Außenbeitrag und Leistungsbilanz
Ein Lkw mit Maschinenteilen aus Dortmund fährt nach Polen, im Hamburger Hafen wird gleichzeitig ein Container mit Smartphones aus Asien entladen. Deutschland verkauft viel an das Ausland und kauft viel dort ein. Gewinnt Deutschland dabei, wenn es mehr verkauft als kauft? Und ist ein solcher Überschuss überhaupt ein „Erfolg“? Am Ende dieser Seite können Sie die Frage begründet beantworten.
Der Außenbeitrag als Teil des BIP
Bei der Verwendungsrechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird gefragt, wofür die im Inland erzeugten Güter verwendet werden: für Konsum, für Investitionen, für Staatsausgaben oder für das Ausland. Gleichzeitig steckt in den Konsum-, Investitions- und Staatsausgaben auch Eingekauftes aus dem Ausland. Das muss wieder abgezogen werden, weil es nicht im Inland entstanden ist.
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Positiver Außenbeitrag ($Ex > Im$): Das Inland liefert mehr an das Ausland, als es von dort bezieht. Die Auslandsnachfrage stützt das BIP (Exportüberschuss).
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Negativer Außenbeitrag ($Ex < Im$): Es wird mehr importiert als exportiert. Der Außenbeitrag mindert das BIP rechnerisch (Importüberschuss).
Der kleine Aufsatz oben auf der Importsäule (mit „+200“ beschriftet) ist der Außenbeitrag: Exporte 1.600 Mrd. €, Importe 1.400 Mrd. €, also $1.600 - 1.400 = +200$ Mrd. €. Das BIP ist um diesen Betrag höher, als wenn Exporte und Importe gleich groß wären.
Definieren Sie den Außenbeitrag und geben Sie seine Formel an. Erläutern Sie, was ein positiver und ein negativer Außenbeitrag bedeuten.
Definieren Sie den Außenbeitrag und geben Sie seine Formel an. Erläutern Sie, was ein positiver und ein negativer Außenbeitrag bedeuten.
Deutschland exportiert Waren und Dienstleistungen im Wert von 1.600 Mrd. € und importiert im Wert von 1.400 Mrd. €. a) Berechnen Sie den Außenbeitrag. b) Beschreiben…
Deutschland exportiert Waren und Dienstleistungen im Wert von 1.600 Mrd. € und importiert im Wert von 1.400 Mrd. €.
- a) Berechnen Sie den Außenbeitrag.
- b) Beschreiben Sie, was dies für das BIP bedeutet.
Das BIP eines Landes beträgt 3.000 Mrd. €: Konsum 1.700, Investitionen 600, Staatsausgaben 600, Exporte 800. a) Berechnen Sie die Importe. b) Wie ändert sich das BIP,…
Das BIP eines Landes beträgt 3.000 Mrd. €: Konsum 1.700, Investitionen 600, Staatsausgaben 600, Exporte 800.
- a) Berechnen Sie die Importe.
- b) Wie ändert sich das BIP, wenn die Exporte um 5 % sinken und alles andere gleich bleibt?
- c) Erläutern Sie die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export.
Die Leistungsbilanz und ihre Teilbilanzen
Der Außenbeitrag erfasst nur Waren und Dienstleistungen. Die Leistungsbilanz ist umfassender: Sie ist Teil der Zahlungsbilanz, die von der Deutschen Bundesbank erstellt wird, und fasst alle laufenden Leistungsbeziehungen mit dem Ausland zusammen.
