Kondensator, Energie und Auf-/Entladung
Der Blitz eines Smartphones leuchtet nur einen Moment, aber sehr hell. Ein Kondensator in der Schaltung sammelt Energie und gibt sie in Sekundenbruchteilen wieder ab. Wie viel Ladung und Energie passt in so ein Bauteil, und warum dauert das Laden nicht null Sekunden? Das klären wir in diesem Abschnitt – am Ende schließt sich der Kreis.
Kapazität und Plattenkondensator
Ein Kondensator besteht aus zwei leitenden Platten, die durch einen Isolator getrennt sind. Legen Sie eine Spannung $U$ an, fließt Ladung auf die eine Platte ($+Q$) und von der anderen ab ($-Q$). Verdoppeln Sie $U$, verdoppelt sich auch $Q$: Beide Größen sind proportional.
Beim Plattenkondensator hängt $C$ nur von der Geometrie und dem Material zwischen den Platten ab:
Warum so? Größere Fläche heißt: mehr Platz für Ladung. Kleinerer Abstand heißt: stärkeres Feld bei gleicher Spannung ($E = U/d$), also zieht die eine Platte mehr Ladung auf die andere. Ein Dielektrikum schwächt das Feld im Inneren ab, sodass bei gleicher Spannung mehr Ladung Platz hat: $C$ wächst um den Faktor $\varepsilon_r$.
Ein Plattenkondensator hat die Plattenfläche $A = 200\ \text{cm}^2$ und den Plattenabstand $d = 0,50\ \text{mm}$. Zwischen den Platten befindet sich Luft (…
Ein Plattenkondensator hat die Plattenfläche $A = 200\ \text{cm}^2$ und den Plattenabstand $d = 0,50\ \text{mm}$. Zwischen den Platten befindet sich Luft ($\varepsilon_r \approx 1$). Es gilt $\varepsilon_0 = 8,85\cdot 10^{-12}\ \text{As/(Vm)}$.
- a) Berechnen Sie die Kapazität $C = \varepsilon_0\varepsilon_r \dfrac{A}{d}$.
- b) Berechnen Sie die Ladung des Kondensators bei einer Spannung von $U = 100\ \text{V}$.
Ein Kondensator mit $C = 470\ \mu\text{F}$ wird auf $U = 12\ \text{V}$ aufgeladen. a) Berechnen Sie die gespeicherte Ladung. b) Berechnen Sie die gespeicherte Energie…
Ein Kondensator mit $C = 470\ \mu\text{F}$ wird auf $U = 12\ \text{V}$ aufgeladen.
- a) Berechnen Sie die gespeicherte Ladung.
- b) Berechnen Sie die gespeicherte Energie $E = \tfrac12 C U^2$.
Dielektrikum: Q oder U bleibt konstant
Schieben Sie einen Isolator mit $\varepsilon_r > 1$ zwischen die Platten, steigt die Kapazität auf $C' = \varepsilon_r\, C$. Was sich dabei sonst ändert, hängt davon ab, ob die Quelle noch angeschlossen ist.
| Fall | konstant | Folge |
|---|---|---|
| Quelle getrennt | $Q$ | $U' = U/\varepsilon_r$ |
| Quelle angeschlossen | $U$ | $Q' = \varepsilon_r\,Q$ |
Bei getrennter Quelle kann keine Ladung zu- oder abfließen. Aus $U = Q/C$ folgt dann: $C$ größer, $U$ kleiner.
Ein Plattenkondensator ($A = 100\ \text{cm}^2$, $d = 1,0\ \text{mm}$) wird bei $U = 200\ \text{V}$ aufgeladen und anschließend von der Spannungsquelle getrennt. Danach…
Ein Plattenkondensator ($A = 100\ \text{cm}^2$, $d = 1,0\ \text{mm}$) wird bei $U = 200\ \text{V}$ aufgeladen und anschließend von der Spannungsquelle getrennt. Danach wird eine Kunststoffplatte mit $\varepsilon_r = 4,0$ zwischen die Platten geschoben, die den Zwischenraum vollständig ausfüllt.
- a) Berechnen Sie Kapazität und Ladung vor dem Einschieben.
