Estersynthese und chemisches Gleichgewicht
Im Joghurt riecht es nach Birne, im Nagellackentferner nach Lösemittel: Beide Gerüche stammen von Estern. Man könnte meinen, man mischt einfach Säure und Alkanol und erhält den Ester vollständig. Warum das nicht klappt und wie man trotzdem eine hohe Ausbeute erreicht, klären Sie in diesem Abschnitt der Abiturvorbereitung.
Die Estersynthese
Ein Ester entsteht aus einer Carbonsäure und einem Alkanol unter Abspaltung von Wasser. Es handelt sich um eine Kondensationsreaktion. Die Carboxygruppe $-\mathrm{COOH}$ und die Hydroxygruppe $-\mathrm{OH}$ verbinden sich zur Estergruppe $-\mathrm{COO}-$.
$$\mathrm{CH_3COOH + C_2H_5OH \;\rightleftharpoons\; CH_3COOC_2H_5 + H_2O}$$Benannt wird der Ester nach dem Schema Säurename + Alkylrest + ester: Ethansäure und Ethanol ergeben Essigsäureethylester (Ethansäureethylester). Butansäure und Ethanol ergeben Butansäureethylester (Ananasgeruch).
Das Wasser entsteht aus der OH-Gruppe der Carboxygruppe der Säure und dem H-Atom der Hydroxygruppe des Alkanols. Das lässt sich durch Markierung mit dem Sauerstoff-Isotop $^{18}\mathrm{O}$ im Alkanol überprüfen: Der Sauerstoff des Alkanols bleibt am Alkylrest und findet sich daher im Ester wieder, nicht im Wasser. Fruchtester sind flüchtig und riechen deshalb, Essigsäureethylester dient zudem als Lösemittel.
Essigsäureethylester ist ein häufig verwendetes Lösemittel, etwa in Nagellackentfernern. Er wird aus Ethansäure und Ethanol unter Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure…
Essigsäureethylester ist ein häufig verwendetes Lösemittel, etwa in Nagellackentfernern. Er wird aus Ethansäure und Ethanol unter Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure hergestellt.
- a) Stellen Sie die Reaktionsgleichung der Estersynthese mit Strukturformeln auf. Kennzeichnen Sie die Estergruppe.
- b) Nennen Sie die Funktion der Schwefelsäure und erklären Sie, warum man von homogener Katalyse spricht.
- c) Nennen Sie das Nebenprodukt der Reaktion.
Ester kommen in Fruchtaromen vor. In der Tabelle sind einige Beispiele aufgeführt. | Ester | Geruch | |---|---| | Butansäureethylester | Ananas | |…
Ester kommen in Fruchtaromen vor. In der Tabelle sind einige Beispiele aufgeführt.
| Ester | Geruch |
|---|---|
| Butansäureethylester | Ananas |
| Essigsäureisopentylester | Birne |
| Butansäuremethylester | Apfel |
- a) Nennen Sie die Edukte zur Herstellung von Butansäureethylester und zeichnen Sie die Strukturformel des Esters.
- b) Nennen Sie drei Maßnahmen, mit denen die Ausbeute einer Estersynthese nach dem Prinzip von Le Chatelier erhöht werden kann.
- c) Beschreiben Sie, was man unter einem chemischen Gleichgewicht versteht.
Katalyse mit Schwefelsäure
Ohne Zusatz läuft die Veresterung bei Raumtemperatur kaum ab. Man gibt deshalb einige Tropfen konzentrierte Schwefelsäure zu. Sie liefert Oxonium-Ionen $\mathrm{H_3O^+}$ (bzw. $\mathrm{H^+}$), die als Katalysator wirken.
-
Der Katalysator senkt die Aktivierungsenergie und beschleunigt Hin- und Rückreaktion gleich stark.
-
Er wird nicht verbraucht.
-
Er liegt im selben Aggregatzustand vor wie die Edukte (flüssige Lösung): homogene Katalyse.
