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Realschule 8 · Biologie
Biologie Klasse 7: Ergänzende Themen aus dem Lehrplan · Allergien, Diabetes und Impfungen

Impfungen und ihre Geschichte

Mia aus Köln bekommt vor der Klassenfahrt einen Hinweis: „Bitte Impfausweis mitbringen!“ Sie fragt sich: Was steht da eigentlich drin? Und wie kann eine Spritze vor einer Krankheit schützen, die man noch nie hatte? Am Ende dieser Seite kannst du es erklären.

Aktive und passive Immunisierung

Du weißt schon: Bei einer Infektion bilden B-Lymphozyten (Plasmazellen) Antikörper. Einige Zellen bleiben als Gedächtniszellen erhalten. Trifft derselbe Erreger später erneut auf den Körper, reagiert das Immunsystem schneller und stärker. Genau das nutzt man bei Impfungen.

Vergleich von aktiver und passiver Immunisierung: Schutzbeginn und Schutzdauer Zeit nach der Impfung → Schutz passiv (blau): sofort, aber kurz aktiv (orange): später, aber lang

Die Kurven zeigen nur den Verlauf in groben Zügen. Entscheidend: passiv = schnell und kurz, aktiv = langsam und lang.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Erkläre den Unterschied zwischen aktiver und passiver Immunisierung.

Erkläre den Unterschied zwischen aktiver und passiver Immunisierung.

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Schutzimpfung und Heilimpfung

Im Alltag heißen die beiden Verfahren oft auch so:

Schutzimpfung Heilimpfung
Art aktiv passiv
Was wird gespritzt? Antigene (abgeschwächte/abgetötete Erreger, Bruchstücke) fertige Antikörper (Serum)
Zeitpunkt vor einer möglichen Ansteckung nach einer Ansteckung, wenn die Krankheit schon droht oder ausgebrochen ist
Wirkung beginnt langsam, hält lange beginnt sofort, hält kurz
Beispiel Masern-Impfung im Kleinkindalter Tetanus-Serum nach Verletzung ohne Impfschutz
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Erkläre den Unterschied zwischen Schutzimpfung (aktiv) und Heilimpfung (passiv). Gib je ein Beispiel für eine Situation, in der sie eingesetzt wird.

Erkläre den Unterschied zwischen Schutzimpfung (aktiv) und Heilimpfung (passiv). Gib je ein Beispiel für eine Situation, in der sie eingesetzt wird.

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Ein Kind wird mit Tetanus-Erregern infiziert und ist ungeimpft. Es erhält sofort ein Serum mit Antikörpern (passive Impfung) und zugleich den aktiven Impfstoff. a)…

Ein Kind wird mit Tetanus-Erregern infiziert und ist ungeimpft. Es erhält sofort ein Serum mit Antikörpern (passive Impfung) und zugleich den aktiven Impfstoff.

  1. a) Erkläre, warum beide Impfungen gleichzeitig gegeben werden.
  2. b) Vergleiche Beginn und Dauer des Schutzes beider Verfahren.
  3. c) Begründe, warum das Serum früher aus Pferdeblut gewonnen wurde und welches Risiko das hatte.
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Die Geschichte der Impfung

Impfen hat eine lange Geschichte. Drei Forscher sind besonders wichtig.

Edward Jenner (1796). Der englische Landarzt beobachtete: Melkerinnen, die sich mit den harmlosen Kuhpocken angesteckt hatten, erkrankten nicht an den gefährlichen Menschenpocken. Er übertrug Kuhpocken-Material auf einen Jungen. Später setzte er ihn echten Pocken aus. Der Junge blieb gesund. Warum das funktioniert, wusste Jenner noch nicht: Die Kuhpocken-Erreger sind den Pocken-Erregern so ähnlich, dass die gebildeten Antikörper und Gedächtniszellen auch gegen Pocken helfen.

Louis Pasteur (um 1880). Der französische Chemiker entwickelte Impfstoffe mit abgeschwächten Erregern, zum Beispiel gegen Milzbrand und Tollwut. Er zeigte: Man kann Erreger so verändern, dass sie nicht mehr krank machen, aber trotzdem Schutz auslösen.

Emil von Behring (um 1890). Der deutsche Arzt (mit Kitasato) fand heraus: Im Blut von Tieren, die eine Krankheit überstanden haben, sind Stoffe, die Giftstoffe der Erreger unschädlich machen: Antikörper. Er entwickelte Heilseren gegen Diphtherie und Tetanus. Dafür erhielt er 1901 den ersten Nobelpreis für Medizin. Robert Koch wies zuvor nach, dass bestimmte Bakterien bestimmte Krankheiten auslösen, und schuf so die Grundlage.

Forscher Leistung Art
Jenner Pockenimpfung mit Kuhpocken aktiv
Pasteur Impfstoffe aus abgeschwächten Erregern (Tollwut, Milzbrand) aktiv
von Behring Serum mit Antikörpern (Diphtherie, Tetanus) passiv
Zeitstrahl: Jenner 1796, Pasteur um 1880, von Behring um 1890 1796 Jenner um 1880 Pasteur um 1890 von Behring
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Ordne den Forschern ihre Leistung zu: Edward Jenner, Louis Pasteur, Emil von Behring. A: Entwicklung eines Serums gegen Diphtherie und Tetanus B: Pockenimpfung mit…

Ordne den Forschern ihre Leistung zu: Edward Jenner, Louis Pasteur, Emil von Behring.

