Zurück zur StartseiteBiologie · Q2 Leistungskurs · Fach wechseln
Kostenlos starten
Q2 Leistungskurs · Biologie
Vorbereitung auf das Abitur Biologie · Zentralabitur Biologie Grundkurs: Ökologie sowie Genetik und Evolution

Genexpression, Regulation und Mutationen

Zwei Mäuse sind genetisch identisch, aber die eine hat gelbes, die andere braunes Fell. Wie ist das möglich? Und warum führt der Austausch einer einzigen Base manchmal zu einer schweren Krankheit, manchmal aber zu gar nichts? Die Antworten liegen im Weg von der DNA zum Merkmal und in dessen Regulation. Diese Seite fasst zusammen, was du dazu für die Klausur und das Zentralabitur (Grundkurs) brauchst.

Bau der DNA und Replikation

Ein Nukleotid besteht aus drei Teilen: dem Zucker Desoxyribose, einem Phosphatrest und einer (Stickstoff-)Base (A, T, G oder C). Im Einzelstrang verknüpft eine Phosphodiesterbindung das Phosphat des einen mit der Desoxyribose des nächsten Nukleotids. So entsteht das Zucker-Phosphat-Rückgrat mit einem 5′-Ende und einem 3′-Ende.

Zwei Einzelstränge liegen antiparallel nebeneinander und bilden die Doppelhelix. Die Basen paaren sich komplementär: A–T über 2, G–C über 3 Wasserstoffbrücken.

Antiparallele DNA-Doppelhelix mit komplementärer Basenpaarung, Strangenden 5′ und 3′ A=T G≡C T=A C≡G 5′3′ 3′5′

Semikonservative Replikation

Bei der Replikation öffnet die Helikase den Doppelstrang an der Replikationsgabel. Jeder alte Strang dient als Matrize. Die DNA-Polymerase hängt komplementäre Nukleotide an ein 3′-Ende an; sie braucht dazu einen Primer (von der Primase gebildet). Am Leitstrang verläuft die Synthese kontinuierlich, am Folgestrang in Okazaki-Fragmenten, die die Ligase verknüpft. Jede Tochter-DNA besteht aus einem alten und einem neuen Strang: semikonservativ. Die Nukleotide liegen dabei als energiereiche Nucleotidtriphosphate vor; die Replikation hat also einen Energiebedarf.

Das Meselson-Stahl-Experiment

Bakterien wuchsen zunächst mit schwerem $^{15}\mathrm{N}$, dann mit leichtem $^{14}\mathrm{N}$. Die DNA wurde im Dichtegradienten getrennt.

Generation Banden Deutung
0 schwer nur $^{15}\mathrm{N}$-DNA
1 mittel jeder Doppelstrang: 1 alter + 1 neuer Strang
2 mittel + leicht (1 : 1) 2 Hybride, 2 rein leichte DNA

Die konservative Hypothese (alte Doppelhelix bleibt erhalten) scheidet aus, weil in Generation 1 keine schwere Bande mehr auftritt. Die dispersive Hypothese (Mischstücke) scheidet aus, weil in Generation 2 eine rein leichte Bande erscheint.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Bau der DNA und Replikation Die Analyse der DNA einer Zelle ergab einen Anteil von 28 % Adenin-Nukleotiden. Die DNA bildet eine antiparallele Doppelhelix mit…

Bau der DNA und Replikation

Die Analyse der DNA einer Zelle ergab einen Anteil von 28 % Adenin-Nukleotiden. Die DNA bildet eine antiparallele Doppelhelix mit komplementärer Basenpaarung.

  1. a) Bestimmen Sie die Anteile der übrigen Basen und begründen Sie Ihre Angabe mit den Chargaff-Regeln.
  1. b) Beschreiben Sie den Bau eines Nukleotids und die Verknüpfung der Nukleotide in einem Einzelstrang.
  1. c) Beschreiben Sie das Grundprinzip der semikonservativen Replikation.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Dichtegradientenversuch zur Replikation Bakterien wurden lange in Medium mit schwerem Stickstoff $^{15}\mathrm{N}$ gezüchtet und dann in Medium mit leichtem…

Dichtegradientenversuch zur Replikation

Bakterien wurden lange in Medium mit schwerem Stickstoff $^{15}\mathrm{N}$ gezüchtet und dann in Medium mit leichtem $^{14}\mathrm{N}$ überführt. Aus den Zellen wurde nach jeder Teilung die DNA isoliert und in einer Dichtegradientenzentrifugation aufgetrennt.