| Teilbilanz | Was wird erfasst? | Beispiel |
|---|---|---|
| Handelsbilanz (Warenhandel) | Export und Import von Waren | Maschinen aus Ostwestfalen gehen in die USA; Smartphones kommen aus Asien |
| Dienstleistungsbilanz | Export und Import von Dienstleistungen | Urlaub von Familien aus Köln an der italienischen Adria (Import), Übernachtung von Touristen in Düsseldorf (Export) |
| Primäreinkommen | Erwerbs- und Vermögenseinkommen aus dem Ausland | Gewinne einer deutschen Tochtergesellschaft in Polen, Zinsen auf Auslandsanleihen |
| Sekundäreinkommen | Übertragungen ohne Gegenleistung | Zahlungen an den EU-Haushalt, Überweisungen von Arbeitnehmern in ihre Heimatländer, Entwicklungshilfe |
Der Saldo einer Teilbilanz ist die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben. Der Leistungsbilanzsaldo ist die Summe der vier Salden:
$$\text{Leistungsbilanzsaldo} = \text{Saldo}_{\text{Handel}} + \text{Saldo}_{\text{Dienstleistungen}} + \text{Saldo}_{\text{Primäreinkommen}} + \text{Saldo}_{\text{Sekundäreinkommen}}$$Oft wird er in Prozent des BIP angegeben, um Länder unterschiedlicher Größe vergleichbar zu machen.
Nennen Sie die Teilbilanzen der Leistungsbilanz (Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Primär- und Sekundäreinkommen) und geben Sie je ein Beispiel.
Nennen Sie die Teilbilanzen der Leistungsbilanz (Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Primär- und Sekundäreinkommen) und geben Sie je ein Beispiel.
Gegeben sind (in Mrd. €): Warenexporte 1.550, Warenimporte 1.300, Dienstleistungsexporte 400, Dienstleistungsimporte 440, Primäreinkommen (Saldo) +120, Sekundäreinkommen…
Gegeben sind (in Mrd. €): Warenexporte 1.550, Warenimporte 1.300, Dienstleistungsexporte 400, Dienstleistungsimporte 440, Primäreinkommen (Saldo) +120, Sekundäreinkommen (Saldo) −60.
- a) Berechnen Sie Handelsbilanz- und Dienstleistungsbilanzsaldo.
- b) Berechnen Sie den Leistungsbilanzsaldo.
- c) Berechnen Sie den Saldo in Prozent eines BIP von 4.100 Mrd. €.
Zahlungsbilanz: Überschuss heißt Kapitalexport
Die Zahlungsbilanz erfasst alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Inland und Ausland. Sie besteht aus der Leistungsbilanz, der Vermögensänderungsbilanz (ein kleiner Posten) und der Kapitalbilanz. Die Kapitalbilanz zeigt, wie viel Geld in Form von Krediten, Wertpapieren und Direktinvestitionen ins Ausland oder aus dem Ausland fließt.
Weil jede Zahlung irgendwie verbucht werden muss, ist die Zahlungsbilanz buchhalterisch immer ausgeglichen:
$$\text{Leistungsbilanzsaldo} + \text{Saldo der Vermögensänderungsbilanz} + \text{Kapitalbilanzsaldo} + \text{Restposten} = 0$$Vorzeichenkonvention: Ein Nettokapitalexport (Zuwachs der Auslandsforderungen) wird in der Kapitalbilanz mit negativem Vorzeichen gebucht. Im Saldo wird ein Leistungsbilanzüberschuss durch den negativen Saldo der Kapitalbilanz ausgeglichen, zusammen mit der Vermögensänderungsbilanz und dem Restposten (statistische Ungenauigkeiten).
Anders gesagt: Was ein Land im Außenhandel mehr einnimmt, als es ausgibt, legt es im Ausland an (oder zahlt Schulden zurück). Das nennt man Nettokapitalexport.
Daraus ergeben sich Risiken: Forderungen gegenüber dem Ausland können an Wert verlieren, etwa wenn ausländische Schuldner nicht zahlen können, Wechselkurse sich ändern oder Anleihen abgewertet werden. Wer ständig Überschüsse erzielt, verleiht also dauerhaft Geld, das er eventuell nie vollständig zurückbekommt. Außerdem hängt ein Land mit großem Überschuss von der Nachfrage seiner Handelspartner ab.
