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Q2 Leistungskurs · Biologie
Vorbereitung auf das Abitur Biologie · Zentralabitur Biologie Grundkurs: Ökologie sowie Genetik und Evolution

Stoffkreislauf und Energiefluss in Ökosystemen

Im Frühjahr färbt sich ein Baggersee am Niederrhein grün, im Sommer kippt er um und die Fische sterben. Auf einer Wiese im Münsterland dagegen leben Gräser, Heuschrecken, Feldlerchen und Mauswiesel jahrelang nebeneinander. Wie kommen Energie und Stoffe in einem Ökosystem voran, wo gehen sie verloren, und warum kann der Mensch das Gleichgewicht stören? Genau diese Fragen werden in der Abiturklausur mit Material (Tabelle, Diagramm, Schema) gestellt. Am Ende der Seite beantworten Sie die Frage zum Baggersee.

Energiefluss und Trophiestufen

Die Energie für fast alle Ökosysteme stammt von der Sonne. Produzenten (Pflanzen, Algen, Cyanobakterien) wandeln durch Fotosynthese Lichtenergie in chemische Energie organischer Stoffe um. Konsumenten nehmen diese Stoffe mit der Nahrung auf: Konsumenten 1. Ordnung (Pflanzenfresser) fressen Produzenten, Konsumenten 2. Ordnung (Fleischfresser) fressen Konsumenten 1. Ordnung. Destruenten (Bakterien, Pilze) zersetzen tote Biomasse und Ausscheidungen und setzen dabei anorganische Stoffe frei.

Jede Ebene der Nahrungskette heißt Trophiestufe. Bei jedem Übergang geht der größte Teil der Energie verloren: Er wird für die Zellatmung genutzt und als Wärme abgegeben, bleibt als unverdaute Reste (Kot) zurück oder steckt in Teilen, die nicht gefressen werden (z. B. Wurzeln, Knochen). Nur ein kleiner Teil wird in neue Biomasse der nächsten Stufe eingebaut.

Energiefluss durch drei Trophiestufen: Von Stufe zu Stufe nimmt die Energie ab, an jeder Stufe wird Wärme abgegeben, Reste gelangen zu den Destruenten. Produzenten Konsumenten 1. Ord. Konsumenten 2. Ord. 12.000 1.080 108 kJ·m⁻²·a⁻¹ kJ·m⁻²·a⁻¹ kJ·m⁻²·a⁻¹ Wärme Wärme Wärme Destruenten (Zersetzer) Sonnenlicht → Fotosynthese

Wärme verlässt das System und kann nicht wieder genutzt werden. Der Energiefluss ist deshalb offen und gerichtet, er braucht ständigen Nachschub durch die Sonne.

Die Effizienz eines Übergangs gibt an, welcher Anteil der Energie in die nächste Stufe gelangt:

$$\text{Effizienz} = \dfrac{E_{n+1}}{E_n}\cdot 100\,\%$$

Als Faustregel gilt die 10-%-Regel: Im Mittel gelangen etwa 10 % der Energie einer Trophiestufe in die nächste (in der Praxis meist 5 bis 20 %). Deshalb sind Nahrungsketten kurz, und auf den obersten Stufen leben nur wenige Individuen.

Der Energiefluss erklärt auch, warum die Ernährung mit Fleisch viel Fläche braucht. Bei der „Veredelung“ von Futter zu Fleisch wird nur ein kleiner Teil der Energie im verwertbaren Fleisch gespeichert.

Mit dem Interaktiv sehen Sie, wie schnell die Energie nach oben abnimmt:

Üben★☆☆Nicht begonnen
Energiefluss in einer Wiese Für eine Wiese im Münsterland wurden die in den Trophiestufen gespeicherten Energiemengen pro Jahr bestimmt. | Trophiestufe | Energie in…

Energiefluss in einer Wiese

Für eine Wiese im Münsterland wurden die in den Trophiestufen gespeicherten Energiemengen pro Jahr bestimmt.

