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Spezielle Relativitätstheorie, Weltbilder und experimentelle Kompetenzen · Spezielle Relativitätstheorie

Lichtgeschwindigkeit und Lichtuhr

Ein Lichtblitz von der Sonne braucht gut acht Minuten bis zur Erde. Ein Auto, das mit Fernlicht fährt, scheint das Licht „schneller“ zu machen, oder? Genau das passiert nicht. Wenn Licht für alle Beobachter gleich schnell ist, muss etwas anderes nachgeben: die Zeit. Wie das geht, zeigt die Lichtuhr.

Die Lichtgeschwindigkeit ist konstant

Licht breitet sich im Vakuum mit der Geschwindigkeit

$$c = 3{,}00 \cdot 10^8\ \tfrac{\text{m}}{\text{s}}$$

aus (genauer: $2{,}998 \cdot 10^8\ \text{m/s}$). Für die Laufzeit gilt wie bei jeder gleichförmigen Bewegung $t = s/c$.

Bei Autos, Zügen und Bällen addieren sich Geschwindigkeiten: Wirft jemand im fahrenden ICE einen Ball nach vorn, sieht man vom Bahnsteig aus die Summe. Bei Licht klappt das nicht. Messungen (Michelson und Morley, später unzählige weitere) zeigen: Die Lichtgeschwindigkeit hängt weder von der Bewegung der Lichtquelle noch von der des Beobachters ab.

Das zweite Postulat ist der Auslöser aller Überraschungen: Wenn $c$ für alle gleich ist, können nicht auch noch Zeit und Strecke für alle gleich sein.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beträgt $c = 3,00 \cdot 10^8\ \text{m/s}$. a) Berechnen Sie, wie lange Licht für die Strecke von der Sonne zur Erde (…

Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beträgt $c = 3,00 \cdot 10^8\ \text{m/s}$.

  1. a) Berechnen Sie, wie lange Licht für die Strecke von der Sonne zur Erde ($1,50 \cdot 10^{11}\ \text{m}$) benötigt. Geben Sie das Ergebnis in Minuten an.
  2. b) Berechnen Sie, wie lange Licht für die Strecke von Berlin nach München (Luftlinie $504\ \text{km}$) braucht.
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Üben★☆☆Nicht begonnen
Ein Auto fährt mit $30\ \text{m/s}$ und schaltet das Fernlicht ein. Eine Schülerin argumentiert: „Das Licht muss sich relativ zum Straßenrand mit $c + 30\ \text{m/s}$…

Ein Auto fährt mit $30\ \text{m/s}$ und schaltet das Fernlicht ein. Eine Schülerin argumentiert: „Das Licht muss sich relativ zum Straßenrand mit $c + 30\ \text{m/s}$ ausbreiten.“

  1. a) Geben Sie an, was die Einsteinsche Annahme zur Lichtgeschwindigkeit über diese Aussage sagt.
  2. b) Nennen Sie die beiden Postulate der speziellen Relativitätstheorie.
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Die Lichtuhr im Ruhesystem

Ein Gedankenexperiment: Zwei parallele Spiegel haben den Abstand $d$. Ein Lichtpuls läuft zwischen ihnen hin und her. Ein „Tick“ ist ein Hin- und Rücklauf. Diese Uhr ist besonders geeignet, weil ihr Takt direkt von $c$ abhängt.

Für einen Beobachter, der relativ zur Uhr ruht, legt das Licht pro Tick die Strecke $2d$ zurück:

$$t_0 = \frac{2d}{c}$$

Man nennt $t_0$ die Eigenzeit: die Zeit, die in dem System gemessen wird, in dem die Uhr ruht.

Lichtuhr im Ruhesystem: Ein Lichtpuls läuft senkrecht zwischen zwei Spiegeln im Abstand d. d Lichtpuls Spiegel Spiegel
Üben★☆☆Nicht begonnen
Eine Lichtuhr besteht aus zwei parallelen Spiegeln im Abstand $d = 0,30\ \text{m}$. Ein Lichtpuls läuft zwischen den Spiegeln hin und her. Ein „Tick“ entspricht einem…

Eine Lichtuhr besteht aus zwei parallelen Spiegeln im Abstand $d = 0,30\ \text{m}$. Ein Lichtpuls läuft zwischen den Spiegeln hin und her. Ein „Tick“ entspricht einem Hin- und Rücklauf.