- b) Berechnen Sie Kapazität und Spannung nach dem Einschieben.
- c) Berechnen Sie die gespeicherte Energie vor und nach dem Einschieben und deuten Sie die Änderung.
Energie des Kondensators
Zum Laden muss Arbeit verrichtet werden: Jedes weitere Ladungsstück $\Delta Q$ muss gegen die schon vorhandene Spannung auf die Platte gebracht werden. Im $Q$-$U$-Diagramm ist $Q = C\cdot U$ eine Ursprungsgerade. Die Arbeit für ein Stück ist $\Delta W = U\cdot\Delta Q$, also ein schmaler Streifen unter der Geraden. Alle Streifen zusammen ergeben ein Dreieck:
$$E = \tfrac12\,Q\,U = \tfrac12\,C\,U^2 = \dfrac{Q^2}{2C}$$Die Quelle gibt beim Laden $Q\cdot U$ ab, der Kondensator speichert aber nur die Hälfte. Die andere Hälfte wird im Widerstand der Leitungen (und Lampe usw.) in Wärme umgesetzt – unabhängig von der Größe von $R$.
Ein Kondensator mit $C = 2,0\ \text{F}$ (Superkondensator) soll in einem Modellfahrzeug als Energiespeicher dienen. Er wird auf $U = 5,0\ \text{V}$ geladen. Das Fahrzeug…
Ein Kondensator mit $C = 2,0\ \text{F}$ (Superkondensator) soll in einem Modellfahrzeug als Energiespeicher dienen. Er wird auf $U = 5,0\ \text{V}$ geladen. Das Fahrzeug benötigt im Mittel eine Leistung von $2,0\ \text{W}$ und arbeitet nur, solange die Kondensatorspannung mindestens $2,5\ \text{V}$ beträgt.
- a) Berechnen Sie die nutzbare Energie.
- b) Berechnen Sie die Betriebsdauer bei konstanter Leistung.
- c) Vergleichen Sie diesen Speicher mit einem Akku von $2,0\ \text{Ah}$ bei $3,7\ \text{V}$ und beurteilen Sie Vor- und Nachteile von Kondensatoren als Energiespeicher.
Ein Kondensator wird mit konstanter Stromstärke $I = 50\ \mu\text{A}$ geladen. Die Spannung wächst dabei in $40\ \text{s}$ von $0$ auf $10\ \text{V}$. a) Zeichnen Sie…
Ein Kondensator wird mit konstanter Stromstärke $I = 50\ \mu\text{A}$ geladen. Die Spannung wächst dabei in $40\ \text{s}$ von $0$ auf $10\ \text{V}$.
- a) Zeichnen Sie gedanklich das $Q$-$U$-Diagramm und beschreiben Sie dessen Verlauf.
- b) Bestimmen Sie die Kapazität.
- c) Zeigen Sie, dass die Fläche unter der Kurve im $Q$-$U$-Diagramm der gespeicherten Energie entspricht, und berechnen Sie diese.
- d) Die Quelle hat bei der Ladung die Energie $Q\cdot U$ abgegeben. Erklären Sie die Differenz zur gespeicherten Energie.
Entladen über einen Widerstand
Beim Entladen über $R$ fließt zuerst viel Strom, weil die Spannung hoch ist ($I = U/R$). Mit sinkender Ladung sinkt $U$, damit auch $I$, und das Entladen verlangsamt sich: Die Abnahme ist proportional zum jeweiligen Wert. Das ist genau das Merkmal einer Exponentialfunktion:
Nach $t = \tau$ ist die Spannung auf $\mathrm{e}^{-1}\approx 0{,}37$ gefallen (37 %). Nach $5\tau$ sind nur noch rund 0,7 % übrig – praktisch entladen.
Größeres $R$ oder $C$ bedeutet größeres $\tau$, also langsameres Entladen: Bei großem $C$ ist mehr Ladung zu transportieren, bei großem $R$ fließt weniger Strom.
Die Energie ist $E\sim U^2$, also $E(t) = E_0\,\mathrm{e}^{-2t/\tau}$. Sie sinkt doppelt so schnell. Die gesamte Energie $E_0$ landet am Ende als Wärme im Widerstand.
