Auslese und Züchtung
Auf dem Wochenmarkt in Köln liegen Kohlrabi, Blumenkohl und Rotkohl nebeneinander. Sie sehen ganz verschieden aus. Und doch stammen alle von einer einzigen, unscheinbaren Pflanze ab, die an der Küste wächst. Wie ist das möglich? Und warum sieht ein Hausschwein ganz anders aus als sein wilder Vorfahre? Am Ende dieser Seite kannst du es erklären.
Was ist Züchtung?
Vor mehr als 10 000 Jahren begannen Menschen, Tiere zu halten und Pflanzen anzubauen. Dabei fiel ihnen etwas auf: Nicht alle Pflanzen oder Tiere sind gleich. Manche geben mehr Milch, tragen größere Früchte oder sind zahmer. Die Menschen nutzten genau diese für die Nachkommen.
Gezüchtet werden Nutzpflanzen (zum Beispiel Weizen, Kartoffel, Raps) und Nutztiere (zum Beispiel Rind, Schwein, Huhn). Die ursprüngliche Art in der Natur nennt man Wildform, die vom Menschen gezüchtete Form Zuchtform oder Rasse (bei Tieren) bzw. Sorte (bei Pflanzen).
| Zuchtform | Wildform |
|---|---|
| Hausschwein | Wildschwein |
| Haushuhn (Legehenne) | Bankivahuhn |
| Kohlrabi, Blumenkohl, Rotkohl | Wildkohl |
Erkläre den Begriff „Züchtung“ und nenne ein Beispiel für eine Nutzpflanze und für ein Nutztier.
Erkläre den Begriff „Züchtung“ und nenne ein Beispiel für eine Nutzpflanze und für ein Nutztier.
Vom Wildkohl zu vielen Gemüsesorten
Der Wildkohl wächst an den Küsten Europas. Er hat kleine, derbe Blätter. Aus ihm wurden durch Auslese viele Gemüse gezüchtet. Jedes Mal wählten die Züchter eine andere Pflanzenteil-Veränderung aus.
| Gewünschtes Merkmal | Gemüse |
|---|---|
| dicke, dichte Blattköpfe | Weißkohl, Rotkohl |
| verdickter Spross | Kohlrabi |
| verdickte Blütenstände | Blumenkohl, Brokkoli |
| viele kleine Knospen am Spross | Rosenkohl |
| krause Blätter | Grünkohl |
Nenne zwei Gemüsesorten, die aus dem Wildkohl gezüchtet wurden.
Nenne zwei Gemüsesorten, die aus dem Wildkohl gezüchtet wurden.
Wildkohl wächst als Küstenpflanze mit kleinen Blättern. Erkläre, wie durch Auslese daraus Kohlrabi (verdickter Spross) und Blumenkohl (verdickte Blütenstände) entstanden…
Wildkohl wächst als Küstenpflanze mit kleinen Blättern. Erkläre, wie durch Auslese daraus Kohlrabi (verdickter Spross) und Blumenkohl (verdickte Blütenstände) entstanden sind.
Vom Wildschwein zum Hausschwein
Auch Tiere wurden gezüchtet. Das Hausschwein stammt vom Wildschwein ab. Beide gehören zur selben Art, sehen aber sehr verschieden aus.
| Wildschwein | Hausschwein | |
|---|---|---|
| Körperbau | kräftiger Vorderkörper, lange Beine, dichtes, borstiges Fell | langer Rumpf, kurze Beine, wenig Borsten |
| Ferkel pro Wurf | etwa 5 | etwa 12 |
| Verhalten | scheu, wehrhaft | zahm, ruhig |
Der Mensch hat zahme Tiere, viele Ferkel und viel Fleisch ausgewählt.
Nenne die Wildform des Hausschweins und zwei Merkmale, in denen sich beide unterscheiden.
Nenne die Wildform des Hausschweins und zwei Merkmale, in denen sich beide unterscheiden.
Vergleiche in einer Tabelle Wildschwein und Hausschwein anhand von Körperbau, Anzahl der Jungtiere pro Wurf (Wildschwein etwa 5 Frischlinge, Hausschwein etwa 12 Ferkel)…
Vergleiche in einer Tabelle Wildschwein und Hausschwein anhand von Körperbau, Anzahl der Jungtiere pro Wurf (Wildschwein etwa 5 Frischlinge, Hausschwein etwa 12 Ferkel) und Verhalten.