  • A: Entwicklung eines Serums gegen Diphtherie und Tetanus

  • B: Pockenimpfung mit Kuhpockenmaterial

  • C: Impfstoffe gegen Tollwut und Milzbrand

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Jenner impfte 1796 einen Jungen mit Kuhpocken-Material und setzte ihn später echten Pocken aus. Der Junge erkrankte nicht. a) Erkläre, warum der Junge geschützt war. b)…

Jenner impfte 1796 einen Jungen mit Kuhpocken-Material und setzte ihn später echten Pocken aus. Der Junge erkrankte nicht.

  1. a) Erkläre, warum der Junge geschützt war.
  2. b) Beurteile das Vorgehen Jenners aus heutiger ethischer Sicht.
  3. c) Nenne, wodurch heute die Sicherheit von Impfstoffen gewährleistet wird.
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Üben★★★Nicht begonnen
Vergleiche die Entwicklungsschritte von Jenner, Pasteur und Behring. Arbeite heraus, wie sich das Verständnis von Immunität im Laufe der Zeit verändert hat, und…

Vergleiche die Entwicklungsschritte von Jenner, Pasteur und Behring. Arbeite heraus, wie sich das Verständnis von Immunität im Laufe der Zeit verändert hat, und begründe, warum Behrings Methode auch bei bereits ausgebrochener Krankheit helfen kann.

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Impfausweis, STIKO und Auffrischung

Jede Impfung wird im Impfausweis (Impfpass) eingetragen. Dort stehen:

  • das Datum der Impfung,

  • der Name des Impfstoffs und die Chargennummer,

  • die Krankheit, gegen die geimpft wurde,

  • Stempel und Unterschrift der Ärztin oder des Arztes.

Welche Impfungen wann empfohlen werden, legt die STIKO fest, die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI). Sie besteht aus unabhängigen Fachleuten und veröffentlicht den Impfkalender.

Manche Impfungen brauchen eine Grundimmunisierung (mehrere Impfungen im Abstand von Wochen oder Monaten) und später Auffrischimpfungen. Der Grund: Die Zahl der Gedächtniszellen und Antikörper nimmt mit den Jahren ab. Die Auffrischung weckt die Gedächtniszellen erneut. Danach reagiert der Körper schneller und stärker als bei der ersten Impfung, weil schon Gedächtniszellen vorhanden sind.

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Nenne drei Angaben, die in einem Impfausweis eingetragen werden, und erkläre, was die STIKO ist.

Nenne drei Angaben, die in einem Impfausweis eingetragen werden, und erkläre, was die STIKO ist.

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Üben★★☆Nicht begonnen
Lukas aus Essen hat laut Impfausweis die Grundimmunisierung gegen Tetanus im Säuglingsalter erhalten, die letzte Auffrischung aber vor 14 Jahren. Er verletzt sich bei…

Lukas aus Essen hat laut Impfausweis die Grundimmunisierung gegen Tetanus im Säuglingsalter erhalten, die letzte Auffrischung aber vor 14 Jahren. Er verletzt sich bei der Gartenarbeit an einem rostigen Nagel.

  1. a) Erkläre, warum Auffrischimpfungen nötig sind.
  2. b) Empfiehl Lukas, was er tun sollte, und begründe.
  3. c) Erkläre, warum der Impfschutz nach Auffrischung schneller wirkt als nach der ersten Impfung.
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Herdenimmunität und eigene Entscheidung

Nicht jeder kann sich impfen lassen: Säuglinge, Schwangere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind oft ausgenommen. Sie sind geschützt, wenn genug andere immun sind. Dann findet der Erreger kaum noch neue Wirte, und Ansteckungsketten brechen ab. Das nennt man Herdenimmunität (Herdenschutz).

Bei Masern ist der Erreger extrem ansteckend. Man braucht eine Impfquote von etwa 95 %, damit die Herdenimmunität hält. Fällt die Quote darunter, können sich Masern wieder ausbreiten, wie es auch im Ruhrgebiet schon vorkam. Seit 2020 gilt in Deutschland die Impfpflicht gegen Masern in Schulen und Kitas (Masernschutzgesetz).

Herdenimmunität: Ein ungeimpftes Kind ist von geimpften Personen umgeben, die Erreger kommen nicht durch ✗ Blau: geimpft Orange: ungeimpft · Rosa: erkrankt
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Eine Gemeinde hat eine Impfquote von 95 % gegen Masern. Eine Familie lehnt die Impfung ihres Säuglings ab, da „fast alle anderen ja geimpft sind". a) Erkläre das Prinzip…

Eine Gemeinde hat eine Impfquote von 95 % gegen Masern. Eine Familie lehnt die Impfung ihres Säuglings ab, da „fast alle anderen ja geimpft sind".

  1. a) Erkläre das Prinzip der Herdenimmunität.
  2. b) Beurteile das Argument der Familie.
  3. c) Nenne Personengruppen, die auf Herdenimmunität angewiesen sind, und begründe.
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Zurück zum Anfang: Mia findet in ihrem Impfausweis Datum, Impfstoff, Krankheit und Stempel. Eine Impfung schützt, weil sie Antigene zeigt und der Körper Antikörper und Gedächtniszellen bildet, ohne dass Mia erkrankt.

Auf einen Blick

  • Aktive Impfung (Schutzimpfung): Antigene, Körper bildet selbst Antikörper und Gedächtniszellen, Schutz langsam und lang.

  • Passive Impfung (Heilimpfung): fertige Antikörper (Serum), Schutz sofort, aber nur kurz.

  • Jenner (Pockenimpfung), Pasteur (abgeschwächte Erreger), von Behring (Heilserum gegen Diphtherie und Tetanus).

  • Impfausweis: Datum, Impfstoff, Krankheit, Stempel. Die STIKO am RKI erstellt den Impfkalender.

  • Auffrischimpfungen wecken die Gedächtniszellen erneut.

  • Herdenimmunität schützt auch Menschen, die nicht geimpft werden können.

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