Röntgenspektrum
Beim Zahnarzt in Köln wird ein Röntgenbild gemacht: Die Strahlung geht durch das Gewebe, aber nicht durch den Knochen. Woher kommt diese Strahlung eigentlich, und warum hat sie eine ganz bestimmte kleinste Wellenlänge? Am Ende der Seite beantworten wir das.
Die Röntgenröhre
In einer Röntgenröhre treten Elektronen aus einer geheizten Kathode aus und werden im Vakuum durch die Beschleunigungsspannung $U$ zur Anode beschleunigt. Dort werden sie stark abgebremst und erzeugen Röntgenstrahlung.
Die Elektronen durchlaufen die Spannung $U$ und gewinnen die kinetische Energie
$$E_\text{kin} = e\cdot U$$Nur etwa ein Prozent der Energie der Elektronen wird als Röntgenstrahlung abgegeben. Der Rest wird zu Wärme.
In einer Röntgenröhre werden Elektronen mit der Spannung $U = 40\ \text{kV}$ beschleunigt. Berechnen Sie die kinetische Energie der Elektronen beim Auftreffen auf die…
In einer Röntgenröhre werden Elektronen mit der Spannung $U = 40\ \text{kV}$ beschleunigt. Berechnen Sie die kinetische Energie der Elektronen beim Auftreffen auf die Anode in eV und in J ($e = 1,60\cdot10^{-19}\ \text{C}$).
Bremsstrahlung und Grenzwellenlänge
Wird ein Elektron im Coulombfeld der Atomkerne der Anode abgebremst, gibt es einen Teil seiner Energie als ein Photon ab. Wie viel, ist zufällig: Das Photon kann fast die ganze Energie bekommen oder nur einen kleinen Teil. Deshalb entsteht ein kontinuierliches Spektrum, die Bremsstrahlung.
Das Photon mit der größten Energie entsteht, wenn ein Elektron seine gesamte Energie in einem einzigen Schritt abgibt:
$$e\cdot U = h\cdot f_\text{max} = \frac{h\cdot c}{\lambda_\text{min}}\quad\Rightarrow\quad \lambda_\text{min} = \frac{h\cdot c}{e\cdot U}$$Das ist die Grenzwellenlänge (Duane-Hunt'sches Gesetz). Kürzere Wellen sind nicht möglich, weil kein Photon mehr Energie haben kann als das Elektron.
Die Beschleunigungsspannung einer Röntgenröhre beträgt $U = 25\ \text{kV}$. Berechnen Sie die Grenzwellenlänge $\lambda_\text{min}=\dfrac{h c}{e U}$…
Die Beschleunigungsspannung einer Röntgenröhre beträgt $U = 25\ \text{kV}$. Berechnen Sie die Grenzwellenlänge $\lambda_\text{min}=\dfrac{h c}{e U}$ ($h=6,63\cdot10^{-34}\ \text{Js}$, $c = 3,00\cdot10^{8}\ \text{m/s}$, $e = 1,60\cdot10^{-19}\ \text{C}$).
Ein Schüler bestimmt mit einer Röntgenröhre das Plancksche Wirkungsquantum. Er misst die Grenzwellenlänge bei verschiedenen Spannungen: | $U$ in kV | 15 | 20 | 25 | 30 |…
Ein Schüler bestimmt mit einer Röntgenröhre das Plancksche Wirkungsquantum. Er misst die Grenzwellenlänge bei verschiedenen Spannungen:
| $U$ in kV | 15 | 20 | 25 | 30 |
|---|---|---|---|---|
| $\lambda_\text{min}$ in pm | 83 | 62 | 50 | 41 |
- a) Begründen Sie, warum $\lambda_\text{min}$ gegen $1/U$ aufgetragen werden sollte.
- b) Bestimmen Sie aus den Werten $h$ ($c=3,00\cdot10^8\ \text{m/s}$, $e=1,60\cdot10^{-19}\ \text{C}$).
- c) Beurteilen Sie die Genauigkeit und nennen Sie zwei mögliche Fehlerquellen.
Charakteristische Röntgenstrahlung
Dem kontinuierlichen Untergrund sind scharfe Linien überlagert. Sie entstehen so:
-
Ein schnelles Elektron schlägt ein Elektron aus einer inneren Schale (zum Beispiel der K-Schale) des Anodenatoms heraus. Dazu braucht es mindestens die Bindungsenergie dieser Schale.
