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Alkanole, Carbonylverbindungen und Carbonsäuren: Oxidation, Nachweise, Eigenschaften und Bewertung · Alkanole und ihre Oxidationsprodukte

Nachweisreaktionen funktioneller Gruppen

Ben räumt mit seinem Vater den Keller in Dortmund auf und findet eine halb volle, offene Weinflasche. Der Inhalt riecht stechend nach Essig. Ben vermutet, dass das Ethanol im Wein zu Essigsäure oxidiert ist. Doch mit der Nase allein kann man das nicht beweisen. Wie lässt sich das chemisch nachweisen? Genau dafür gibt es Nachweisreaktionen: Sie zeigen mit einer auffälligen Beobachtung, welche funktionelle Gruppe in einer Probe steckt.

Die Übersicht der wichtigsten Nachweise in dieser Jahrgangsstufe:

Stoffgruppe Funktionelle Gruppe Nachweis Positive Beobachtung
Carbonsäure Carboxygruppe Universalindikator, pH-Wert rot bis orange (sauer)
Säure (allgemein, auch Carbonsäure) saure Gruppe, nicht spezifisch für die Carboxygruppe Natriumhydrogencarbonat Aufschäumen, CO₂
Alkanal Carbonylgruppe am Kettenende Fehling-Probe ziegelroter Niederschlag
Alkanal Carbonylgruppe am Kettenende Tollens-Probe Silberspiegel
Alkanal und Alkanon Carbonylgruppe 2,4-Dinitrophenylhydrazin gelb-oranger Niederschlag
Alkanol Hydroxygruppe Natrium (wasserfreie Probe; auch Carbonsäuren und Wasser reagieren, daher nur nach deren Ausschluss aussagekräftig) Gasbläschen (H₂)

Carbonsäuren nachweisen

Carbonsäuren enthalten die Carboxygruppe $-\mathrm{COOH}$. Das H-Atom dieser Gruppe wird in Wasser leicht abgegeben. Darum reagieren wässrige Lösungen von Carbonsäuren sauer. Das ist der Grund für den Nachweis mit Indikatoren.

Nachweis 1: Universalindikator. Tropfe die Probe auf Universalindikatorpapier oder gib Universalindikator zur Lösung. Eine Rot- bis Orangefärbung (pH < 7) zeigt eine saure Lösung an. Eine 0,1-molare Essigsäure hat etwa den pH-Wert 3.

Nachweis 2: Natriumhydrogencarbonat. Gib eine Spatelspitze Natriumhydrogencarbonat ($\mathrm{NaHCO_3}$) zur Probe. Bei einer Carbonsäure schäumt es auf, weil Kohlenstoffdioxid entsteht:

$$\mathrm{CH_3COOH(aq) + NaHCO_3(s) \rightarrow CH_3COONa(aq) + H_2O(l) + CO_2(g)}$$

Das Gas weist du mit Kalkwasser nach. Leite es ein, dann trübt sich das Kalkwasser durch weißes Calciumcarbonat.

Versuchsaufbau: Essigsäure reagiert mit Natriumhydrogencarbonat, das entstehende Gas trübt Kalkwasser. Essigsäure + NaHCO₃ Kalkwasser: Trübung durch CaCO₃ Gas: CO₂

Gehalt an Essigsäure: Titration

Wie viel Essigsäure steckt in einem Speiseessig? Das bestimmst du durch Titration mit Natronlauge. Die Lauge neutralisiert die Säure im Verhältnis 1 : 1:

$$\mathrm{CH_3COOH + NaOH \rightarrow CH_3COONa + H_2O}$$

Am Äquivalenzpunkt gilt $n(\mathrm{CH_3COOH}) = n(\mathrm{NaOH})$. Den Punkt erkennst du am Farbumschlag eines Indikators (z. B. Phenolphthalein, farblos → pink).

