Zurück zur StartseiteChemie · Q2 Leistungskurs · Fach wechseln
Kostenlos starten
Q2 Leistungskurs · Chemie
Vorbereitung auf das Abitur Chemie · Reaktionswege in der organischen Chemie und Moderne Werkstoffe

Kunststoffsynthese durch Polymerisation

Die Pfandflasche aus dem Supermarkt, der Joghurtbecher, das Abwasserrohr: Alle diese Produkte bestehen aus Kunststoffen, deren Moleküle aus Tausenden gleichen Bausteinen bestehen. In einem Chemiepark wie in Marl entstehen sie aus kleinen Molekülen wie Ethen. Wie werden aus einem Gas, das bei Raumtemperatur kaum zu handhaben ist, feste Folien und Rohre? Und warum polymerisiert Ethan nicht, obwohl es dem Ethen so ähnlich ist?

Vom Monomer zum Makromolekül

Bei der Polymerisation reagieren sehr viele Monomere (kleine Moleküle) zu einem Makromolekül (Polymer). Als Reaktionstyp wird sie auch Kettenwachstumsreaktion genannt.

Die Voraussetzung für das Monomer ist also eine C=C-Doppelbindung. Aus der Doppelbindung wird eine Einfachbindung, und jedes C-Atom bildet eine neue Bindung zum nächsten Monomer. Gesättigte Moleküle wie Ethan haben keine Doppelbindung und können sich so nicht verknüpfen.

Hinweis zur Abgrenzung: Der Begriff „Polyaddition“ bezeichnet in Deutschland eine andere Reaktion (zum Beispiel Diol + Diisocyanat zu Polyurethan). Die hier behandelte Reaktion heißt Polymerisation.

Die Reaktionsgleichung für Ethen zu Polyethen (PE):

$$n\ \mathrm{CH_2{=}CH_2} \longrightarrow \left[\ \mathrm{CH_2{-}CH_2}\ \right]_n$$

Der Ausdruck in der eckigen Klammer ist die Wiederholeinheit, $n$ ist der Polymerisationsgrad (Kettenlänge): die Anzahl der Wiederholeinheiten in einem Makromolekül.

Aus vielen Ethenmolekülen mit Doppelbindung entsteht eine Kette aus Einfachbindungen. Polymerisation von Ethen CH₂CH₂CH₂ n Monomere mit C=C Doppelbindung → Einfachbindung …–CH₂–CH₂–CH₂–CH₂–…
Monomer Polymer Wiederholeinheit
Ethen Polyethen (PE) $\mathrm{{-}CH_2{-}CH_2{-}}$
Propen Polypropen (PP) $\mathrm{{-}CH_2{-}CH(CH_3){-}}$
Chlorethen Polyvinylchlorid (PVC) $\mathrm{{-}CH_2{-}CHCl{-}}$
Styrol Polystyrol (PS) $\mathrm{{-}CH_2{-}CH(C_6H_5){-}}$
Tetrafluorethen Polytetrafluorethen (PTFE) $\mathrm{{-}CF_2{-}CF_2{-}}$
Üben★☆☆Nicht begonnen
Polyethen wird großtechnisch aus Ethen hergestellt, zum Beispiel für Folien und Behälter. a) Stellen Sie die Reaktionsgleichung der Polymerisation von Ethen zu Polyethen…

Polyethen wird großtechnisch aus Ethen hergestellt, zum Beispiel für Folien und Behälter.

  1. a) Stellen Sie die Reaktionsgleichung der Polymerisation von Ethen zu Polyethen mit Strukturformeln auf. Verwenden Sie dabei den Polymerisationsgrad $n$ und kennzeichnen Sie die Wiederholeinheit.
  1. b) Nennen Sie die Voraussetzung, die ein Monomer für die Polymerisation erfüllen muss.
  1. c) Erklären Sie, warum Ethan nicht polymerisiert.
Lösen
Üben★☆☆Nicht begonnen
Aus den folgenden Monomeren werden Kunststoffe hergestellt: Propen, Chlorethen und Tetrafluorethen. a) Zeichnen Sie für jedes Monomer die Strukturformel der…

Aus den folgenden Monomeren werden Kunststoffe hergestellt: Propen, Chlorethen und Tetrafluorethen.