-
Er verschiebt die Lage des Gleichgewichts nicht, $K_c$ bleibt unverändert. Das Gleichgewicht wird nur schneller erreicht.
Konzentrierte Schwefelsäure bindet außerdem Wasser. Das verschiebt das Gleichgewicht zusätzlich zum Ester hin.
Für die Bildung von Essigsäureethylester aus Ethansäure und Ethanol gilt bei $25\,°\mathrm{C}$ die Gleichgewichtskonstante $K_c = 4{,}0$. a) Formulieren Sie das…
Für die Bildung von Essigsäureethylester aus Ethansäure und Ethanol gilt bei $25\,°\mathrm{C}$ die Gleichgewichtskonstante $K_c = 4{,}0$.
- a) Formulieren Sie das Massenwirkungsgesetz für diese Reaktion.
- b) Beschreiben Sie, wie sich der Zusatz eines Katalysators auf den Wert von $K_c$ auswirkt.
- c) Erklären Sie anhand des Massenwirkungsgesetzes, warum ein Überschuss an Ethanol die Ausbeute an Ester erhöht.
Chemisches Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz
Die Veresterung ist umkehrbar: Der Ester reagiert mit Wasser wieder zu Säure und Alkanol (Hydrolyse). Anfangs überwiegt die Hinreaktion. Mit steigender Esterkonzentration wächst die Geschwindigkeit der Rückreaktion. Im chemischen Gleichgewicht sind beide Geschwindigkeiten gleich groß, die Konzentrationen bleiben konstant, obwohl auf Teilchenebene weiter Reaktionen ablaufen (dynamisches Gleichgewicht).
Das Massenwirkungsgesetz (MWG) für die Veresterung lautet:
$$K_c = \dfrac{c(\mathrm{Ester})\cdot c(\mathrm{H_2O})}{c(\mathrm{Säure})\cdot c(\mathrm{Alkanol})}$$Bei $25\,°\mathrm{C}$ gilt für Essigsäureethylester etwa $K_c = 4{,}0$. Der Wert hängt nur von der Temperatur ab. Er ist klein genug, dass bei äquimolarem Ansatz keine vollständige Umsetzung stattfindet.
Ethansäure und Ethanol reagieren zu Essigsäureethylester und Wasser. Für die Reaktion gilt $K_c = 4{,}0$. Alle Stoffe liegen im Gleichgewicht im gleichen Volumen gelöst…
Ethansäure und Ethanol reagieren zu Essigsäureethylester und Wasser. Für die Reaktion gilt $K_c = 4{,}0$. Alle Stoffe liegen im Gleichgewicht im gleichen Volumen gelöst vor.
- a) Berechnen Sie die Stoffmenge an Ester im Gleichgewicht, wenn man $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Ethansäure und $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Ethanol einsetzt. Geben Sie die Ausbeute bezogen auf die Säure an.
- b) Berechnen Sie die Stoffmenge an Ester im Gleichgewicht, wenn man $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Ethansäure und $3{,}00\,\mathrm{mol}$ Ethanol einsetzt. Geben Sie auch hier die Ausbeute bezogen auf die Säure an.
- c) Begründen Sie den Unterschied der Ausbeuten mithilfe des Prinzips von Le Chatelier.
Bei der Synthese eines Esters aus je $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Carbonsäure und Alkanol in einem Gesamtvolumen von $1{,}00\,\mathrm{L}$ wird die Stoffmenge des Esters…
Bei der Synthese eines Esters aus je $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Carbonsäure und Alkanol in einem Gesamtvolumen von $1{,}00\,\mathrm{L}$ wird die Stoffmenge des Esters zeitabhängig bestimmt:
| t in min | 0 | 10 | 20 | 40 | 60 | 90 | 120 | 150 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| n(Ester) in mol | 0 | 0,18 | 0,29 | 0,44 | 0,52 | 0,58 | 0,60 | 0,60 |
- a) Beschreiben Sie den Verlauf der Stoffmenge des Esters und deuten Sie ihn im Hinblick auf das chemische Gleichgewicht.