Ein Kondensator mit $C = 2,2\ \mu\text{F}$ wird über einen Widerstand $R = 100\ \text{k}\Omega$ entladen. a) Berechnen Sie die Zeitkonstante $\tau = R\,C$. b) Geben Sie…
Ein Kondensator mit $C = 2,2\ \mu\text{F}$ wird über einen Widerstand $R = 100\ \text{k}\Omega$ entladen.
- a) Berechnen Sie die Zeitkonstante $\tau = R\,C$.
- b) Geben Sie an, auf welchen Bruchteil die Spannung nach der Zeit $t=\tau$ gesunken ist, wenn $U(t)=U_0\,e^{-t/\tau}$ gilt.
Beim Entladen eines Kondensators über einen Widerstand wird die Stromstärke in Abhängigkeit von der Zeit gemessen: | $t$ in s | 0 | 10 | 20 | 30 | |---|---|---|---|---|…
Beim Entladen eines Kondensators über einen Widerstand wird die Stromstärke in Abhängigkeit von der Zeit gemessen:
| $t$ in s | 0 | 10 | 20 | 30 |
|---|---|---|---|---|
| $I$ in mA | 4,00 | 2,43 | 1,47 | 0,89 |
Die Anfangsspannung betrug $U_0 = 8,0\ \text{V}$.
- a) Bestimmen Sie den Widerstand $R$.
- b) Bestimmen Sie aus den Daten die Zeitkonstante $\tau$ und die Kapazität $C$.
- c) Berechnen Sie die anfänglich gespeicherte Energie.
Ein Kondensator ($C = 100\ \mu\text{F}$) ist auf $U_0 = 6,0\ \text{V}$ geladen und wird über einen Widerstand $R$ entladen. Nach $t = 2,0\ \text{s}$ beträgt die Spannung…
Ein Kondensator ($C = 100\ \mu\text{F}$) ist auf $U_0 = 6,0\ \text{V}$ geladen und wird über einen Widerstand $R$ entladen. Nach $t = 2,0\ \text{s}$ beträgt die Spannung $2,2\ \text{V}$.
- a) Bestimmen Sie die Zeitkonstante und den Widerstand $R$.
- b) Berechnen Sie, nach welcher Zeit die Energie im Kondensator auf die Hälfte gesunken ist.
- c) Zeigen Sie, dass die insgesamt im Widerstand umgesetzte Energie der anfänglich gespeicherten Energie entspricht, und erläutern Sie dies kurz.
Aufladen über einen Widerstand
Beim Aufladen an der Spannung $U_0$ fließt zuerst der größte Strom $I_0 = U_0/R$, denn der leere Kondensator hat keine Gegenspannung. Mit wachsender Kondensatorspannung sinkt die Spannung am Widerstand ($U_R = U_0 - U_C$) und damit der Strom.
Nach $t=\tau$ sind 63 % von $U_0$ erreicht, nach $5\tau$ über 99 %.
Die steigende Kurve ist $U_C$, die fallende ist $I$ (jeweils als Bruchteil des Maximalwerts).
Zurück zum Anfang: Der Blitz des Smartphones lädt seinen Kondensator über einige Sekunden langsam auf (Zeitkonstante $\tau = RC$) und gibt die Energie $\tfrac12 CU^2$ dann in einem Augenblick über eine kleine Lampe mit sehr kleinem Widerstand ab.
Ein Kondensator ($C = 1.000\ \mu\text{F}$) wird über einen Widerstand $R = 10\ \text{k}\Omega$ an einer Gleichspannung $U_0 = 9,0\ \text{V}$ aufgeladen. Es gilt…
Ein Kondensator ($C = 1.000\ \mu\text{F}$) wird über einen Widerstand $R = 10\ \text{k}\Omega$ an einer Gleichspannung $U_0 = 9,0\ \text{V}$ aufgeladen. Es gilt $U_C(t)=U_0\left(1-e^{-t/\tau}\right)$.
- a) Berechnen Sie die Zeitkonstante.
- b) Berechnen Sie die Kondensatorspannung nach $t = 15\ \text{s}$.
- c) Berechnen Sie die Stromstärke zu Beginn und nach $t = 15\ \text{s}$.