Trophiestufe Energie in $\mathrm{kJ\cdot m^{-2}\cdot a^{-1}}$
Produzenten (Gräser, Kräuter) 12.000
Konsumenten 1. Ordnung (Heuschrecken, Mäuse) 1.080
Konsumenten 2. Ordnung (Feldlerche, Mauswiesel) 108
  1. a) Nennen Sie je ein Beispiel für Produzenten, Konsumenten und Destruenten in diesem Ökosystem.
  1. b) Berechnen Sie die Effizienz des Energieübergangs zwischen den Trophiestufen mit $\text{Effizienz} = \dfrac{E_{n+1}}{E_n}\cdot 100\,\%$.
  1. c) Erläutern Sie, wohin die nicht in der nächsten Trophiestufe gespeicherte Energie gelangt.
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Üben★★★Nicht begonnen
Energie auf dem Acker: Getreide oder Fleisch Ein Hektar Futterweizen im Münsterland liefert in den Körnern pro Jahr etwa 150.000 MJ Energie. Wird das Getreide an…

Energie auf dem Acker: Getreide oder Fleisch

Ein Hektar Futterweizen im Münsterland liefert in den Körnern pro Jahr etwa 150.000 MJ Energie. Wird das Getreide an Schweine verfüttert, werden etwa 12 % der Energie im verwertbaren Fleisch gespeichert, bei Rindern (Futtergetreide) etwa 5 %. Ein Erwachsener benötigt im Mittel 10 MJ Nahrungsenergie pro Tag (365 Tage).

  1. a) Berechnen Sie die Energiemengen im Fleisch pro Hektar und Jahr bei Schwein und Rind sowie die Zahl der Personen, die jeweils bei direkter Verwertung des Getreides bzw. über Fleisch ernährt werden könnten (jeweils ganze Personen, abgerundet).
  1. b) Erklären Sie die Verluste mit dem Energiefluss durch Trophiestufen und nennen Sie die Form, in der die Energie das Ökosystem verlässt.
  1. c) Beurteilen Sie anhand von mindestens zwei Kriterien (z. B. Flächenbedarf, Nährstoffbedarf, Ernährung, Tierwohl, Wirtschaftlichkeit) die Aussage „Weniger Fleisch zu essen ist die nachhaltigere Ernährung“ und unterscheiden Sie dabei beschreibende und bewertende Aussagen.
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Nahrungskette und Nahrungsnetz

Eine Nahrungskette zeigt nur einen Weg: Gras → Maus → Mauswiesel. In der Natur frisst fast jede Art mehrere Arten und wird von mehreren gefressen. Die Gesamtheit dieser Verknüpfungen heißt Nahrungsnetz.

Pfeile bedeuten in Nahrungsnetzen „wird gefressen von“ (sie zeigen in Richtung des Stoff- und Energieflusses). Beispiel Teich:

Nahrungsnetz eines Teichs: Grünalgen werden von Wasserflöhen und Rotfedern gefressen, Wasserflöhe auch von Libellenlarven, Rotfedern und Libellenlarven vom Hecht. Grünalgen Wasserfloh Rotfeder Libellenlarve Hecht

Die Stellung einer Art im Netz ist nicht fest. Die Rotfeder frisst Wasserflöhe und Grünalgen. Sie steht daher auf der 2. Trophiestufe, wenn sie Algen frisst (Konsument 1. Ordnung), und auf der 3., wenn sie Wasserflöhe frisst (Konsument 2. Ordnung). Ein Allesfresser kann auf mehreren Stufen stehen.

Stoffkreislauf und Energiefluss im Vergleich:

Stoffkreislauf Energiefluss
Verlauf geschlossen: Stoffe werden immer wieder verwendet offen und gerichtet: Energie wird entwertet (Wärme)
Träger Atome und Moleküle (C, N, P, H₂O) chemische Energie in organischen Stoffen
Antrieb Produzenten bauen auf, Destruenten bauen ab ständige Zufuhr von Sonnenlicht
Üben★☆☆Nicht begonnen
Nahrungsnetz in einem Teich In einem Teich bestehen folgende Fraßbeziehungen: | Fresser | frisst | |---|---| | Wasserfloh | Grünalgen | | Kleinfisch (Rotfeder) |…

