktionsspannung, aber es fließt kein Strom und es wirkt keine Kraft.
Beim Thomson'schen Ringversuch steht ein geschlossener Aluminiumring auf dem senkrechten Eisenkern einer Spule und kann frei nach oben beweglich gleiten. Beim Schließen…
Beim Thomson'schen Ringversuch steht ein geschlossener Aluminiumring auf dem senkrechten Eisenkern einer Spule und kann frei nach oben beweglich gleiten. Beim Schließen des Schalters im Spulenstromkreis springt der Ring in die Höhe. Beim Öffnen des Schalters wird keine Abstoßung beobachtet; der Ring wird sogar leicht angezogen.
Ein Messwerterfassungssystem zeigt: Beim Einschalten steigt die magnetische Flussdichte im Bereich des Rings innerhalb von $\Delta t = 5{,}0\,\mathrm{ms}$ gleichmäßig von $0\,\mathrm{mT}$ auf $80\,\mathrm{mT}$. Die vom Feld senkrecht durchsetzte Fläche des Rings beträgt $A = 12\,\mathrm{cm^2}$, sein elektrischer Widerstand $R = 2{,}4\,\mathrm{m\Omega}$.
- a) Stellen Sie eine begründete Hypothese auf, in welche Richtung der Induktionsstrom im Ring beim Einschalten fließt, und erklären Sie damit das Springen des Rings.
- b) Berechnen Sie die mittlere Induktionsspannung und die mittlere Stromstärke im Ring während des Einschaltvorgangs.
- c) Erklären Sie mithilfe des Induktionsgesetzes, weshalb der Ring beim Öffnen des Schalters nicht abgestoßen, sondern angezogen wird.
- d) Ein baugleicher Ring mit einem schmalen Schlitz springt beim Einschalten nicht. Begründen Sie diese Beobachtung.
Der Generator
Rotiert eine Spule mit konstanter Winkelgeschwindigkeit $\omega = 2\pi f$ in einem homogenen Magnetfeld, ändert sich der Winkel $\alpha = \omega t$ zwischen $\vec{B}$ und der Flächennormalen. Steht die Spulenfläche zur Zeit $t = 0$ senkrecht zu den Feldlinien, gilt
$$\Phi(t) = B\cdot A\cdot\cos(\omega t).$$Das Induktionsgesetz in differentieller Form liefert
$$U(t) = -N\cdot\dot{\Phi}(t) = N\cdot B\cdot A\cdot\omega\cdot\sin(\omega t) = \hat{U}\cdot\sin(\omega t) \quad\text{mit}\quad \hat{U} = N\,B\,A\,\omega.$$Die Spannung ist am größten, wenn sich der Fluss am schnellsten ändert, nämlich beim Nulldurchgang von $\Phi$ (Spulenfläche parallel zu den Feldlinien). Dort ist die Steigung der Kosinuskurve am steilsten. Steht die Fläche senkrecht, ist $\Phi$ maximal, aber $U = 0$.
Der Effektivwert einer sinusförmigen Wechselspannung ist $U_\mathrm{eff} = \hat{U}/\sqrt{2}$. Er entspricht der Gleichspannung, die an einem Widerstand dieselbe Leistung umsetzt. Die Steckdose liefert $U_\mathrm{eff} = 230\,\mathrm{V}$ bei $f = 50\,\mathrm{Hz}$.
Ein Wechselspannungsgenerator besteht aus einer Spule mit $N = 100$ Windungen und der Querschnittsfläche $A = 120\,\mathrm{cm^2}$. Die Spule rotiert mit der konstanten…
Ein Wechselspannungsgenerator besteht aus einer Spule mit $N = 100$ Windungen und der Querschnittsfläche $A = 120\,\mathrm{cm^2}$. Die Spule rotiert mit der konstanten Frequenz $f = 25\,\mathrm{Hz}$ in einem homogenen Magnetfeld der Flussdichte $B = 0{,}15\,\mathrm{T}$. Zur Zeit $t = 0\,\mathrm{s}$ steht die Spulenfläche senkrecht zu den Feldlinien.
