Erdmagnetfeld und Lärmschutz
Bei starker Sonnenaktivität sieht man Polarlicht manchmal sogar bis nach Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig tragen Ihre Kopfhörer im Zug von Köln nach Dortmund den Lärm der Schienen scheinbar weg. Zwei Alltagsphänomene, ein gemeinsames Muster: Ein physikalisches Modell sagt voraus, was geschieht, und Sie sollen beurteilen, wie gut es schützt. Wie wirksam sind Erdmagnetfeld und Kopfhörer wirklich, und wo liegen ihre Grenzen? Am Ende der Seite können Sie das begründet beantworten.
Das Erdmagnetfeld als Schutzschild
Von der Sonne strömt ständig der Sonnenwind: überwiegend Protonen und Elektronen mit Geschwindigkeiten um $4 \cdot 10^5\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$. Träfen sie ungebremst auf die Atmosphäre, würden sie dort Moleküle ionisieren und die Atmosphäre langfristig abtragen. Das Erdmagnetfeld (in Mitteleuropa etwa $48\ \mu\text{T}$) wirkt auf diese bewegten Ladungen mit der Lorentzkraft.
Die Stärke des Feldes definiert man über die magnetische Flussdichte $B$: Auf einen Leiter der Länge $l$ mit Strom $I$ senkrecht zu $\vec{B}$ wirkt die Kraft $F$, und es gilt $B = \dfrac{F}{I \cdot l}$ mit $1\,\text{T} = 1\,\frac{\text{N}}{\text{A}\cdot\text{m}}$. Messen kann man $B$ mit einer Hall-Sonde oder mit der Leiterschaukel (Kraft bei bekanntem $I$ und $l$).
Der Grund für die Kreisbahn: Die Kraft zeigt immer zur Seite, nie in oder gegen die Bewegungsrichtung. Der Betrag von $v$ bleibt konstant, die Richtung dreht sich. Qualitativ gilt: Hat die Geschwindigkeit auch eine Komponente parallel zu $\vec{B}$, entsteht eine Schraubenbahn um die Feldlinie. So werden Teilchen entlang der Feldlinien zu den Polen geführt, wo sie Polarlicht auslösen.
Geladene Teilchen des Sonnenwinds (Protonen, $v = 4,0 \cdot 10^5\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) treffen senkrecht auf das Erdmagnetfeld mit…
Geladene Teilchen des Sonnenwinds (Protonen, $v = 4,0 \cdot 10^5\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) treffen senkrecht auf das Erdmagnetfeld mit $B = 5,0 \cdot 10^{-5}\ \text{T}$. Es gilt $e = 1,602 \cdot 10^{-19}\ \text{C}$.
- a) Berechnen Sie die Lorentzkraft auf ein Proton.
- b) Beschreiben Sie die Bahn des Protons im Feld.
Nennen Sie je zwei Beispiele, bei denen (a) das Erdmagnetfeld dem Menschen nützt, und (b) Schallüberlagerung gezielt eingesetzt wird.
Nennen Sie je zwei Beispiele, bei denen (a) das Erdmagnetfeld dem Menschen nützt, und (b) Schallüberlagerung gezielt eingesetzt wird.
Wie gut schützt das Feld? Energie, Radius, Bewertung
Ob das Erdmagnetfeld ein Teilchen abschirmt, entscheidet der Vergleich des Bahnradius $r$ mit der Größe des Feldbereichs (etwa einige Erdradien). Da $r = \frac{m\,v}{q\,B}$ ist, gilt: Je größer Impuls $m\,v$ und je schwächer das Feld, desto größer der Radius.
| Teilchen | $E_{kin}$ | $B$ | Bahnradius |
|---|---|---|---|
| Proton (Sonnenwind) | 1 keV | $4 \cdot 10^{-5}\ \text{T}$ | etwa 115 m |
| Proton (Sonnensturm) | 1 MeV | $5 \cdot 10^{-8}\ \text{T}$ | etwa $3 \cdot 10^6$ m |
| Proton (kosmische Strahlung) | $10^{9}$ MeV und mehr | beliebig im Erdfeld | größer als die Erde |
Das Feld schützt also vor dem langsamen Sonnenwind sehr gut, bei Sonnenstürmen mit Teilchen in MeV-Bereich nur teilweise (Polarlicht, Störungen von Satelliten) und vor extrem energiereicher kosmischer Strahlung kaum. Dort ist $r$ so groß, dass die Teilchen praktisch geradlinig durchlaufen. Die Strahlenbelastung am Boden wird in diesem Fall nur noch von der Atmosphäre verringert.