Generation nach Überführung Banden im Gradienten
0 eine Bande (schwer)
1 eine Bande (mittlere Dichte)
2 zwei Banden: mittel und leicht, gleich stark
3 zwei Banden: mittel und leicht
  1. a) Leiten Sie aus den Befunden das Grundprinzip der semikonservativen Replikation ab und begründen Sie, warum konservative und dispersive Replikation ausgeschlossen werden können.
  1. b) Berechnen Sie für Generation 3 die Anteile der DNA-Moleküle in den beiden Banden, wenn aus einem Ausgangsmolekül in Generation 3 acht Moleküle entstehen.
  1. c) Erläutern Sie den Energiebedarf der Replikation und die Bedeutung von DNA-Polymerase, Primer und Ligase für den Folgestrang.
Lösen

Transkription und Translation

Die genetische Information fließt von der DNA über die mRNA zum Protein. Bei der Transkription synthetisiert die RNA-Polymerase eine mRNA komplementär zum codogenen Strang (Matrizenstrang), wobei Uracil statt Thymin eingebaut wird. Die mRNA wird 5′→3′ gebildet, die Matrize also 3′→5′ gelesen.

Bei der Translation liest das Ribosom die mRNA in Dreierschritten (Codons). Jede tRNA trägt an einem Ende eine Aminosäure und am anderen ein passendes Anticodon, das mit dem Codon paart. So werden die Aminosäuren in der durch die mRNA festgelegten Reihenfolge zum Peptid verknüpft. Start bei AUG (Met), Ende bei einem Stoppcodon.

Der Code ist eindeutig (ein Codon, eine Aminosäure), degeneriert (mehrere Codons für eine Aminosäure) und universell.

Prokaryoten und Eukaryoten

Prokaryoten (z. B. E. coli) Eukaryoten
Ort Transkription und Translation im Cytoplasma, gekoppelt Transkription im Zellkern, Translation im Cytoplasma
mRNA direkt nutzbar prä-mRNA wird prozessiert
Prozessierung – 5′-Cap, Poly-A-Schwanz, Spleißen (Introns entfernt, Exons verbunden)

Die Trennung bei Eukaryoten (Kompartimentierung) ermöglicht die Prozessierung vor der Translation.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Von der DNA zum Peptid Der codogene (Matrizen-)Strang eines Gens enthält die Sequenz 3′-TAC GGT CAA ATT-5′. Ausschnitt aus der Code-Sonne (mRNA-Codons): | Codon | AUG |…

Von der DNA zum Peptid

Der codogene (Matrizen-)Strang eines Gens enthält die Sequenz 3′-TAC GGT CAA ATT-5′. Ausschnitt aus der Code-Sonne (mRNA-Codons):

Codon AUG CCA GUU UAA
Bedeutung Met (Start) Pro Val Stopp
  1. a) Bestimmen Sie die Sequenz der mRNA und geben Sie die Richtung 5′→3′ an.
  1. b) Bestimmen Sie die Aminosäuresequenz des entstehenden Peptids.
  1. c) Erläutern Sie die Rolle der tRNA bei der Translation.
Lösen
Üben★★☆Nicht begonnen
Genexpression bei Bakterien und beim Menschen Ein menschliches Gen umfasst 8.000 bp. Die reife mRNA besteht aus 1.200 Nukleotiden, davon 1.050 im codierenden Bereich…

Genexpression bei Bakterien und beim Menschen

Ein menschliches Gen umfasst 8.000 bp. Die reife mRNA besteht aus 1.200 Nukleotiden, davon 1.050 im codierenden Bereich einschließlich Stoppcodon. Die prä-mRNA wurde im Zellkern gebildet und dort durch Spleißen, Anfügen einer 5′-Cap-Struktur und eines Poly-A-Schwanzes verändert. Bei Escherichia coli beginnt die Translation bereits an der noch entstehenden mRNA.

  1. a) Berechnen Sie den Anteil der Introns an der Gen-Länge (Annahme: Die prä-mRNA entspricht der Gen-Länge, die reife mRNA enthält nur Exons) und die Zahl der Aminosäuren des Proteins.
  1. b) Vergleichen Sie die Realisierung der genetischen Information bei Prokaryoten und Eukaryoten.
  1. c) Erläutern Sie die Bedeutung der Kompartimentierung für die eukaryotische Proteinbiosynthese.
Lösen

Regulation der Genaktivität bei Eukaryoten

Alle Körperzellen eines Menschen haben dieselbe DNA, aber eine Leberzelle exprimiert andere Gene als eine Muskelzelle. Die Genaktivität wird reguliert, das sichert auch eine angepasste Produktmenge (Homöostase).

