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Q1 Leistungskurs · Physik
Experimente und Modelle der Physik: Millikan, Fadenstrahlrohr, Wellen und Quantenobjekte · Wellenwanne und Huygens'sches Prinzip

Huygens'sches Prinzip in der Wellenwanne

Am Rhein schaukeln die Wellen eines Frachtschiffs gegen die Kaimauer, laufen zurück und kreuzen die nächsten Wellen. Im Physikraum zeigt die Wellenwanne dasselbe im Kleinen: Ein Stroboskoplicht „friert" die Wellen ein. Warum entstehen aus einem einzigen Erreger Kreiswellen, warum laufen Wellen hinter einer Lücke in der Mauer um die Ecke, und warum werden sie beim Übergang in flaches Wasser abgeknickt? Eine einzige Idee von Christiaan Huygens beantwortet alle Fragen.

Beschreibungsgrößen und Wellenfronten

In der Wellenwanne erzeugt ein punktförmiger Erreger Kreiswellen, ein langer Balken ebene Wellen. Eine Wellenfront verbindet alle Punkte, die gleichzeitig im gleichen Schwingungszustand sind (z. B. alle Wellenberge). Die Ausbreitungsrichtung steht senkrecht auf den Wellenfronten.

Der Abstand zweier benachbarter Wellenberge ist die Wellenlänge $\lambda$. In einer Periodendauer $T$ läuft die Welle genau um $\lambda$ weiter:

Kreiswellen eines punktförmigen Erregers und ebene Wellen eines Balkens mit Wellenlänge und Ausbreitungsrichtung Kreiswellenebene Wellen λ λ c
Üben★☆☆Nicht begonnen
In einer Wellenwanne erzeugt ein Erreger Wellen der Frequenz $f = 12\ \text{Hz}$. Der Abstand benachbarter Wellenberge beträgt $\lambda = 1,5\ \text{cm}$. a) Berechnen…

In einer Wellenwanne erzeugt ein Erreger Wellen der Frequenz $f = 12\ \text{Hz}$. Der Abstand benachbarter Wellenberge beträgt $\lambda = 1,5\ \text{cm}$.

  1. a) Berechnen Sie die Ausbreitungsgeschwindigkeit $c = \lambda f$.
  2. b) Geben Sie an, wie sich die Wellenlänge ändert, wenn die Frequenz verdoppelt wird (gleiche Wassertiefe).
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Das Huygens'sche Prinzip

Beobachtung: Trifft eine ebene Welle auf eine kleine Öffnung, läuft dahinter eine Kreiswelle. Daraus folgte Huygens' Idee:

Konstruktion der Wellenfront nach der Zeit $\Delta t$: Man wählt mehrere Punkte der Front, zeichnet um jeden einen Kreis mit Radius $r = c \cdot \Delta t$ und legt die gemeinsame Tangente an alle Kreise.

Konstruktion einer neuen ebenen Wellenfront als Einhüllende von Elementarwellen c·Δt alte Front neue Front
Üben★☆☆Nicht begonnen
Formulieren Sie das Huygens'sche Prinzip in eigenen Worten und beschreiben Sie, wie man damit aus einer gegebenen Wellenfront die Wellenfront nach der Zeit $\Delta t$…

Formulieren Sie das Huygens'sche Prinzip in eigenen Worten und beschreiben Sie, wie man damit aus einer gegebenen Wellenfront die Wellenfront nach der Zeit $\Delta t$ konstruiert.

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Reflexion und Brechung

Reflexion

Eine ebene Welle trifft unter dem Einfallswinkel $\alpha$ (gegen das Lot) auf eine Wand. Der Rand der Front erreicht die Wand zuerst und sendet eine Elementarwelle aus, während der Rest der Front noch läuft. Die Einhüllende aller Elementarwellen ist die reflektierte Front. Aus den kongruenten Dreiecken (gleiche Hypotenuse $c\cdot\Delta t$, gemeinsame Seite an der Wand) folgt das Reflexionsgesetz:

$$\alpha = \alpha'$$

Brechung

Läuft die Welle von tiefem in flaches Wasser, wird sie langsamer ($c2 < c_1$). Die Frequenz bleibt gleich, denn der Erreger legt sie fest und an der Grenze entstehen keine Wellenberge. Also ändert sich die Wellenlänge: $\lambda_1/\lambda_2 = c_1/c_2$.