Ein Land hat einen Leistungsbilanzüberschuss von 7 % des BIP. Erläutern Sie mithilfe der Zahlungsbilanz, dass dem Überschuss ein Nettokapitalexport entsprechen muss. a)…
Ein Land hat einen Leistungsbilanzüberschuss von 7 % des BIP. Erläutern Sie mithilfe der Zahlungsbilanz, dass dem Überschuss ein Nettokapitalexport entsprechen muss.
- a) Beschreiben Sie den Zusammenhang zwischen dem Saldo der Leistungsbilanz und dem Saldo der Kapitalbilanz (unter Berücksichtigung der Vermögensänderungsbilanz und des Restpostens).
- b) Erklären Sie die Risiken dieser Auslandsforderungen.
- c) Beurteilen Sie, ob ein dauerhafter Überschuss ein Erfolgsnachweis ist.
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht als Ziel
Das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StabG) von 1967 verpflichtet Bund und Länder, bei ihren Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Nach § 1 StabG gehören dazu Preisstabilität, hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und stetiges, angemessenes Wirtschaftswachstum. Dies sind die vier Ecken des Magischen Vierecks.
Das StabG nennt für das außenwirtschaftliche Gleichgewicht keine feste Zahl. Es bedeutet, dass die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland die anderen Ziele nicht dauerhaft stören sollen. In den Aufgaben dieser Seite wird als hypothetische Orientierung ein leichter Überschuss beim Außenbeitrag von etwa 1,5 bis 2 % des BIP angenommen; das ist keine gesetzliche Vorgabe. Die EU hält im Verfahren zur Überwachung makroökonomischer Ungleichgewichte dauerhafte Überschüsse von mehr als etwa 6 % des BIP für problematisch.
Die Bundesregierung strebt ein »außenwirtschaftliches Gleichgewicht« an. Das StabG nennt als Ziel ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht; als quantitative Orientierung…
Die Bundesregierung strebt ein »außenwirtschaftliches Gleichgewicht« an. Das StabG nennt als Ziel ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht; als quantitative Orientierung wird häufig ein Außenbeitrag von etwa 1,5 bis 2 % des BIP genannt.
- a) Nennen Sie den Zusammenhang zwischen StabG und diesem Ziel.
- b) Berechnen Sie den Außenbeitrag, der bei einem BIP von 4.000 Mrd. € dem Zielkorridor entspricht.
- c) Vergleichen Sie diesen Korridor mit einem Außenbeitrag (Überschuss) von 240 Mrd. €.
Überschüsse und Zölle beurteilen
Deutschland erzielt seit Jahren hohe Leistungsbilanzüberschüsse. Das ist Anlass für Kritik, aber auch für Zustimmung. Im Abitur wird dazu eine Erörterung mit Pro und Contra und mit Urteilskriterien (z. B. Effizienz, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit) erwartet.
Ursachen für hohe Überschüsse (Beispiele):
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hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieprodukte (Maschinen, Autos, Chemie) und starke Nachfrage danach,
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der Euro: Nach verbreiteter (aber umstrittener) Ansicht ist er für Deutschland vergleichsweise „schwach“, weil er auch die schwächeren Volkswirtschaften enthält; deutsche Waren wären dadurch im Ausland billiger,
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ein Sparüberschuss: Private Haushalte und Unternehmen sparen mehr, als im Inland investiert wird; das überschüssige Kapital geht ins Ausland,
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vergleichsweise zurückhaltende Lohn- und Investitionsentwicklung im Inland.
| Vorteile | Nachteile | |
|---|---|---|
| Für Deutschland | Beschäftigung in Exportbranchen, Einkommen, Steuereinnahmen | Abhängigkeit von Auslandsnachfrage, Risiko wertloser Forderungen, geringere Inlandsinvestitionen |
| Für die Handelspartner | Zugang zu guten Gütern und Krediten | Verschuldung, Druck auf heimische Industrie, Spannungen in der Währungsunion |
Mögliche Maßnahmen zum Abbau: mehr öffentliche und private Investitionen im Inland, höhere Löhne (mehr Konsum, mehr Importe), Abbau von Hemmnissen im Dienstleistungssektor. Beurteilen müssen Sie jeweils, ob die Maßnahme das Ziel erreicht und welche Nebenwirkungen sie auf die anderen Ziele des Magischen Vierecks hat (z. B. Preisstabilität, wenn Löhne stark steigen).