- a) Geben Sie den zeitlichen Verlauf $\Phi(t)$ des magnetischen Flusses durch eine Windung an und leiten Sie daraus mithilfe des Induktionsgesetzes in differentieller Form die Induktionsspannung $U(t)$ her.
- b) Berechnen Sie die Scheitelspannung $\hat{U}$, den Effektivwert $U_\mathrm{eff}$ und den Momentanwert der Spannung zur Zeit $t = 5{,}0\,\mathrm{ms}$.
- c) Die Drehfrequenz wird verdoppelt. Beschreiben Sie, wie sich Scheitelspannung und Periodendauer ändern, und begründen Sie Ihre Aussage.
Transformator und Hochspannungsleitung
Ein Transformator besteht aus Primärspule ($N_1$) und Sekundärspule ($N_2$) auf einem gemeinsamen Eisenkern. Die Wechselspannung an der Primärspule erzeugt einen sich ständig ändernden Fluss, der auch die Sekundärspule durchsetzt und dort die Spannung $U_2$ induziert.
Warum Hochspannung bei Freileitungen?
In einer Leitung mit dem Widerstand $R_\mathrm{L}$ geht die Leistung $P_\mathrm{V} = I^2\cdot R_\mathrm{L}$ als Wärme verloren. Bei vorgegebener Übertragungsleistung $P$ ist $I = P/U$. Also gilt
$$P_\mathrm{V} = \left(\frac{P}{U}\right)^2 R_\mathrm{L}.$$Die Verlustleistung sinkt mit dem Quadrat der Spannung. Zehnfache Spannung bedeutet hundertfach weniger Verlust.
Das Netzteil eines Ladegeräts enthält einen Transformator. Die Primärspule hat $N_1 = 1.200$ Windungen und wird an die Wechselspannung $U_1 = 230\,\mathrm{V}$…
Das Netzteil eines Ladegeräts enthält einen Transformator. Die Primärspule hat $N_1 = 1.200$ Windungen und wird an die Wechselspannung $U_1 = 230\,\mathrm{V}$ angeschlossen. Die Sekundärspule hat $N_2 = 60$ Windungen. Der Transformator soll als ideal betrachtet werden. Auf der Sekundärseite fließt ein Strom der Stärke $I_2 = 2{,}0\,\mathrm{A}$.
- a) Berechnen Sie die Sekundärspannung $U_2$.
- b) Berechnen Sie die Stromstärke $I_1$ in der Primärspule und die übertragene Leistung.
- c) Begründen Sie, weshalb ein Transformator mit Gleichspannung an der Primärspule keine Spannung an der Sekundärspule liefert.
Ein Windpark an der Nordseeküste speist über eine Freileitung mit dem Gesamtwiderstand $R_\mathrm{L} = 5{,}0\,\Omega$ die elektrische Leistung $P = 2{,}0\,\mathrm{MW}$…
Ein Windpark an der Nordseeküste speist über eine Freileitung mit dem Gesamtwiderstand $R_\mathrm{L} = 5{,}0\,\Omega$ die elektrische Leistung $P = 2{,}0\,\mathrm{MW}$ ein. Zwei Varianten der Übertragung werden verglichen: Die Leistung wird entweder bei der Spannung $U_\mathrm{A} = 20\,\mathrm{kV}$ oder bei $U_\mathrm{B} = 220\,\mathrm{kV}$ eingespeist. Näherungsweise gilt für den Leitungsstrom $I = P/U$. Der Generator der Anlage liefert eine Wechselspannung mit dem Effektivwert $10\,\mathrm{kV}$.
- a) Berechnen Sie für beide Varianten die Stromstärke in der Leitung, die Verlustleistung $P_\mathrm{V} = I^2\,R_\mathrm{L}$ und den prozentualen Anteil der Verluste an $P$.
- b) Erläutern Sie anhand der Ergebnisse, weshalb Strom über große Entfernungen mit Hochspannung übertragen wird.
