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Q2 Grundkurs · Chemie
Vorbereitung auf das Abitur Chemie · Reaktionswege in der organischen Chemie und Moderne Werkstoffe

Struktur und Eigenschaften von Kunststoffen

Eine PET-Pfandflasche wird beim Erhitzen weich, ein Steckdosengehäuse dagegen verkohlt, ohne zu schmelzen, und ein Fahrradschlauch lässt sich dehnen und springt zurück. Alle bestehen aus Makromolekülen. Warum verhalten sie sich so verschieden? Die Antwort steckt im Bau der Moleküle und in den Kräften zwischen ihnen.

Kettenlänge und zwischenmolekulare Wechselwirkungen

Ein Polymer besteht aus Makromolekülen, die aus vielen gleichen Wiederholeinheiten aufgebaut sind. Die Anzahl der Wiederholeinheiten ist der Polymerisationsgrad $n$. Die molare Masse des Polymers ergibt sich zu

$$M(\text{Polymer}) = n \cdot M(\text{Wiederholeinheit})$$

Weil in einer Probe Ketten verschiedener Länge vorliegen, gibt man mittlere Werte an. Daher haben Polymere keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern einen Erweichungsbereich: Ketten unterschiedlicher Länge lösen sich bei unterschiedlichen Temperaturen voneinander.

Zwischen den Ketten wirken zwischenmolekulare Wechselwirkungen:

  • Van-der-Waals-Kräfte (London-Kräfte): bei unpolaren Ketten wie PE. Sie wachsen mit der Kontaktfläche, also mit der Kettenlänge.

  • Dipol-Dipol-Wechselwirkungen: bei polaren Gruppen, z. B. C–Cl in PVC. Sie kommen zu den Van-der-Waals-Kräften hinzu und verstärken die Anziehung zwischen den Ketten.

  • Wasserstoffbrücken: bei Gruppen wie –OH, –COOH oder –NH–.

Je länger die Ketten, desto mehr Kontaktstellen und desto größer die Festigkeit und die Zähigkeit.

Kurze und lange Polymerketten: Je länger die Kette, desto mehr Kontaktstellen zwischen den Ketten Kurze Ketten (wachsartig, weich) Lange Ketten (zäh, reißfest) wenige Kontaktstellen viele Kontaktstellen
Üben★☆☆Nicht begonnen
Polyethen (PE) und Polyvinylchlorid (PVC) sind Thermoplaste. PVC wird für Rohre und Bodenbeläge, PE für Folien und Flaschen verwendet. a) Zeichnen Sie einen Ausschnitt…

Polyethen (PE) und Polyvinylchlorid (PVC) sind Thermoplaste. PVC wird für Rohre und Bodenbeläge, PE für Folien und Flaschen verwendet.

  1. a) Zeichnen Sie einen Ausschnitt aus einem PVC-Makromolekül mit drei Wiederholeinheiten und nennen Sie das Monomer.
  1. b) Vergleichen Sie die zwischenmolekularen Wechselwirkungen zwischen den Ketten von PE und PVC.
  1. c) Erklären Sie, warum Polymere im Unterschied zu niedermolekularen Stoffen keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern einen Erweichungsbereich haben.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Zwei Polyethen-Proben haben unterschiedliche mittlere molare Massen. Probe A ist vergleichsweise weich und wenig reißfest, Probe B ist zäh und reißfest, sie wird für…

Zwei Polyethen-Proben haben unterschiedliche mittlere molare Massen. Probe A ist vergleichsweise weich und wenig reißfest, Probe B ist zäh und reißfest, sie wird für Gleitflächen in Gelenkimplantaten verwendet.

Probe mittlere molare Masse
A $28\,000\,\mathrm{g/mol}$
B $2{,}8\cdot 10^{6}\,\mathrm{g/mol}$

Es gilt $M(\mathrm{C_2H_4}) = 28{,}0\,\mathrm{g/mol}$.