Üben★☆☆Nicht begonnen
Eine wässrige Lösung von Essigsäure ($c = 0{,}1\,\mathrm{mol\cdot L^{-1}}$) wird mit einer Spatelspitze Natriumhydrogencarbonat versetzt. a) Beschreiben Sie die…

Eine wässrige Lösung von Essigsäure ($c = 0{,}1\,\mathrm{mol\cdot L^{-1}}$) wird mit einer Spatelspitze Natriumhydrogencarbonat versetzt.

  1. a) Beschreiben Sie die Beobachtung.
  2. b) Formulieren Sie die Reaktionsgleichung.
  3. c) Nennen Sie, wie das entstehende Gas nachgewiesen werden kann.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Ein Lebensmittelchemiker untersucht eine Probe Apfelessig auf Essigsäure. a) Beschreiben Sie, wie er den Säuregehalt qualitativ nachweisen kann. b) Der Essig wird zur…

Ein Lebensmittelchemiker untersucht eine Probe Apfelessig auf Essigsäure.

  1. a) Beschreiben Sie, wie er den Säuregehalt qualitativ nachweisen kann.
  2. b) Der Essig wird zur Bestimmung mit Natronlauge ($c = 0{,}100\,\mathrm{mol\cdot L^{-1}}$) titriert. $10{,}0\,\mathrm{mL}$ Essig verbrauchen $17{,}5\,\mathrm{mL}$ Lauge. Berechnen Sie die Konzentration der Essigsäure in $\mathrm{mol\cdot L^{-1}}$ und den Massenanteil bei der Dichte $\rho = 1{,}01\,\mathrm{g\cdot mL^{-1}}$ ($M = 60{,}05\,\mathrm{g\cdot mol^{-1}}$).
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Alkanale nachweisen: Fehling- und Tollens-Probe

Alkanale (Aldehyde) tragen die Carbonylgruppe am Ende der Kohlenstoffkette: $-\mathrm{CHO}$. Dort sitzt ein H-Atom am Carbonyl-Kohlenstoffatom. Alkanale lassen sich leicht zu Carbonsäuren oxidieren, sie wirken also als Reduktionsmittel (Elektronendonatoren). Die Nachweise nutzen genau das: Ein Metallion wird reduziert und ändert dabei sichtbar sein Aussehen.

Fehling-Probe

Die Fehling-Lösung ist tiefblau. Sie enthält Kupfer(II)-Ionen, die durch Tartrat in alkalischer Lösung als Komplex gelöst bleiben. Du erwärmst die Probe mit Fehling-Lösung im Wasserbad.

  • Positiv (Alkanal): Es entsteht ein ziegelroter Niederschlag von Kupfer(I)-oxid $\mathrm{Cu_2O}$. Die Kupfer(II)-Ionen werden reduziert.

  • Negativ: Die Lösung bleibt blau.

Teilgleichungen am Beispiel Ethanal:

$$\text{Oxidation:}\quad \mathrm{CH_3CHO + 3\,OH^- \rightarrow CH_3COO^- + 2\,H_2O + 2\,e^-}$$ $$\text{Reduktion:}\quad \mathrm{2\,Cu^{2+} + 2\,OH^- + 2\,e^- \rightarrow Cu_2O + H_2O}$$ $$\text{Gesamt:}\quad \mathrm{CH_3CHO + 2\,Cu^{2+} + 5\,OH^- \rightarrow CH_3COO^- + Cu_2O + 3\,H_2O}$$

Tollens-Probe (Silberspiegelprobe)

Das Tollens-Reagenz ist eine farblose, ammoniakalische Silbernitratlösung mit Diammin-Silber(I)-Ionen $[\mathrm{Ag(NH_3)_2}]^+$. Sie wird im sauberen Reagenzglas mit der Probe leicht erwärmt.

  • Positiv (Alkanal): Elementares Silber scheidet sich als Silberspiegel an der Glaswand ab. Die Silber(I)-Ionen werden zu Silber reduziert.