Nahrungsnetz in einem Teich

In einem Teich bestehen folgende Fraßbeziehungen:

Fresser frisst
Wasserfloh Grünalgen
Kleinfisch (Rotfeder) Wasserflöhe, Grünalgen
Libellenlarve Wasserflöhe
Hecht Rotfedern, Libellenlarven
  1. a) Stellen Sie die Fraßbeziehungen als Nahrungsnetz dar (Beschreibung mit Pfeilen: „→ wird gefressen von“).
  1. b) Nennen Sie die Trophiestufen, auf denen die Rotfeder stehen kann, und begründen Sie dies.
  1. c) Unterscheiden Sie Stoffkreislauf und Energiefluss in diesem Ökosystem.
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Primärproduktion und Pyramiden

Die Produzenten bilden durch Fotosynthese organische Stoffe. Die gesamte Menge heißt Bruttoprimärproduktion (BPP). Ein Teil davon wird von den Produzenten selbst in der Zellatmung abgebaut (R). Der Rest steht für Wachstum und als Nahrung zur Verfügung: die Nettoprimärproduktion (NPP).

$$\text{NPP} = \text{BPP} - R$$

Die NPP bestimmt, wie viel Energie und Biomasse für die Konsumenten und Destruenten eines Ökosystems verfügbar ist. Angegeben wird sie z. B. in $\mathrm{g\cdot m^{-2}\cdot a^{-1}}$ Trockenmasse oder in $\mathrm{kJ\cdot m^{-2}\cdot a^{-1}}$.

Eine Biomassepyramide stellt die Biomasse der Trophiestufen zu einem Zeitpunkt (Momentaufnahme) dar, in der Regel als Trockenmasse. Meist ist sie unten breit. Es gibt aber umgekehrte Pyramiden, vor allem in Gewässern.

Das Phytoplankton ist klein und wird sehr schnell gebildet und gefressen. Zu jedem Zeitpunkt ist seine Biomasse gering, seine Produktion pro Jahr aber hoch. Entscheidend ist die Umsatzrate:

$$\text{Umsatz} = \dfrac{\text{Produktion pro Jahr}}{\text{Biomasse}}$$
Üben★★☆Nicht begonnen
Primärproduktion verschiedener Ökosysteme | Ökosystem | Bruttoprimärproduktion | Atmung der Produzenten | |---|---|---| | Buchenwald | 1.800 | 1.000 | | Maisacker |…

Primärproduktion verschiedener Ökosysteme

Ökosystem Bruttoprimärproduktion Atmung der Produzenten
Buchenwald 1.800 1.000
Maisacker 2.100 800
Nordsee-Schelf 400 160

Angaben in $\mathrm{g\cdot m^{-2}\cdot a^{-1}}$ Trockenmasse.

  1. a) Berechnen Sie für jedes Ökosystem die Nettoprimärproduktion und deren Anteil an der Bruttoprimärproduktion in Prozent (auf eine Nachkommastelle gerundet).
  1. b) Erklären Sie, wie die Nettoprimärproduktion mit der Energie für die Konsumenten zusammenhängt.
  1. c) Erläutern Sie, weshalb die Nettoprimärproduktion des Ackers trotz geringerer Biomasse im Bestand höher als die des Waldes liegen kann, und nennen Sie einen Faktor, der in dieser Tabelle nicht berücksichtigt ist.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Eine „umgekehrte“ Biomassepyramide In einem See wurden Biomasse und Jahresproduktion der unteren Trophiestufen bestimmt. | Trophiestufe | Biomasse in…

Eine „umgekehrte“ Biomassepyramide

In einem See wurden Biomasse und Jahresproduktion der unteren Trophiestufen bestimmt.

Trophiestufe Biomasse in $\mathrm{g\cdot m^{-2}}$ Produktion in $\mathrm{g\cdot m^{-2}\cdot a^{-1}}$
Phytoplankton 4 600
Zooplankton 12 90

(Trockenmasse; Biomasse als Momentaufnahme im Sommer.)