  1. a) Berechnen Sie den mittleren Polymerisationsgrad $n$ für beide Proben.
  1. b) Erklären Sie den Zusammenhang zwischen Kettenlänge, zwischenmolekularen Wechselwirkungen und den mechanischen Eigenschaften.
  1. c) Beurteilen Sie die Aussage: „Ein Polymer mit sehr langen Ketten ist immer ein Duroplast.“
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Verzweigung und Kristallinität

Makromoleküle können unverzweigt (linear) oder verzweigt sein. Bei HDPE sind die Ketten kaum verzweigt. Sie lagern sich dicht und geordnet aneinander (teilkristalline Bereiche). Die Kontaktfläche ist groß, die Van-der-Waals-Kräfte sind stark: Dichte und Härte sind höher, der Erweichungsbereich liegt höher. Bei LDPE verhindern Seitenketten die dichte Packung (überwiegend amorph). Die Kontaktfläche ist klein, das Material ist weicher, flexibler und weniger dicht.

HDPE mit linearen, dicht gepackten Ketten und LDPE mit verzweigten Ketten HDPE: wenig verzweigt, dicht gepackt LDPE: stark verzweigt, lockere Packung Dichte ca. 0,95 g/cm³ Dichte ca. 0,92 g/cm³
Üben★☆☆Nicht begonnen
Polyethen wird in zwei Varianten hergestellt. LDPE hat stark verzweigte Makromoleküle und eine Dichte von etwa $0{,}92\,\mathrm{g/cm^3}$. HDPE besteht aus wenig…

Polyethen wird in zwei Varianten hergestellt. LDPE hat stark verzweigte Makromoleküle und eine Dichte von etwa $0{,}92\,\mathrm{g/cm^3}$. HDPE besteht aus wenig verzweigten Makromolekülen und hat eine Dichte von etwa $0{,}95\,\mathrm{g/cm^3}$. HDPE ist härter und hat einen höheren Erweichungsbereich als LDPE.

  1. a) Beschreiben Sie den Unterschied im molekularen Aufbau von LDPE und HDPE.
  1. b) Erklären Sie mithilfe der zwischenmolekularen Wechselwirkungen, warum HDPE dichter und härter ist als LDPE.
  1. c) Begründen Sie, welche der beiden Varianten sich besser für eine dünne, flexible Einkaufstüte eignet.
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Thermoplaste, Duroplaste, Elastomere

Man klassifiziert Kunststoffe nach ihrem Verhalten beim Erwärmen und nach dem Vernetzungsgrad.

Klasse Aufbau Verhalten Beispiele
Thermoplast unvernetzte, lineare oder verzweigte Ketten erweicht beim Erwärmen, verformbar, schmelzbar, schweißbar PE, PP, PVC, PS, PET
Duroplast engmaschig vernetzt hart, spröde, nicht schmelzbar, zersetzt sich bei starkem Erhitzen Phenolharz, Epoxidharz
Elastomer weitmaschig vernetzt gummielastisch, nicht schmelzbar, zersetzt sich vulkanisierter Kautschuk
Aufbau von Thermoplast, Elastomer und Duroplast: unvernetzt, weitmaschig und engmaschig vernetzt Thermoplast nicht vernetzt Elastomer weitmaschig vernetzt Duroplast engmaschig vernetzt

Der Grund: Zwischenmolekulare Wechselwirkungen werden beim Erwärmen überwunden, Atombindungen zwischen den Ketten nicht. Bei Thermoplasten können die Ketten aneinander abgleiten. Bei Duroplasten verhindern die vielen Atombindungen jede Bewegung, bei zu hoher Temperatur brechen die Bindungen selbst, das Material verkohlt. Bei Elastomeren dehnen sich die Ketten unter Zug und die Vernetzungsstellen ziehen sie in die Ausgangslage zurück.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Drei Kunststoffproben werden untersucht: | Probe | Verhalten beim Erwärmen | Mechanisches Verhalten bei Raumtemperatur | |---|---|---| | A | wird bei etwa…

Drei Kunststoffproben werden untersucht:

Probe Verhalten beim Erwärmen Mechanisches Verhalten bei Raumtemperatur
A wird bei etwa $120\,°\mathrm{C}$ weich und lässt sich verformen, wird beim Abkühlen wieder fest hart bis zäh
B bleibt bis zur Zersetzung bei höherer Temperatur hart, verkohlt hart und spröde
C bleibt bis zur Zersetzung fest und unschmelzbar gummiartig, lässt sich dehnen und zieht sich wieder zusammen
  1. a) Ordnen Sie die Proben A bis C begründet den Kunststoffklassen Thermoplast, Duroplast und Elastomer zu.
  1. b) Beschreiben Sie den molekularen Aufbau der drei Kunststoffklassen im Hinblick auf die Vernetzung der Makromoleküle.
  1. c) Nennen Sie je ein Anwendungsbeispiel für Thermoplast, Duroplast und Elastomer.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Ein Fahrradschlauch besteht aus vulkanisiertem Naturkautschuk. Bei der Vulkanisation wird der Kautschuk mit Schwefel erhitzt, wobei Schwefelbrücken zwischen den…