So läuft die Auslese ab
Bei jeder Züchtung läuft es nach demselben Muster.
Natürliche und künstliche Auslese unterscheiden sich in einem Punkt: Wer entscheidet?
| natürliche Auslese | künstliche Auslese | |
|---|---|---|
| Wer wählt aus? | die Umwelt (Nahrung, Feinde, Klima) | der Mensch |
| Wer bekommt Nachkommen? | wer gut angepasst ist und überlebt | wer die gewünschten Merkmale hat |
| Beispiel | Wildschwein: Tiere, die schnell, wachsam und gut getarnt sind, überleben und haben Nachkommen | Hausschwein: zahme Tiere mit vielen Ferkeln werden zur Zucht ausgewählt |
Beschreibe in Schritten, wie ein Landwirt in Niedersachsen durch Auslese eine Kuhrasse mit hoher Milchleistung züchtet.
Beschreibe in Schritten, wie ein Landwirt in Niedersachsen durch Auslese eine Kuhrasse mit hoher Milchleistung züchtet.
Erläutere den Unterschied zwischen natürlicher Auslese in der Wildnis und künstlicher Auslese durch den Menschen am Beispiel von Wildschwein und Hausschwein.
Erläutere den Unterschied zwischen natürlicher Auslese in der Wildnis und künstlicher Auslese durch den Menschen am Beispiel von Wildschwein und Hausschwein.
Erfolge und Grenzen der Züchtung
Die Auslese wirkt nur langsam, weil sich ein Merkmal erst über viele Generationen deutlich verändert. Beim Weizen zeigt sich das in Zahlen.
Auch bei der Legehenne ist der Unterschied riesig: Das Bankivahuhn legt etwa 15 Eier im Jahr, eine Hochleistungs-Legehenne etwa 300. Das sind $300 : 15 = 20$ mal so viele.
Ein Weizenzüchter wählt über 10 Jahre jedes Jahr die Pflanzen mit den größten Ähren aus. Die durchschnittliche Zahl der Körner pro Ähre steigt von 32 auf 44. a) Berechne…
Ein Weizenzüchter wählt über 10 Jahre jedes Jahr die Pflanzen mit den größten Ähren aus. Die durchschnittliche Zahl der Körner pro Ähre steigt von 32 auf 44.
- a) Berechne die Zunahme in Prozent. (Tipp: Zunahme : Ausgangswert · 100)
- b) Erkläre, warum die Auslese über viele Generationen wirkt.
- c) Nenne einen möglichen Nachteil einer Zucht auf nur ein Merkmal.
Moderne Hochleistungs-Legehennen legen etwa 300 Eier im Jahr, ihre Wildform, das Bankivahuhn, etwa 12 bis 20. a) Berechne, wievielmal so viele Eier die Zuchtform legt…
Moderne Hochleistungs-Legehennen legen etwa 300 Eier im Jahr, ihre Wildform, das Bankivahuhn, etwa 12 bis 20.
- a) Berechne, wievielmal so viele Eier die Zuchtform legt wie die Wildform (mit 15 Eiern für die Wildform).
- b) Beurteile Vor- und Nachteile dieser Zucht für Tier und Mensch.
Zurück zum Anfang: Kohlrabi, Blumenkohl und Rotkohl stammen alle vom Wildkohl ab, weil Züchter über viele Generationen jeweils andere Merkmale ausgelesen haben. Das Hausschwein unterscheidet sich vom Wildschwein, weil der Mensch zahme Tiere mit vielen Ferkeln ausgewählt hat.
Auf einen Blick
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Züchtung: Der Mensch wählt gezielt Pflanzen oder Tiere mit gewünschten Merkmalen aus (Auslese) und lässt nur diese Nachkommen haben.
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Wildformen: Wildkohl → Kohlrabi, Blumenkohl, Rotkohl; Wildschwein → Hausschwein; Bankivahuhn → Legehenne.
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Ablauf: Ziel festlegen, die besten auswählen, nur diese vermehren, über viele Generationen wiederholen.
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Natürliche Auslese: Die Umwelt entscheidet. Künstliche Auslese: Der Mensch entscheidet.
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Zucht auf nur ein Merkmal kann Nachteile für Tiere und Pflanzen haben.