  1. a) Beschreiben Sie die Biomassepyramide und nennen Sie die Besonderheit.
  1. b) Berechnen Sie für beide Stufen, wievielmal die Biomasse pro Jahr umgesetzt wird.
  1. c) Erklären Sie mithilfe der Berechnung, warum in dieser Momentaufnahme die Biomasse der Konsumenten größer sein kann als die der Produzenten, obwohl der Energiefluss von unten nach oben abnimmt.
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Der Kohlenstoffkreislauf

Anders als Energie werden Stoffe nicht verbraucht, sondern zwischen Speichern umgelagert. Kohlenstoff liegt vor als

  • CO₂ in der Atmosphäre und gelöst im Wasser (als Hydrogencarbonat),

  • organische Verbindungen in Biomasse (Pflanzen, Tiere, Humus, Torf),

  • fossile Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas) und Kalkgestein.

Die Flüsse zwischen den Speichern: Fotosynthese entzieht der Atmosphäre CO₂ und baut es in organische Stoffe ein. Zellatmung (von Produzenten, Konsumenten und Destruenten) setzt es wieder frei. Verbrennung von Holz und fossilen Energieträgern setzt Kohlenstoff frei, der teils seit Millionen Jahren gespeichert war.

Vereinfachter Kohlenstoffkreislauf: CO2 der Atmosphäre wird durch Fotosynthese in Pflanzenbiomasse eingebaut, Atmung der Pflanzen und der Destruenten und die Verbrennung fossiler Energieträger setzen es frei. Atmosphäre CO₂ Pflanzen (Biomasse) organische Stoffe Boden, Destruenten Humus, Torf fossile Energieträger Kohle, Erdöl, Erdgas Fotosynthese Atmung Streu, Tod Atmung Verbrennung

Sind Aufnahme und Abgabe im Gleichgewicht, bleibt die CO₂-Konzentration der Atmosphäre konstant. Ein Speicher, der netto mehr Kohlenstoff aufnimmt als abgibt, ist eine Kohlenstoffsenke (z. B. wachsender Wald, Meer, intaktes Moor). Gibt er netto mehr ab, ist er eine Kohlenstoffquelle (z. B. Verbrennung, entwässertes Moor, Waldrodung).

Bei Mooren spielt auch Methan ($\mathrm{CH_4}$) eine Rolle. Rechnen Sie bei Bilanzen die Flüsse mit Vorzeichen zusammen (Emission positiv, Aufnahme negativ). Beispiel: Eine Fläche mit $+2{,}0\ \mathrm{t\,C\cdot ha^{-1}\cdot a^{-1}}$ als CO₂ und $+0{,}2$ als CH₄ hat die Gesamtbilanz $+2{,}2$ und ist eine Quelle. Methan ist als Treibhausgas pro Molekül deutlich wirksamer als CO₂. Das muss man bei der Bewertung einer Wiedervernässung berücksichtigen, aber nicht beim reinen Addieren der Kohlenstoffmengen.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Kohlenstoffkreislauf (vereinfachtes Modell) Für die Landökosysteme der Erde (v. a. Wälder) werden folgende globale Kohlenstoffflüsse angegeben (Gt C pro Jahr,…

Kohlenstoffkreislauf (vereinfachtes Modell)

Für die Landökosysteme der Erde (v. a. Wälder) werden folgende globale Kohlenstoffflüsse angegeben (Gt C pro Jahr, vereinfachtes Modell ohne Landnutzungsänderungen): Aufnahme von CO₂ durch Fotosynthese 120; Zellatmung der Pflanzen 60; Atmung der Destruenten im Boden 58. Ergänzend wird die Verbrennung fossiler Energieträger mit 9 Gt C pro Jahr angegeben. Die Atmosphäre enthält etwa 860 Gt Kohlenstoff.