-
Ein Elektron aus einer höheren Schale (L oder M) fällt in die freie Stelle.
-
Die Energiedifferenz wird als Photon abgegeben: $E_\text{Photon} = E_\text{höher} - E_\text{tiefer}$.
Von L nach K entsteht die $K_\alpha$-Linie, von M nach K die $K_\beta$-Linie.
Das ist dasselbe Prinzip wie beim Linienspektrum der Atomhülle im Energieniveauschema (Q1/Q2: Wasserstoffatom, Franck-Hertz-Versuch): Diskrete Energieniveaus führen zu Photonen mit festen Energien $\Delta E = E_\text{höher} - E_\text{tiefer}$. Bei den inneren Schalen schwerer Atome liegen die Abstände aber im keV-Bereich statt im eV-Bereich, deshalb entsteht Röntgenstrahlung statt sichtbaren Lichts. Im Kernlehrplan (Inhaltsfeld „Strahlung und Materie“) ist das Röntgenspektrum mit Bremsstrahlung und charakteristischer Strahlung im Leistungskurs ausdrücklich gefordert.
Weil die Energieniveaus der inneren Schalen für jedes Element typisch sind, liegen die Linien bei festen Wellenlängen des Anodenmaterials („Fingerabdruck"). Eine Spannungsänderung verschiebt sie nicht; sie treten nur auf, wenn $e\,U$ größer ist als die Bindungsenergie der K-Schale.
Erklären Sie in je zwei bis drei Sätzen, wie Bremsstrahlung und charakteristische Röntgenstrahlung entstehen und woran man sie im Spektrum erkennt.
Erklären Sie in je zwei bis drei Sätzen, wie Bremsstrahlung und charakteristische Röntgenstrahlung entstehen und woran man sie im Spektrum erkennt.
Eine Röntgenröhre mit Kupferanode wird bei $U = 30\ \text{kV}$ betrieben. Die $K_\alpha$-Linie von Kupfer hat die Wellenlänge $0,154\ \text{nm}$. Die Ionisierungsenergie…
Eine Röntgenröhre mit Kupferanode wird bei $U = 30\ \text{kV}$ betrieben. Die $K_\alpha$-Linie von Kupfer hat die Wellenlänge $0,154\ \text{nm}$. Die Ionisierungsenergie der K-Schale von Kupfer beträgt $8,98\ \text{keV}$.
- a) Berechnen Sie die Photonenenergie der $K_\alpha$-Linie in keV.
- b) Berechnen Sie die Grenzwellenlänge des Bremsspektrums.
- c) Geben Sie an, ob die $K_\alpha$-Linie bei $U = 30\ \text{kV}$ angeregt werden kann, und begründen Sie, dass die Linie ihre Lage bei Spannungsänderung beibehält.
Ein Elektron fällt in einem Atom von der L-Schale (Bindungsenergie $-0,95\ \text{keV}$) in eine freie Stelle der K-Schale (Bindungsenergie $-8,98\ \text{keV}$). a)…
Ein Elektron fällt in einem Atom von der L-Schale (Bindungsenergie $-0,95\ \text{keV}$) in eine freie Stelle der K-Schale (Bindungsenergie $-8,98\ \text{keV}$).
- a) Berechnen Sie die Energie und die Wellenlänge des emittierten Photons ($hc = 1,24\ \text{keV·nm}$).
- b) Benennen Sie die entstehende Linie.
- c) Beschreiben Sie, wie die freie Stelle in der K-Schale entsteht.
Bei einer Röntgenröhre mit Wolframanode wird das Spektrum bei zwei Spannungen aufgenommen. Bei $U_1 = 50\ \text{kV}$ liegt die Grenzwellenlänge bei $\lambda_1$, bei…
Bei einer Röntgenröhre mit Wolframanode wird das Spektrum bei zwei Spannungen aufgenommen. Bei $U_1 = 50\ \text{kV}$ liegt die Grenzwellenlänge bei $\lambda_1$, bei $U_2=80\ \text{kV}$ bei $\lambda_2$. Bei $U_2$ erscheinen zusätzlich die $K_\alpha$-Linie ($59\ \text{keV}$) und die $K_\beta$-Linie ($67\ \text{keV}$); bei $U_1$ erscheinen sie nicht. Die Ionisierungsenergie der K-Schale von Wolfram beträgt $E_K = 69,5\ \text{keV}$.