  • Negativ: kein Spiegel.

$$\text{Oxidation:}\quad \mathrm{CH_3CHO + 3\,OH^- \rightarrow CH_3COO^- + 2\,H_2O + 2\,e^-}$$ $$\text{Reduktion:}\quad \mathrm{Ag^+ + e^- \rightarrow Ag}$$

Für die Gesamtgleichung muss die Reduktion mit 2 multipliziert werden, damit die Elektronen aufgehen:

$$\mathrm{CH_3CHO + 2\,Ag^+ + 3\,OH^- \rightarrow CH_3COO^- + 2\,Ag + 2\,H_2O}$$
Üben★☆☆Nicht begonnen
Ordnen Sie zu, welcher Nachweis für welche Stoffgruppe geeignet ist: Nachweise: (1) Fehling-Probe, (2) Universalindikator bzw. pH-Wert-Messung, (3) Tollens-Probe.…

Ordnen Sie zu, welcher Nachweis für welche Stoffgruppe geeignet ist:

Nachweise: (1) Fehling-Probe, (2) Universalindikator bzw. pH-Wert-Messung, (3) Tollens-Probe.

Stoffgruppen: Alkanale, Carbonsäuren.

  1. a) Geben Sie für jeden Nachweis die Stoffgruppe und die positive Beobachtung an.
  2. b) Nennen Sie, welcher Stoff in der Tollens-Probe zu welchem Produkt reduziert wird.
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Üben★☆☆Nicht begonnen
Ein Schüler testet Ethanal und Propanon in zwei Reagenzgläsern mit Fehling-Lösung und erwärmt. a) Geben Sie an, in welchem Reagenzglas ein ziegelroter Niederschlag…

Ein Schüler testet Ethanal und Propanon in zwei Reagenzgläsern mit Fehling-Lösung und erwärmt.

  1. a) Geben Sie an, in welchem Reagenzglas ein ziegelroter Niederschlag entsteht.
  2. b) Nennen Sie die Formel des roten Niederschlags.
  3. c) Begründen Sie, warum Ketone diesen Nachweis nicht zeigen.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Bei der Tollens-Probe mit Ethanal bildet sich an der Glaswand ein Silberspiegel. a) Formulieren Sie die Teilgleichungen für Oxidation (Ethanal zu Ethanat, alkalisch:…

Bei der Tollens-Probe mit Ethanal bildet sich an der Glaswand ein Silberspiegel.

  1. a) Formulieren Sie die Teilgleichungen für Oxidation (Ethanal zu Ethanat, alkalisch: $\mathrm{CH_3CHO + 3\,OH^- \rightarrow CH_3COO^- + 2\,H_2O + 2\,e^-}$) und Reduktion ($\mathrm{Ag^+ + e^- \rightarrow Ag}$) und stellen Sie die Gesamtgleichung auf.
  2. b) Berechnen Sie, welche Masse an Silber ($M = 107{,}87\,\mathrm{g\cdot mol^{-1}}$) aus $0{,}010\,\mathrm{mol}$ Ethanal maximal entsteht.
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Alkanone und Alkanole nachweisen

Warum Alkanone nicht reagieren

Alkanone (Ketone) haben die Carbonylgruppe in der Mitte der Kette, z. B. Propanon (Aceton). Das Carbonyl-Kohlenstoffatom hat dort keine Bindung zu einem H-Atom, sondern zwei C–C-Bindungen. Eine weitere Oxidation müsste eine C–C-Bindung spalten. Das gelingt den milden Oxidationsmitteln Cu²⁺ (Fehling) und Ag⁺ (Tollens) nicht. Darum sind Fehling- und Tollens-Probe bei Alkanonen negativ. Mit diesen beiden Proben lassen sich Alkanale und Alkanone also unterscheiden.

