Synthetische Evolutionstheorie, Artbildung und Stammbäume
Im Zentralabitur bekommen Sie fast nie eine reine Wissensfrage, sondern Material: eine Tabelle, ein Diagramm, einen Stammbaum oder einen kurzen Text über eine Tierart. Die Aufgabe lautet dann „Erklären Sie die Veränderung im Genpool“ oder „Deuten Sie die Daten“. Typische Operatoren: nennen (ohne Erläuterung aufzählen), beschreiben (Sachverhalt in eigenen Worten darstellen), erläutern und erklären (mit Gründen und Zusammenhängen darlegen), deuten (Daten auf eine Aussage beziehen), begründen (Aussage mit Argumenten stützen), beurteilen (eigenes Urteil mit Kriterien fällen). Die Frage, die Sie durch diese Seite begleitet: Wie lässt sich aus Daten Schritt für Schritt schließen, warum sich eine Population verändert, wie aus einer Art zwei werden und wer mit wem verwandt ist?
Genpool und Evolutionsfaktoren
Der Genpool ist die Gesamtheit aller Allele aller Individuen einer Population. Evolution bedeutet in der Synthetischen Evolutionstheorie: Die Allelfrequenzen im Genpool verändern sich von Generation zu Generation.
Wie sich der Genpool ändert, erklären die Evolutionsfaktoren:
| Evolutionsfaktor | Wirkung auf den Genpool |
|---|---|
| Mutation | erzeugt neue Allele (zufällig, ungerichtet) |
| Rekombination | mischt vorhandene Allele neu (Meiose, Befruchtung) |
| Selektion | verändert Allelfrequenzen gerichtet, weil Merkmalsträger unterschiedlich viele Nachkommen haben |
| Gendrift | verändert Allelfrequenzen zufällig, vor allem in kleinen Populationen |
| Isolation | unterbindet den Genfluss zwischen Teilpopulationen |
Mutation und Rekombination liefern die erbliche Variation. Auf diese Variation wirkt dann die Selektion. Rekombination entsteht in der Meiose durch Crossing-over und die zufällige Verteilung der homologen Chromosomen sowie bei der Befruchtung durch die zufällige Kombination der Keimzellen; so entstehen neue Allelkombinationen, ohne dass neue Allele nötig sind. Ein Selektionsfaktor ist ein Umweltfaktor, der die Überlebens- oder Fortpflanzungschancen von Merkmalsträgern unterschiedlich beeinflusst, zum Beispiel Fressfeinde, Klima oder Nahrung.
Reproduktive Fitness bezeichnet den Beitrag eines Individuums zum Genpool der nächsten Generation, also die Zahl seiner fortpflanzungsfähigen Nachkommen. Es geht nicht um Stärke oder Gesundheit, sondern allein um den Fortpflanzungserfolg.
Birkenspanner In einem Industriegebiet Englands wurde der Anteil dunkler Birkenspanner untersucht: 1848 betrug er 1 %, 1895 betrug er 98 %. Die Baumstämme wurden durch…
Birkenspanner
In einem Industriegebiet Englands wurde der Anteil dunkler Birkenspanner untersucht: 1848 betrug er 1 %, 1895 betrug er 98 %. Die Baumstämme wurden durch Industrieruß dunkel. Dunkle Falter sind auf dunklen Stämmen für insektenfressende Vögel schlechter sichtbar. Die Färbung ist erblich.
- a) Beschreiben Sie die Veränderung im Genpool der Population.
- b) Nennen Sie den wirkenden Selektionsfaktor und erklären Sie den Begriff reproduktive Fitness am Beispiel.
- c) Nennen Sie weitere Evolutionsfaktoren der Synthetischen Evolutionstheorie und geben Sie an, welche davon die erbliche Variation liefern.
Gendrift und Flaschenhals
Nicht jede Veränderung des Genpools ist eine Anpassung. In kleinen Populationen entscheidet oft der Zufall, welche Allele weitergegeben werden. Das nennt man Gendrift. Ein Flaschenhalseffekt entsteht, wenn eine Katastrophe (Lawine, Seuche, Jagd) eine Population stark verkleinert und die Überlebenden nicht nach ihrem Genotyp ausgewählt wurden.