  1. a) Nennen Sie zwei Kohlenstoffspeicher und die Form, in der Kohlenstoff dort vorliegt.
  1. b) Berechnen Sie die Differenz zwischen der Fotosynthese und der Summe der Atmungsflüsse und deuten Sie das Ergebnis im Hinblick auf Kohlenstoffsenke und Kohlenstoffquelle.
  1. c) Beschreiben Sie die Rolle der Destruenten im Kohlenstoffkreislauf.
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Üben★★★Nicht begonnen
Moor als Kohlenstoffsenke oder -quelle Ein Moorgebiet in Norddeutschland wurde über Jahrzehnte entwässert und als Grünland genutzt. Auf einer Teilfläche wurde der…

Moor als Kohlenstoffsenke oder -quelle

Ein Moorgebiet in Norddeutschland wurde über Jahrzehnte entwässert und als Grünland genutzt. Auf einer Teilfläche wurde der Wasserstand wieder angehoben. Gemessen wurden die jährlichen Kohlenstoffflüsse (Emission positiv, Aufnahme negativ).

CO₂-Kohlenstoff CH₄-Kohlenstoff
entwässert, Grünland +5,6 +0,1
wiedervernässt −0,9 +0,4

Angaben in $\mathrm{t\,C\cdot ha^{-1}\cdot a^{-1}}$.

  1. a) Berechnen Sie die Gesamtbilanz des Kohlenstoffs für beide Flächen und ordnen Sie jede als Quelle oder Senke ein.
  1. b) Berechnen Sie, wie viel Kohlenstoff pro Jahr durch die Wiedervernässung von 250 ha im Vergleich zum entwässerten Zustand eingespart wird.
  1. c) Erklären Sie die Befunde mit den Prozessen Fotosynthese, Zersetzung und Torfbildung unter Sauerstoffmangel und beurteilen Sie, was die Angabe in Kohlenstoff-Masse über die Klimawirkung nicht berücksichtigt.
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Eutrophierung als Eingriff in Stoffkreisläufe

Im Baggersee vom Anfang liefert die intensive Landwirtschaft ein Beispiel. Eutrophierung ist die Anreicherung von Gewässern mit Nährstoffen (v. a. Phosphat und Nitrat) und ihre Folgen. In vielen Süßgewässern ist Phosphat der limitierende Faktor für das Algenwachstum. Zusätzliches Phosphat erhöht daher die Produktion stark.

Die Ursache-Wirkungs-Kette:

  1. Eintrag: Dünger und Gülle von Äckern, Abwasser, Erosion gelangen in den See.

  2. Algenblüte: Phytoplankton vermehrt sich stark (Chlorophyllgehalt steigt).

  3. Lichtmangel: Das Wasser wird trüb (Sichttiefe sinkt), Unterwasserpflanzen sterben.

  4. Absterben: Abgestorbene Algen sinken zum Grund.

  5. Sauerstoffzehrung: Destruenten bauen die Biomasse aerob ab und verbrauchen den Sauerstoff am Seegrund.

  6. Sauerstoffmangel: Fische und Bodentiere sterben („Umkippen“). Ohne Sauerstoff werden Faulschlamm und Schwefelwasserstoff gebildet, und Phosphat wird aus dem Sediment zurückgelöst. Das verstärkt die Algenblüte (positive Rückkopplung).

Wirkungskette der Eutrophierung: Nährstoffeintrag führt zu Algenblüte, Trübung, Absterben, Sauerstoffzehrung und Sauerstoffmangel; Phosphat-Rücklösung verstärkt die Algenblüte. Eintrag vonPhosphat AlgenblüteChlorophyll ↑ TrübungSichttiefe ↓ Algen sterben,sinken ab Abbau durchDestruenten O₂-Mangelam Grund Rücklösung von Phosphat aus dem Sediment

Gegenmaßnahmen setzen an unterschiedlichen Punkten an. Pufferstreifen an Äckern und weniger Düngung verringern den Eintrag (Ursache). Biomanipulation verändert das Nahrungsnetz: Werden planktonfressende Weißfische abgefischt und Raubfische wie der Hecht besetzt, steigt das Zooplankton, das mehr Algen frisst. Die Sichttiefe nimmt zu. Dies zeigt, dass Wechselwirkungen im Nahrungsnetz die Primärproduktion steuern (Räuber → Beute → Algen).

