Struktur und Eigenschaften von Kunststoffen
Eine PET-Pfandflasche wird beim Erhitzen weich, ein Fahrradschlauch lässt sich dehnen und zieht sich wieder zusammen, und der Kunststoffgriff einer alten Steckdose verkohlt, ohne je zu schmelzen. Alle drei Werkstoffe bestehen aus Makromolekülen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und wenigen weiteren Elementen. Woran liegt es, dass sie sich so verschieden verhalten? Die Antwort steckt in der Struktur der Makromoleküle. Am Ende der Seite können Sie sie geben.
Kettenlänge und Erweichungsbereich
Ein Kunststoff besteht aus Makromolekülen, die durch Verknüpfung vieler Monomere entstehen. Die Zahl der Wiederholeinheiten in einem Makromolekül heißt Polymerisationsgrad $n$ (auch Kettenlänge).
Zwischen den Ketten wirken zwischenmolekulare Wechselwirkungen. Bei unpolaren Ketten wie Polyethen (PE) sind das van-der-Waals-Kräfte. Eine einzelne Wechselwirkung ist schwach, aber eine lange Kette hat sehr viele Kontaktstellen. Je länger die Kette, desto stärker hält sie insgesamt zusammen. Die Folgen:
-
Kurze Ketten (Probe wachsartig, weich) gleiten leicht aneinander ab.
-
Lange Ketten sind zäh und reißfest, weil sich viele Ketten verhaken und zusammenhalten.
Warum kein scharfer Schmelzpunkt?
Ein niedermolekularer Reinstoff wie Wasser besteht aus gleichen Molekülen. Alle brauchen dieselbe Energie, um aus dem Gitter gelöst zu werden. Deshalb schmilzt er bei einer festen Temperatur. Ein Polymer enthält Ketten verschiedener Länge, und die Ketten liegen unterschiedlich geordnet. Die einen lösen sich früher, die anderen später voneinander. Der Kunststoff erweicht daher in einem Erweichungsbereich über viele Grad.
Polyethen (PE) und Polyvinylchlorid (PVC) sind Thermoplaste. PVC wird für Rohre und Bodenbeläge, PE für Folien und Flaschen verwendet. a) Zeichnen Sie einen Ausschnitt…
Polyethen (PE) und Polyvinylchlorid (PVC) sind Thermoplaste. PVC wird für Rohre und Bodenbeläge, PE für Folien und Flaschen verwendet.
- a) Zeichnen Sie einen Ausschnitt aus einem PVC-Makromolekül mit drei Wiederholeinheiten und nennen Sie das Monomer.
- b) Vergleichen Sie die zwischenmolekularen Wechselwirkungen zwischen den Ketten von PE und PVC.
- c) Erklären Sie, warum Polymere im Unterschied zu niedermolekularen Stoffen keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern einen Erweichungsbereich haben.
Zwei Polyethen-Proben haben unterschiedliche mittlere molare Massen. Probe A ist vergleichsweise weich und wenig reißfest, Probe B ist zäh und reißfest, sie wird für…
Zwei Polyethen-Proben haben unterschiedliche mittlere molare Massen. Probe A ist vergleichsweise weich und wenig reißfest, Probe B ist zäh und reißfest, sie wird für Gleitflächen in Gelenkimplantaten verwendet.
| Probe | mittlere molare Masse |
|---|---|
| A | $28\,000\,\mathrm{g/mol}$ |
| B | $2{,}8\cdot 10^{6}\,\mathrm{g/mol}$ |
Es gilt $M(\mathrm{C_2H_4}) = 28{,}0\,\mathrm{g/mol}$.
- a) Berechnen Sie den mittleren Polymerisationsgrad $n$ für beide Proben.
- b) Erklären Sie den Zusammenhang zwischen Kettenlänge, zwischenmolekularen Wechselwirkungen und den mechanischen Eigenschaften.
