Blutzuckerregulation und Diabetes mellitus
Lea aus Köln frühstückt Toast mit Marmelade und trinkt dazu ein Glas Saft. Eine Stunde später ist ihr Blutzucker kaum höher als vor dem Essen. Ihr Mitschüler Ben hat Diabetes Typ 1: Er muss vor dem Essen Insulin spritzen, sonst steigt sein Blutzucker gefährlich an. Was passiert in Leas Körper, das bei Ben nicht von selbst funktioniert?
Blutzucker und Hormone
Alle Zellen brauchen Traubenzucker (Glucose) als Brennstoff für die Zellatmung. Das Blut transportiert die Glucose zu den Zellen. Ihr Gehalt im Blut heißt Blutzuckerspiegel.
Beim gesunden Menschen liegt der Nüchternwert bei etwa 70 bis 100 mg Glucose pro 100 ml Blut (mg/100 ml, oft auch mg/dl). Nach einer Mahlzeit steigt er kurz an, danach pendelt er sich wieder ein.
Gesteuert wird das durch Hormone. Das sind Botenstoffe, die in Hormondrüsen gebildet und über das Blut zu ihren Zielzellen transportiert werden. Dort passen sie nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an bestimmte Bindestellen.
Die Bauchspeicheldrüse bildet zwei Gegenspieler:
| Hormon | Wirkung | Wann wird es ausgeschüttet? |
|---|---|---|
| Insulin | senkt den Blutzuckerspiegel | Blutzucker zu hoch |
| Glucagon | erhöht den Blutzuckerspiegel | Blutzucker zu niedrig |
Nenne das Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt, und das Hormon, das ihn erhöht. Gib an, in welchem Organ beide gebildet werden.
Nenne das Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt, und das Hormon, das ihn erhöht. Gib an, in welchem Organ beide gebildet werden.
Der normale Nüchternblutzucker liegt bei etwa 70 bis 100 mg pro 100 ml Blut. Ordne zu, ob die folgenden Werte im Normbereich, darunter oder darüber liegen: 85 mg/100 ml,…
Der normale Nüchternblutzucker liegt bei etwa 70 bis 100 mg pro 100 ml Blut. Ordne zu, ob die folgenden Werte im Normbereich, darunter oder darüber liegen: 85 mg/100 ml, 55 mg/100 ml, 160 mg/100 ml.
Regelung durch negative Rückkopplung
Der Körper hält den Blutzuckerspiegel wie ein Thermostat die Raumtemperatur: Weicht der Wert ab, wird gegengesteuert. Man nennt das negative Rückkopplung: Die Wirkung der Hormone hebt die Abweichung wieder auf.
Bei längerem Fasten läuft es umgekehrt: Der Blutzucker sinkt, die Bauchspeicheldrüse gibt Glucagon ab, die Leber setzt Glucose frei, der Wert steigt wieder.
Nach einer Mahlzeit mit viel Zucker steigt der Blutzuckerspiegel bei einem gesunden Menschen an und sinkt dann wieder auf den Ausgangswert. a) Beschreibe, wie der Körper…
Nach einer Mahlzeit mit viel Zucker steigt der Blutzuckerspiegel bei einem gesunden Menschen an und sinkt dann wieder auf den Ausgangswert.
- a) Beschreibe, wie der Körper den Blutzuckerspiegel senkt.
- b) Erkläre, was bei längerem Fasten mit dem Blutzuckerspiegel geschieht und wie der Körper ihn wieder anhebt.
- c) Ordne beide Vorgänge dem Prinzip der negativen Rückkopplung zu.
Diabetes mellitus
Bei Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) ist die Regelung gestört. Der Blutzuckerspiegel bleibt dauerhaft zu hoch, weil Insulin fehlt oder die Zellen nicht mehr darauf reagieren.
Typische Anzeichen bei unbehandeltem Diabetes: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Schwäche, Gewichtsverlust (vor allem bei Typ 1) und Zucker im Urin.
Warum Zucker im Urin und Durst? Ist der Blutzucker sehr hoch, schafft die Niere es nicht mehr, alle Glucose zurückzuholen. Zucker gelangt in den Urin und zieht Wasser mit. Der Körper verliert viel Flüssigkeit und man hat großen Durst. Gleichzeitig kann die Glucose nicht in die Zellen gelangen, sie „hungern“ trotz vollem Blutzucker.
| Typ 1 | Typ 2 | |
|---|---|---|
| Ursache | Abwehrsystem zerstört die insulinbildenden Zellen, Insulin fehlt | Zellen reagieren schlecht auf Insulin; Übergewicht, wenig Bewegung, Veranlagung |
| Beginn | meist Kindheit oder Jugend | meist höheres Alter, zunehmend auch früher |
| Behandlung | Insulin spritzen oder per Pumpe | Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme, Tabletten, später oft auch Insulin |
Typ 2 tritt in Deutschland immer häufiger auf, weil viele Menschen sich zu wenig bewegen, zu viel und zu süß essen und häufiger übergewichtig sind.