Die Allelfrequenz berechnen Sie durch Auszählen. Jedes Individuum hat zwei Allele je Genort:
$$p(\mathrm{A}) = \frac{2 \cdot n_{\mathrm{AA}} + n_{\mathrm{Aa}}}{2 \cdot N} \qquad p(\mathrm{a}) = 1 - p(\mathrm{A})$$Gendrift und Selektion unterscheiden Sie so:
| Selektion | Gendrift | |
|---|---|---|
| Ursache | Merkmal beeinflusst Fitness | Zufall |
| Richtung | gerichtet (Anpassung) | ungerichtet |
| Population | jede Größe | vor allem klein |
Folgen eines Flaschenhalses: Allele können zufällig verloren gehen, die genetische Variation sinkt, und die Population ist weniger anpassungsfähig, wenn sich die Umwelt ändert. Bei Paarungen unter Verwandten steigt außerdem die Zahl reinerbiger Träger schädlicher Allele.
Flaschenhals bei Gämsen Eine Gamspopulation von 200 Tieren hat einen Genort mit zwei Allelen A und a: 98 Tiere AA, 84 Tiere Aa, 18 Tiere aa. Durch eine Lawine überleben…
Flaschenhals bei Gämsen
Eine Gamspopulation von 200 Tieren hat einen Genort mit zwei Allelen A und a: 98 Tiere AA, 84 Tiere Aa, 18 Tiere aa. Durch eine Lawine überleben nur 10 Tiere, davon 2 AA, 6 Aa und 2 aa.
- a) Berechnen Sie die Allelfrequenzen von A und a vor und nach der Lawine.
- b) Erklären Sie die Veränderung im Genpool mit dem Evolutionsfaktor Gendrift und grenzen Sie ihn von der Selektion ab.
- c) Beurteilen Sie die Folgen für die genetische Variation und die Überlebenschancen der Population.
Fitness, Kosten und Nutzen
Auch Verhalten hat einen adaptiven Wert. Bei einer Kosten-Nutzen-Analyse vergleicht man, was ein Verhalten an Fortpflanzungserfolg bringt (Nutzen) und was es an Überlebenschance kostet (Kosten). Ein vereinfachtes Maß dafür ist das Produkt aus Überlebenswahrscheinlichkeit und Zahl der Weibchen (als Maß für die Nachkommen). Es ist ein Modell: Die tatsächliche Fitness hängt vom Fortpflanzungserfolg über mehrere Jahre ab.
Kosten und Nutzen von Gesang Bei einer Singvogelart singen Männchen unterschiedlich häufig. Ein Forschungsteam erfasste für drei Gruppen von Männchen die mittlere Zahl…
Kosten und Nutzen von Gesang
Bei einer Singvogelart singen Männchen unterschiedlich häufig. Ein Forschungsteam erfasste für drei Gruppen von Männchen die mittlere Zahl der Weibchen, die sich im Revier ansiedeln, sowie die jährliche Überlebenswahrscheinlichkeit (Greifvögel jagen akustisch auffällige Vögel).
| Gesangsaktivität | niedrig | mittel | hoch |
|---|---|---|---|
| Weibchen im Revier | 0,6 | 1,4 | 1,8 |
| jährliche Überlebenswahrscheinlichkeit | 0,80 | 0,72 | 0,55 |
- a) Berechnen Sie für jede Gruppe das Produkt aus Überlebenswahrscheinlichkeit und Weibchenzahl (gerundet auf zwei Nachkommastellen) als Maß der reproduktiven Fitness.
- b) Führen Sie eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Gesangsaktivität durch.
- c) Erläutern Sie, wie sich die Gesangsaktivität in der Population langfristig entwickeln wird, wenn sie erblich ist, und erklären Sie den adaptiven Wert des Verhaltens, ohne finale Begründungen zu verwenden.
Koevolution
Koevolution ist die wechselseitige evolutive Anpassung von Arten, die eng miteinander in Beziehung stehen (Blüte und Bestäuber, Räuber und Beute, Wirt und Parasit). Jede Art ist für die andere ein Selektionsfaktor.
Beispiel Blüte und Falter: Falter mit längerem Rüssel erreichen mehr Nektar und haben mehr Nachkommen. Blüten, die den Falter beim Besuch gut bestäuben, setzen mehr Samen an. In beiden Arten ist das Merkmal erblich variabel, und beide Seiten werden immer weiter aufeinander abgestimmt.
Wenn Sie Messdaten zweier Gebiete vergleichen, fragen Sie: Wie groß ist der Unterschied zwischen den Merkmalen der Partner, und ist er in beiden Gebieten ähnlich?
