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Q2 Leistungskurs · Biologie
Ökologie und Evolution: Ergänzende Übungen für das Abitur · Ökologische Faktoren und Beziehungen

Toleranzkurven und ökologische Potenz

Im Hainich in Thüringen wachsen Rotbuchen fast überall, in einem Erlenbruch am Rhein stehen dagegen Schwarzerlen und auf trockenen Sandböden der Eifel Kiefern. Warum kommt eine Art nur dort vor, wo sie vorkommt? Die Antwort liegt in den Umweltfaktoren und darin, wie viel Abweichung eine Art von ihrem Optimum verträgt.

Abiotische und biotische Faktoren

Ein Lebewesen wird von seiner gesamten Umwelt beeinflusst. Die Fachsprache trennt dabei zwei Gruppen.

Merke: Entscheidend ist die Quelle des Einflusses. Die Lichtintensität im Buchenwald ist abiotisch. Die Konkurrenz zwischen Jungbäumen um dieses Licht ist biotisch, denn sie entsteht durch andere Lebewesen.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Definieren Sie die Begriffe abiotischer Faktor und biotischer Faktor. Ordnen Sie anschließend folgende Faktoren des Lebensraums Buchenwald (Hainich, Thüringen) zu:…

Definieren Sie die Begriffe abiotischer Faktor und biotischer Faktor. Ordnen Sie anschließend folgende Faktoren des Lebensraums Buchenwald (Hainich, Thüringen) zu: Lichtintensität, Konkurrenz um Licht, Bodenfeuchte, Laubstreu zersetzende Pilze, Temperatur, Fraß durch Rehe.

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Die Toleranzkurve

Wie stark ein Faktor auf eine Art wirkt, misst man im Experiment: Man hält alle anderen Faktoren konstant, verändert nur einen (zum Beispiel die Temperatur) und misst eine Lebensaktivität wie Wachstum, Überlebensrate oder Fortpflanzung. Trägt man die Messwerte gegen den Faktor auf, erhält man meist eine glockenförmige Kurve.

Toleranzkurve: Lebensaktivität in Abhängigkeit von einem Umweltfaktor mit Optimum, Pessimum und Toleranzgrenzen Lebensaktivität Intensität des Umweltfaktors Optimum Pessimum Pessimum untere Grenze obere Grenze Toleranzbereich

Der Grund für die Glockenform: Enzyme und Membranen arbeiten nur in einem begrenzten Bereich gut. Zu kalt, und Reaktionen laufen zu langsam. Zu warm, und Proteine denaturieren.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Eine Toleranzkurve zeigt die Abhängigkeit der Lebensaktivität einer Art von einem Umweltfaktor. a) Benennen Sie die Bereiche Optimum, Pessimum und Toleranzbereich sowie…

Eine Toleranzkurve zeigt die Abhängigkeit der Lebensaktivität einer Art von einem Umweltfaktor.

  1. a) Benennen Sie die Bereiche Optimum, Pessimum und Toleranzbereich sowie die Grenzen, an denen Leben nicht mehr möglich ist.
  1. b) Erklären Sie den Unterschied zwischen einer stenöken und einer euryöken Art.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Bei einem Versuch wird das Wachstum von Keimlingen der Waldkiefer bei unterschiedlichen Bodenfeuchten gemessen (relative Wachstumsrate in %): | Bodenfeuchte (%) | 5 | 10…

Bei einem Versuch wird das Wachstum von Keimlingen der Waldkiefer bei unterschiedlichen Bodenfeuchten gemessen (relative Wachstumsrate in %):

Bodenfeuchte (%) 5 10 20 30 40 50 60
Wachstum 0 35 80 100 85 40 0
  1. a) Zeichnen Sie die Toleranzkurve (oder beschreiben Sie ihren Verlauf) und kennzeichnen Sie Optimum, Pessimumbereiche und Toleranzgrenzen.
  1. b) Beurteilen Sie, ob die Waldkiefer in Bezug auf die Bodenfeuchte eher euryök oder stenök ist.
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Stenök und euryök

Arten unterscheiden sich in der Breite ihres Toleranzbereichs.