- c) Beurteilen Sie die Aussage: „Ein Polymer mit sehr langen Ketten ist immer ein Duroplast.“
Verzweigung und zwischenmolekulare Wechselwirkungen
Nicht nur die Länge, auch die Gestalt der Ketten zählt. Bei Polyethen unterscheidet man zwei Varianten:
| LDPE | HDPE | |
|---|---|---|
| Ketten | stark verzweigt | kaum verzweigt |
| Packung | locker, überwiegend amorph | dicht, teilkristallin |
| Dichte | ca. $0{,}92\,\mathrm{g/cm^3}$ | ca. $0{,}95\,\mathrm{g/cm^3}$ |
| Eigenschaften | weich, flexibel | hart, höherer Erweichungsbereich |
Erklärung: Seitenketten verhindern, dass sich die Ketten eng aneinanderlegen. Der Abstand wird größer und die Kontaktfläche kleiner. Van-der-Waals-Kräfte nehmen mit dem Abstand stark ab. Bei HDPE können sich die Ketten in Bereichen regelmäßig anordnen (teilkristallin), die Wechselwirkungen sind stärker, die Dichte ist höher und das Material härter. Ungeordnete Bereiche heißen amorph. Dünne, flexible Folien wie Einkaufstüten bestehen daher eher aus LDPE.
Polare Gruppen: PE und PVC
Beim Polyvinylchlorid (PVC) trägt jede Wiederholeinheit ein Chlor-Atom. Die C–Cl-Bindung ist polar ($\delta^+$ am C, $\delta^-$ am Cl). Zwischen den Ketten wirken zusätzlich Dipol-Dipol-Wechselwirkungen, die stärker sind als die reinen van-der-Waals-Kräfte bei PE. Deshalb ist PVC steifer und fester, wenn man Ketten ähnlicher Länge vergleicht.
Monomer von PVC ist Chlorethen $\mathrm{CH_2{=}CHCl}$, Wiederholeinheit $-\mathrm{CH_2-CHCl-}$. Ein Ausschnitt mit drei Wiederholeinheiten:
$$-\mathrm{CH_2-CHCl-CH_2-CHCl-CH_2-CHCl-}$$Weichmacher
Weich-PVC enthält niedermolekulare Weichmacher. Die Moleküle schieben sich zwischen die Ketten und vergrößern deren Abstand. Die Dipol-Dipol-Wechselwirkungen zwischen den Ketten werden schwächer, die Ketten gleiten leichter. Das Material wird flexibel. Verflüchtigt sich der Weichmacher oder wird er herausgelöst, rücken die Ketten wieder zusammen und das Material wird spröde.
Polyethen wird in zwei Varianten hergestellt. LDPE hat stark verzweigte Makromoleküle und eine Dichte von etwa $0{,}92\,\mathrm{g/cm^3}$. HDPE besteht aus wenig…
Polyethen wird in zwei Varianten hergestellt. LDPE hat stark verzweigte Makromoleküle und eine Dichte von etwa $0{,}92\,\mathrm{g/cm^3}$. HDPE besteht aus wenig verzweigten Makromolekülen und hat eine Dichte von etwa $0{,}95\,\mathrm{g/cm^3}$. HDPE ist härter und hat einen höheren Erweichungsbereich als LDPE.
- a) Beschreiben Sie den Unterschied im molekularen Aufbau von LDPE und HDPE.
- b) Erklären Sie mithilfe der zwischenmolekularen Wechselwirkungen, warum HDPE dichter und härter ist als LDPE.
- c) Begründen Sie, welche der beiden Varianten sich besser für eine dünne, flexible Einkaufstüte eignet.
Hart-PVC wird für Fensterprofile verwendet. Weich-PVC für Fußbodenbeläge oder Schläuche enthält zusätzlich Weichmacher (zum Beispiel $30\,\%$ Massenanteil), die zwischen…
Hart-PVC wird für Fensterprofile verwendet. Weich-PVC für Fußbodenbeläge oder Schläuche enthält zusätzlich Weichmacher (zum Beispiel $30\,\%$ Massenanteil), die zwischen die Makromoleküle eingelagert sind. Weichmacher können im Laufe der Zeit aus dem Kunststoff ausgasen oder herausgelöst werden; dann wird das Material spröde.
- a) Erklären Sie mithilfe der zwischenmolekularen Wechselwirkungen, wie Weichmacher die Eigenschaften von PVC verändern, und warum das Material nach dem Verlust der Weichmacher spröde wird.
- b) Berechnen Sie den Massenanteil $w$ an Chlor in reinem PVC und in einem Weich-PVC mit $30\,\%$ chlorfreiem Weichmacher. Es gilt $M(\mathrm{C_2H_3Cl}) = 62{,}5\,\mathrm{g/mol}$ und $M(\mathrm{Cl}) = 35{,}5\,\mathrm{g/mol}$.
- c) Beurteilen Sie den Einsatz von Weich-PVC für Spielzeug und Lebensmittelverpackungen, indem Sie mögliche Risiken und Nutzen gegeneinander abwägen.