Koevolution von Orchidee und Schwärmer Eine Orchidee hat Blüten mit einem langen Sporn, an dessen Grund der Nektar liegt. Nur Nachtfalter (Schwärmer) mit langem Rüssel…
Koevolution von Orchidee und Schwärmer
Eine Orchidee hat Blüten mit einem langen Sporn, an dessen Grund der Nektar liegt. Nur Nachtfalter (Schwärmer) mit langem Rüssel erreichen den Nektar und bestäuben dabei die Blüte. Beobachtungen in zwei Gebieten:
| Gebiet | mittlere Spornlänge | mittlere Rüssellänge |
|---|---|---|
| A | 20 cm | 19 cm |
| B | 28 cm | 27 cm |
Innerhalb jeder Population variieren beide Merkmale erblich.
- a) Beschreiben Sie die Daten und berechnen Sie den Unterschied zwischen Sporn- und Rüssellänge in beiden Gebieten.
- b) Erklären Sie die Befunde als Koevolution mit den Evolutionsfaktoren Mutation, Rekombination und Selektion.
- c) Stellen Sie begründet eine Hypothese auf, wie sich der Verlust der Schwärmerart auf die Orchideenpopulation auswirken würde.
Artwandel und Artbildung
Artwandel heißt: Eine Population verändert sich über Generationen durch Selektion (Anagenese). Artbildung heißt: Aus einer Art werden zwei oder mehr.
Die Art nach dem populationsgenetischen Artbegriff ist eine Fortpflanzungsgemeinschaft: Individuen, die sich untereinander paaren und fruchtbare Nachkommen haben, und die von anderen Gruppen reproduktiv isoliert sind (gemeinsamer Genpool).
Artbildung durch geografische Isolation (allopatrische Artbildung):
-
Eine Barriere (Fluss, Gebirge, Staudamm) teilt eine Population. Der Genfluss endet.
-
Mutationen, Selektion und Gendrift verändern die Teilpopulationen unabhängig voneinander.
-
Die Genpools driften auseinander, und es entstehen Isolationsmechanismen.
-
Hat sich reproduktive Isolation entwickelt, kreuzen sich die Gruppen auch nach dem Verschwinden der Barriere nicht mehr: zwei Arten.
Mechanismen reproduktiver Isolation:
-
präzygotisch (vor der Befruchtung): unterschiedliche Paarungszeiten oder Balzrituale, unterschiedliche Fortpflanzungsorte, nicht passende Geschlechtsorgane;
-
postzygotisch (nach der Befruchtung): Hybride nicht lebensfähig oder unfruchtbar (zum Beispiel das Maultier).
Isolation und Artbildung Ein Bergsturz, der einen Fluss aufstaute, trennte vor etwa 20.000 Jahren eine Fischpopulation in zwei Teilpopulationen. Heute unterscheiden sich…
Isolation und Artbildung
Ein Bergsturz, der einen Fluss aufstaute, trennte vor etwa 20.000 Jahren eine Fischpopulation in zwei Teilpopulationen. Heute unterscheiden sich beide in Färbung und Laichzeit; im Labor paaren sie sich nicht mehr miteinander.
- a) Geben Sie die Definition der Art nach dem populationsgenetischen Artbegriff an.
- b) Beschreiben Sie die Artbildung durch geografische Isolation.
- c) Nennen Sie zwei Mechanismen der reproduktiven Isolation, die nach der Trennung entstehen können.
Artwandel bei Darwinfinken (vereinfachte Daten) Auf einer Galápagos-Insel wurde die Population des Mittleren Grundfinken (Geospiza fortis*) vor und nach einer schweren…
Artwandel bei Darwinfinken (vereinfachte Daten)
Auf einer Galápagos-Insel wurde die Population des Mittleren Grundfinken (Geospiza fortis) vor und nach einer schweren Dürre untersucht. Die Samen, die in der Dürre verblieben, waren überwiegend hart und groß. Ein größerer Schnabel erleichtert das Öffnen dieser Samen.
| vor der Dürre | nach der Dürre | |
|---|---|---|
| Zahl der Vögel | 750 | 90 |
| mittlere Schnabeltiefe in mm | 9,2 | 9,7 |
Die im folgenden Jahr geschlüpften Nachkommen der Überlebenden hatten im Mittel eine Schnabeltiefe von 9,5 mm.
