Toleranzkurven und ökologische Potenz
Im Nationalpark Hainich in Thüringen wächst die Rotbuche auf mittelfeuchten Böden, auf sehr nassen Böden fehlt sie dagegen. Im Pflanzversuch ohne Konkurrenz wächst sie aber auch auf deutlich feuchteren und trockeneren Böden. Warum fehlt die Art dann im Freiland an Standorten, die sie physiologisch eigentlich verträgt? Am Ende dieser Seite kannst du das erklären.
Abiotische und biotische Faktoren
Jedes Lebewesen wird von seiner Umwelt beeinflusst. Die Ökologie unterscheidet zwei Gruppen von Umweltfaktoren:
Biotop (Lebensraum) und Biozönose (Lebensgemeinschaft) bilden zusammen das Ökosystem. Abiotische und biotische Faktoren wirken dabei immer gemeinsam.
| Faktor im Buchenwald | Zuordnung |
|---|---|
| Lichtintensität, Temperatur, Bodenfeuchte | abiotisch |
| Konkurrenz um Licht, Fraß durch Rehe, Laubstreu zersetzende Pilze | biotisch |
Definieren Sie die Begriffe abiotischer Faktor und biotischer Faktor. Ordnen Sie anschließend folgende Faktoren des Lebensraums Buchenwald (Hainich, Thüringen) zu:…
Definieren Sie die Begriffe abiotischer Faktor und biotischer Faktor. Ordnen Sie anschließend folgende Faktoren des Lebensraums Buchenwald (Hainich, Thüringen) zu: Lichtintensität, Konkurrenz um Licht, Bodenfeuchte, Laubstreu zersetzende Pilze, Temperatur, Fraß durch Rehe.
Die Toleranzkurve
Wie stark ein Faktor eine Art beeinflusst, misst man z. B. über Wachstum, Überlebensrate oder Fortpflanzung bei verschiedenen Faktorwerten. Trägt man die Lebensaktivität gegen den Faktor auf, entsteht meist eine glockenförmige Toleranzkurve.
Warum ist die Kurve glockenförmig? Enzyme und Zellprozesse arbeiten nur in einem bestimmten Bereich gut. Zu wenig oder zu viel eines Faktors hemmt sie.
Eine Toleranzkurve zeigt die Abhängigkeit der Lebensaktivität einer Art von einem Umweltfaktor. a) Benennen Sie die Bereiche Optimum, Pessimum und Toleranzbereich sowie…
Eine Toleranzkurve zeigt die Abhängigkeit der Lebensaktivität einer Art von einem Umweltfaktor.
- a) Benennen Sie die Bereiche Optimum, Pessimum und Toleranzbereich sowie die Grenzen, an denen Leben nicht mehr möglich ist.
- b) Erklären Sie den Unterschied zwischen einer stenöken und einer euryöken Art.
Stenök und euryök
Arten unterscheiden sich in der Breite ihres Toleranzbereichs.
-
Stenöke Arten haben einen engen Toleranzbereich. Sie sind gute Zeigerarten (Bioindikatoren).
-
Euryöke Arten haben einen weiten Toleranzbereich und sind weit verbreitet.
Man nennt den Faktor mit: stenotherm/eurytherm (Temperatur), stenohalin/euryhalin (Salzgehalt), stenohygr/euryhygr (Feuchtigkeit), stenophot/euryphot (Licht).
Rechenhilfe: Das Optimum liegt nicht in der Mitte des Toleranzbereichs, sondern dort, wo die Kurve ihr Maximum hat. Bei Daten liest du es aus der Tabelle ab.
Die Bachforelle lebt nur bei Wassertemperaturen von etwa 4 °C bis 19 °C, ihr Optimum liegt bei 8 °C bis 12 °C. a) Geben Sie den Toleranzbereich und den Optimalbereich…
Die Bachforelle lebt nur bei Wassertemperaturen von etwa 4 °C bis 19 °C, ihr Optimum liegt bei 8 °C bis 12 °C.
- a) Geben Sie den Toleranzbereich und den Optimalbereich an.
- b) Beschreiben Sie, ob die Bachforelle in Bezug auf die Temperatur eher stenotherm oder eurytherm ist, und begründen Sie.
Bei einem Versuch wird das Wachstum von Keimlingen der Waldkiefer bei unterschiedlichen Bodenfeuchten gemessen (relative Wachstumsrate in %): | Bodenfeuchte (%) | 5 | 10…
Bei einem Versuch wird das Wachstum von Keimlingen der Waldkiefer bei unterschiedlichen Bodenfeuchten gemessen (relative Wachstumsrate in %):
| Bodenfeuchte (%) | 5 | 10 | 20 | 30 | 40 | 50 | 60 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Wachstum | 0 | 35 | 80 | 100 | 85 | 40 | 0 |
- a) Zeichnen Sie die Toleranzkurve (oder beschreiben Sie ihren Verlauf) und kennzeichnen Sie Optimum, Pessimumbereiche und Toleranzgrenzen.
- b) Beurteilen Sie, ob die Waldkiefer in Bezug auf die Bodenfeuchte eher euryök oder stenök ist.