- a) Berechnen Sie $\lambda_1$ und $\lambda_2$ ($hc=1,24\ \text{keV·nm}$).
- b) Begründen Sie, warum die K-Linien bei $50\ \text{kV}$ fehlen.
- c) Bestimmen Sie die Mindestspannung, bei der die K-Linien (also auch $K_\beta$) gerade auftreten, und deuten Sie die Grenze physikalisch. Erläutern Sie, warum dafür nicht die Photonenenergie von $K_\beta$ maßgeblich ist.
Leistung und Kühlung
Die elektrische Leistung der Röhre ist $P = U\cdot I$. Nur etwa ein Prozent davon wird als Röntgenstrahlung abgegeben, der Rest erwärmt die Anode.
Eine Röntgenröhre wird mit konstanter Anodenstromstärke $I = 10\ \text{mA}$ bei $U = 80\ \text{kV}$ betrieben. Nur $1,0\ \%$ der zugeführten elektrischen Leistung wird…
Eine Röntgenröhre wird mit konstanter Anodenstromstärke $I = 10\ \text{mA}$ bei $U = 80\ \text{kV}$ betrieben. Nur $1,0\ \%$ der zugeführten elektrischen Leistung wird als Röntgenstrahlung abgegeben.
- a) Berechnen Sie die zugeführte Leistung und die Röntgenleistung.
- b) Berechnen Sie die Wärmeleistung an der Anode.
- c) Erläutern Sie, welche Konsequenz sich daraus für die Kühlung der Anode ergibt.
Schwächung in Materie
Beim Durchgang durch Materie wird Röntgenstrahlung geschwächt. Pro Dicke $x$ nimmt die Intensität um den gleichen Faktor ab:
$$I = I_0\cdot \mathrm{e}^{-\mu x}$$$\mu$ ist der Schwächungskoeffizient (Einheit $\mathrm{cm^{-1}}$). Er ist für Knochen größer als für Weichteile und wächst bei kleinerer Photonenenergie. Daraus entsteht der Kontrast beim Röntgenbild. Niederenergetische Photonen werden stark im Körper absorbiert, tragen kaum zum Bild bei und erhöhen nur die Strahlenbelastung; daher filtert man sie mit einem Metallfilter heraus.
Röntgenstrahlung wird in der Medizin zur Bildgebung verwendet. Knochen schwächen die Strahlung stärker als Weichteilgewebe. Die Schwächung folgt $I = I_0e^{-\mu x}$ mit…
Röntgenstrahlung wird in der Medizin zur Bildgebung verwendet. Knochen schwächen die Strahlung stärker als Weichteilgewebe. Die Schwächung folgt $I = I_0e^{-\mu x}$ mit $\mu_\text{Knochen} = 0,50\ \text{cm}^{-1}$ und $\mu_\text{Gewebe} = 0,20\ \text{cm}^{-1}$ bei gegebener Photonenenergie.
- a) Berechnen Sie die durchgelassenen Anteile für $4,0\ \text{cm}$ Knochen und für $4,0\ \text{cm}$ Gewebe.
- b) Berechnen Sie das Intensitätsverhältnis beider Anteile und erläutern Sie, warum dadurch ein Kontrast im Bild entsteht.
- c) Erklären Sie, warum bei der Aufnahme niederenergetische Photonen durch ein Filter entfernt werden.
Auf einen Blick
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Elektronen gewinnen in der Röhre $E_\text{kin} = e\,U$.
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Bremsstrahlung: kontinuierliches Spektrum mit der Grenzwellenlänge $\lambda_\text{min} = \dfrac{h c}{e U}$, unabhängig vom Anodenmaterial.
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Charakteristische Strahlung: Linien ($K_\alpha$, $K_\beta$) durch Übergänge in innere Schalen, Lage nur vom Material abhängig; sie treten erst auf, wenn $e U$ die Bindungsenergie der Schale übersteigt.
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Nur etwa $1\,\%$ der Leistung $P = U I$ wird Röntgenstrahlung, der Rest ist Wärme (Kühlung nötig).
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Schwächung: $I = I_0\,\mathrm{e}^{-\mu x}$; Unterschiede in $\mu$ erzeugen den Bildkontrast.