Beispiel: Zölle der USA
Wenn die USA auf deutsche Autos Zölle erheben, wirkt das so:
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Die Autos werden in den USA teurer; der Absatz sinkt.
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Die Exporte sinken. In Deutschland geraten Hersteller und Zulieferer (z. B. in NRW) unter Druck, die Beschäftigung kann sinken.
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Der Außenbeitrag und das BIP gehen zurück, wenn andere Verwendungen nicht ausgleichen.
Mögliche Gegenreaktionen: Vergeltungszölle der EU (Eskalation, Handelskrieg), Klagen bei der Welthandelsorganisation, Verhandlungen, Erschließung anderer Absatzmärkte. Für das Magische Viereck heißt das: Wachstum und Beschäftigung leiden, die Preise für importierte Waren können steigen (Preisstabilität), und das außenwirtschaftliche Gleichgewicht verändert sich nur dann, wenn auch die Importe sinken.
Zurück zum Anfang: Ein Lkw mit Maschinenteilen aus Dortmund und ein Container aus Asien im Hamburger Hafen zeigen beide Seiten des Außenhandels. Ein Überschuss sichert Arbeitsplätze, ist aber nur dann ein Erfolg, wenn die entstehenden Auslandsforderungen werthaltig sind und das Gleichgewicht der anderen Ziele nicht dauerhaft gestört wird.
Deutschland erzielt seit Jahren hohe Leistungsbilanzüberschüsse. Kritiker, auch EU-Kommission und IWF, sehen darin ein Ungleichgewicht. a) Erläutern Sie die Ursachen (z.…
Deutschland erzielt seit Jahren hohe Leistungsbilanzüberschüsse. Kritiker, auch EU-Kommission und IWF, sehen darin ein Ungleichgewicht.
- a) Erläutern Sie die Ursachen (z. B. Wettbewerbsfähigkeit, Euro, Sparüberschuss).
- b) Erörtern Sie Vor- und Nachteile für Deutschland und für die Handelspartner.
- c) Beurteilen Sie wirtschaftspolitische Maßnahmen zum Abbau (z. B. höhere Investitionen, Lohnsteigerungen).
Die USA drohen mit Zöllen auf deutsche Autos mit dem Argument des Handelsbilanzdefizits. a) Erläutern Sie die Wirkungen von Zöllen auf Preise, Absatz und Beschäftigung…
Die USA drohen mit Zöllen auf deutsche Autos mit dem Argument des Handelsbilanzdefizits.
- a) Erläutern Sie die Wirkungen von Zöllen auf Preise, Absatz und Beschäftigung in Deutschland.
- b) Erörtern Sie mögliche Gegenreaktionen.
- c) Beurteilen Sie die Folgen für das Magische Viereck.
Auf einen Blick
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Außenbeitrag = Exporte − Importe (von Waren und Dienstleistungen); er ist Teil der Verwendungsrechnung: $Y = C + I + G + (Ex - Im)$.
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Die Leistungsbilanz umfasst Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Primär- und Sekundäreinkommen; ihr Saldo ist die Summe der Teilsalden, oft in Prozent des BIP angegeben.
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Die Zahlungsbilanz ist buchhalterisch ausgeglichen: Ein Leistungsbilanzüberschuss entspricht einem Nettokapitalexport (Zuwachs an Auslandsforderungen).
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Das StabG nennt das außenwirtschaftliche Gleichgewicht als Ziel des Magischen Vierecks, aber keinen festen Zahlenwert; dauerhafte Überschüsse und Defizite gelten als Ungleichgewicht.
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Beurteilen Sie Überschüsse und Zölle immer mit Pro und Contra und mit den Folgen für die übrigen Ziele.