Die Oxidationszahlen zeigen den Unterschied. So bestimmst du die Oxidationszahl (OZ) eines C-Atoms: Jede Bindung zu einem elektronegativeren Atom (O) zählt $+1$, jede Bindung zu H zählt $-1$, Bindungen zu C zählen $0$. Eine Doppelbindung C=O zählt zweimal. Die Summe ist die OZ. Beispiel Ethanal, C der Gruppe –CHO: C=O ($+2$), C–H ($-1$), C–C ($0$), also $+\mathrm{I}$. Beispiel Propanon, mittleres C-Atom: C=O ($+2$), zwei C–C ($0$), also $+\mathrm{II}$. Nach derselben Zählweise erhält auch das C-Atom der Methansäure $+\mathrm{II}$ (siehe Sonderfall Methansäure). Beispiel Ethansäure, C der –COOH-Gruppe: C=O ($+2$), C–O ($+1$), C–C ($0$), also $+\mathrm{III}$.

Verbindung Oxidationszahl des C-Atoms der funktionellen Gruppe
Alkanal (Ethanal) $+\mathrm{I}$
Alkanon (Propanon) $+\mathrm{II}$
Carbonsäure (Ethansäure) $+\mathrm{III}$

Nachweis der Carbonylgruppe mit 2,4-Dinitrophenylhydrazin

Um zu zeigen, dass überhaupt eine Carbonylgruppe vorliegt (Alkanal oder Alkanon), verwendest du 2,4-Dinitrophenylhydrazin (DNPH). Es bildet mit beiden einen gelb-orangen Niederschlag (ein Hydrazon). Eine Oxidation findet dabei nicht statt.

Die Kombination liefert dir die Antwort:

Fehling/Tollens DNPH Schluss
positiv positiv Alkanal
negativ positiv Alkanon
negativ negativ keine Carbonylgruppe

Oxidationsreihe der Alkanole und Nachweis der Produkte

Alkanole lassen sich oxidieren, zum Beispiel mit Kupfer(II)-oxid oder Dichromat. Ein primäres Alkanol (Ethanol) wird zum Alkanal (Ethanal) und weiter zur Carbonsäure (Ethansäure) oxidiert. Ein sekundäres Alkanol (Propan-2-ol) wird zum Alkanon (Propanon) oxidiert, dann ist Schluss. Ein tertiäres Alkanol (2-Methylpropan-2-ol) wird nicht oxidiert, denn das C-Atom mit der OH-Gruppe trägt kein H-Atom. Die Produkte weist du so nach: Alkanal mit Fehling oder Tollens, Alkanon mit DNPH (Fehling negativ), Carbonsäure mit Universalindikator.

Ester erkennst du an ihrem fruchtigen Geruch. Sie sind in Wasser kaum löslich und reagieren weder sauer noch mit Fehling-Lösung. Den Zugang zur Estergruppe liefert die Estersynthese: $\text{Alkanol} + \text{Carbonsäure} \rightleftharpoons \text{Ester} + \text{Wasser}$, z. B. $\mathrm{CH_3COOH + C_2H_5OH \rightleftharpoons CH_3COOC_2H_5 + H_2O}$. Man erwärmt die Edukte kurz und gießt das Gemisch in Wasser: Es bildet sich eine obere, fruchtig riechende Phase. Aus diesen Eigenschaften folgt eine Hypothese zum Aufbau: Das Produkt reagiert nicht mehr sauer, also ist die OH-Gruppe der Carboxygruppe verschwunden; es ist kaum wasserlöslich, also fehlt auch die OH-Gruppe des Alkanols. Beide Moleküle sind über ein O-Atom verknüpft: die Estergruppe $-\mathrm{COO}-$.

Hydroxygruppe: Reaktion mit Natrium

Alkanole mit einer Hydroxygruppe reagieren mit Natrium. Das gelingt nur mit wasserfreien Proben, da auch Wasser mit Natrium reagiert. Es bilden sich Gasbläschen von Wasserstoff und ein Natriumalkanolat:

$$\mathrm{2\,CH_3CH_2OH + 2\,Na \rightarrow 2\,CH_3CH_2ONa + H_2\uparrow}$$

Den Wasserstoff weist du mit der Knallgasprobe nach: Ein brennender Holzspan an der Öffnung des Reagenzglases erzeugt ein leises Pfeifen oder Knallen. Alkanone reagieren nicht mit Natrium. Carbonsäuren und Wasser reagieren dagegen ebenfalls unter Bildung von $\mathrm{H_2}$. Der Natriumtest ist also nur dann ein Hinweis auf ein Alkanol, wenn Säure und Wasser zuvor ausgeschlossen sind (der Indikator hilft dir bei der Säure).