Thermoplaste, Duroplaste, Elastomere
Die technische Einteilung richtet sich nach dem Verhalten beim Erwärmen und nach dem Vernetzungsgrad.
| Klasse | Vernetzung | Verhalten beim Erwärmen | Mechanisches Verhalten |
|---|---|---|---|
| Thermoplast | keine (lineare oder verzweigte Ketten) | erweicht, schmilzt, wieder verformbar | hart bis zäh, schweißbar |
| Duroplast | engmaschig, viele Bindungen | nicht erweichbar, zersetzt sich bei hoher Temperatur | hart, spröde |
| Elastomer | weitmaschig, wenige Bindungen | nicht schmelzbar, zersetzt sich | gummielastisch: dehnbar, kehrt in die Ausgangsform zurück |
Begründung: Beim Erwärmen werden nur die zwischenmolekularen Wechselwirkungen überwunden. Bei Thermoplasten reicht das, damit die Ketten aneinander abgleiten. Bei Duroplasten und Elastomeren halten Atombindungen zwischen den Ketten. Sie brechen erst, wenn auch die Ketten selbst zerfallen, und das Material zersetzt sich. Bei Elastomeren sind die Ketten zwischen den Verknüpfungsstellen lang und knäuelartig. Beim Dehnen strecken sie sich und werden beim Entlasten durch die Verknüpfungen in die ungeordnete Knäuelform zurückgezogen.
Vulkanisation
Naturkautschuk besteht aus langen Ketten mit C=C-Doppelbindungen. Beim Erhitzen mit Schwefel entstehen Schwefelbrücken zwischen den Ketten. Der Schwefelanteil bestimmt den Vernetzungsgrad:
-
$2\,\%$ bis $5\,\%$ Schwefel: weitmaschig, Weichgummi (Elastomer), z. B. Fahrradschlauch.
-
etwa $30\,\%$ Schwefel: engmaschig, Hartgummi (Duroplast), hart und spröde.
Eine bereits vulkanisierte Probe lässt sich nicht wieder einschmelzen, weil die Schwefelbrücken Atombindungen sind. Deshalb lassen sich Reifen und Schläuche nicht einfach einschmelzen und neu formen.
Drei Kunststoffproben werden untersucht: | Probe | Verhalten beim Erwärmen | Mechanisches Verhalten bei Raumtemperatur | |---|---|---| | A | wird bei etwa…
Drei Kunststoffproben werden untersucht:
| Probe | Verhalten beim Erwärmen | Mechanisches Verhalten bei Raumtemperatur |
|---|---|---|
| A | wird bei etwa $120\,°\mathrm{C}$ weich und lässt sich verformen, wird beim Abkühlen wieder fest | hart bis zäh |
| B | bleibt bis zur Zersetzung bei höherer Temperatur hart, verkohlt | hart und spröde |
| C | bleibt bis zur Zersetzung fest und unschmelzbar | gummiartig, lässt sich dehnen und zieht sich wieder zusammen |
- a) Ordnen Sie die Proben A bis C begründet den Kunststoffklassen Thermoplast, Duroplast und Elastomer zu.
- b) Beschreiben Sie den molekularen Aufbau der drei Kunststoffklassen im Hinblick auf die Vernetzung der Makromoleküle.
- c) Nennen Sie je ein Anwendungsbeispiel für Thermoplast, Duroplast und Elastomer.
Ein Fahrradschlauch besteht aus vulkanisiertem Naturkautschuk. Bei der Vulkanisation wird der Kautschuk mit Schwefel erhitzt, wobei Schwefelbrücken zwischen den…
Ein Fahrradschlauch besteht aus vulkanisiertem Naturkautschuk. Bei der Vulkanisation wird der Kautschuk mit Schwefel erhitzt, wobei Schwefelbrücken zwischen den Makromolekülen entstehen. Weichgummi enthält etwa 2 % bis 5 % Schwefel und ist elastisch. Hartgummi, aus dem früher zum Beispiel Kämme gefertigt wurden, enthält etwa 30 % Schwefel und ist hart und spröde.
- a) Erklären Sie die Elastizität von Weichgummi anhand seiner molekularen Struktur.
- b) Erklären Sie, warum Hartgummi nicht elastisch ist. Ordnen Sie beide Werkstoffe den Kunststoffklassen zu.
- c) Begründen Sie, warum man vulkanisierten Kautschuk nicht einfach einschmelzen und neu formen kann.
