Genetik menschlicher Erkrankungen
Das Ehepaar Meyer aus Bochum ist gesund, aber die Tochter hat Mukoviszidose. Wie kann das sein? Wie hoch ist das Risiko für ein weiteres Kind? Und was können Humangenetikerinnen und Humangenetiker dem Paar raten? In der Abiturklausur bekommen Sie dazu meist einen Stammbaum und einen Text als Material. Diese Seite zeigt Ihnen, wie Sie beides Schritt für Schritt auswerten. Am Ende lösen Sie auch die Eingangsfrage.
Stammbäume lesen und Erbgänge unterscheiden
Ein Familienstammbaum zeigt, wer in einer Familie ein Merkmal trägt. Die Symbole sind festgelegt:
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Quadrat = männlich, Kreis = weiblich.
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Ausgefüllt = Merkmalsträger, leer = ohne Merkmal. Ein Kreis mit Punkt kennzeichnet eine Konduktorin.
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Waagerechte Linie = Paar, senkrechte Linie = Kinder.
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Generationen werden mit I, II, III beschriftet, die Personen innerhalb einer Generation mit 1, 2, 3.
Die Eltern sind gesund, die Tochter ist erkrankt. Daraus lässt sich schon etwas schließen.
Das Ausschlussverfahren
Sie bestimmen den Erbgang nicht durch Raten, sondern durch Ausschließen. Dazu prüfen Sie nacheinander die möglichen Erbgänge.
Merken Sie sich: Eine erkrankte Tochter gesunder Eltern bedeutet autosomal-rezessiv. Der Fall ist eindeutig, weil X-chromosomal-rezessiv an ihrem gesunden Vater scheitert.
Jede Begründung hat im Abitur drei Teile: Beobachtung, Regel, Folgerung. Beispiel: „Die Eltern sind gesund, das Kind ist erkrankt (Beobachtung). Das ist nur möglich, wenn das Merkmal rezessiv ist und beide Eltern Anlageträger sind (Regel). Also kommt ein dominanter Erbgang nicht infrage (Folgerung).“
Mukoviszidose in einer Familie Mukoviszidose wird autosomal-rezessiv vererbt. Das Ehepaar Meyer aus Bochum ist gesund. Ihre Tochter Lena ist an Mukoviszidose erkrankt,…
Mukoviszidose in einer Familie
Mukoviszidose wird autosomal-rezessiv vererbt. Das Ehepaar Meyer aus Bochum ist gesund. Ihre Tochter Lena ist an Mukoviszidose erkrankt, ihr Sohn Jonas ist gesund. Allele: A (gesund), a (Mukoviszidose).
- a) Beschreiben Sie den Stammbaum (Symbole: Quadrat = männlich, Kreis = weiblich, ausgefüllt = Merkmalsträger) in Worten.
- b) Bestimmen Sie die Genotypen der Eltern und von Lena.
- c) Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Kind der Familie erkrankt.
Erbgänge mit X-Chromosom
Frauen haben zwei X-Chromosomen (XX), Männer ein X und ein Y (XY). Gene auf dem X-Chromosom liegen bei Männern nur einmal vor. Man nennt sie hemizygot für diese Gene, weil das Y-Chromosom dort kein passendes Allel besitzt. Ein rezessives Allel auf dem X wirkt bei ihnen daher immer.
Frauen mit $X^HX^h$ sind meist gesund, geben das Allel aber an Kinder weiter. Sie heißen Konduktorinnen (Überträgerinnen). Beispiele sind die Bluterkrankheit (Hämophilie) und die Rot-Grün-Sehschwäche.
Typisch für X-chromosomal-rezessiv sind:
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Es erkranken überwiegend Männer.
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Das Merkmal „überspringt“ Generationen: Großvater, gesunde Mutter (Konduktorin), erkrankter Enkel.
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Ein erkrankter Mann gibt sein X an alle Töchter weiter, aber nie an Söhne. Söhne erhalten sein Y.