Der Teil der Front, der die Grenze zuerst erreicht, wird zuerst langsamer. In derselben Zeit $\Delta t$ haben seine Elementarwellen nur den Radius $c_2\cdot\Delta t$, die der noch im Medium 1 laufenden Punkte dagegen $c_1\cdot\Delta t > c_2\cdot\Delta t$. Die Einhüllende ist daher gegen die alte Front geknickt. Aus den beiden rechtwinkligen Dreiecken an der Grenze mit gemeinsamer Hypotenuse $h$ gilt $\sin\alpha = \frac{c_1\Delta t}{h}$ und $\sin\beta = \frac{c_2\Delta t}{h}$. Division ergibt das Brechungsgesetz:

$$\frac{\sin\alpha}{\sin\beta} = \frac{c_1}{c_2}$$

Bei $c2 < c_1$ ist $\beta < \alpha$: Die Welle wird zum Lot hin gebrochen.

Brechung einer ebenen Welle an einer Grenze: Wellenfronten mit kleinerer Wellenlänge im zweiten Medium, Lot und Winkel Lot Medium 1: c₁ Medium 2: c₂ < c₁ α β

Totalreflexion

Geht die Welle in ein Medium mit größerer Geschwindigkeit ($c_2 > c_1$), wird sie vom Lot weg gebrochen. Für $\beta = 90°$ erreicht man den Grenzwinkel: $\sin\alpha_g = \frac{c_1}{c_2}$. Für größere Winkel gibt es keine gebrochene Welle mehr, sie wird total reflektiert.

Üben★★☆Nicht begonnen
Eine ebene Welle trifft unter dem Einfallswinkel $\alpha = 30°$ (gegen das Lot) auf eine glatte Wand. a) Konstruieren Sie mit dem Huygens'schen Prinzip in Worten die…

Eine ebene Welle trifft unter dem Einfallswinkel $\alpha = 30°$ (gegen das Lot) auf eine glatte Wand.

  1. a) Konstruieren Sie mit dem Huygens'schen Prinzip in Worten die reflektierte Wellenfront.
  2. b) Begründen Sie das Reflexionsgesetz $\alpha = \alpha'$.
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Üben★★☆Nicht begonnen
In der Wellenwanne läuft eine ebene Welle aus tiefem Wasser ($c_1 = 0,24\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) in flaches Wasser ($c_2 = 0,15\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) über…

In der Wellenwanne läuft eine ebene Welle aus tiefem Wasser ($c_1 = 0,24\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) in flaches Wasser ($c_2 = 0,15\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) über eine schräge Grenze. Der Einfallswinkel beträgt $40°$.

  1. a) Berechnen Sie den Brechungswinkel mit $\frac{\sin\alpha}{\sin\beta} = \frac{c_1}{c_2}$.
  2. b) Begründen Sie mit dem Huygens'schen Prinzip, warum die Welle zum Lot hin gebrochen wird.
  3. c) Geben Sie an, wie sich die Frequenz ändert.
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Üben★★★Nicht begonnen
Beim Übergang einer Welle von Medium 1 in Medium 2 bleibt die Frequenz erhalten. a) Leiten Sie mit Huygens und einer Skizze in Worten das Brechungsgesetz…

Beim Übergang einer Welle von Medium 1 in Medium 2 bleibt die Frequenz erhalten.

  1. a) Leiten Sie mit Huygens und einer Skizze in Worten das Brechungsgesetz $\frac{\sin\alpha}{\sin\beta} = \frac{c_1}{c_2}$ her.
  2. b) Zeigen Sie $\frac{\lambda_1}{\lambda_2} = \frac{c_1}{c_2}$.
  3. c) Berechnen Sie den Grenzwinkel der Totalreflexion für $c_1 = 0,15\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$, $c_2 = 0,24\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$ beim Übergang von 1 nach 2.
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Beugung

Trifft eine ebene Welle auf eine Öffnung, wirkt jeder Punkt in der Öffnung als Erreger einer Elementarwelle. Hinter der Öffnung entsteht die Einhüllende dieser Elementarwellen.

  • Breite Öffnung ($b \gg \lambda$): Die Mitte bleibt eben, nur an den Rändern biegen die Fronten ab. Es entsteht ein fast geradliniger Strahl mit Schattenbereich.

  • Schmale Öffnung ($b \approx \lambda$): Nur eine einzige Elementarwelle ist wirksam, hinter der Öffnung läuft eine nahezu kreisförmige Welle.

Dieses Eindringen in den „Schattenraum" heißt Beugung. Sie ist umso deutlicher, je kleiner $b$ im Vergleich zu $\lambda$ ist.