Kunststoffe untersuchen und sortieren
In der Praxis muss man Kunststoffe oft anhand einfacher Experimente zuordnen, etwa in einer Sortieranlage für den Gelben Sack.
Erwärmungsprobe: Eine kleine Probe wird auf einer Heizplatte oder mit einem Metallspatel über der Brennerflamme vorsichtig erwärmt.
| Beobachtung | Schluss |
|---|---|
| wird weich, lässt sich verformen, nach Abkühlen wieder fest | Thermoplast |
| bleibt hart, verkohlt oder zersetzt sich, kein Erweichen | Duroplast |
| bleibt gummiartig und zersetzt sich, ohne zu schmelzen | Elastomer |
Zusätzlich prüft man das mechanische Verhalten bei Raumtemperatur: Lässt sich die Probe dehnen und kehrt sie zurück (Elastomer), oder bricht sie spröde (Duroplast)?
Sicherheit: Proben nur klein und mit der Tiegelzange halten, im Abzug arbeiten, Schutzbrille tragen. Beim Erhitzen entstehen Zersetzungsgase. Bei PVC bildet sich z. B. giftiges und ätzendes Chlorwasserstoffgas HCl, deshalb auf keinen Fall ohne Abzug erhitzen.
Dichte-Trennung (Schwimm-Sink-Verfahren): Kunststoffe unterscheiden sich in der Dichte. Gibt man Proben in Wasser ($\rho = 1{,}00\,\mathrm{g/cm^3}$), schwimmen Stoffe mit $\rho < 1{,}00\,\mathrm{g/cm^3}$ (PE, PP) und sinken solche mit $\rho > 1{,}00\,\mathrm{g/cm^3}$ (PS, PET, PVC). Mit einer Salzlösung bekannter Dichte lässt sich weiter trennen. PS ($1{,}05\,\mathrm{g/cm^3}$) schwimmt z. B. in gesättigter Kochsalzlösung ($\approx 1{,}2\,\mathrm{g/cm^3}$), PET ($1{,}38\,\mathrm{g/cm^3}$) sinkt.
In einer Sortieranlage für den Gelben Sack werden Kunststoffproben untersucht. Dichte der Proben und Verhalten bei $150\,°\mathrm{C}$: | Probe | Kunststoff | Dichte in…
In einer Sortieranlage für den Gelben Sack werden Kunststoffproben untersucht. Dichte der Proben und Verhalten bei $150\,°\mathrm{C}$:
| Probe | Kunststoff | Dichte in g/cm³ | Verhalten bei 150 °C |
|---|---|---|---|
| 1 | PE | 0,95 | schmilzt zu zähflüssiger Masse |
| 2 | PS | 1,05 | erweicht und lässt sich verformen |
| 3 | PET | 1,38 | erweicht, lässt sich verformen |
| 4 | Phenolharz | 1,30 | bleibt fest, verkohlt bei höherer Temperatur |
- a) Klassifizieren Sie die Kunststoffe begründet nach Thermoplast und Duroplast und erklären Sie das Verhalten mithilfe der Vernetzung.
- b) Planen Sie ein Experiment zur Trennung eines Gemisches aus den Proben 1, 2 und 3 durch Schwimm-Sink-Trennung. Dichte von Wasser: $1{,}00\,\mathrm{g/cm^3}$, Dichte einer konzentrierten Kochsalzlösung: $1{,}20\,\mathrm{g/cm^3}$. Beschreiben Sie, welche Beobachtungen Sie erwarten.
- c) Begründen Sie, warum Probe 4 vor dieser Trennung aus dem Gemisch entfernt werden sollte, wenn die Thermoplaste anschließend eingeschmolzen werden.
Zwei unbeschriftete Kunststoffteile liegen vor: Teil X (Griff einer Zahnbürste) und Teil Y (Gehäuse einer alten Steckdose). Beide sind hart. Ein weiteres Teil Z…
Zwei unbeschriftete Kunststoffteile liegen vor: Teil X (Griff einer Zahnbürste) und Teil Y (Gehäuse einer alten Steckdose). Beide sind hart. Ein weiteres Teil Z (Dichtungsring) lässt sich stark dehnen. Es steht ein Bunsenbrenner, eine Heizplatte mit Thermometer, Tiegelzange, Metallspatel und ein Abzug zur Verfügung.