- a) Berechnen Sie die Überlebensrate, die Selektionsdifferenz (Differenz der Mittelwerte vor und nach der Dürre bei den Elterntieren) und den Selektionserfolg (Differenz zwischen Nachkommen und der Ausgangspopulation) sowie die Heritabilität als Quotient aus Selektionserfolg und Selektionsdifferenz.
- b) Erklären Sie den Artwandel in der Population mit Variation, Selektion und reproduktiver Fitness.
- c) Erläutern Sie, unter welchen zusätzlichen Bedingungen aus dieser Entwicklung eine neue Art entstehen könnte, und beurteilen Sie, ob die Daten allein eine Artbildung belegen.
Homologie und Konvergenz
Ähnliche Merkmale können aus gemeinsamer Abstammung oder aus ähnlicher Selektion entstehen. Man unterscheidet:
-
Homologie: Ähnlichkeit durch gemeinsame Abstammung, auch bei unterschiedlicher Funktion.
-
Analogie: ähnliche Funktion und Form ohne gemeinsamen Ursprung des Merkmals.
Kriterien der Homologie:
| Kriterium | Bedeutung |
|---|---|
| Lage | gleiche Lage im Gefüge der Organe |
| spezielle Qualität | gleicher Feinbau |
| Stetigkeit | durch Zwischenformen (Fossilien, Embryonalentwicklung) verbunden |
Wirken ähnliche Selektionsdrücke auf nicht näher verwandte Arten, entstehen ähnliche Merkmale: Konvergenz. Beispiele sind die Stromlinienform von Hai und Delfin oder die Flügel von Insekten und Vögeln. Konvergenz zeigt, dass die Umwelt Merkmale prägt, sagt aber nichts über nahe Verwandtschaft aus.
Homologie und Konvergenz Die Vordergliedmaßen von Mensch, Fledermaus und Wal haben dieselbe Grundstruktur aus Oberarmknochen, Elle, Speiche, Handwurzel-, Mittelhand- und…
Homologie und Konvergenz
Die Vordergliedmaßen von Mensch, Fledermaus und Wal haben dieselbe Grundstruktur aus Oberarmknochen, Elle, Speiche, Handwurzel-, Mittelhand- und Fingerknochen, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen. Haie (Knorpelfische) und Delfine (Säugetiere) haben eine ähnliche stromlinienförmige Körperform, aber unterschiedliche innere Baupläne.
- a) Nennen Sie die Kriterien der Homologie und ordnen Sie den Gliedmaßen ein Kriterium begründet zu.
- b) Erläutern Sie, warum die Körperform von Hai und Delfin eine Analogie ist.
- c) Erklären Sie den Begriff Konvergenz.
Stammbäume und molekulare Verwandtschaft
In einem Stammbaum (Kladogramm) stehen sich Arten nahe, die einen jüngeren gemeinsamen Vorfahren haben. Gruppiert wird nach abgeleiteten Merkmalen, die erst in der gemeinsamen Linie entstanden sind. Ursprüngliche Merkmale sind dagegen älter und erlauben keine Gruppierung.
Auch Moleküle zeigen Verwandtschaft: Je mehr Aminosäuren oder Basen sich zwischen zwei Arten unterscheiden, desto länger liegt die Trennung zurück.
Molekularer Stammbaum und Zeitabschätzung Für das Protein Cytochrom c (104 Aminosäuren) wurde die Zahl der Aminosäureunterschiede zwischen fünf Arten bestimmt. | |…
Molekularer Stammbaum und Zeitabschätzung
Für das Protein Cytochrom c (104 Aminosäuren) wurde die Zahl der Aminosäureunterschiede zwischen fünf Arten bestimmt.
| Mensch | Rhesusaffe | Hund | Huhn | Karpfen | |
|---|---|---|---|---|---|
| Mensch | 0 | 1 | 11 | 13 | 18 |
| Rhesusaffe | 1 | 0 | 10 | 12 | 17 |
| Hund | 11 | 10 | 0 | 12 | 17 |
| Huhn | 13 | 12 | 12 | 0 | 16 |
| Karpfen | 18 | 17 | 17 | 16 | 0 |
Die Entwicklungslinien von Mensch und Hund trennten sich nach fossilen Befunden vor etwa 90 Millionen Jahren.
- a) Beschreiben Sie anhand der Tabelle, wie sich ein phylogenetischer Stammbaum der fünf Arten ableiten lässt, und geben Sie die Abfolge der Verzweigungen an.
