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Q1 Grundkurs · Biologie
Neurobiologie und Stoffwechsel im Abitur-Format · Fotosynthese-Pigmente, Angepasstheiten und Stoffwechselregulation

Chromatografie und Wirkungsspektrum

Im Herbst färben sich die Buchenwälder in der Eifel und im Sauerland gelb und rot. Im Sommer sind die Blätter dagegen grün. Wo sind die gelben und roten Farbstoffe im Sommer? Und warum nutzt die Fotosynthese nicht das grüne Licht, das doch überall im Wald ist? Mit der Chromatografie und mit Spektren lassen sich diese Fragen beantworten.

Die Blattpigmente

Im Chloroplasten liegen mehrere Farbstoffe (Pigmente) in der Thylakoidmembran. Jedes Pigment absorbiert Licht bestimmter Wellenlängen. Der Rest wird reflektiert oder durchgelassen und bestimmt die Farbe, die wir sehen.

Pigment Farbe im Chromatogramm Absorptionsbereich
Chlorophyll a blaugrün Blau (ca. 430 nm) und Rot (ca. 662 nm)
Chlorophyll b gelbgrün Blau (ca. 455 nm) und Rot (ca. 645 nm)
Carotinoide (β-Carotin, Xanthophylle) orange bis gelb Blau bis Blaugrün (ca. 450–500 nm)

Grünes Licht (ca. 500–570 nm) wird kaum absorbiert, sondern reflektiert. Deshalb erscheinen Blätter grün. Die Carotinoide sind im Sommer vom Chlorophyll überdeckt. Im Herbst wird das Chlorophyll abgebaut, die Carotinoide bleiben und werden sichtbar.

Schematische Absorptionskurven von Chlorophyll a, Chlorophyll b und Carotinoiden zwischen 400 und 700 nm 400500600700 Wellenlänge in nm Chlorophyll a Chlorophyll b Carotinoide Absorption
Üben★☆☆Nicht begonnen
Nennen Sie die Pigmente Chlorophyll a, Chlorophyll b und Carotinoide mit je einer Farbe im Chromatogramm und je einem Absorptionsbereich.

Nennen Sie die Pigmente Chlorophyll a, Chlorophyll b und Carotinoide mit je einer Farbe im Chromatogramm und je einem Absorptionsbereich.

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Chromatografie und Rf-Wert

Ein Blattextrakt (z. B. aus Spinat) ist ein Gemisch aus Pigmenten. Die Chromatografie trennt es. Man trägt den Extrakt als Startpunkt auf eine Trennschicht (Papier oder Dünnschichtplatte) auf. Ein Laufmittel (z. B. Benzin-Aceton-Gemisch) steigt durch Kapillarkräfte nach oben und nimmt die Pigmente mit.

Die Trennung beruht auf zwei Eigenschaften: Wie gut löst sich ein Pigment im Laufmittel? Wie stark haftet es an der Trennschicht? Unpolare, gut lösliche Pigmente wandern weit mit dem Laufmittel, polare Pigmente haften stärker und bleiben weiter unten.

$$R_f = \frac{\text{Laufstrecke der Substanz}}{\text{Laufstrecke des Laufmittels}}$$

Beide Strecken werden vom Startpunkt aus gemessen. Der Rf-Wert liegt immer zwischen 0 und 1 und ist für ein Pigment unter gleichen Bedingungen charakteristisch. So lassen sich Pigmente mit Literaturwerten identifizieren.

Pigment Rf-Wert (Literatur) Reihenfolge von oben
β-Carotin 0,95 ganz oben, orange
Chlorophyll a 0,80 blaugrün
Chlorophyll b 0,60 gelbgrün
Xanthophylle 0,50 gelb, weiter unten
Üben★☆☆Nicht begonnen
Bei einer Dünnschichtchromatografie eines Spinatextrakts wandert das Laufmittel 8,0 cm, ein Pigmentfleck 6,0 cm vom Startpunkt. a) Berechnen Sie den Rf-Wert. b) Erklären…

Bei einer Dünnschichtchromatografie eines Spinatextrakts wandert das Laufmittel 8,0 cm, ein Pigmentfleck 6,0 cm vom Startpunkt.

  1. a) Berechnen Sie den Rf-Wert.
  1. b) Erklären Sie, warum verschiedene Pigmente unterschiedliche Rf-Werte haben.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Ein Chromatogramm eines Blattextrakts zeigt vier Flecken, Laufmittelfront bei 12,0 cm: Fleck A bei 11,4 cm, Fleck B bei 9,6 cm, Fleck C bei 7,2 cm, Fleck D bei 6,0 cm.…

Ein Chromatogramm eines Blattextrakts zeigt vier Flecken, Laufmittelfront bei 12,0 cm: Fleck A bei 11,4 cm, Fleck B bei 9,6 cm, Fleck C bei 7,2 cm, Fleck D bei 6,0 cm. Literaturwerte: β-Carotin 0,95; Chlorophyll a 0,80; Chlorophyll b 0,60; Xanthophyll 0,50.