Vergleich einer stenöken Art mit schmaler Toleranzkurve und einer euryöken Art mit breiter Toleranzkurve stenök (schmal) euryök (breit) Intensität des Umweltfaktors

Stenöke Arten reagieren empfindlich auf Veränderungen und eignen sich deshalb als Bioindikatoren (Zeigerarten für bestimmte Umweltbedingungen). Euryöke Arten sind weit verbreitet.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Die Bachforelle lebt nur bei Wassertemperaturen von etwa 4 °C bis 19 °C, ihr Optimum liegt bei 8 °C bis 12 °C. a) Geben Sie den Toleranzbereich und den Optimalbereich…

Die Bachforelle lebt nur bei Wassertemperaturen von etwa 4 °C bis 19 °C, ihr Optimum liegt bei 8 °C bis 12 °C.

  1. a) Geben Sie den Toleranzbereich und den Optimalbereich an.
  1. b) Beschreiben Sie, ob die Bachforelle in Bezug auf die Temperatur eher stenotherm oder eurytherm ist, und begründen Sie.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Zwei Fischarten in der Elbe haben folgende Toleranzbereiche für den Sauerstoffgehalt: Art A 3–12 mg/l, Art B 7–11 mg/l. Nach einem heißen Sommer sinkt der…

Zwei Fischarten in der Elbe haben folgende Toleranzbereiche für den Sauerstoffgehalt: Art A 3–12 mg/l, Art B 7–11 mg/l. Nach einem heißen Sommer sinkt der Sauerstoffgehalt in einem Abschnitt auf 5 mg/l.

  1. a) Ermitteln Sie, welche Art dort überleben kann.
  1. b) Begründen Sie, welche Art als Bioindikator für sauberes, sauerstoffreiches Wasser besser geeignet ist.
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Physiologische und ökologische Potenz

Im Labor ohne Konkurrenten zeigt eine Art ihre physiologische Potenz. Im Freiland wirken zusätzlich biotische Faktoren wie Konkurrenz, Fraßfeinde und Parasiten. Dort lebt die Art oft nur in einem Teil dieses Bereichs.

Physiologische Potenz einer Art im Vergleich zu ihrer engeren ökologischen Potenz bei Konkurrenz physiologische Potenz ökologische Potenz trocken nass Bodenfeuchte

Beispiel Rotbuche: In Reinkultur wächst sie auf trockenen bis recht nassen Böden. Im Freiland fehlt sie auf Extremstandorten, weil dort die Waldkiefer (trocken) und die Schwarzerle (nass) konkurrenzstärker sind. Die ökologische Potenz ist enger als die physiologische. Die Art weicht in ein Gebiet aus, in dem sie sich gegen Konkurrenten durchsetzen kann.

Üben★★☆Nicht begonnen
Die Rotbuche wächst in Reinkultur (ohne Konkurrenz) in einem weiten Bereich der Bodenfeuchte, im Freiland jedoch nur auf mittelfeuchten Böden. Auf sehr nassen Böden…

Die Rotbuche wächst in Reinkultur (ohne Konkurrenz) in einem weiten Bereich der Bodenfeuchte, im Freiland jedoch nur auf mittelfeuchten Böden. Auf sehr nassen Böden dominiert die Schwarzerle, auf sehr trockenen die Waldkiefer.

  1. a) Erklären Sie den Unterschied zwischen physiologischer und ökologischer Potenz.
  1. b) Erläutern Sie, welche Rolle Konkurrenz für die Verengung der Potenz der Rotbuche spielt.
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Üben★★★Nicht begonnen
Eine Pflanzenart zeigt im Freiland (Schwäbische Alb) nur auf Kalkböden bei pH 7–8 Vorkommen. In Topfversuchen wächst sie bei pH 5–8 gleich gut, bei pH 4 gar nicht. a)…

Eine Pflanzenart zeigt im Freiland (Schwäbische Alb) nur auf Kalkböden bei pH 7–8 Vorkommen. In Topfversuchen wächst sie bei pH 5–8 gleich gut, bei pH 4 gar nicht.

