Plattformen, Onlinehandel und Daten
Lea bestellt ihre Sneaker online, hört Musik per Streaming und lässt sich abends eine Pizza per App liefern. Ihre Lieblingsbäckerei in Köln hat dagegen im Laufe der Jahre zwei Filialen geschlossen. Warum haben digitale Plattformen so viel Macht, und was bezahlen wir eigentlich, wenn Apps „kostenlos“ sind? Das klären wir in diesem Abschnitt zur Digitalisierung der Märkte, und am Ende kommen wir auf Leas Beispiel zurück.
Was ist eine digitale Plattform?
Ein klassischer Markt ist ein Ort: der Wochenmarkt in Münster oder das Einkaufszentrum in Essen. Eine digitale Plattform ist ein Markt im Internet. Sie bringt zwei oder mehr Gruppen zusammen, die sonst schwer zueinander finden würden.
Beispiele:
| Art der Plattform | Beispiel | Wer wird vermittelt? |
|---|---|---|
| Online-Marktplatz | Amazon Marketplace, eBay | Händler und Käufer |
| Streamingdienst | Spotify, Netflix | Künstler/Produzenten und Hörer/Zuschauer |
| Lieferdienst-App | Lieferando | Restaurants, Fahrer und Kunden |
| Vermittlung von Unterkünften | Airbnb | Vermieter und Reisende |
Plattformen verdienen Geld auf verschiedene Weise: durch Provisionen auf jeden Verkauf, durch Abonnements, durch Werbung oder durch die Nutzung von Daten.
Erkläre, was eine digitale Plattform ist, und nenne zwei Beispiele (z. B. Online-Marktplatz, Streamingdienst, Lieferdienst-App).
Erkläre, was eine digitale Plattform ist, und nenne zwei Beispiele (z. B. Online-Marktplatz, Streamingdienst, Lieferdienst-App).
Onlinehandel: Chancen und Risiken
Beim Onlinehandel kaufen und verkaufen Menschen Waren über das Internet. Das verändert den Markt für Verbraucher und Händler.
Für Verbraucher:
-
Vorteile: bequem von zu Hause, jederzeit Bestellung möglich, große Auswahl, einfacher Preisvergleich, oft günstiger.
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Nachteile: man kann die Ware nicht anfassen oder anprobieren, Versandzeit, Rücksendungen, Risiko von Betrug und gefälschten Produkten, mehr Verpackungsmüll und Verkehr.
Für kleine Geschäfte:
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Chancen: neue Kunden weit über die Stadt hinaus, geringere Mietkosten, zusätzliche Umsatzquelle.
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Risiken: harter Preiswettbewerb, Kosten für Versand und Retouren, Abhängigkeit von großen Plattformen, Rückgang der Laufkundschaft.
Nenne je zwei Vorteile und zwei Nachteile des Onlinehandels für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Nenne je zwei Vorteile und zwei Nachteile des Onlinehandels für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Ein Buchladen in Düsseldorf macht im Laden 400.000 € Umsatz im Jahr. Er eröffnet einen Onlineshop, der im ersten Jahr 90.000 € Umsatz bringt; der Ladenumsatz sinkt um 5…
Ein Buchladen in Düsseldorf macht im Laden 400.000 € Umsatz im Jahr. Er eröffnet einen Onlineshop, der im ersten Jahr 90.000 € Umsatz bringt; der Ladenumsatz sinkt um 5 %.
- a) Berechne den neuen Gesamtumsatz.
- b) Berechne die prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr.
- c) Nenne zwei Chancen und zwei Risiken des Onlinehandels für kleine Geschäfte.
Provisionen: Warum Händler Plattformen nutzen
Viele Händler verkaufen über Plattformen und zahlen dafür eine Provision: einen Prozentsatz vom Verkaufspreis.
Warum zahlen Händler trotzdem? Die Plattform bringt viele Kunden (Reichweite), bietet Zahlungsabwicklung, Bewertungssysteme und Vertrauen. Ohne sie müsste die Händlerin selbst Werbung machen und Kunden gewinnen. Die Provision ist also der Preis für den Zugang zum Markt.