  1. a) Berechnen Sie die Rf-Werte.
  1. b) Ordnen Sie die Flecken den Pigmenten zu.
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Absorptions- und Wirkungsspektrum

Zwei Kurven werden oft verwechselt:

  • Das Absorptionsspektrum zeigt, wie stark ein Pigment (oder ein Extrakt) Licht der Wellenlänge $\lambda$ absorbiert. Es wird mit einem Spektrometer gemessen. x-Achse: Wellenlänge in nm, y-Achse: Absorption (in %).

  • Das Wirkungsspektrum zeigt, wie effektiv Licht der Wellenlänge $\lambda$ die Fotosynthese antreibt. x-Achse: Wellenlänge in nm, y-Achse: Fotosyntheserate (z. B. O₂-Produktion oder CO₂-Aufnahme).

Das Wirkungsspektrum folgt im Wesentlichen dem Absorptionsspektrum aller Pigmente zusammen. Nur absorbiertes Licht kann wirken. Abweichungen haben Gründe: Nicht alle absorbierenden Pigmente geben die Energie gleich gut an die Reaktionszentren weiter. Carotinoide leiten Energie nur teilweise weiter, schützen aber auch (siehe unten).

Vergleich von Absorptionsspektrum und Wirkungsspektrum: beide haben Maxima im blauen und roten Bereich 400500600700 Wellenlänge in nm Absorptionsspektrum Wirkungsspektrum

Der Versuch von Engelmann

Theodor W. Engelmann (1881) legte eine Fadenalge in einen Tropfen Wasser mit sauerstoffliebenden (aeroben) Bakterien. Mit einem Prisma zerlegte er Licht in Spektralfarben und ließ es auf den Faden fallen. Die Bakterien sammelten sich dort, wo viel Sauerstoff entstand, also bei intensiver Fotosynthese.

  • Prinzip: Die Bakterien dienen als Sauerstoffindikator. Ihre Dichte zeigt die O₂-Produktion und damit die Fotosyntheserate je Wellenlänge.

  • Ergebnis: Die meisten Bakterien liegen im blauen und im roten Bereich, kaum welche im Grünen. Das Wirkungsspektrum hat also Maxima im Blauen und Roten. Es passt zum Absorptionsspektrum von Chlorophyll.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Unterscheiden Sie Absorptionsspektrum und Wirkungsspektrum der Fotosynthese und nennen Sie jeweils, was auf der x- und y-Achse aufgetragen wird.

Unterscheiden Sie Absorptionsspektrum und Wirkungsspektrum der Fotosynthese und nennen Sie jeweils, was auf der x- und y-Achse aufgetragen wird.

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Üben★★☆Nicht begonnen
Beim Engelmann-Versuch werden aerobe Bakterien um eine Fadenalge im Spektrallicht verteilt. Die Bakterien sammeln sich besonders im blauen und roten Bereich. a) Erklären…

Beim Engelmann-Versuch werden aerobe Bakterien um eine Fadenalge im Spektrallicht verteilt. Die Bakterien sammeln sich besonders im blauen und roten Bereich.

  1. a) Erklären Sie das Versuchsprinzip.
  1. b) Leiten Sie das Ergebnis zum Wirkungsspektrum ab.
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Spektren deuten

Wirkungsspektrum und Chromatografie lassen sich verbinden: Die Chromatografie liefert die Pigmente, die Spektren zeigen, welche Wellenlängen sie nutzen.

Carotinoide: Lichtsammler und Schutz

Carotinoide absorbieren blaues Licht und leiten einen Teil der Energie weiter. Bei starkem Licht übernehmen sie außerdem eine Schutzfunktion: Sie nehmen überschüssige Energie von angeregtem Chlorophyll auf und geben sie als Wärme ab. Sie fangen auch reaktive Sauerstoffformen ab, die sonst Membranen und Proteine schädigen würden. Darum liegt im Rohextrakt die Absorption bei $450\,\text{nm}$ hoch, die Wirkung aber niedriger: Ein Teil der absorbierten Energie geht als Wärme verloren.

Angepasstheit an das Lichtangebot

  • Rotalgen in der Tiefe: Dort kommt vor allem blaugrünes Licht an. Phycoerythrine absorbieren im grünen Bereich und leiten die Energie an Chlorophyll a weiter. Das Wirkungsspektrum ist bei $500$–$570\,\text{nm}$ hoch. Landpflanzen reflektieren grünes Licht und bekämen in der Tiefe zu wenig nutzbare Energie.