- b) Berechnen Sie die Gleichgewichtskonstante $K_c$ der Reaktion.
- c) Berechnen Sie die Ausbeute bezogen auf die Säure, wenn bei gleichem $K_c$ $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Säure mit $2{,}00\,\mathrm{mol}$ Alkanol umgesetzt werden.
- d) Skizzieren Sie qualitativ den Verlauf von $n(\text{Ester})$ gegen $t$ bei Zusatz von mehr Katalysator in den gleichen Ansatz und erläutern Sie ihn.
Ausbeute optimieren: Prinzip von Le Chatelier
Prinzip von Le Chatelier: Übt man auf ein System im Gleichgewicht einen Zwang aus (Änderung von Konzentration, Temperatur, Druck), weicht das System dem Zwang so aus, dass dieser verringert wird.
Für die Estersynthese gibt es drei bewährte Maßnahmen:
| Maßnahme | Wirkung im MWG | Folge |
|---|---|---|
| Überschuss eines Edukts (meist das billigere Alkanol) | Nenner wird größer, $Q < K_c$ | mehr Ester, bezogen auf die Säure |
| Wasser entfernen (Trockenmittel, Wasserabscheider, konz. $\mathrm{H_2SO_4}$) | Zähler wird kleiner, $Q < K_c$ | mehr Ester |
| Ester abtrennen (Destillation, falls er am niedrigsten siedet) | Zähler wird kleiner | mehr Ester |
Ein Katalysator allein erhöht die Ausbeute nicht. Er verkürzt nur die Zeit bis zum Gleichgewicht.
Zur Durchführung im Schullabor: Das Gemisch wird unter Rückfluss erhitzt, damit nichts verdampft. Siedesteine verhindern Siedeverzug. Soll der Ester abgetrennt werden, destilliert man ihn ab. Das geht, wenn er den niedrigsten Siedepunkt der Mischung hat, wie beim Essigsäuremethylester ($57\,°\mathrm{C}$).
Vier Ansätze zur Herstellung von Essigsäureethylester werden jeweils $60\,\mathrm{min}$ bei $70\,°\mathrm{C}$ unter Rückfluss erhitzt. Je Ansatz werden…
Vier Ansätze zur Herstellung von Essigsäureethylester werden jeweils $60\,\mathrm{min}$ bei $70\,°\mathrm{C}$ unter Rückfluss erhitzt. Je Ansatz werden $0{,}200\,\mathrm{mol}$ Ethansäure eingesetzt.
| Ansatz | Bedingungen | Ausbeute nach 60 min |
|---|---|---|
| A | äquimolar, mit Schwefelsäure | 62 % |
| B | 3-facher Überschuss Ethanol, mit Schwefelsäure | 85 % |
| C | äquimolar, mit Schwefelsäure, Wasser wird durch ein Trockenmittel gebunden | 91 % |
| D | äquimolar, ohne Schwefelsäure | 4 % |
- a) Erklären Sie die Unterschiede der Ausbeuten der Ansätze A, B und C.
- b) Erklären Sie das Ergebnis von Ansatz D. Beurteilen Sie, ob Ansatz D bei sehr langer Reaktionszeit die gleiche Ausbeute wie Ansatz A erreichen würde.
- c) Berechnen Sie die Masse an Ester, die in Ansatz B entstanden ist. Es gilt $M(\mathrm{C_4H_8O_2}) = 88{,}1\,\mathrm{g/mol}$.
In einem Fruchtjoghurt mit einem pH-Wert von etwa 4 ist ein Aromaester gelöst. Zur Modellierung wird die Hydrolyse von Essigsäureethylester betrachtet.…
In einem Fruchtjoghurt mit einem pH-Wert von etwa 4 ist ein Aromaester gelöst. Zur Modellierung wird die Hydrolyse von Essigsäureethylester betrachtet. $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Ester (entspricht $88{,}1\,\mathrm{g}$) und $1{,}00\,\mathrm{mol}$ Wasser werden gemischt. Für die Bildung des Esters aus Säure und Alkohol gilt $K_c = 4{,}0$.