Nenne drei typische Anzeichen eines unbehandelten Diabetes mellitus.
Nenne drei typische Anzeichen eines unbehandelten Diabetes mellitus.
Vergleiche Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 in einer Tabelle mit den Kriterien Ursache, typisches Alter bei Beginn und Behandlung.
Vergleiche Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 in einer Tabelle mit den Kriterien Ursache, typisches Alter bei Beginn und Behandlung.
Bei Diabetes Typ 2 helfen oft Gewichtsabnahme und Bewegung. Begründe diese Maßnahmen, indem du die Ursache der Erkrankung zugrunde legst, und erkläre, warum Typ 2 in…
Bei Diabetes Typ 2 helfen oft Gewichtsabnahme und Bewegung. Begründe diese Maßnahmen, indem du die Ursache der Erkrankung zugrunde legst, und erkläre, warum Typ 2 in Deutschland immer häufiger auftritt.
Diagnose und Behandlung
Diagnose: Der Arzt oder die Ärztin misst den Blutzucker, meist nüchtern (nach mindestens acht Stunden ohne Essen). Werte von mehr als 100 mg/100 ml sind auffällig, wiederholt über 126 mg/100 ml deuten auf Diabetes hin. Beim Glukosetoleranztest trinkt man eine Zuckerlösung und misst danach mehrmals. Beim Gesunden steigt der Wert und fällt nach etwa zwei Stunden wieder in den Normbereich. Beim Diabetiker bleibt er hoch. Nüchtern testet man, damit frühere Mahlzeiten das Ergebnis nicht verfälschen.
Behandlung bei Typ 1: Der Patient misst selbst den Blutzucker (Messgerät, Sensor) und spritzt Insulin, meist vor den Mahlzeiten. Die Dosis hängt von der Kohlenhydratmenge im Essen und von der Bewegung ab: Bei Sport verbrauchen die Muskeln mehr Glucose, es wird weniger Insulin gebraucht.
Ein 14-jähriger Junge aus Dortmund mit Diabetes Typ 1 misst vor dem Essen 180 mg/100 ml. a) Beurteile den Wert. b) Erkläre, warum er vor den Mahlzeiten Insulin spritzen…
Ein 14-jähriger Junge aus Dortmund mit Diabetes Typ 1 misst vor dem Essen 180 mg/100 ml.
- a) Beurteile den Wert.
- b) Erkläre, warum er vor den Mahlzeiten Insulin spritzen muss.
- c) Erkläre, warum er körperliche Aktivität bei der Insulindosis berücksichtigen muss.
Bei einem Glukosetoleranztest trinkt eine Person eine Zuckerlösung. Person A hat vorher 90 mg/100 ml, nach einer Stunde 140 mg/100 ml und nach zwei Stunden 95 mg/100 ml.…
Bei einem Glukosetoleranztest trinkt eine Person eine Zuckerlösung. Person A hat vorher 90 mg/100 ml, nach einer Stunde 140 mg/100 ml und nach zwei Stunden 95 mg/100 ml. Person B hat vorher 130 mg/100 ml, nach einer Stunde 250 mg/100 ml und nach zwei Stunden 240 mg/100 ml.
- a) Beschreibe beide Verläufe.
- b) Deute die Ergebnisse im Hinblick auf Diabetes.
- c) Erkläre, warum der Test nüchtern durchgeführt wird.
Ein Patient mit Diabetes Typ 1 vergisst, Insulin zu spritzen, und isst eine große Portion Nudeln. a) Erkläre die Folgen für Blutzucker und Zellen. b) Begründe, warum…
Ein Patient mit Diabetes Typ 1 vergisst, Insulin zu spritzen, und isst eine große Portion Nudeln.
- a) Erkläre die Folgen für Blutzucker und Zellen.
- b) Begründe, warum Zucker im Urin auftritt und der Patient viel Durst hat.
- c) Erkläre, warum eine Überdosis Insulin ebenfalls gefährlich ist.
Zurück zum Anfang: Leas Bauchspeicheldrüse gibt nach dem Frühstück selbst Insulin ab. Bei Ben muss das Insulin gespritzt werden, weil seine insulinbildenden Zellen zerstört sind.