  • Sonnen- und Schattenblatt der Rotbuche: Das Schattenblatt hat mehr Chlorophyll b (a : b = 2,5 : 1, Sonnenblatt 3,5 : 1). Im Schatten kommt Licht an, das durch Blätter gefiltert ist (relativ mehr Grün, wenig Blau und Rot). Chlorophyll b absorbiert im Blaubereich und ergänzt Chlorophyll a. Zu erwarten sind außerdem ein dünneres Blatt mit größerer Blattfläche, ein oft nur einschichtiges Palisadengewebe, weniger Chloroplasten pro Zelle, größere Grana mit mehr Thylakoiden und ein niedrigerer Kompensationspunkt.

Üben★★☆Nicht begonnen
Chlorophyll a absorbiert bei etwa 430 nm und 662 nm stark, bei 550 nm kaum. Ein Wirkungsspektrum der Fotosynthese einer Grünalge zeigt Maxima bei 430 nm, 480 nm und 660…

Chlorophyll a absorbiert bei etwa 430 nm und 662 nm stark, bei 550 nm kaum. Ein Wirkungsspektrum der Fotosynthese einer Grünalge zeigt Maxima bei 430 nm, 480 nm und 660 nm und eine geringe Aktivität bei 550 nm.

  1. a) Erklären Sie, warum die Grünalge grün erscheint.
  1. b) Erklären Sie das Maximum bei 480 nm.
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Üben★★★Nicht begonnen
Das Absorptionsspektrum eines Rohextrakts weist Maxima bei 430, 450 und 660 nm auf. Das Wirkungsspektrum zeigt bei 450 nm eine niedrigere Aktivität als erwartet. a)…

Das Absorptionsspektrum eines Rohextrakts weist Maxima bei 430, 450 und 660 nm auf. Das Wirkungsspektrum zeigt bei 450 nm eine niedrigere Aktivität als erwartet.

  1. a) Erklären Sie die Abweichung mit der Rolle der Carotinoide.
  1. b) Erläutern Sie die Schutzfunktion der Carotinoide.
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Üben★★★Nicht begonnen
Bei der Chromatografie von Extrakten aus Sonnen- und Schattenblättern der Rotbuche ergibt sich: Im Schattenblatt ist das Verhältnis Chlorophyll a : b geringer (2,5 : 1)…

Bei der Chromatografie von Extrakten aus Sonnen- und Schattenblättern der Rotbuche ergibt sich: Im Schattenblatt ist das Verhältnis Chlorophyll a : b geringer (2,5 : 1) als im Sonnenblatt (3,5 : 1).

  1. a) Deuten Sie das Ergebnis als Angepasstheit.
  1. b) Begründen Sie, welche weiteren Merkmale auf Zell- und Gewebeebene zu erwarten sind.
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Üben★★★Nicht begonnen
Rotalgen leben in größerer Meerestiefe, wo hauptsächlich blaugrünes Licht ankommt. Ihr Wirkungsspektrum zeigt hohe Aktivität bei 500–570 nm, ihre Pigmente sind…

Rotalgen leben in größerer Meerestiefe, wo hauptsächlich blaugrünes Licht ankommt. Ihr Wirkungsspektrum zeigt hohe Aktivität bei 500–570 nm, ihre Pigmente sind Phycoerythrine (Absorption im grünen Bereich) neben Chlorophyll a.

  1. a) Erläutern Sie die Angepasstheit der Rotalgen.
  1. b) Beurteilen Sie, warum Landpflanzen in der Tiefe nicht konkurrenzfähig wären.
  1. c) Entwerfen Sie ein Experiment mit Chromatografie und Spektrometer, das die Pigmentausstattung nachweist.
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Zurück zum Anfang: Im Herbst wird Chlorophyll abgebaut, Carotinoide bleiben und färben die Buchenblätter gelb. Grünes Licht nutzt die Fotosynthese kaum, weil Chlorophyll es nicht absorbiert, sondern reflektiert.

Auf einen Blick

  • Blattpigmente: Chlorophyll a und b absorbieren Blau und Rot, Carotinoide Blau bis Blaugrün; Grün wird reflektiert.

  • Chromatografie trennt Pigmente nach Löslichkeit im Laufmittel und Haftung an der Trennschicht.

  • $R_f$ = Laufstrecke der Substanz : Laufstrecke des Laufmittels (immer vom Startpunkt, Wert zwischen 0 und 1).

  • Absorptionsspektrum: Absorption gegen Wellenlänge. Wirkungsspektrum: Fotosyntheserate gegen Wellenlänge.

  • Engelmann-Versuch: Aerobe Bakterien zeigen den Ort der O₂-Produktion und damit das Wirkungsspektrum.

  • Carotinoide sind Hilfspigmente und Schutz vor Lichtschäden; Schattenblätter haben mehr Chlorophyll b, Rotalgen Phycoerythrine.

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