Eine Vermittlungsplattform verlangt von Händlern 12 % Provision auf jeden Verkauf. Eine Händlerin aus Bonn verkauft 1.500 Artikel zu je 24 €. Die Kosten für Einkauf und…
Eine Vermittlungsplattform verlangt von Händlern 12 % Provision auf jeden Verkauf. Eine Händlerin aus Bonn verkauft 1.500 Artikel zu je 24 €. Die Kosten für Einkauf und Versand betragen insgesamt 22.000 €.
- a) Berechne die Provision.
- b) Berechne den Gewinn der Händlerin nach Abzug der Provision.
- c) Erkläre, warum Händler trotz Provision Plattformen nutzen.
Daten und Algorithmen
Jede Suche, jeder Klick und jeder Standort hinterlässt Datenspuren. Für Unternehmen sind diese Daten wertvoll, weil sie zeigen, was Menschen interessiert und kaufen würden.
Wofür werden Daten genutzt?
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Personalisierte Werbung: Du siehst Anzeigen zu Produkten, die zu deinem Verhalten passen.
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Empfehlungen: Streamingdienste und Shops schlagen Filme oder Artikel vor.
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Produktentwicklung: Firmen erkennen, welche Produkte gefragt sind.
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Preisgestaltung: Preise können sich nach Nachfrage und Nutzerverhalten ändern.
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Verkauf der Daten an andere Unternehmen.
Empfehlungen sind praktisch, haben aber Nachteile: Du bekommst vor allem Ähnliches zu sehen, sodass eine Filterblase entstehen kann. Außerdem ist oft unklar, wie der Algorithmus entscheidet.
Wie kannst du deine Daten schützen?
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Datenschutzeinstellungen prüfen und Standortfreigabe nur bei Bedarf erlauben.
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Starke, verschiedene Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen.
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Cookies ablehnen, sparsam persönliche Angaben machen, datensparsame Dienste wählen.
Erkläre, warum persönliche Daten (z. B. Suchverläufe, Standort) für Unternehmen wirtschaftlich wertvoll sind, und nenne zwei Beispiele, wofür sie genutzt werden.
Erkläre, warum persönliche Daten (z. B. Suchverläufe, Standort) für Unternehmen wirtschaftlich wertvoll sind, und nenne zwei Beispiele, wofür sie genutzt werden.
Ein Streamingdienst zeigt dir Filmvorschläge, die ein Algorithmus aus deinem bisherigen Verhalten berechnet. a) Erkläre, was ein Algorithmus ist. b) Nenne einen Vorteil…
Ein Streamingdienst zeigt dir Filmvorschläge, die ein Algorithmus aus deinem bisherigen Verhalten berechnet.
- a) Erkläre, was ein Algorithmus ist.
- b) Nenne einen Vorteil und einen Nachteil dieser Empfehlungen (z. B. Filterblase).
- c) Nenne zwei Möglichkeiten, wie du deine Daten schützen kannst.
Marktmacht, Datenschutz und Arbeit auf Plattformen
Netzwerkeffekte und Marktkonzentration
Eine Plattform ist umso nützlicher, je mehr Menschen sie nutzen. Das nennt man Netzwerkeffekt: Mehr Käufer locken mehr Händler an, mehr Händler locken wiederum mehr Käufer an. Es entsteht eine Spirale, die eine große Plattform immer größer macht.
Mögliche Folgen einer sehr großen Marktmacht (z. B. 70 % Marktanteil):
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Wettbewerb: Neue Anbieter haben kaum Chancen. Es entsteht eine Marktkonzentration.
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Preise: Ohne Konkurrenz können Preise und Provisionen steigen.
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Kleine Händler: Sie sind abhängig und müssen die Bedingungen der Plattform akzeptieren.