Üben★★★Nicht begonnen
Eine unbekannte Verbindung X (Summenformel $\mathrm{C_3H_6O}$) wird untersucht. Mit Fehling-Lösung entsteht kein roter Niederschlag; mit 2,4-Dinitrophenylhydrazin bildet…

Eine unbekannte Verbindung X (Summenformel $\mathrm{C_3H_6O}$) wird untersucht. Mit Fehling-Lösung entsteht kein roter Niederschlag; mit 2,4-Dinitrophenylhydrazin bildet sich ein gelber Niederschlag; Natrium reagiert nicht unter Gasentwicklung.

  1. a) Ermitteln Sie die Struktur von X und begründen Sie jede Beobachtung.
  2. b) Begründen Sie, warum die isomeren Verbindungen Prop-2-en-1-ol (Allylalkohol) und Propanal als Lösung ausscheiden.
  3. c) Beurteilen Sie, ob Tollens-Reagenz zu einem anderen Ergebnis geführt hätte.
Lösen

Untersuchungsgang: Stoffe eindeutig unterscheiden

Meist liegt nicht ein einzelner Stoff vor, sondern du musst mehrere Proben unterscheiden. Dann planst du einen Untersuchungsgang:

  1. Wähle zuerst den Nachweis, der eine Stoffgruppe sicher abtrennt.

  2. Teste die verbleibenden Proben mit dem nächsten Nachweis.

  3. Achte darauf, dass jeder Test nur bei einer Stoffgruppe positiv ist, und notiere Beobachtung und Deutung.

Entscheidungsschema: Universalindikator, Fehling-Lösung und Natrium unterscheiden Essigsäure, Ethanal, Ethanol und Propanon. 1. Universalindikator 2. Fehling-Lösung, erwärmen 3. Natrium (wasserfrei) rot: Essigsäure ziegelrot: Ethanal Gasbläschen: Ethanol keine Reaktion: Propanon kein Effekt keine Reaktion kein Effekt

Sonderfall Methansäure

Methansäure (Ameisensäure) $\mathrm{HCOOH}$ ist eine Carbonsäure, die sich zusätzlich wie ein Alkanal verhält. Am C-Atom sitzt neben der OH-Gruppe noch ein H-Atom. Die Oxidationszahl dieses C-Atoms ist $+\mathrm{II}$ (C=O: $+2$, C–O: $+1$, C–H: $-1$), in Ethansäure dagegen $+\mathrm{III}$ (kein H-Atom am Carboxy-C-Atom). Zum Vergleich: In Ethanal hat das C-Atom der Aldehydgruppe $+\mathrm{I}$. Beachte: Die Oxidationszahl allein entscheidet nicht über die Oxidierbarkeit. Propanon hat ebenfalls $+\mathrm{II}$, ist aber nicht oxidierbar, weil am Carbonyl-C-Atom kein H-Atom sitzt. Methansäure trägt dort ein H-Atom. Methansäure kann daher weiter zu Kohlenstoffdioxid ($+\mathrm{IV}$) oxidiert werden. Sie reduziert Tollens-Reagenz zu Silber:

$$\mathrm{HCOOH \rightarrow CO_2 + 2\,H^+ + 2\,e^-} \qquad\qquad \mathrm{Ag^+ + e^- \rightarrow Ag}$$ $$\mathrm{HCOOH + 2\,Ag^+ \rightarrow CO_2 + 2\,Ag + 2\,H^+}$$

In der ammoniakalischen, alkalischen Tollens-Lösung reagieren die entstehenden $\mathrm{H^+}$ sofort mit Hydroxid-Ionen zu Wasser. Ethansäure hat keine solche Möglichkeit und bleibt unverändert.