Bluterkrankheit im Adelshaus Die Bluterkrankheit wird X-chromosomal-rezessiv vererbt. Eine Konduktorin ($X^H X^h$) und ein gesunder Mann ($X^H Y$) bekommen Kinder. a)…
Bluterkrankheit im Adelshaus
Die Bluterkrankheit wird X-chromosomal-rezessiv vererbt. Eine Konduktorin ($X^H X^h$) und ein gesunder Mann ($X^H Y$) bekommen Kinder.
- a) Erläutern Sie die Begriffe Konduktorin und hemizygot.
- b) Erstellen Sie ein Kreuzungsschema (Punnett-Quadrat).
- c) Geben Sie die Wahrscheinlichkeit an, dass ein Kind (Geschlecht unbekannt) an der Bluterkrankheit erkrankt, sowie die Wahrscheinlichkeiten für Söhne und Töchter.
Rot-Grün-Sehschwäche Familie Becker: I-1 (Mann) und I-2 (Frau) haben normales Farbensehen. Ihr Sohn II-1 hat eine Rot-Grün-Sehschwäche, ihre Tochter II-2 sieht normal.…
Rot-Grün-Sehschwäche
Familie Becker: I-1 (Mann) und I-2 (Frau) haben normales Farbensehen. Ihr Sohn II-1 hat eine Rot-Grün-Sehschwäche, ihre Tochter II-2 sieht normal. II-2 bekommt mit dem normalsichtigen II-3 drei Kinder: III-1 (Sohn) mit Rot-Grün-Sehschwäche, III-2 (Sohn) und III-3 (Tochter) mit normalem Farbensehen.
- a) Begründen Sie, dass ein rezessiver Erbgang vorliegt und der Stammbaum mit einem X-chromosomal-rezessiven Erbgang vereinbar ist, und geben Sie die Genotypen aller Personen an, soweit möglich (Allele $X^R$, $X^r$).
- b) Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Kind von II-2 und II-3 die Sehschwäche hat, und geben Sie getrennt die Wahrscheinlichkeiten für einen Sohn bzw. eine Tochter an.
- c) Beschreiben Sie, warum Frauen deutlich seltener betroffen sind als Männer.
Wahrscheinlichkeiten berechnen
Aus dem Stammbaum folgt der Erbgang. Daraus berechnen Sie Risiken. Dafür brauchen Sie zwei Regeln.
Das Grundmuster bei autosomal-rezessiven Merkmalen: Zwei Anlageträger $Aa \times Aa$ haben Kinder mit diesen Wahrscheinlichkeiten:
| $AA$ | $Aa$ | $aa$ |
|---|---|---|
| $\tfrac14$ gesund | $\tfrac24$ gesund, Anlageträger | $\tfrac14$ erkrankt |
Jedes Kind wird unabhängig von den anderen gezeugt. Das Risiko beträgt für jedes Kind $\tfrac14$, auch nach einem erkrankten Kind.
Gesunde Geschwister: nur noch drei Möglichkeiten
Ist II-2 gesund und die Eltern sind $Aa \times Aa$, dann kommt $aa$ nicht mehr infrage. Es bleiben $AA$, $Aa$, $Aa$ übrig, also ist II-2 mit der Wahrscheinlichkeit $\tfrac23$ Anlageträger. Die $\tfrac34$ gesunden Kinder verteilen sich zu $\tfrac14$ auf $AA$ und zu $\tfrac24$ auf $Aa$, und $\tfrac24 : \tfrac34 = \tfrac23$.
Mehrere Kinder
Ein Paar $Aa \times Aa$ plant zwei Kinder. Mit $\tfrac14$ erkrankt, mit $\tfrac34$ gesund:
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Genau ein Kind erkrankt: zwei Reihenfolgen (erst krank, dann gesund oder umgekehrt). $P = 2 \cdot \tfrac14 \cdot \tfrac34 = \tfrac{6}{16} = \tfrac38 = 37{,}5\,\%$.
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Mindestens ein Kind erkrankt: Gegenereignis „beide gesund“. $P = 1 - \tfrac34 \cdot \tfrac34 = 1 - \tfrac9{16} = \tfrac7{16} \approx 43{,}8\,\%$.
Bei „mindestens“ lohnt sich fast immer das Gegenereignis.