  1. a) Berechnen Sie die Dauer eines Ticks für einen Beobachter, der relativ zur Uhr ruht.
  2. b) Berechnen Sie, wie viele Ticks in einer Sekunde stattfinden.
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Die bewegte Lichtuhr und die Zeitdilatation

Jetzt bewegt sich die Uhr mit der Geschwindigkeit $v$ senkrecht zur Verbindungslinie der Spiegel an einem Beobachter vorbei. Während der Lichtpuls zum oberen Spiegel läuft, wandert die Uhr weiter. Der Beobachter sieht daher einen schrägen Weg: zuerst schräg nach oben, dann schräg nach unten.

Bewegte Lichtuhr: Der Lichtpuls läuft aus Sicht des Beobachters auf zwei schrägen Strecken, jede länger als d. v · t/2 d c · t/2

Für die Zeit $t$ eines Ticks im Beobachtersystem gilt: Das Licht legt (mit $c$!) pro Hälfte die Strecke $c\,t/2$ zurück, die Uhr bewegt sich in dieser Zeit um $v\,t/2$ weiter. Nach dem Satz des Pythagoras:

$$\left(\frac{c\,t}{2}\right)^2 = d^2 + \left(\frac{v\,t}{2}\right)^2$$

Nach $t$ auflösen:

$$\frac{c^2 t^2}{4} - \frac{v^2 t^2}{4} = d^2 \;\Rightarrow\; t^2\,(c^2 - v^2) = 4d^2 \;\Rightarrow\; t = \frac{2d/c}{\sqrt{1 - v^2/c^2}}$$

Warum geht die Rechnung so? Der Lichtweg ist länger als $2d$, $c$ ist aber gleich groß. Also muss die Zeit länger sein. Das ist die Folgerung aus dem zweiten Postulat, nicht ein Defekt der Uhr: Jede Uhr (auch eine Armbanduhr oder ein Herzschlag) verhält sich so, denn sonst könnte man durch Vergleich die Bewegung „absolut“ feststellen (Relativitätsprinzip).

Üben★★☆Nicht begonnen
Eine Lichtuhr mit Spiegelabstand $d$ bewegt sich senkrecht zur Verbindungslinie der Spiegel mit der Geschwindigkeit $v$ an einem Beobachter vorbei. a) Skizzieren Sie in…

Eine Lichtuhr mit Spiegelabstand $d$ bewegt sich senkrecht zur Verbindungslinie der Spiegel mit der Geschwindigkeit $v$ an einem Beobachter vorbei.

  1. a) Skizzieren Sie in Worten den Weg des Lichtpulses aus Sicht des Beobachters und erklären Sie, warum er länger ist als $2d$.
  2. b) Leiten Sie mit dem Satz des Pythagoras die Beziehung $\left(\dfrac{c\,t}{2}\right)^2 = d^2 + \left(\dfrac{v\,t}{2}\right)^2$ für die Zeit $t$ eines Ticks im Beobachtersystem her.
  3. c) Formen Sie nach $t$ um und zeigen Sie $t = \dfrac{t_0}{\sqrt{1 - v^2/c^2}}$ mit $t_0 = 2d/c$.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Eine Lichtuhr bewegt sich mit $v = 0,60\,c$ an einem Beobachter vorbei. Im Ruhesystem der Uhr dauert ein Tick $t_0 = 2,0\ \text{ns}$. a) Berechnen Sie den Faktor…

Eine Lichtuhr bewegt sich mit $v = 0,60\,c$ an einem Beobachter vorbei. Im Ruhesystem der Uhr dauert ein Tick $t_0 = 2,0\ \text{ns}$.

  1. a) Berechnen Sie den Faktor $\gamma = 1/\sqrt{1 - v^2/c^2}$.
  2. b) Berechnen Sie die Dauer eines Ticks im System des Beobachters.
  3. c) Berechnen Sie, welche Strecke der Lichtpuls im System des Beobachters während eines Ticks zurücklegt.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Zwei identische Lichtuhren A und B bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten relativ zu einem Labor. Im Laborsystem gemessen zählt A pro Sekunde nur das…

Zwei identische Lichtuhren A und B bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten relativ zu einem Labor. Im Laborsystem gemessen zählt A pro Sekunde nur das $0,80$-Fache der Ticks von B, das im Labor ruht.