Transkriptionsfaktoren sind Proteine, die an DNA-Abschnitte binden. Ein Aktivator bindet am Enhancer und fördert über Kontakt mit dem Promotor das Anlagern der RNA-Polymerase; ein Repressor hemmt die Transkription.

DNA-Methylierung ist das Anfügen von Methylgruppen an Cytosin-Basen, oft im Promotorbereich. Methylierte Gene sind meist ruhiggestellt, weil Transkriptionsfaktoren schlecht binden. Die Basenfolge bleibt unverändert; es ändert sich nur das Epigenom. Methylierungsmuster können bei der Zellteilung weitergegeben werden.

Üben★★☆Nicht begonnen
Transkriptionsfaktoren im Reportergenversuch In Leberzellkulturen wurde ein Reportergen (Luciferase, Maß für Genaktivität) hinter einen Promotor gesetzt. Es wurden vier…

Transkriptionsfaktoren im Reportergenversuch

In Leberzellkulturen wurde ein Reportergen (Luciferase, Maß für Genaktivität) hinter einen Promotor gesetzt. Es wurden vier Konstrukte untersucht; ein Aktivator-Transkriptionsfaktor (TF) wurde in den Zellen jeweils vorhanden bzw. ausgeschaltet.

Konstrukt Enhancer TF in der Zelle Luciferase-Aktivität (relative Einheiten)
A ja ja 100
B ja nein 6
C nein ja 9
D nein nein 5
  1. a) Werten Sie die Messwerte aus.
  1. b) Erklären Sie die Regulation der Genaktivität durch Transkriptionsfaktoren, Promotor und Enhancer anhand der Daten.
  1. c) Stellen Sie eine Hypothese auf, wie ein Repressor wirken könnte, und planen Sie ein Experiment zur Überprüfung.
Lösen
Üben★★☆Nicht begonnen
DNA-Methylierung bei Mäusen Mäuse mit dem Allel Agouti* haben ein gelbes Fell, wenn das Gen nicht methyliert ist. Ist die Promotorregion methyliert, ist das Gen…

DNA-Methylierung bei Mäusen

Mäuse mit dem Allel Agouti haben ein gelbes Fell, wenn das Gen nicht methyliert ist. Ist die Promotorregion methyliert, ist das Gen ruhiggestellt und das Fell braun. Trächtige Weibchen erhielten entweder Standardfutter oder Futter mit zusätzlichen Methylgruppen-Spendern (je 60 Nachkommen, genetisch identische Linie).

gelbes Fell braunes Fell
Standardfutter 45 15
Futter mit Methylgruppen-Spendern 21 39
  1. a) Berechnen Sie die Anteile gelber Nachkommen in Prozent für beide Gruppen.
  1. b) Erklären Sie die Befunde mit der DNA-Methylierung.
  1. c) Grenzen Sie eine epigenetische Veränderung von einer Genmutation ab.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Umprogrammierung von Fibroblasten Bindegewebszellen (Fibroblasten) der Maus wurden in Kulturen untersucht: Kontrolle ohne Behandlung; Einbringen des…

Umprogrammierung von Fibroblasten

Bindegewebszellen (Fibroblasten) der Maus wurden in Kulturen untersucht: Kontrolle ohne Behandlung; Einbringen des Transkriptionsfaktor-Gens MyoD; MyoD zusammen mit 5-Azacytidin (hemmt die Methylierung neu gebildeter DNA). Ausgezählt wurde der Anteil Muskelzell-ähnlicher Zellen (je 1.000 Zellen, ein Versuch).

Ansatz Muskelzell-ähnliche Zellen
Kontrolle 0
MyoD 40
MyoD + 5-Azacytidin 380
  1. a) Berechnen Sie die Anteile in Prozent und beschreiben Sie das Ergebnis.
  1. b) Erklären Sie die Befunde mit der Regulation der Genaktivität durch Transkriptionsfaktoren und DNA-Methylierung und gehen Sie auf die Zelldifferenzierung bei identischem Genom ein.
  1. c) Beurteilen Sie die Aussagekraft des Versuchs (Fehlerquellen, fehlende Kontrollen) und stellen Sie eine Hypothese zur Erklärung der geringen Wirkung von MyoD allein auf.
Lösen

Genmutationen

Eine Genmutation ist eine Veränderung der Basenfolge eines Gens. Die Auswirkung wird über die Kette DNA → mRNA → Protein → Phänotyp bestimmt.