Erbgang und Risiko Familie Schulte: Die Eltern I-1 und I-2 sind gesund. Ihre Kinder: II-1 Tochter, erkrankt; II-2 Sohn, gesund; II-3 Sohn, gesund. II-1 hat mit einem…
Erbgang und Risiko
Familie Schulte: Die Eltern I-1 und I-2 sind gesund. Ihre Kinder: II-1 Tochter, erkrankt; II-2 Sohn, gesund; II-3 Sohn, gesund. II-1 hat mit einem gesunden Mann II-4 zwei gesunde Kinder (III-1 Sohn, III-2 Tochter). Es handelt sich um Mukoviszidose.
- a) Begründen Sie mit dem Ausschlussverfahren, dass ein autosomal-rezessiver Erbgang vorliegt und ein X-chromosomal-rezessiver Erbgang ausgeschlossen ist.
- b) Geben Sie die Wahrscheinlichkeit an, dass II-2 Anlageträger ist.
- c) II-2 gründet eine Familie mit einer Frau ohne Mukoviszidose in der Familie. In der Bevölkerung ist etwa 1 von 25 Personen Anlageträger. Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ihr erstes Kind erkrankt (Produktregel).
Gentest, Beratung und Pränataldiagnostik
Wenn das Risiko bekannt ist, stellt sich die Frage, was man damit tut. In der genetischen Beratung (Humangenetik) erklären Fachleute Erbgang und Risiko. Sie entscheiden nicht für die Ratsuchenden. Zur Verfügung stehen:
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Gentest bei einer Person: Er zeigt, ob jemand ein Krankheitsallel trägt, etwa Anlageträger bei Mukoviszidose.
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Prädiktiver Gentest: Er sagt eine spätere Erkrankung voraus, etwa bei Chorea Huntington (autosomal-dominant, Ausbruch meist zwischen 40 und 55 Jahren).
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Pränataldiagnostik (PND): Untersuchung des ungeborenen Kindes, zum Beispiel fetaler DNA nach einer Fruchtwasserpunktion (Amniozentese). Dabei wird Fruchtwasser entnommen und die DNA auf das Krankheitsallel untersucht. Der Eingriff birgt ein kleines Risiko für eine Fehlgeburt (etwa 0,1 bis 1 %).
Bei autosomal-dominanten Merkmalen ist die Rechnung einfach. Ein Elternteil $Aa$ und ein gesunder Elternteil $aa$ ergeben die Wahrscheinlichkeit $\tfrac12$ für ein erkranktes Kind. Ist ein Elternteil von Anna erkrankt und der andere gesund, dann ist Anna mit $\tfrac12$ Trägerin. Ein Kind von Anna erkrankt dann mit $\tfrac12 \cdot \tfrac12 = \tfrac14$.
Bewerten mit einem Verfahren
Die Fragen im Abitur lauten „Bewerten Sie …“ oder „Beurteilen Sie …“. Dafür gehen Sie so vor:
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Situation und Handlungsoptionen nennen (etwa Test ja/nein, PND ja/nein).
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Kriterien aufstellen, zum Beispiel Selbstbestimmung, Gesundheit, Sicherheit der Aussage, psychische Belastung, Risiko des Eingriffs, Recht auf Nichtwissen.
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Jede Option an den Kriterien abwägen (Chancen und Risiken).
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Entscheidung begründen. Tatsachenaussagen („Das Risiko beträgt $\tfrac14$“) und Wertaussagen („Ein Abbruch ist richtig/falsch“) trennen Sie sauber.
Prädiktiver Gentest bei Chorea Huntington Chorea Huntington wird autosomal-dominant vererbt; die Krankheit bricht meist zwischen 40 und 55 Jahren aus. Anna (34) weiß,…
Prädiktiver Gentest bei Chorea Huntington
Chorea Huntington wird autosomal-dominant vererbt; die Krankheit bricht meist zwischen 40 und 55 Jahren aus. Anna (34) weiß, dass ihr Vater mit 52 erkrankte; ihre Mutter ist gesund. Anna und ihr Mann wünschen sich ein Kind. Ein prädiktiver Gentest wäre möglich.