Der Staat schützt den Wettbewerb: Das Kartellrecht (in Deutschland das Bundeskartellamt) verbietet den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Die EU hat mit dem Digital Markets Act zusätzliche Regeln für sehr große Plattformen („Gatekeeper“) geschaffen, z. B. gegen die Bevorzugung eigener Angebote.
Datenschutz und DSGVO
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt in der ganzen EU. Sie verlangt u. a. Einwilligung zur Datenverarbeitung, Auskunftsrecht, Löschung und Datensparsamkeit. Kontrolliert wird das von Datenschutzbehörden. Kritiker sagen: Viele klicken Einwilligungen ohne Lesen weg, und Verstöße großer internationaler Konzerne sind schwer zu verfolgen. Befürworter verweisen auf hohe Bußgelder und mehr Rechte der Nutzer. Ein Urteil sollte beide Seiten abwägen.
Die Interessen sind verschieden: Nutzer wollen kostenlose Dienste und Privatsphäre, Unternehmen wollen Daten für Gewinn, Datenschutzbehörden wollen die Rechte der Menschen sichern.
Plattformarbeit
Bei Lieferdiensten arbeiten Fahrer oft als Selbstständige, die Aufträge per App bekommen; ein Algorithmus teilt sie ein und bewertet sie.
| Vorteile | Nachteile | |
|---|---|---|
| Fahrer | flexible Zeiten, schneller Einstieg | keine volle soziale Absicherung, oft kein Mindestlohn, eigene Kosten (Fahrrad, Handy), Druck durch Bewertungen |
| Kunden | schnelle, bequeme Lieferung | Qualität hängt von unter Druck stehenden Fahrern ab |
| Unternehmen | geringere Personal- und Sozialkosten, flexibel | Streit um Scheinselbstständigkeit, Imageschaden, rechtliche Risiken |
Ein begründeter Regulierungsvorschlag könnte sein: Mindeststandards für Entgelt, Absicherung bei Krankheit und Unfall, Transparenz über die Algorithmen und eine Prüfung, wann Fahrer eigentlich Angestellte sind.
Eine große Plattform hat einen Marktanteil von 70 % im Onlinehandel. Erläutere, warum bei Plattformen sogenannte Netzwerkeffekte zur Marktkonzentration führen können,…
Eine große Plattform hat einen Marktanteil von 70 % im Onlinehandel. Erläutere, warum bei Plattformen sogenannte Netzwerkeffekte zur Marktkonzentration führen können, und beurteile Gefahren für Wettbewerb, Preise und kleine Händler. Nenne zwei Maßnahmen des Staates oder der EU (z. B. Kartellrecht, Digital Markets Act).
Eine kostenlose App finanziert sich über Werbung und Datenverkauf. a) Erkläre, warum man sagt „Wenn das Produkt kostenlos ist, bist du die Ware“. b) Erörtere die…
Eine kostenlose App finanziert sich über Werbung und Datenverkauf.
- a) Erkläre, warum man sagt „Wenn das Produkt kostenlos ist, bist du die Ware“.
- b) Erörtere die Interessen von Nutzern, Unternehmen und Datenschutzbehörden.
- c) Beurteile, ob die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ausreichend schützt, und begründe dein Urteil.
Ein Lieferdienst setzt Fahrerinnen und Fahrer als Selbstständige ein, die über eine App ihre Aufträge erhalten; ein Algorithmus bestimmt Einsatz und Bewertung.…
Ein Lieferdienst setzt Fahrerinnen und Fahrer als Selbstständige ein, die über eine App ihre Aufträge erhalten; ein Algorithmus bestimmt Einsatz und Bewertung.
Analysiere Vor- und Nachteile für Fahrer, Kunden und Unternehmen (Flexibilität, soziale Absicherung, Mindestlohn, Kosten) und entwickle begründet einen Vorschlag zur fairen Regulierung.
Auf einen Blick
Zurück zu Lea: Die Plattform ist für sie bequem, doch ihre Macht und ihre Datensammlung haben einen Preis, den Staat und Nutzer im Blick behalten müssen.