Ein Fahrradschlauch besteht aus vulkanisiertem Naturkautschuk. Bei der Vulkanisation wird der Kautschuk mit Schwefel erhitzt, wobei Schwefelbrücken zwischen den Makromolekülen entstehen. Weichgummi enthält etwa 2 % bis 5 % Schwefel und ist elastisch. Hartgummi, aus dem früher zum Beispiel Kämme gefertigt wurden, enthält etwa 30 % Schwefel und ist hart und spröde.

  1. a) Erklären Sie die Elastizität von Weichgummi anhand seiner molekularen Struktur.
  1. b) Erklären Sie, warum Hartgummi nicht elastisch ist. Ordnen Sie beide Werkstoffe den Kunststoffklassen zu.
  1. c) Begründen Sie, warum man vulkanisierten Kautschuk nicht einfach einschmelzen und neu formen kann.
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Üben★★☆Nicht begonnen
In einer Sortieranlage für den Gelben Sack werden Kunststoffproben untersucht. Dichte der Proben und Verhalten bei $150\,°\mathrm{C}$: | Probe | Kunststoff | Dichte in…

In einer Sortieranlage für den Gelben Sack werden Kunststoffproben untersucht. Dichte der Proben und Verhalten bei $150\,°\mathrm{C}$:

Probe Kunststoff Dichte in g/cm³ Verhalten bei 150 °C
1 PE 0,95 schmilzt zu zähflüssiger Masse
2 PS 1,05 erweicht und lässt sich verformen
3 PET 1,38 erweicht, lässt sich verformen
4 Phenolharz 1,30 bleibt fest, verkohlt bei höherer Temperatur
  1. a) Klassifizieren Sie die Kunststoffe begründet nach Thermoplast und Duroplast und erklären Sie das Verhalten mithilfe der Vernetzung.
  1. b) Planen Sie ein Experiment zur Trennung eines Gemisches aus den Proben 1, 2 und 3 durch Schwimm-Sink-Trennung. Dichte von Wasser: $1{,}00\,\mathrm{g/cm^3}$, Dichte einer konzentrierten Kochsalzlösung: $1{,}20\,\mathrm{g/cm^3}$. Beschreiben Sie, welche Beobachtungen Sie erwarten.
  1. c) Begründen Sie, warum Probe 4 vor dieser Trennung aus dem Gemisch entfernt werden sollte, wenn die Thermoplaste anschließend eingeschmolzen werden.
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Eigenschaften gezielt verändern

Auch ohne Vernetzung lassen sich Eigenschaften beeinflussen.

Weichmacher. Kleine Moleküle lagern sich zwischen die Ketten von PVC. Sie schwächen die Dipol-Dipol-Wechselwirkungen zwischen den Ketten und die Ketten gleiten leichter aneinander ab. Hart-PVC (Fensterprofile) wird so zu Weich-PVC (Schläuche, Bodenbeläge). Gasen die Weichmacher aus, stellen sich die starken Wechselwirkungen wieder ein und das Material wird spröde.

Der Vernetzungsgrad als Stellschraube. Superabsorber bestehen aus weitmaschig vernetzter Polyacrylsäure. Die Carboxygruppen bilden Wasserstoffbrücken zu Wasser und liegen teils als Natriumsalz vor, sodass Wasser eindringt und das Netz aufquillt. Wegen der Vernetzung lösen sich die Ketten nicht auf. Je mehr Vernetzer, desto engmaschiger das Netz und desto weniger Wasser nimmt es auf, desto fester ist das Gel.