- a) Stellen Sie die Reaktionsgleichung der Hydrolyse von Essigsäureethylester mit Strukturformeln auf.
- b) Erklären Sie, warum Oxonium-Ionen sowohl die Veresterung als auch die Hydrolyse katalysieren, ohne die Lage des Gleichgewichts zu verändern.
- c) Berechnen Sie, welche Masse an Ester im Gleichgewicht noch vorliegt. Gehen Sie davon aus, dass alle Stoffe im gleichen Volumen gelöst vorliegen.
Mia soll im Schullabor Essigsäuremethylester herstellen und dabei die Ausbeute möglichst hoch halten. Ihr stehen folgende Angaben zur Verfügung: | Stoff |…
Mia soll im Schullabor Essigsäuremethylester herstellen und dabei die Ausbeute möglichst hoch halten. Ihr stehen folgende Angaben zur Verfügung:
| Stoff | Siedetemperatur |
|---|---|
| Essigsäuremethylester | 57 °C |
| Methanol | 65 °C |
| Wasser | 100 °C |
| Ethansäure | 118 °C |
Als Material stehen ihr Ethansäure, Methanol, konzentrierte Schwefelsäure, ein Trockenmittel, Siedesteine und handelsübliche Glasgeräte zur Verfügung.
- a) Planen Sie ein Experiment zur Herstellung von Essigsäuremethylester. Geben Sie Edukte, Katalysator, Apparatur und Maßnahmen zur Optimierung der Ausbeute an.
- b) Begründen Sie jede der von Ihnen geplanten Maßnahmen mithilfe des Prinzips von Le Chatelier.
- c) Methanol ist giftig. Beurteilen Sie, welche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind und ob ein anderes Alkanol sinnvoller wäre.
Ein Entsorgungsunternehmen und ein Hersteller von Lösemitteln vergleichen zwei Verfahren zur Herstellung von $1000\,\mathrm{kg}$ Essigsäureethylester. In beiden…
Ein Entsorgungsunternehmen und ein Hersteller von Lösemitteln vergleichen zwei Verfahren zur Herstellung von $1000\,\mathrm{kg}$ Essigsäureethylester. In beiden Verfahren wird der Ester kontinuierlich abgetrennt, der jeweils nicht vollständig umgesetzte Anteil der Ethansäure wird nicht zurückgewonnen.
| Verfahren A | Verfahren B | |
|---|---|---|
| Maßnahme | Überschuss an Ethanol | Entfernen von Wasser mit Wasserabscheider |
| Ausbeute bezogen auf Ethansäure | 85 % | 97 % |
| Energiebedarf je kg Ester | 2,1 MJ | 3,4 MJ |
Es gilt $M(\mathrm{CH_3COOH}) = 60{,}0\,\mathrm{g/mol}$ und $M(\mathrm{C_4H_8O_2}) = 88{,}1\,\mathrm{g/mol}$.
- a) Erklären Sie für beide Verfahren die Wirkung der Maßnahme mit dem Prinzip von Le Chatelier.
- b) Berechnen Sie für beide Verfahren die Masse an Ethansäure, die für $1000\,\mathrm{kg}$ Ester eingesetzt werden muss, sowie den Gesamtenergiebedarf.
- c) Bewerten Sie beide Verfahren unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten und geben Sie eine begründete Empfehlung ab.
Auf einen Blick
Zurück zum Anfang: Der Fruchtgeruch stammt vom Ester. Weil ein Gleichgewicht vorliegt, braucht man Überschuss oder Wasserentzug und einen Katalysator, damit die Ausbeute hoch und die Reaktion schnell genug ist.