- c) Bestimmen Sie das Windungszahlverhältnis $N_2/N_1$ eines idealen Transformators, der $10\,\mathrm{kV}$ auf $220\,\mathrm{kV}$ hochsetzt, sowie die Windungszahl $N_2$, wenn die Primärspule $N_1 = 500$ Windungen hat.
- d) Beurteilen Sie, weshalb für die Hochspannungsübertragung Wechselspannung günstiger ist als Gleichspannung, wenn Sie nur die Transformierbarkeit berücksichtigen.
Kondensator: Entladung und gespeicherte Energie
Ein Kondensator speichert Ladung $Q$ bei der Spannung $U$. Das Verhältnis heißt Kapazität:
$$C = \frac{Q}{U} \quad (\text{Einheit } 1\,\mathrm{F} = 1\,\mathrm{C/V}).$$Der geladene Kondensator speichert die Energie
$$E = \tfrac{1}{2}\,C\,U^2.$$Entlädt man ihn über einen Widerstand $R$, fließt zuerst ein großer Strom. Mit der sinkenden Spannung sinkt auch der Strom: Die Entladung verläuft exponentiell.
$$U(t) = U_0\cdot\mathrm{e}^{-t/\tau} \quad\text{mit der Zeitkonstante}\quad \tau = R\cdot C.$$Nach der Zeit $\tau$ ist die Spannung auf $1/\mathrm{e} \approx 37\,\%$ gesunken. Für den Strom gilt $I(t) = U(t)/R$, also $I_0 = U_0/R$.
Ein Kondensator mit der Kapazität $C = 470\,\mathrm{\mu F}$ wird auf die Spannung $U_0 = 12\,\mathrm{V}$ aufgeladen und zur Zeit $t = 0\,\mathrm{s}$ über einen…
Ein Kondensator mit der Kapazität $C = 470\,\mathrm{\mu F}$ wird auf die Spannung $U_0 = 12\,\mathrm{V}$ aufgeladen und zur Zeit $t = 0\,\mathrm{s}$ über einen Widerstand $R = 2{,}2\,\mathrm{k\Omega}$ entladen. Für die Kondensatorspannung gilt während der Entladung
$$U(t) = U_0 \cdot \mathrm{e}^{-t/(R\,C)}.$$- a) Berechnen Sie die anfangs gespeicherte Ladung $Q_0$ und die Stromstärke $I_0$ unmittelbar nach Beginn der Entladung.
- b) Berechnen Sie die Zeitkonstante $\tau = R\,C$ und die Kondensatorspannung zur Zeit $t = 2{,}0\,\mathrm{s}$.
- c) Berechnen Sie die anfangs im Kondensator gespeicherte Energie $E = \frac{1}{2}\,C\,U_0^2$ und begründen Sie, in welcher Form diese Energie während der Entladung frei wird.
Rekuperation: Energie zurückgewinnen
Beim elektrischen Bremsen arbeitet der Fahrmotor einer Straßenbahn oder eines E-Autos als Generator. Die Fahrzeugbewegung dreht den Motor, durch das Induktionsgesetz entsteht eine Spannung, und es fließt Strom zurück ins Netz oder in die Batterie. Die kinetische Energie wird nicht vollständig in Wärme an den Bremsen umgewandelt.
Für eine Abschätzung rechnen Sie mit $E_\mathrm{kin} = \tfrac12 m v^2$ ($v$ in $\mathrm{m/s}$: durch $3{,}6$ teilen) und dem Wirkungsgrad $\eta$: $E_\mathrm{zurück} = \eta\cdot E_\mathrm{kin}$. Zur Umrechnung dient $1\,\mathrm{kWh} = 3{,}6\,\mathrm{MJ}$.