  1. a) Zeichnen Sie für jedes Monomer die Strukturformel der Wiederholeinheit des zugehörigen Polymers.
  1. b) Nennen Sie die Namen der drei Polymere (mit gängiger Abkürzung, wenn vorhanden).
  1. c) Begründen Sie, warum bei der Polymerisation keine weiteren Produkte neben dem Polymer entstehen.
Lösen

Nachweis und Reaktionstyp

Wie erkennt man im Labor, dass eine Doppelbindung verbraucht wurde? Mit Bromwasser: Ungesättigte Verbindungen entfärben es durch elektrophile Addition.

$$\mathrm{CH_2{=}CH_2 + Br_2 \longrightarrow CH_2Br{-}CH_2Br}$$

Mechanismus: Das Br₂-Molekül wird in der Nähe der C=C-Doppelbindung polarisiert (δ+ am nahen Br-Atom, δ− am fernen). Das Elektronenpaar der π-Bindung greift das δ+-Br-Atom an (Elektronenpaar-Verschiebungspfeil), es bildet sich ein Bromonium-Ion (Zwischenstufe, Carbenium-Ion-artig), und Br⁻ lagert sich auf der gegenüberliegenden Seite an.

Ethen entfärbt Bromwasser sofort. Polyethen nicht, denn im Polymer gibt es keine C=C-Doppelbindungen mehr. Das belegt: Bei der Polymerisation werden die Doppelbindungen in Einfachbindungen umgewandelt.

Beide Reaktionen beginnen an der Doppelbindung, aber sie sind verschiedene Reaktionstypen. Bei der Addition reagiert ein Monomer mit kleinen Molekülen (Br₂, HBr) zu einem kleinen Produktmolekül. Bei der Polymerisation reagieren Monomere miteinander zu einem Makromolekül.

Ein weiterer Nachweis: Bei der Brennprobe von PVC ist die Flamme am Rand grün (Chlor), und feuchtes Indikatorpapier färbt sich rot, weil Chlorwasserstoff $\mathrm{HCl}$ entsteht, der sich zu Salzsäure löst.

Üben★★☆Nicht begonnen
Eine Schülergruppe untersucht Ethen (Monomer) und Polyethen (Polymer) mit Bromwasser. Ethen entfärbt Bromwasser sofort, Polyethen verändert die Farbe auch nach mehreren…

Eine Schülergruppe untersucht Ethen (Monomer) und Polyethen (Polymer) mit Bromwasser. Ethen entfärbt Bromwasser sofort, Polyethen verändert die Farbe auch nach mehreren Stunden nicht. Zusätzlich wird eine Brennprobe mit PVC an einem ausgeglühten Kupferdraht durchgeführt (Beilsteinprobe): Die Flamme ist am Rand grün, und feuchtes Indikatorpapier färbt sich rot.

  1. a) Erläutern Sie die Beobachtungen mit Bromwasser und schließen Sie auf die Veränderung der Bindungen bei der Polymerisation.
  1. b) Formulieren Sie die Reaktionsgleichung von Ethen mit Brom und die der Polymerisation von Ethen. Vergleichen Sie die beiden Reaktionstypen.
  1. c) Erklären Sie die Beobachtungen der Brennprobe von PVC.
Lösen
Üben★★☆Nicht begonnen
Joghurtbecher bestehen häufig aus Polypropen (PP). Ein PP-Granulat hat eine mittlere molare Masse von $210\,000\,\mathrm{g/mol}$. a) Stellen Sie die Reaktionsgleichung…

Joghurtbecher bestehen häufig aus Polypropen (PP). Ein PP-Granulat hat eine mittlere molare Masse von $210\,000\,\mathrm{g/mol}$.

  1. a) Stellen Sie die Reaktionsgleichung der Polymerisation von Propen zu Polypropen auf und zeichnen Sie drei Wiederholeinheiten.
  1. b) Berechnen Sie den mittleren Polymerisationsgrad. Es gilt $M(\mathrm{C_3H_6}) = 42{,}0\,\mathrm{g/mol}$.
  1. c) Eine Schülerin schreibt: „Propen reagiert mit Bromwasserstoff und mit sich selbst nach demselben Reaktionstyp.“ Beurteilen Sie diese Aussage.
Lösen

Polymerisationsgrad und molare Masse

Die Kettenlänge eines Kunststoffs wird durch den Polymerisationsgrad $n$ angegeben. Da jede Wiederholeinheit die gleiche Masse hat:

In einer Probe entstehen Ketten unterschiedlicher Länge. Daher gibt man stets mittlere Werte für $n$ und $M$ an.