Protonen mit der kinetischen Energie $E = 1,0\ \text{keV}$ treffen senkrecht auf ein Feld $B = 4,0 \cdot 10^{-5}\ \text{T}$. Verwenden Sie…
Protonen mit der kinetischen Energie $E = 1,0\ \text{keV}$ treffen senkrecht auf ein Feld $B = 4,0 \cdot 10^{-5}\ \text{T}$. Verwenden Sie $m_p = 1,673 \cdot 10^{-27}\ \text{kg}$.
- a) Berechnen Sie die Geschwindigkeit.
- b) Berechnen Sie den Radius der Kreisbahn und vergleichen Sie ihn mit dem Erdradius $6,37 \cdot 10^6\ \text{m}$.
- c) Erklären Sie, warum die Teilchen Richtung Pole gelenkt werden.
Auf der Erde ist das Magnetfeld in Mitteleuropa etwa $48\ \mu\text{T}$ stark. Auf dem Mars gibt es kein globales Magnetfeld. a) Beschreiben Sie, welche Folgen das Fehlen…
Auf der Erde ist das Magnetfeld in Mitteleuropa etwa $48\ \mu\text{T}$ stark. Auf dem Mars gibt es kein globales Magnetfeld.
- a) Beschreiben Sie, welche Folgen das Fehlen eines Magnetfelds für geladene Teilchen aus dem All hat.
- b) Beurteilen Sie, welche Bedeutung das für Leben auf der Oberfläche und für die Atmosphäre hat.
Ein Sonnensturm schickt Protonen mit $E = 1,0\ \text{MeV}$ in Richtung Erde. Das Erdfeld in 10 Erdradien Höhe beträgt etwa $B = 5 \cdot 10^{-8}\ \text{T}$. a) Berechnen…
Ein Sonnensturm schickt Protonen mit $E = 1,0\ \text{MeV}$ in Richtung Erde. Das Erdfeld in 10 Erdradien Höhe beträgt etwa $B = 5 \cdot 10^{-8}\ \text{T}$.
- a) Berechnen Sie den Bahnradius der Protonen.
- b) Bewerten Sie, ob das Erdmagnetfeld die Protonen bei dieser Energie ablenken kann.
- c) Diskutieren Sie, warum sehr energiereiche kosmische Teilchen das Feld trotzdem durchdringen können, und was das für die Strahlenbelastung auf der Erdoberfläche bedeutet.
Aktiver Lärmschutz: Interferenz im Kopfhörer
Ein Kopfhörer mit Noise-Cancelling hat außen ein Mikrofon, das den Umgebungslärm aufnimmt. Eine Elektronik erzeugt ein Signal gleicher Frequenz und Amplitude, aber mit umgekehrtem Vorzeichen, und der Lautsprecher spielt es zusätzlich ab. Beide Schallwellen überlagern sich nach dem Superpositionsprinzip: Die Auslenkungen addieren sich.
Ein Gegensignal in Gegenphase löscht den Lärm nur dann ganz aus, wenn Frequenz, Amplitude und Phase exakt passen. Schon eine kleine Verzögerung $\Delta t$ der Elektronik verschiebt die Phase um $\varphi = 2\pi f\,\Delta t$. Für kleine $\varphi$ bleibt dann eine Restamplitude von etwa $\varphi$ (bezogen auf die Ursprungsamplitude) übrig. Begründung: Mit dem Additionstheorem gilt $\sin(\omega t) + \sin(\omega t + \pi + \varphi) = \sin(\omega t) - \sin(\omega t + \varphi) = -2\sin\left(\tfrac{\varphi}{2}\right)\cos\left(\omega t + \tfrac{\varphi}{2}\right)$. Die Summe schwingt also mit der Amplitude $2\sin\left(\tfrac{\varphi}{2}\right)$, und für kleine Winkel ist $\sin\left(\tfrac{\varphi}{2}\right) \approx \tfrac{\varphi}{2}$, also $2\sin\left(\tfrac{\varphi}{2}\right) \approx \varphi$.
Zwei Schallwellen gleicher Frequenz und Amplitude überlagern sich. Beim Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung wird das Störsignal mit einem Gegensignal überlagert.…
Zwei Schallwellen gleicher Frequenz und Amplitude überlagern sich. Beim Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung wird das Störsignal mit einem Gegensignal überlagert.
- a) Geben Sie an, welche Phasenverschiebung das Gegensignal haben muss.
- b) Nennen Sie den Fachbegriff für diese Überlagerung.
Ein Störgeräusch mit $f = 200\ \text{Hz}$ ($c = 340\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) soll durch ein Gegensignal ausgelöscht werden, das von einem Lautsprecher in einer…
Ein Störgeräusch mit $f = 200\ \text{Hz}$ ($c = 340\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$) soll durch ein Gegensignal ausgelöscht werden, das von einem Lautsprecher in einer Kopfhörermuschel erzeugt wird.
- a) Berechnen Sie die Wellenlänge des Störgeräuschs.