- b) Berechnen Sie die mittlere Austauschrate pro Entwicklungslinie (Unterschiede pro Million Jahre, Zahl der Unterschiede geteilt durch die doppelte Zeit) und schätzen Sie damit die Trennungszeit von Mensch und Karpfen.
- c) Beurteilen Sie die Aussagekraft dieser Schätzung (Voraussetzungen, Grenzen des Modells der „molekularen Uhr“) und erläutern Sie den Unterschied zwischen Homologie und Konvergenz auf molekularer Ebene.
Naturwissenschaft und andere Positionen
Die Synthetische Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie. Sie erklärt mit natürlichen Ursachen, ist anhand von Daten überprüfbar und könnte durch Befunde widerlegt werden. Aussagen wie „Eine planende Instanz muss es geschaffen haben“ sind nicht überprüfbar. Sie sind Glaubensaussagen und keine Alternative innerhalb der Naturwissenschaft.
Ein Argument wie „Das Auge ist zu komplex, um schrittweise entstanden zu sein“ lässt sich mit Daten prüfen. Heutige Weichtiere zeigen eine Reihe funktionsfähiger Zwischenstufen:
| Stufe | Bau | Leistung |
|---|---|---|
| Grube mit Lichtsinneszellen | flach | hell/dunkel, Richtung |
| Lochkamera-Auge | enge Öffnung, keine Linse | Bild, unscharf |
| Auge mit Linse | Linse | schärferes Bild |
| Linsenauge mit Iris | Linse, Iris | Bild, Helligkeitsregulation |
Jede Stufe ist funktionsfähig und bringt Vorteile. Schon eine kleine Verbesserung der Lichtwahrnehmung kann die reproduktive Fitness erhöhen. Mutation und Rekombination liefern Variation, Selektion bevorzugt die besseren Varianten. Die heutigen Arten sind keine Vorfahren voneinander, zeigen aber, dass solche Zwischenstufen funktionieren.
Evolution des Auges und nicht-naturwissenschaftliche Positionen Eine Position besagt: „Das Auge ist so komplex, dass es nicht schrittweise entstanden sein kann; eine…
Evolution des Auges und nicht-naturwissenschaftliche Positionen
Eine Position besagt: „Das Auge ist so komplex, dass es nicht schrittweise entstanden sein kann; eine planende Instanz muss es geschaffen haben.“ Bei heutigen Weichtieren finden sich unterschiedlich gebaute Augen: Napfschnecken haben flache Gruben mit Lichtsinneszellen; der Perlboot (Nautilus) hat eine Grube mit enger Öffnung ohne Linse (Lochkamera-Auge); Schnecken haben teilweise eine Linse; Tintenfische haben ein Linsenauge mit Iris.
- a) Erläutern Sie, wie die Befunde mit der Synthetischen Evolutionstheorie erklärbar sind (Mutation, Selektion, Variation).
- b) Erläutern Sie Kriterien naturwissenschaftlicher Erkenntnis (Überprüfbarkeit, Falsifizierbarkeit, natürliche Erklärungen).
- c) Begründen Sie die Abgrenzung der Synthetischen Evolutionstheorie von der genannten Position und nehmen Sie Stellung zur Aussage „Evolution ist nur eine Theorie, also genauso gut wie jede andere Erklärung.“
Auf einen Blick
-
Genpool, Evolutionsfaktoren: Mutation, Rekombination, Selektion, Gendrift und Isolation verändern die Allelfrequenzen. Allelfrequenz $p(\mathrm{A}) = \dfrac{2n_{\mathrm{AA}} + n_{\mathrm{Aa}}}{2N}$.
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Selektion wirkt über die reproduktive Fitness. Gendrift ist zufällig und wirkt stark in kleinen Populationen (Flaschenhals).
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Kosten-Nutzen: Das Produkt aus Überleben und Nachkommenzahl zeigt das Optimum eines Verhaltens. Koevolution: Partner sind wechselseitig Selektionsfaktoren.
-
Artbildung: Isolation, unabhängige Veränderung der Genpools, reproduktive Isolation. Art = Fortpflanzungsgemeinschaft.
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Homologie (gemeinsamer Ursprung) und Analogie/Konvergenz (ähnliche Selektion). Stammbäume nutzen abgeleitete Merkmale und Sequenzvergleiche.
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Naturwissenschaftliche Erklärungen sind überprüfbar und verwenden keine Teleologie.