- a) Planen Sie Experimente, mit denen Sie die drei Teile den Kunststoffklassen zuordnen können. Geben Sie die Durchführung und die dabei zu beachtenden Sicherheitsmaßnahmen an.
- b) Stellen Sie Ihre erwarteten Beobachtungen für ein Thermoplast, ein Duroplast und ein Elastomer in einer Tabelle zusammen.
- c) Erklären Sie das jeweilige Verhalten auf Teilchenebene.
Funktionspolymere: der Superabsorber
Ein Funktionspolymer hat durch seine Struktur eine gezielte Eigenschaft. Ein Beispiel ist der Superabsorber in Hygieneprodukten: weitmaschig vernetzte Polyacrylsäure, deren Carboxygruppen ($-\mathrm{COOH}$) teilweise als Natriumsalz ($-\mathrm{COO^-Na^+}$) vorliegen.
-
Wasseraufnahme: Die Carboxy- und Carboxylat-Gruppen sind polar bzw. ionisch. Sie bilden Wasserstoffbrücken und Ion-Dipol-Wechselwirkungen mit Wassermolekülen, das Polymer quillt.
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Kein Auflösen: Die Ketten sind durch Atombindungen vernetzt. Sie können nicht voneinander wegdriften, das Material wird zum Gel und löst sich nicht.
-
Vernetzergehalt: Wenig Vernetzer ergibt ein weitmaschiges Netz mit viel Raum für Wasser, aber ein weiches, wenig formstabiles Gel. Viel Vernetzer ergibt ein enges Netz, das nur wenig quellen kann, aber fest ist. Ein mittlerer Vernetzeranteil ist der Kompromiss (siehe Messreihe in der Aufgabe).
Superabsorber in Hygieneprodukten bestehen aus weitmaschig vernetzter Polyacrylsäure, deren Carboxygruppen teilweise als Natriumsalz vorliegen. Ein Gramm des trockenen…
Superabsorber in Hygieneprodukten bestehen aus weitmaschig vernetzter Polyacrylsäure, deren Carboxygruppen teilweise als Natriumsalz vorliegen. Ein Gramm des trockenen Pulvers nimmt in einer Messreihe unterschiedlich viel Wasser auf, abhängig vom Anteil des Vernetzers:
| Anteil Vernetzer | aufgenommene Masse Wasser je g Pulver | Beschaffenheit des Gels |
|---|---|---|
| 0,1 % | 400 g | weich, zerfließt leicht |
| 1,0 % | 150 g | formstabil |
| 5,0 % | 40 g | fest, nur wenig gequollen |
- a) Erklären Sie mit einem geeigneten Modell der Polymerstruktur, warum das Material Wasser aufnimmt, sich aber nicht löst.
- b) Beschreiben und erklären Sie den Zusammenhang zwischen Vernetzungsgrad und Wasseraufnahme.
- c) Beurteilen Sie, welcher Vernetzeranteil für den Einsatz in einer Windel am besten geeignet ist, und begründen Sie Ihre Entscheidung.
Auf einen Blick
-
Kunststoffeigenschaften ergeben sich aus dem Bau der Makromoleküle: Kettenlänge $n$ mit $M(\text{Polymer}) = n\cdot M(\text{Wiederholeinheit})$, Verzweigung und zwischenmolekulare Wechselwirkungen (van-der-Waals-Kräfte, Dipol-Dipol, Wasserstoffbrücken).
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Lange, wenig verzweigte Ketten packen sich dicht (teilkristallin) und ergeben harte, zähe Werkstoffe mit hohem Erweichungsbereich (HDPE). Verzweigung lockert die Packung (LDPE).
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Polymere haben wegen unterschiedlicher Kettenlängen keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern einen Erweichungsbereich.
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Thermoplaste sind unvernetzt und erweichbar. Elastomere sind weitmaschig und Duroplaste engmaschig durch Atombindungen vernetzt. Beide sind nicht schmelzbar.
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Weichmacher vergrößern den Kettenabstand. Superabsorber nehmen Wasser über polare Gruppen auf, ihr Vernetzungsgrad steuert Quellung und Festigkeit.
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Klassifizieren und trennen: Erwärmungsprobe für die Klasse, Dichte für die Kunststoffart.
Kehren Sie zum Anfang zurück: Pfandflasche (PET, Thermoplast, unvernetzt), Fahrradschlauch (weitmaschig vernetzt, Elastomer) und Steckdosengehäuse (engmaschig vernetzt, Duroplast) unterscheiden sich im Vernetzungsgrad.