- a) Geben Sie die Wahrscheinlichkeit an, dass Anna das Krankheitsallel trägt, und berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kind die Krankheit entwickelt (ihr Mann ist gesund und frei von dem Allel).
- b) Erläutern Sie mögliche Konsequenzen eines positiven bzw. negativen Testergebnisses für Anna und ihre Familie.
- c) Beurteilen Sie unter Einbeziehung des Rechts auf Nichtwissen, ob Anna den Test machen sollte, und nennen Sie Kriterien Ihrer Bewertung.
Pränataldiagnostik bei Mukoviszidose Ein gesundes Paar aus Köln hat ein Kind mit Mukoviszidose. Ein Gentest zeigt, dass beide Elternteile Anlageträger sind (Aa). Sie…
Pränataldiagnostik bei Mukoviszidose
Ein gesundes Paar aus Köln hat ein Kind mit Mukoviszidose. Ein Gentest zeigt, dass beide Elternteile Anlageträger sind (Aa). Sie wünschen sich weitere Kinder und fragen die genetische Beratung nach Pränataldiagnostik (z. B. Untersuchung fetaler DNA nach Fruchtwasserpunktion).
- a) Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass bei zwei weiteren Kindern genau ein Kind erkrankt, und die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Kind erkrankt.
- b) Erläutern Sie Ablauf und Aussagekraft der Pränataldiagnostik, einschließlich des Risikos des Eingriffs.
- c) Bewerten Sie die Handlungsoptionen des Paares (kein Test, Pränataldiagnostik, Verzicht auf weitere Kinder, Präimplantationsdiagnostik) anhand von Kriterien und nehmen Sie begründet Stellung.
Gentherapie
Bei einer Erbkrankheit fehlt oder arbeitet ein Genprodukt fehlerhaft. Die Gentherapie versucht, den Defekt auf Ebene der Gene zu beheben, meist durch eine funktionsfähige Genkopie.
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Somatische Gentherapie: Verändert werden Körperzellen (etwa Blutstammzellen). Die Veränderung wird nicht an Nachkommen vererbt. Sie ist erlaubt und wird in Studien und Therapien eingesetzt.
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Keimbahntherapie: Verändert würden Keimzellen oder Embryonen. Die Veränderung würde vererbt. In Deutschland ist sie nach dem Embryonenschutzgesetz verboten.
Ein Vektor transportiert die Genkopie in die Zelle. Häufig sind es veränderte Viren, die nicht mehr krank machen können.
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Ex vivo: Zellen werden entnommen, im Labor behandelt und zurückgegeben. Beispiele sind Blutstammzellen bei SCID oder β-Thalassämie. Der Erfolg lässt sich vor der Rückgabe prüfen.
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In vivo: Der Vektor wird direkt in den Körper oder das Zielgewebe gegeben. Das ist einfacher in der Anwendung, aber schwerer zu kontrollieren.
Gentherapie: Grundbegriffe Bei der Gentherapie bestimmter Immundefekte (SCID) werden Blutstammzellen aus dem Knochenmark entnommen, im Labor mithilfe eines Virus als…
Gentherapie: Grundbegriffe
Bei der Gentherapie bestimmter Immundefekte (SCID) werden Blutstammzellen aus dem Knochenmark entnommen, im Labor mithilfe eines Virus als Vektor mit einer gesunden Genkopie versehen und dem Kind wieder verabreicht.
- a) Erläutern Sie die Begriffe somatische Gentherapie und Keimbahntherapie.
- b) Unterscheiden Sie das beschriebene ex-vivo-Verfahren vom in-vivo-Verfahren.
- c) Nennen Sie je zwei mögliche Nutzen und Risiken.