  1. a) Berechnen Sie den Faktor $\gamma$ für Uhr A, wenn B im Labor ruht und B in einer Sekunde $1.000$ Ticks zählt, A dagegen $800$.
  2. b) Berechnen Sie die Geschwindigkeit von A in Vielfachen von $c$.
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Folgerungen und Gültigkeit

Absolute Zeit widerlegt. In der klassischen Physik würde Licht im bewegten System mit $c$ senkrecht laufen und im Beobachtersystem mit einer größeren Geschwindigkeit auf dem schrägen Weg. Gilt aber $c$ für beide, dann müssen die Tickzeiten verschieden sein. Eine für alle Beobachter gleiche Zeit gibt es nicht.

Warum senkrecht? Die Spiegelabstände senkrecht zur Bewegung sind für beide Beobachter gleich (sonst könnte man durch Vergleich der Abstände zweier vorbeifliegender Uhren absolut zwischen Ruhe und Bewegung unterscheiden). Läuft der Lichtpuls parallel zur Bewegung, verändern sich auch die Längen. Das ist hier nicht Thema, zeigt aber, dass die Herleitung auf die senkrechte Anordnung angewiesen ist.

Kleine Geschwindigkeiten. Für $v \ll c$ gilt mit $\sqrt{1 - x}^{-1} \approx 1 + x/2$ für kleine $x$:

$$t \approx t_0\left(1 + \frac{v^2}{2c^2}\right)$$
Üben★★★Nicht begonnen
Eine Lichtuhr mit Spiegelabstand $d = 1,5\ \text{m}$ ist so ausgerichtet, dass die Verbindungslinie der Spiegel senkrecht zur Bewegungsrichtung steht. Sie bewegt sich…

Eine Lichtuhr mit Spiegelabstand $d = 1,5\ \text{m}$ ist so ausgerichtet, dass die Verbindungslinie der Spiegel senkrecht zur Bewegungsrichtung steht. Sie bewegt sich mit $v = 0,80\,c$ relativ zum Beobachter.

  1. a) Berechnen Sie die Tickdauer im Ruhesystem und im Beobachtersystem.
  2. b) Begründen Sie, warum die Annahme einer absoluten, für alle Beobachter gleichen Zeit mit der Konstanz von $c$ unvereinbar ist.
  3. c) Ein Mitreisender bei der Uhr behauptet, die Uhr des Beobachters gehe langsamer. Beurteilen Sie diese Aussage.
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Üben★★★Nicht begonnen
Bei der Herleitung der Zeitdilatation wurde vorausgesetzt, dass der Abstand $d$ der Spiegel senkrecht zur Bewegung für beide Beobachter gleich ist. a) Erläutern Sie,…

Bei der Herleitung der Zeitdilatation wurde vorausgesetzt, dass der Abstand $d$ der Spiegel senkrecht zur Bewegung für beide Beobachter gleich ist.

  1. a) Erläutern Sie, warum diese Voraussetzung nötig ist und was passieren würde, wenn der Lichtpuls parallel zur Bewegungsrichtung liefe.
  2. b) Zeigen Sie, dass für $v \ll c$ näherungsweise $t \approx t_0\left(1 + \dfrac{v^2}{2c^2}\right)$ gilt.
  3. c) Berechnen Sie damit die relative Abweichung $(t - t_0)/t_0$ für ein Flugzeug mit $v = 250\ \text{m/s}$ und beurteilen Sie, warum man sie im Alltag nicht bemerkt.
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Üben★★★Nicht begonnen
Myonen entstehen in der Atmosphäre in etwa $15\ \text{km}$ Höhe und bewegen sich mit $v = 0,995\,c$ zur Erde. Ihre mittlere Lebensdauer im Ruhesystem beträgt…

Myonen entstehen in der Atmosphäre in etwa $15\ \text{km}$ Höhe und bewegen sich mit $v = 0,995\,c$ zur Erde. Ihre mittlere Lebensdauer im Ruhesystem beträgt $t_0 = 2,2\ \mu\text{s}$.

  1. a) Berechnen Sie die Strecke, die ein Myon ohne Zeitdilatation im Mittel zurücklegen würde.
  2. b) Berechnen Sie $\gamma$ und die mittlere Lebensdauer aus Sicht eines Beobachters auf der Erde sowie die dann zurückgelegte Strecke.
  3. c) Erläutern Sie, inwiefern der Nachweis von Myonen am Erdboden die Zeitdilatation stützt.
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Auf einen Blick

Zurück zum Anfang: Das Fernlicht des Autos breitet sich auch für die Schülerin am Straßenrand mit $c$ aus, nicht mit $c + 30\ \text{m/s}$. Damit das für alle Beobachter stimmt, muss die Zeit relativ sein.

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