- b) Berechnen Sie den Wegunterschied, der für destruktive Interferenz bei gleichphasiger Quelle mindestens erforderlich wäre.
- c) Beurteilen Sie, warum das System bei hohen Frequenzen schlechter funktioniert.
Ein Hersteller wirbt für Kopfhörer: „Sie löschen jeden Lärm aus.“ Das Gerät erzeugt mit einem Mikrofon und einer Elektronik ein Gegensignal mit einer Verzögerung von…
Ein Hersteller wirbt für Kopfhörer: „Sie löschen jeden Lärm aus.“ Das Gerät erzeugt mit einem Mikrofon und einer Elektronik ein Gegensignal mit einer Verzögerung von $\Delta t = 0,05\ \text{ms}$.
- a) Berechnen Sie die Phasenverschiebung des Gegensignals zusätzlich zur idealen Gegenphase bei $f = 1,0\ \text{kHz}$ ($\varphi = 2\pi f \Delta t$).
- b) Berechnen Sie die verbleibende relative Amplitude des Störschalls bei dieser Phasenabweichung (Überlagerung von Störschall und Gegensignal im Zeigerdiagramm: $A_{\text{rest}}/A = 2\sin(\varphi/2) \approx \varphi$).
- c) Bewerten Sie die Werbeaussage physikalisch und nennen Sie zwei Einschränkungen.
Passiver Lärmschutz: Wand und Beugung
Neben einer Autobahn, etwa an der A40 im Ruhrgebiet, stehen Lärmschutzwände. Sie sind ein Hindernis für den Schall. Hinter der Wand entsteht ein Schallschatten, aber Wellen werden an der Kante gebeugt: Nach dem Huygens'schen Prinzip geht von jedem Punkt der Kante eine Elementarwelle aus. Wie stark die Welle in den Schatten hineinläuft, hängt vom Verhältnis Wellenlänge zu Hindernisgröße ab.
Ein Wohngebiet in Dortmund liegt neben einer Autobahn. Eine Lärmschutzwand der Höhe $h = 4,0\ \text{m}$ soll den Schall abschirmen. Typische Verkehrsgeräusche liegen…
Ein Wohngebiet in Dortmund liegt neben einer Autobahn. Eine Lärmschutzwand der Höhe $h = 4,0\ \text{m}$ soll den Schall abschirmen. Typische Verkehrsgeräusche liegen zwischen $100\ \text{Hz}$ und $2.000\ \text{Hz}$; $c = 340\ \frac{\text{m}}{\text{s}}$.
- a) Berechnen Sie die Wellenlängen an den Rändern des Frequenzbereichs.
- b) Erklären Sie mit Beugung, warum tiefe Frequenzen schlechter abgeschirmt werden als hohe.
- c) Bewerten Sie begründet, ob zusätzlich aktive Maßnahmen oder eine höhere Wand sinnvoller wären, und nennen Sie ein Kriterium für die Entscheidung.
Bewerten: Kriterien für physikalische Aussagen
Die Operatoren „beurteilen“ und „bewerten“ verlangen mehr als Rechnen: Sie wägen Argumente ab und kommen zu einem begründeten Urteil. Das Vorgehen lässt sich auf beide Themen dieser Seite anwenden.
Auf einen Blick
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Die Lorentzkraft $F_L = q\,v\,B$ lenkt geladene Teilchen im Erdmagnetfeld ab. Der Bahnradius ist $r = \dfrac{m\,v}{q\,B}$, die Bahn eine Kreis- bzw. Schraubenbahn um die Feldlinie.
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Die Schutzwirkung des Erdmagnetfelds nimmt mit wachsender Teilchenenergie ab: Sonnenwind wird gut abgelenkt, extrem energiereiche kosmische Strahlung kaum.
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Aktiver Lärmschutz nutzt destruktive Interferenz mit einem Gegensignal in Gegenphase. Eine Verzögerung $\Delta t$ erzeugt die Phasenabweichung $\varphi = 2\pi f\,\Delta t$, daher wirkt er bei tiefen Frequenzen am besten.
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Passiver Lärmschutz (Wand) funktioniert gut, wenn $\lambda$ deutlich kleiner als $h$ ist (etwa $h/\lambda \gtrsim 5$). Lange Wellen werden um die Kante gebeugt.
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Bewerten heißt: Größen berechnen, mit einer Vergleichsgröße vergleichen, Grenzen nennen und ein begründetes Urteil fällen.
Vom Anfang her gesprochen: Das Erdmagnetfeld schützt zuverlässig gegen den langsamen Sonnenwind, aber nicht lückenlos. Noise-Cancelling dämpft vor allem tiefe, gleichmäßige Geräusche, aber es „löscht“ nicht jeden Lärm aus.