Beugung einer ebenen Welle: links breiter Spalt mit fast geradem Strahl, rechts schmaler Spalt mit Kreiswelle b ≫ λ b ≈ λ

Schall hat Wellenlängen von etwa $0{,}1$ bis $3\ \text{m}$, vergleichbar mit Türen und Häuserecken: Man hört Verkehr hinter einer Lärmschutzwand. Sichtbares Licht hat $\lambda \approx 500\ \text{nm}$, viel kleiner als Alltagsgegenstände; die Beugung ist dort unmerklich und Schatten sind scharf.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Eine ebene Wasserwelle trifft in der Wellenwanne auf eine Öffnung, deren Breite deutlich größer als die Wellenlänge ist. a) Beschreiben Sie, was hinter der Öffnung…

Eine ebene Wasserwelle trifft in der Wellenwanne auf eine Öffnung, deren Breite deutlich größer als die Wellenlänge ist.

  1. a) Beschreiben Sie, was hinter der Öffnung beobachtet wird.
  2. b) Beschreiben Sie, was sich ändert, wenn die Öffnung auf etwa eine Wellenlänge verkleinert wird.
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Üben★★★Nicht begonnen
Eine ebene Wasserwelle trifft auf einen Spalt der Breite $b$. Beobachtet wird hinter dem Spalt für $b = 5\lambda$ ein fast geradliniger Strahl, für $b = \lambda$ eine…

Eine ebene Wasserwelle trifft auf einen Spalt der Breite $b$. Beobachtet wird hinter dem Spalt für $b = 5\lambda$ ein fast geradliniger Strahl, für $b = \lambda$ eine nahezu kreisförmige Welle.

  1. a) Erklären Sie beide Beobachtungen mit dem Huygens'schen Prinzip.
  2. b) Berechnen Sie für $\lambda = 2,0\ \text{cm}$ den Winkel $\varphi$ des ersten Minimums mit $\sin\varphi = \frac{\lambda}{b}$ bei $b = 6,0\ \text{cm}$.
  3. c) Begründen Sie, warum man Schall um Ecken hört, Licht im Alltag aber kaum.
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Üben★★★Nicht begonnen
Ein Schüler beobachtet in der Wellenwanne eine Welle an einem Hindernis (Breite $20\ \text{cm}$) bei $\lambda = 1,0\ \text{cm}$ und bei $\lambda = 15\ \text{cm}$. a)…

Ein Schüler beobachtet in der Wellenwanne eine Welle an einem Hindernis (Breite $20\ \text{cm}$) bei $\lambda = 1,0\ \text{cm}$ und bei $\lambda = 15\ \text{cm}$.

  1. a) Beschreiben und erklären Sie jeweils den Schattenbereich hinter dem Hindernis.
  2. b) Beurteilen Sie, ob das Huygens'sche Prinzip in der einfachen Form (ohne Interferenz der Elementarwellen) die Intensitätsverteilung vollständig erklärt.
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Interferenz zweier Kreiswellen

Zwei gleichphasig schwingende Punkterreger erzeugen zwei Kreiswellen, die sich überlagern (Superposition). An jedem Punkt P entscheidet der Gangunterschied $\Delta s = |s_1 - s_2|$:

Auf der Mittelsenkrechten ist $\Delta s = 0$, dort liegt die nullte Bauchlinie. Zwischen den Bauchlinien verlaufen Knotenlinien, an denen das Wasser ruht.

Zwei Erreger mit Bauchlinien und Knotenlinien in der Wellenwanne k = 0 Knotenlinie Bauchlinie E₁ E₂
Üben★★☆Nicht begonnen
Zwei punktförmige Erreger im Abstand $a = 4,0\ \text{cm}$ schwingen gleichphasig mit $f = 15\ \text{Hz}$; die Wellengeschwindigkeit beträgt…

Zwei punktförmige Erreger im Abstand $a = 4,0\ \text{cm}$ schwingen gleichphasig mit $f = 15\ \text{Hz}$; die Wellengeschwindigkeit beträgt $0,30\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$.

  1. a) Berechnen Sie die Wellenlänge.
  2. b) Entscheiden Sie, ob ein Punkt P mit den Abständen $s_1 = 10\ \text{cm}$ und $s_2 = 13\ \text{cm}$ zu den Erregern auf einer Knoten- oder Bauchlinie liegt.
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Zurück zum Anfang: Die Wellen am Rhein laufen hinter einer Lücke in der Kaimauer um die Ecke, weil jeder Punkt der Öffnung eine Elementarwelle aussendet (Beugung). Sie werden reflektiert, weil die Elementarwellen an der Wand eine neue Front bilden, und ändern ihre Richtung im flachen Wasser, weil dort $c$ kleiner ist.

Auf einen Blick

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