Mutation Folge für das Peptid
Substitution, stumm gleiche Aminosäure (Code degeneriert)
Substitution, Missense andere Aminosäure
Substitution, Nonsense Stoppcodon, Peptid verkürzt
Insertion/Deletion von 1 oder 2 Basen Rasterschiebung: alle folgenden Codons verändert
Insertion/Deletion von 3 Basen eine Aminosäure mehr/weniger, Raster bleibt

Mutationen sind außerdem Ursprung neuer Allele und damit ein Evolutionsfaktor (Rohmaterial der Selektion).

Üben★☆☆Nicht begonnen
Sichelzellanämie Beim Gen für die β-Kette des Hämoglobins ist bei Menschen mit Sichelzellanämie im codogenen Strang an einer Stelle statt CTC die Basenfolge CAC…

Sichelzellanämie

Beim Gen für die β-Kette des Hämoglobins ist bei Menschen mit Sichelzellanämie im codogenen Strang an einer Stelle statt CTC die Basenfolge CAC vorhanden. Auf der mRNA steht dadurch statt GAG (Glutaminsäure) das Codon GUG (Valin). Die veränderten Hämoglobinmoleküle verklumpen bei Sauerstoffmangel.

  1. a) Bestimmen Sie die Art der Genmutation.
  1. b) Beschreiben Sie die Auswirkungen auf Genprodukt und Phänotyp.
  1. c) Erklären Sie, warum nicht jede Substitution einen veränderten Phänotyp zur Folge hat.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Mutationen im Modellgen Ausschnitt der mRNA eines Modellgens (5′→3′): AUG GAU UUC AUC GGC UAA. Auszug aus der Code-Sonne: AUG Met (Start); GAU Asp; GUU Val; UUC Phe; UUU…

Mutationen im Modellgen

Ausschnitt der mRNA eines Modellgens (5′→3′): AUG GAU UUC AUC GGC UAA. Auszug aus der Code-Sonne: AUG Met (Start); GAU Asp; GUU Val; UUC Phe; UUU Phe; AUC Ile; CAU His; CGG Arg; CUA Leu; GGC Gly; UAA Stopp.

Drei Mutanten:

  • Mutante 1: Deletion der drei Basen UUC.

  • Mutante 2: Insertion einer Base G nach dem Codon GAU.

  • Mutante 3: Substitution UUC → UUU.

  1. a) Bestimmen Sie die Aminosäuresequenz des Wildtyps und der drei Mutanten (bei Mutante 2 bis zum letzten vollständigen Codon vor Ende des Ausschnitts).
  1. b) Erklären Sie die Auswirkungen jeder Mutante auf Genprodukt und Phänotyp.
  1. c) Beurteilen Sie, welche Mutante vermutlich die schwerste Folge hat, und erläutern Sie die Mutation als Evolutionsfaktor.
Lösen

Zurück zum Anfang: Die Mäuse unterscheiden sich im Fell nicht durch ihre Gene, sondern durch die Methylierung des Promotors. Und eine einzelne Base bewirkt bei der Sichelzellanämie viel, bei stummen Mutationen nichts – je nachdem, ob die Aminosäure und damit das Protein verändert wird.

Auf einen Blick

  • DNA: antiparallele Doppelhelix, A–T (2 H-Brücken), G–C (3); Chargaff: A = T, G = C.

  • Replikation: semikonservativ (Meselson-Stahl), Leit- und Folgestrang, Energiebedarf durch Nucleotidtriphosphate.

  • Transkription liefert mRNA (codogener Strang, 5′→3′); Translation am Ribosom mit tRNA-Anticodons; Code eindeutig, degeneriert, universell.

  • Eukaryoten: Prozessierung der prä-mRNA (Spleißen, Cap, Poly-A) im Zellkern; Bakterien: gekoppelte Prozesse.

  • Regulation: Transkriptionsfaktoren (Enhancer, Promotor) und DNA-Methylierung (Epigenom).

  • Genmutationen: stumm, Missense, Nonsense, Rasterschiebung; Wirkung über Genprodukt auf den Phänotyp.

Alle Aufgaben zu diesem Abschnitt anzeigen