Üben★★★Nicht begonnen
Superabsorber in Hygieneprodukten bestehen aus weitmaschig vernetzter Polyacrylsäure, deren Carboxygruppen teilweise als Natriumsalz vorliegen. Ein Gramm des trockenen…

Superabsorber in Hygieneprodukten bestehen aus weitmaschig vernetzter Polyacrylsäure, deren Carboxygruppen teilweise als Natriumsalz vorliegen. Ein Gramm des trockenen Pulvers nimmt in einer Messreihe unterschiedlich viel Wasser auf, abhängig vom Anteil des Vernetzers:

Anteil Vernetzer aufgenommene Masse Wasser je g Pulver Beschaffenheit des Gels
0,1 % 400 g weich, zerfließt leicht
1,0 % 150 g formstabil
5,0 % 40 g fest, nur wenig gequollen
  1. a) Erklären Sie mit einem geeigneten Modell der Polymerstruktur, warum das Material Wasser aufnimmt, sich aber nicht löst.
  1. b) Beschreiben und erklären Sie den Zusammenhang zwischen Vernetzungsgrad und Wasseraufnahme.
  1. c) Beurteilen Sie, welcher Vernetzeranteil für den Einsatz in einer Windel am besten geeignet ist, und begründen Sie Ihre Entscheidung.
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Üben★★★Nicht begonnen
Zwei unbeschriftete Kunststoffteile liegen vor: Teil X (Griff einer Zahnbürste) und Teil Y (Gehäuse einer alten Steckdose). Beide sind hart. Ein weiteres Teil Z…

Zwei unbeschriftete Kunststoffteile liegen vor: Teil X (Griff einer Zahnbürste) und Teil Y (Gehäuse einer alten Steckdose). Beide sind hart. Ein weiteres Teil Z (Dichtungsring) lässt sich stark dehnen. Es steht ein Bunsenbrenner, eine Heizplatte mit Thermometer, Tiegelzange, Metallspatel und ein Abzug zur Verfügung.

  1. a) Planen Sie Experimente, mit denen Sie die drei Teile den Kunststoffklassen zuordnen können. Geben Sie die Durchführung und die dabei zu beachtenden Sicherheitsmaßnahmen an.
  1. b) Stellen Sie Ihre erwarteten Beobachtungen für ein Thermoplast, ein Duroplast und ein Elastomer in einer Tabelle zusammen.
  1. c) Erklären Sie das jeweilige Verhalten auf Teilchenebene.
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Üben★★★Nicht begonnen
Hart-PVC wird für Fensterprofile verwendet. Weich-PVC für Fußbodenbeläge oder Schläuche enthält zusätzlich Weichmacher (zum Beispiel $30\,\%$ Massenanteil), die zwischen…

Hart-PVC wird für Fensterprofile verwendet. Weich-PVC für Fußbodenbeläge oder Schläuche enthält zusätzlich Weichmacher (zum Beispiel $30\,\%$ Massenanteil), die zwischen die Makromoleküle eingelagert sind. Weichmacher können im Laufe der Zeit aus dem Kunststoff ausgasen oder herausgelöst werden; dann wird das Material spröde.

  1. a) Erklären Sie mithilfe der zwischenmolekularen Wechselwirkungen, wie Weichmacher die Eigenschaften von PVC verändern, und warum das Material nach dem Verlust der Weichmacher spröde wird.
  1. b) Berechnen Sie den Massenanteil $w$ an Chlor in reinem PVC und in einem Weich-PVC mit $30\,\%$ chlorfreiem Weichmacher. Es gilt $M(\mathrm{C_2H_3Cl}) = 62{,}5\,\mathrm{g/mol}$ und $M(\mathrm{Cl}) = 35{,}5\,\mathrm{g/mol}$.
  1. c) Beurteilen Sie den Einsatz von Weich-PVC für Spielzeug und Lebensmittelverpackungen, indem Sie mögliche Risiken und Nutzen gegeneinander abwägen.
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Biobasiert oder biologisch abbaubar?

Im Supermarkt stehen auf Verpackungen oft Begriffe wie „Bio-Kunststoff“. Dahinter verbergen sich zwei verschiedene Eigenschaften, die man sauber trennen muss.

Beide Eigenschaften hängen nicht von der Herkunft der Atome ab, sondern von der Struktur der Makromoleküle. Bio-PE aus Zuckerrohr hat dieselben unpolaren C–C-Ketten wie PE aus Erdöl und ist daher genauso wenig abbaubar. PLA (Polymilchsäure, z. B. im 3D-Druck-Filament) ist biobasiert und enthält Estergruppen, die gespalten werden können. Es ist aber meist nur in industriellen Kompostieranlagen bei höherer Temperatur abbaubar.

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