Für Massenbilanzen gilt: Weil bei der Polymerisation nichts abgespalten wird, ist die Masse des Polymers bei vollständigem Umsatz gleich der Masse der eingesetzten Monomere. Mit der Ausbeute $\eta$:

$$m(\text{Polymer}) = \eta \cdot m(\text{Monomer})$$
Üben★☆☆Nicht begonnen
Ein Hersteller von Joghurtbechern verwendet Polypropen (PP) mit einem mittleren Polymerisationsgrad von $n = 2\,500$. Ein PVC-Rohr besteht aus PVC mit einer mittleren…

Ein Hersteller von Joghurtbechern verwendet Polypropen (PP) mit einem mittleren Polymerisationsgrad von $n = 2\,500$. Ein PVC-Rohr besteht aus PVC mit einer mittleren molaren Masse von $125\,000\,\mathrm{g/mol}$.

Es gilt $M(\mathrm{C_3H_6}) = 42{,}0\,\mathrm{g/mol}$ und $M(\mathrm{C_2H_3Cl}) = 62{,}5\,\mathrm{g/mol}$.

  1. a) Berechnen Sie die mittlere molare Masse des Polypropens.
  1. b) Berechnen Sie den mittleren Polymerisationsgrad des PVC.
  1. c) Erklären Sie, warum in der Praxis stets mittlere Werte für Kettenlänge und molare Masse angegeben werden.
Lösen
Üben★★☆Nicht begonnen
In einem Chemiepark werden $2{,}00\,\mathrm{t}$ Chlorethen zu PVC umgesetzt. Die Ausbeute beträgt $92{,}0\,\%$. Es gilt $M(\mathrm{C_2H_3Cl}) = 62{,}5\,\mathrm{g/mol}$.…

In einem Chemiepark werden $2{,}00\,\mathrm{t}$ Chlorethen zu PVC umgesetzt. Die Ausbeute beträgt $92{,}0\,\%$. Es gilt $M(\mathrm{C_2H_3Cl}) = 62{,}5\,\mathrm{g/mol}$.

  1. a) Berechnen Sie die Stoffmenge an eingesetztem Chlorethen.
  1. b) Berechnen Sie die Masse des entstandenen PVC sowie die Stoffmenge an Wiederholeinheiten im Produkt.
  1. c) Vergleichen Sie die Massenbilanz der Polymerisation mit der einer Veresterung und erklären Sie den Unterschied.
Lösen

Monomere erkennen und Eigenschaften deuten

Aus Analysedaten kann man das Monomer ableiten. Elementaranalyse (Massenanteile $w$) liefert das Stoffmengenverhältnis: $n = \dfrac{m}{M}$ für jedes Element, dann auf die kleinste Zahl teilen.

Eigenschaften hängen von den Substituenten ab: C–F-Bindungen ($485\,\mathrm{kJ/mol}$) sind stärker als C–H ($413\,\mathrm{kJ/mol}$) und C–Cl ($339\,\mathrm{kJ/mol}$). PTFE ist deshalb hitzebeständig und chemisch inert, während PVC bei höherer Temperatur HCl abspaltet (schwächste Bindung C–Cl).

Auch Biokunststoffe unterliegen dieser Chemie: „Bio-Polyethen“ aus Bioethanol ist chemisch identisch mit Polyethen aus Erdöl. Es ist biobasiert (nachwachsende Rohstoffe), aber nicht automatisch biologisch abbaubar. Zur Bewertung gehören ökologische, ökonomische und soziale Aspekte, etwa Anbauflächen und Klimaabhängigkeit des Ertrags.

Üben★★★Nicht begonnen
Ein Kunststoffhersteller bietet „Bio-Polyethen“ an. Es wird aus Bioethanol hergestellt, das aus Zuckerrohr gewonnen wird. Das Ethanol wird dabei zu Ethen umgesetzt…

Ein Kunststoffhersteller bietet „Bio-Polyethen“ an. Es wird aus Bioethanol hergestellt, das aus Zuckerrohr gewonnen wird. Das Ethanol wird dabei zu Ethen umgesetzt (dieser Schritt ist hier nicht Gegenstand der Aufgabe), dessen Polymerisation führt zu Polyethen. Das Produkt ist chemisch identisch mit Polyethen aus Erdöl. Das Zuckerrohr wächst auf großen Anbauflächen, deren Ertrag vom Klima abhängt. Die Gesamtausbeute vom Ethanol zum Polyethen beträgt $90{,}0\,\%$.

Es gilt $M(\mathrm{C_2H_5OH}) = 46{,}0\,\mathrm{g/mol}$ und $M(\mathrm{C_2H_4}) = 28{,}0\,\mathrm{g/mol}$.