Üben★★☆Nicht begonnen
Vier farblose Flüssigkeiten sind unbeschriftet: Ethanol, Ethanal, Essigsäure und Propanon. Zur Verfügung stehen Universalindikator, Fehling-Lösung und Natrium (Metall).…

Vier farblose Flüssigkeiten sind unbeschriftet: Ethanol, Ethanal, Essigsäure und Propanon. Zur Verfügung stehen Universalindikator, Fehling-Lösung und Natrium (Metall).

  1. a) Entwickeln Sie einen Untersuchungsgang, mit dem Sie die vier Stoffe eindeutig unterscheiden.
  2. b) Formulieren Sie die Reaktionsgleichung für die Reaktion von Ethanol mit Natrium und nennen Sie das nachweisbare Gas.
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Üben★★★Nicht begonnen
Eine Probe enthält entweder Methansäure oder Ethansäure. Beide zeigen saure Reaktion. Methansäure reduziert allerdings Tollens-Reagenz, Ethansäure nicht. a) Erklären Sie…

Eine Probe enthält entweder Methansäure oder Ethansäure. Beide zeigen saure Reaktion. Methansäure reduziert allerdings Tollens-Reagenz, Ethansäure nicht.

  1. a) Erklären Sie mithilfe der Struktur und der Oxidationszahl des Kohlenstoffatoms, warum Methansäure im Gegensatz zu Ethansäure reduzierend wirkt.
  2. b) Formulieren Sie die Reaktionsgleichung der Oxidation von Methansäure zu Kohlenstoffdioxid und Wasser mit Tollens-Reagenz (Silber(I)-Ionen).
  3. c) Entwerfen Sie einen Nachweisgang, mit dem Sie entscheiden können, welche der beiden Säuren die unbekannte Probe enthält.
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Üben★★★Nicht begonnen
Ein Student soll in einer Weinprobe nachweisen, dass Ethanol teilweise zu Essigsäure oxidiert wurde („Essigstich"). a) Planen Sie zwei Nachweise (einen für Essigsäure,…

Ein Student soll in einer Weinprobe nachweisen, dass Ethanol teilweise zu Essigsäure oxidiert wurde („Essigstich").

  1. a) Planen Sie zwei Nachweise (einen für Essigsäure, einen für Ethanal als Zwischenstufe) und geben Sie jeweils die erwartete Beobachtung an.
  2. b) Erläutern Sie, warum der Nachweis von Essigsäure durch die Weinsäure im Wein gestört sein kann, und schlagen Sie einen Weg vor, das Problem zu umgehen.
Lösen

Auf einen Blick

  • Carbonsäuren: Universalindikator färbt rot; $\mathrm{NaHCO_3}$ schäumt (CO₂, Kalkwasser trübt sich). Der Säuregehalt wird durch Titration mit Natronlauge bestimmt ($n(\text{Säure}) = n(\text{Lauge})$).

  • Alkanale: Fehling-Probe liefert einen ziegelroten Niederschlag von $\mathrm{Cu_2O}$, Tollens-Probe liefert einen Silberspiegel. Das Alkanal wird zur Carbonsäure oxidiert, es ist das Reduktionsmittel.

  • Alkanone: Fehling und Tollens sind negativ, DNPH ist aber positiv (gelb-oranger Niederschlag, gilt für alle Carbonylverbindungen).

  • Alkanole: Wasserfreie Alkanole reagieren mit Natrium unter Bildung von $\mathrm{H_2}$ (Knallgasprobe).

  • Methansäure reduziert wegen des H-Atoms am Carboxy-C-Atom (Aldehydcharakter) auch Tollens-Reagenz, Ethansäure nicht.

  • Ein Untersuchungsgang trennt die Stoffe schrittweise, jeweils mit einem Test, der nur eine Gruppe erfasst.

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