Gentherapie einer Bluterkrankung Bei einer schweren erblichen Bluterkrankung (β-Thalassämie) werden in einer klinischen Studie Blutstammzellen der Patientinnen und…
Gentherapie einer Bluterkrankung
Bei einer schweren erblichen Bluterkrankung (β-Thalassämie) werden in einer klinischen Studie Blutstammzellen der Patientinnen und Patienten außerhalb des Körpers mit einem veränderten Virus als Vektor behandelt, der eine funktionsfähige Genkopie in das Genom einbaut. In der Studie wurden 22 Personen behandelt; 20 benötigten danach keine regelmäßigen Bluttransfusionen mehr. Bei einer Person trat nach drei Jahren eine Leukämie auf; der Einbauort des Vektors lag in der Nähe eines Gens für die Zellteilung. Die einmalige Behandlung kostet 1.600.000 €; die lebenslange Transfusionstherapie kostet etwa 25.000 € pro Jahr.
- a) Berechnen Sie den Anteil der Personen ohne Transfusionsbedarf und die Zahl der Jahre, nach denen die Transfusionskosten die Behandlungskosten erreichen.
- b) Erklären Sie den Zusammenhang zwischen dem Einbauort des Vektors und der Leukämie.
- c) Bewerten Sie Nutzen und Risiken der Gentherapie anhand von Kriterien (z. B. Wirksamkeit, Risiko, Kosten, Gerechtigkeit, Autonomie) und nehmen Sie begründet Stellung.
Bluterkrankheit: Beratung in der Humangenetik Familie Vogt: Die gesunden Eltern I-1 (Mann) und I-2 (Frau) haben zwei Söhne und eine Tochter: II-1 (Sohn) ist Bluter, II-3…
Bluterkrankheit: Beratung in der Humangenetik
Familie Vogt: Die gesunden Eltern I-1 (Mann) und I-2 (Frau) haben zwei Söhne und eine Tochter: II-1 (Sohn) ist Bluter, II-3 (Sohn) ist gesund, II-2 (Tochter) ist gesund. II-2 ist mit einem gesunden Mann II-4 verheiratet; ihre Tochter III-2 ist gesund und erwartet mit einem gesunden Mann ein Kind. Die Bluterkrankheit wird X-chromosomal-rezessiv vererbt.
- a) Begründen Sie, dass I-2 Konduktorin sein muss.
- b) Berechnen Sie mit der Produktregel die Wahrscheinlichkeit, dass III-2 Konduktorin ist, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kind (Geschlecht unbekannt) Bluter wird, und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Sohn von ihr Bluter wird.
- c) Beurteilen Sie, ob ein Gentest für III-2 sinnvoll ist und welche Konsequenzen sich aus dem Ergebnis ergeben würden.
Auf einen Blick
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Stammbaum: Quadrat = männlich, Kreis = weiblich, ausgefüllt = erkrankt. Gesunde Eltern mit erkranktem Kind bedeuten rezessiv. Eine erkrankte Tochter gesunder Eltern bedeutet autosomal-rezessiv.
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Ausschlussverfahren: Beobachtung, Regel, Folgerung. X-chromosomal-rezessiv scheitert an einer erkrankten Tochter mit gesundem Vater.
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X-chromosomal-rezessiv: Männer sind hemizygot, Frauen können Konduktorinnen sein. Konduktorin × gesunder Mann: $\tfrac12$ der Söhne erkranken, keine Tochter.
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Risiko: $Aa \times Aa$ ergibt $\tfrac14$ erkrankt. Gesunde Geschwister sind mit $\tfrac23$ Anlageträger. Verknüpfungen laufen über die Produktregel, „mindestens ein“ über das Gegenereignis.
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Gentest und PND: Beratung ist freiwillig und ergebnisoffen. Bewerten heißt Kriterien aufstellen, Optionen abwägen und Fakten von Werten trennen.
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Gentherapie: Somatisch ist erlaubt, Keimbahn ist in Deutschland verboten. Ex vivo oder in vivo mit Vektor. Nutzen sind Heilung und Lebensqualität, Risiken sind Insertionsmutagenese, Immunreaktion und Kosten.
Zur Eingangsfrage: Die Meyers sind beide Anlageträger ($Aa$) und gesund. Lena ist $aa$. Jedes weitere Kind erkrankt mit $\tfrac14$, ist Anlageträger mit $\tfrac12$ und ist ohne Anlage mit $\tfrac14$.