  1. a) Erläutern Sie, warum das Produkt aus Bioethanol und das aus Erdöl chemisch identisch sind, und stellen Sie die Reaktionsgleichung der Polymerisation auf.
  1. b) Berechnen Sie die Masse an Ethanol, die für $1{,}00\,\mathrm{t}$ Polyethen benötigt wird.
  1. c) Bewerten Sie den Einsatz von Bio-Polyethen im Vergleich zu Polyethen aus Erdöl unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Eine Elementaranalyse eines unbekannten Thermoplasten liefert die folgenden Massenanteile: $w(\mathrm{C}) = 38{,}4\,\%$, $w(\mathrm{H}) = 4{,}8\,\%$ und…

Eine Elementaranalyse eines unbekannten Thermoplasten liefert die folgenden Massenanteile: $w(\mathrm{C}) = 38{,}4\,\%$, $w(\mathrm{H}) = 4{,}8\,\%$ und $w(\mathrm{Cl}) = 56{,}8\,\%$. Eine Brennprobe ergibt eine grünsäumige Flamme. Es gilt $M(\mathrm{C}) = 12{,}0\,\mathrm{g/mol}$, $M(\mathrm{H}) = 1{,}0\,\mathrm{g/mol}$, $M(\mathrm{Cl}) = 35{,}5\,\mathrm{g/mol}$ und $M(\mathrm{HCl}) = 36{,}5\,\mathrm{g/mol}$.

  1. a) Bestimmen Sie das Stoffmengenverhältnis der Elemente und die Verhältnisformel.
  1. b) Leiten Sie das Monomer ab und formulieren Sie die Reaktionsgleichung der Polymerisation.
  1. c) Berechnen Sie die Masse an Chlorwasserstoff, die bei vollständiger Verbrennung von $1{,}00\,\mathrm{kg}$ dieses Kunststoffs höchstens entsteht, und beurteilen Sie die Folgen für die energetische Verwertung.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Ein Vergleich von drei Thermoplasten: | Polymer | Dichte in g/cm³ | Eigenschaften | |---|---|---| | PE | 0,95 | weich, geringe thermische Beständigkeit | | PVC | 1,4 |…

Ein Vergleich von drei Thermoplasten:

Polymer Dichte in g/cm³ Eigenschaften
PE 0,95 weich, geringe thermische Beständigkeit
PVC 1,4 hart, bei höherer Temperatur Abspaltung von HCl
PTFE 2,2 extrem reibungsarm, hitzebeständig, chemisch inert

Mittlere Bindungsenergien: $E(\mathrm{C-H}) = 413\,\mathrm{kJ/mol}$, $E(\mathrm{C-Cl}) = 339\,\mathrm{kJ/mol}$, $E(\mathrm{C-F}) = 485\,\mathrm{kJ/mol}$. Es gilt $M(\mathrm{C_2F_4}) = 100{,}0\,\mathrm{g/mol}$ und $M(\mathrm{F}) = 19{,}0\,\mathrm{g/mol}$.

  1. a) Stellen Sie die Reaktionsgleichung der Polymerisation von Tetrafluorethen auf und berechnen Sie den Massenanteil an Fluor im PTFE.
  1. b) Erklären Sie die unterschiedlichen thermischen und chemischen Eigenschaften der drei Polymere. Beziehen Sie dabei die Bindungsenergien, die zwischenmolekularen Wechselwirkungen zwischen den Polymerketten und die Dichten (in Bezug auf die Masse der Substituenten) ein.
  1. c) Beurteilen Sie den Einsatz von PTFE als Beschichtung für Pfannen und mögliche Probleme am Ende des Produktlebens.
Lösen

Vorbei der Kreis zum Anfang: Aus dem Gas Ethen entstehen feste Folien, weil sich tausende Moleküle durch Öffnen der Doppelbindung zu langen Ketten verknüpfen. Ethan kann das nicht, da ihm die Doppelbindung fehlt.

Auf einen Blick

  • Polymerisation: Monomere mit C=C-Doppelbindung verknüpfen sich durch Öffnen der Doppelbindung zu Makromolekülen, ohne Abspaltung (nicht zu verwechseln mit der Polyaddition).

  • Reaktionsgleichung: $n\ \text{Monomer} \to [\text{Wiederholeinheit}]_n$; die Wiederholeinheit hat dieselbe Summenformel wie das Monomer.

  • Nachweis: Monomere entfärben Bromwasser, Polymere nicht; PVC: grüne Flammenränder und HCl.

  • $M(\text{Polymer}) = n \cdot M(\text{Wiederholeinheit})$; $n$ und $M$ sind Mittelwerte.

  • Ausbeute: $m(\text{Polymer}) = \eta \cdot m(\text{Monomer})$.

  • Biobasiert ≠ biologisch abbaubar; Bewertung in drei Dimensionen: ökologisch, ökonomisch, sozial.

Alle Aufgaben zu diesem Abschnitt anzeigen