Zurück zum Anfang: Der Baggersee „kippt“, weil der Phosphateintrag aus gedüngten Äckern die Algenproduktion erhöht. Beim Abbau der abgestorbenen Algen verbrauchen Destruenten den Sauerstoff am Grund. Fische ersticken. Die Wiese im Münsterland bleibt stabil, weil dort Nährstoffe und Energie in einem ausgewogenen Nahrungsnetz kreisen bzw. fließen.

Üben★★☆Nicht begonnen
Eutrophierung eines Baggersees Ein Baggersee am Niederrhein liegt neben intensiv gedüngten Ackerflächen. Über Jahre wurden Messwerte erhoben. | | Jahr 0 | Jahr 5 | Jahr…

Eutrophierung eines Baggersees

Ein Baggersee am Niederrhein liegt neben intensiv gedüngten Ackerflächen. Über Jahre wurden Messwerte erhoben.

Jahr 0 Jahr 5 Jahr 8 (nach Anlage von Pufferstreifen)
Phosphat in mg/L 0,01 0,08 0,03
Chlorophyll in µg/L 4 45 15
Sichttiefe in m 5,0 1,2 3,0
Sauerstoff am Seegrund in mg/L 8 1,0 5
  1. a) Beschreiben Sie die Veränderungen der Messwerte und berechnen Sie, um welchen Faktor Phosphat und Chlorophyll von Jahr 0 zu Jahr 5 zugenommen haben.
  1. b) Analysieren Sie die Ursache-Wirkungs-Kette von der Düngung bis zum Sauerstoffmangel am Seegrund.
  1. c) Erläutern Sie die Wirkung der Maßnahme und nennen Sie einen Grund, warum die Werte von Jahr 0 nicht sofort wieder erreicht werden.
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Biomanipulation eines Sees Ein stark eutrophierter Stadtsee im Ruhrgebiet hatte trübes, algenreiches Wasser. Als Maßnahme wurde ein Teil der Weißfische abgefischt und…

Biomanipulation eines Sees

Ein stark eutrophierter Stadtsee im Ruhrgebiet hatte trübes, algenreiches Wasser. Als Maßnahme wurde ein Teil der Weißfische abgefischt und Hechte wurden besetzt.

vor der Maßnahme 3 Jahre danach
Weißfischbiomasse in kg/ha 120 45
Hechtbiomasse in kg/ha 4 25
Zooplankton in mg/L 0,4 1,6
Chlorophyll in µg/L 60 18
Sichttiefe in m 0,8 2,4
  1. a) Berechnen Sie die prozentuale Veränderung der Weißfischbiomasse und des Chlorophyllgehalts.
  1. b) Analysieren Sie die Wirkungskette der Maßnahme im Nahrungsnetz bis zur Sichttiefe.
  1. c) Beurteilen Sie, warum der Erfolg der Maßnahme dauerhaft nur gesichert ist, wenn auch der Nährstoffeintrag verringert wird, und stellen Sie eine Hypothese zur Entwicklung bei erneut steigendem Phosphateintrag auf.
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Auf einen Blick

  • Energiefluss: offen und gerichtet. Produzenten wandeln Licht in chemische Energie um, Konsumenten und Destruenten nutzen sie. Bei jedem Übergang gelangen nur etwa 10 % in die nächste Trophiestufe, der Rest geht als Wärme verloren: $\text{Effizienz} = \dfrac{E_{n+1}}{E_n}\cdot 100\,\%$.

  • Nahrungsnetz: verknüpfte Nahrungsketten. Eine Art kann auf mehreren Trophiestufen stehen. Pfeil = „wird gefressen von“.

  • Primärproduktion: $\text{NPP} = \text{BPP} - R$. Biomassepyramiden können umgekehrt sein (hoher Umsatz), Energiepyramiden nie.

  • Stoffkreislauf: geschlossen. Beim Kohlenstoff verbinden Fotosynthese, Atmung und Verbrennung die Speicher. Die Bilanz entscheidet, ob ein Speicher Quelle oder Senke ist.

  • Eutrophierung: Phosphateintrag → Algenblüte → Sauerstoffzehrung → Sauerstoffmangel, mit positiver Rückkopplung. Gegenmaßnahmen: weniger Eintrag, Pufferstreifen, Biomanipulation.

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