Zwei Fischarten in der Elbe haben folgende Toleranzbereiche für den Sauerstoffgehalt: Art A 3–12 mg/l, Art B 7–11 mg/l. Nach einem heißen Sommer sinkt der…
Zwei Fischarten in der Elbe haben folgende Toleranzbereiche für den Sauerstoffgehalt: Art A 3–12 mg/l, Art B 7–11 mg/l. Nach einem heißen Sommer sinkt der Sauerstoffgehalt in einem Abschnitt auf 5 mg/l.
- a) Ermitteln Sie, welche Art dort überleben kann.
- b) Begründen Sie, welche Art als Bioindikator für sauberes, sauerstoffreiches Wasser besser geeignet ist.
Physiologische und ökologische Potenz
Im Labor oder in Reinkultur ohne Konkurrenz zeigt eine Art ihre volle Fähigkeit. Abiotische und biotische Faktoren wirken im Freiland zusammen. Beim Auswerten von Daten vergleichst du daher Labor- und Freilandwerte: Im Freiland drängen Konkurrenten, Fressfeinde und Parasiten die Art zurück. Die Differenz zwischen Labor- und Freilandbereich weist vor allem auf biotische Faktoren hin. Auch Ausbreitungsbarrieren, das Zusammenwirken mehrerer abiotischer Faktoren oder die Geschichte des Standorts können das Vorkommen einschränken. Welche Ursache zutrifft, muss man mit weiteren Daten oder Experimenten prüfen.
Die Rotbuche kann physiologisch auch nasse und trockene Böden besiedeln. Auf sehr nassen Böden setzt sich die Schwarzerle durch, auf sehr trockenen die Waldkiefer. Die Buche wird dort durch Konkurrenz verdrängt und kommt nur auf mittelfeuchten Böden vor. Damit ist die Frage vom Anfang geklärt: Ihre ökologische Potenz ist enger als ihre physiologische.
Die Rotbuche wächst in Reinkultur (ohne Konkurrenz) in einem weiten Bereich der Bodenfeuchte, im Freiland jedoch nur auf mittelfeuchten Böden. Auf sehr nassen Böden…
Die Rotbuche wächst in Reinkultur (ohne Konkurrenz) in einem weiten Bereich der Bodenfeuchte, im Freiland jedoch nur auf mittelfeuchten Böden. Auf sehr nassen Böden dominiert die Schwarzerle, auf sehr trockenen die Waldkiefer.
- a) Erklären Sie den Unterschied zwischen physiologischer und ökologischer Potenz.
- b) Erläutern Sie, welche Rolle Konkurrenz für die Verengung der Potenz der Rotbuche spielt.
Ein Käfer wird bei verschiedenen Temperaturen auf Überlebensrate und Fortpflanzungsrate untersucht: Überleben ist zwischen 5 °C und 36 °C möglich (Optimum 20–28 °C),…
Ein Käfer wird bei verschiedenen Temperaturen auf Überlebensrate und Fortpflanzungsrate untersucht: Überleben ist zwischen 5 °C und 36 °C möglich (Optimum 20–28 °C), Fortpflanzung findet nur zwischen 12 °C und 32 °C statt (Optimum 22–26 °C).
- a) Stellen Sie die beiden Toleranzbereiche vergleichend dar.
- b) Erklären Sie, warum die Art in einem Gebiet mit Jahresmitteltemperatur 8 °C und Sommermaximum 20 °C trotz möglichem Überleben nicht dauerhaft vorkommen wird.
- c) Leiten Sie daraus eine Aussage über die Bedeutung des Begriffs „Toleranz“ bei Verbreitungsprognosen im Klimawandel ab.
An einem Nordseestrand (Wattenmeer, Niedersachsen) wurden entlang eines Salzgehaltgradienten die Dichten dreier Arten erfasst: Art 1 nur bei 30–35 ‰, Art 2 bei 5–35 ‰…
An einem Nordseestrand (Wattenmeer, Niedersachsen) wurden entlang eines Salzgehaltgradienten die Dichten dreier Arten erfasst: Art 1 nur bei 30–35 ‰, Art 2 bei 5–35 ‰ mit Maximum bei 20 ‰, Art 3 bei 0–10 ‰.
- a) Ordnen Sie den Arten die Begriffe stenohalin und euryhalin zu und begründen Sie.
- b) Formulieren Sie eine begründete Hypothese, warum Art 2 bei 5 ‰ nicht ihr Optimum erreicht, obwohl physiologisch Toleranz gegeben ist.
- c) Planen Sie ein Experiment, mit dem die physiologische Potenz von Art 2 bestimmt werden kann, und nennen Sie zu kontrollierende Variablen.
Eine Pflanzenart zeigt im Freiland (Schwäbische Alb) nur auf Kalkböden bei pH 7–8 Vorkommen. In Topfversuchen wächst sie bei pH 5–8 gleich gut, bei pH 4 gar nicht. a)…
Eine Pflanzenart zeigt im Freiland (Schwäbische Alb) nur auf Kalkböden bei pH 7–8 Vorkommen. In Topfversuchen wächst sie bei pH 5–8 gleich gut, bei pH 4 gar nicht.
- a) Werten Sie die Daten im Hinblick auf physiologische und ökologische Potenz aus.
- b) Stellen Sie zwei alternative Hypothesen zur Erklärung der Beschränkung im Freiland auf und nennen Sie jeweils eine Untersuchung zur Überprüfung.
- c) Beurteilen Sie die Aussagekraft von Freilandbeobachtungen allein für die Bestimmung der Toleranz.