  1. a) Werten Sie die Daten im Hinblick auf physiologische und ökologische Potenz aus.
  1. b) Stellen Sie zwei alternative Hypothesen zur Erklärung der Beschränkung im Freiland auf und nennen Sie jeweils eine Untersuchung zur Überprüfung.
  1. c) Beurteilen Sie die Aussagekraft von Freilandbeobachtungen allein für die Bestimmung der Toleranz.
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Mehrere Lebensaktivitäten und Klimawandel

Überleben und Fortpflanzung haben oft verschiedene Toleranzbereiche. Die Fortpflanzung ist meist empfindlicher und bestimmt, wo eine Art dauerhaft existieren kann.

Für die Auswertung von Gradienten (zum Beispiel Salzgehalt im Wattenmeer) gilt dasselbe: Art 1 mit Vorkommen nur bei 30–35 ‰ ist stenohalin, Art 2 mit 5–35 ‰ euryhalin. Liegt das Maximum von Art 2 bei 20 ‰ und nicht bei 5 ‰, kann Konkurrenz oder ein anderer Faktor dafür verantwortlich sein. Das Experiment dazu prüft die Art allein bei abgestuftem Salzgehalt, mit sonst konstanten Variablen (Temperatur, Licht, Nahrung, Besatzdichte).

Üben★★★Nicht begonnen
Ein Käfer wird bei verschiedenen Temperaturen auf Überlebensrate und Fortpflanzungsrate untersucht: Überleben ist zwischen 5 °C und 36 °C möglich (Optimum 20–28 °C),…

Ein Käfer wird bei verschiedenen Temperaturen auf Überlebensrate und Fortpflanzungsrate untersucht: Überleben ist zwischen 5 °C und 36 °C möglich (Optimum 20–28 °C), Fortpflanzung findet nur zwischen 12 °C und 32 °C statt (Optimum 22–26 °C).

  1. a) Stellen Sie die beiden Toleranzbereiche vergleichend dar.
  1. b) Erklären Sie, warum die Art in einem Gebiet mit Jahresmitteltemperatur 8 °C und Sommermaximum 20 °C trotz möglichem Überleben nicht dauerhaft vorkommen wird.
  1. c) Leiten Sie daraus eine Aussage über die Bedeutung des Begriffs „Toleranz“ bei Verbreitungsprognosen im Klimawandel ab.
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Üben★★★Nicht begonnen
An einem Nordseestrand (Wattenmeer, Niedersachsen) wurden entlang eines Salzgehaltgradienten die Dichten dreier Arten erfasst: Art 1 nur bei 30–35 ‰, Art 2 bei 5–35 ‰…

An einem Nordseestrand (Wattenmeer, Niedersachsen) wurden entlang eines Salzgehaltgradienten die Dichten dreier Arten erfasst: Art 1 nur bei 30–35 ‰, Art 2 bei 5–35 ‰ mit Maximum bei 20 ‰, Art 3 bei 0–10 ‰.

  1. a) Ordnen Sie den Arten die Begriffe stenohalin und euryhalin zu und begründen Sie.
  1. b) Formulieren Sie eine begründete Hypothese, warum Art 2 bei 5 ‰ nicht ihr Optimum erreicht, obwohl physiologisch Toleranz gegeben ist.
  1. c) Planen Sie ein Experiment, mit dem die physiologische Potenz von Art 2 bestimmt werden kann, und nennen Sie zu kontrollierende Variablen.
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Vorne gestellte Frage: Rotbuche, Schwarzerle und Kiefer unterscheiden sich in ihrer Toleranz gegenüber Bodenfeuchte, und Konkurrenz verengt ihr Vorkommen. Darum wachsen sie dort, wo sie sich durchsetzen.

Auf einen Blick

  • Abiotische Faktoren gehen von der unbelebten Umwelt aus, biotische von Lebewesen.

  • Die Toleranzkurve zeigt Optimum, Pessimum und die Toleranzgrenzen, dazwischen liegt der Toleranzbereich.

  • Stenöke Arten haben einen engen, euryöke einen weiten Toleranzbereich. Stenöke Arten sind gute Bioindikatoren.

  • Physiologische Potenz: Toleranz ohne Konkurrenz. Ökologische Potenz: tatsächliches Vorkommen, durch biotische Faktoren meist enger.

  • Überleben und Fortpflanzung haben unterschiedliche Toleranzbereiche, der engere bestimmt das dauerhafte Vorkommen.

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