Bei der Beurteilung (Operator „beurteilen Sie“) nennen Sie Vor- und Nachteile und ziehen ein Fazit. Vorteile der Rekuperation sind geringerer Energieverbrauch, weniger Bremsverschleiß und weniger Feinstaub. Nachteile oder Grenzen sind: Nicht die gesamte Energie ist nutzbar ($\eta < 100\,\%$), die Rückspeisung braucht ein aufnahmefähiges Netz oder einen Speicher, und bei geringer Geschwindigkeit ist die induzierte Spannung zu klein, dann muss mechanisch gebremst werden.
Eine Straßenbahn der Masse $m = 36\,\mathrm{t}$ fährt mit $v = 54\,\mathrm{km/h}$ und bremst bis zum Stillstand. Beim elektrischen Bremsen arbeitet der Fahrmotor als…
Eine Straßenbahn der Masse $m = 36\,\mathrm{t}$ fährt mit $v = 54\,\mathrm{km/h}$ und bremst bis zum Stillstand. Beim elektrischen Bremsen arbeitet der Fahrmotor als Generator und speist Energie ins Netz zurück (Rekuperation). Der Wirkungsgrad dieser Rückspeisung beträgt $70\,\%$. Die Bahn hält an einem Betriebstag $120$-mal. Der Strompreis beträgt $0{,}35\,€$ pro $\mathrm{kWh}$. Es sollen vereinfachend alle Bremsvorgänge als vollständig elektrisch und mit der Anfangsgeschwindigkeit $v$ betrachtet werden.
- a) Berechnen Sie die kinetische Energie der Bahn vor dem Bremsen in $\mathrm{MJ}$ sowie die je Bremsvorgang zurückgespeiste Energie in $\mathrm{kWh}$.
- b) Berechnen Sie die rückgespeiste Energie und den Geldwert dieser Energie für einen Betriebstag.
- c) Die im Generator induzierte Spannung ist proportional zur Drehfrequenz. Erklären Sie mithilfe des Induktionsgesetzes, weshalb bei kleiner werdender Geschwindigkeit die Rückspeisung ins Netz mit konstanter Netzspannung nicht bis zum Stillstand möglich ist.
- d) Beurteilen Sie das Potential der Energierückgewinnung bei elektrischen Antriebssystemen. Nennen Sie je ein Argument dafür und ein begrenzendes Argument.
Zurück zum Anfang: Strom aus dem Windpark in der Nordsee wird auf Hochspannung transformiert, weil die Verluste $P_\mathrm{V} = I^2 R_\mathrm{L}$ mit $I = P/U$ quadratisch mit der Spannung sinken, und ein Transformator funktioniert nur mit Wechselspannung, die ein Generator nach dem Induktionsgesetz liefert.
Auf einen Blick
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Magnetischer Fluss: $\Phi = B\cdot A\cdot\cos\alpha$, Einheit $\mathrm{Vs}$.
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Induktionsgesetz: $U_\mathrm{ind} = -N\,\Delta\Phi/\Delta t$ (mittlere Änderungsrate), $U_\mathrm{ind}(t) = -N\,\dot{\Phi}(t)$ (differentielle Form). Entscheidend ist die Flussänderung, nicht der Fluss.
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Lenz'sche Regel: Der Induktionsstrom wirkt der Flussänderung entgegen (Thomson'scher Ringversuch: Abstoßung beim Einschalten, Anziehung beim Ausschalten).
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Leiterschaukel: $U_\mathrm{ind} = B\,\ell\,v$ aus dem Gleichgewicht von Lorentzkraft und elektrischer Kraft.
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Generator: $\Phi(t) = BA\cos\omega t$, $U(t) = \hat{U}\sin\omega t$ mit $\hat{U} = NBA\omega$, $U_\mathrm{eff} = \hat{U}/\sqrt2$.
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Transformator: $U_1/U_2 = N_1/N_2$, $I_1/I_2 = N_2/N_1$; Hochspannung verringert die Leitungsverluste $P_\mathrm{V} = I^2R_\mathrm{L}$.
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Kondensator: $C = Q/U$, $E = \tfrac12CU^2$, Entladung $U(t) = U_0\,\mathrm{e}^{-t/RC}$.