Zurück zur StartseiteBiologie · Q1 Grundkurs · Fach wechseln
Kostenlos starten
Q1 Grundkurs · Biologie
Neurobiologie und Stoffwechsel im Abitur-Format · Neuronale Informationsverarbeitung

Chemische Synapse und exogene Substanzen

Beim Zahnarzt in Köln spritzt die Ärztin ein Lokalanästhetikum, und kurz darauf ist die Zahnreihe taub. Ein Pflanzenschutzmittel wie E 605 dagegen kann schon in kleinen Mengen zu Krämpfen und Atemlähmung führen. Beide Stoffe greifen in die Informationsübertragung zwischen Zellen ein. Warum reichen winzige Mengen aus, und warum wirken manche Stoffe lähmend, andere krampfauslösend? Dazu müssen Sie verstehen, wie eine Synapse arbeitet.

Die erregende chemische Synapse

Ein Aktionspotenzial läuft am Axon entlang bis zur präsynaptischen Endigung (Endknöpfchen). Dort endet die Nervenzelle, doch zur nächsten Zelle führt keine leitende Brücke: Der synaptische Spalt (ca. 20 nm breit) trennt beide Zellen. Das elektrische Signal muss daher in ein chemisches Signal übersetzt und danach wieder zurückübersetzt werden.

Aufbau einer erregenden chemischen Synapse mit Endknöpfchen, Vesikeln, synaptischem Spalt und postsynaptischer Membran präsynaptische Endigung Spalt postsynaptische Zelle Vesikel mit Transmitter Ca²⁺-Kanal Rezeptor /Ionenkanal ● Transmitter

Ablauf der Erregungsübertragung:

  1. Ein Aktionspotenzial erreicht das Endknöpfchen und öffnet spannungsgesteuerte Ca²⁺-Kanäle.

  2. Ca²⁺-Ionen strömen in die präsynaptische Endigung ein.

  3. Das Ca²⁺ bewirkt, dass Vesikel mit der präsynaptischen Membran verschmelzen. Der Transmitter wird per Exocytose in den synaptischen Spalt freigesetzt.

  4. Der Transmitter diffundiert durch den Spalt und bindet an Rezeptorproteine der postsynaptischen Membran (Schlüssel-Schloss-Prinzip).

  5. Die Rezeptoren sind ligandengesteuerte Ionenkanäle: Sie öffnen sich, Na⁺ strömt ein, die Membran wird depolarisiert. Es entsteht ein erregendes postsynaptisches Potenzial (EPSP).

  6. Der Transmitter wird schnell wieder entfernt: durch enzymatischen Abbau oder Wiederaufnahme. Sonst bliebe der Kanal dauerhaft geöffnet.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Beschreiben Sie in der richtigen Reihenfolge den Ablauf der Signalübertragung an einer erregenden chemischen Synapse, beginnend mit dem Eintreffen eines…

Beschreiben Sie in der richtigen Reihenfolge den Ablauf der Signalübertragung an einer erregenden chemischen Synapse, beginnend mit dem Eintreffen eines Aktionspotenzials am Endknöpfchen bis zur Entstehung eines EPSP.

Lösen

Die neuromuskuläre Synapse

Die Synapse zwischen einem Motoneuron und einer Skelettmuskelfaser heißt neuromuskuläre Synapse; die postsynaptische Membran bildet die motorische Endplatte. Der Transmitter ist hier Acetylcholin (ACh).

Ablauf: ACh wird freigesetzt und bindet an nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren der Endplatte. Diese Kanäle öffnen sich, Na⁺ strömt ein, es entsteht das Endplattenpotenzial (ein EPSP). Es ist so groß, dass es ein Aktionspotenzial in der Muskelfaser auslöst. Dieses führt zur Freisetzung von Ca²⁺ im Muskel und zur Muskelkontraktion.

Das Enzym Acetylcholinesterase sitzt im synaptischen Spalt und spaltet ACh in Cholin und Acetat. Das Signal wird so beendet, die Rezeptoren schließen sich, die Endplatte repolarisiert. Das Cholin wird in die präsynaptische Endigung aufgenommen und zur ACh-Neusynthese genutzt.

Üben★☆☆Nicht begonnen
An der neuromuskulären Synapse wird Acetylcholin freigesetzt. a) Nennen Sie den Ort, an dem Acetylcholin gebunden wird, und die dort ausgelöste Veränderung. b) Erklären…

An der neuromuskulären Synapse wird Acetylcholin freigesetzt.

  1. a) Nennen Sie den Ort, an dem Acetylcholin gebunden wird, und die dort ausgelöste Veränderung.
  1. b) Erklären Sie die Funktion der Acetylcholinesterase.
Lösen

Exogene Substanzen an der Synapse

Exogene Substanzen (Gifte, Medikamente, Drogen) greifen meist an einer von vier Stellen ein: Transmitterfreisetzung, Rezeptor, Transmitterabbau oder Wiederaufnahme. Weil Transmitter und Rezeptor wie Schlüssel und Schloss zusammenpassen, können Fremdstoffe mit ähnlicher Form den Rezeptor besetzen.

Substanz Wirkort Wirkung Folge
Botulinumtoxin präsynaptisch hemmt die Freisetzung von ACh (Vesikelverschmelzung) schlaffe Lähmung
Curare Rezeptor blockiert die ACh-Rezeptoren (kompetitiv), öffnet den Kanal nicht schlaffe Lähmung
Nikotin Rezeptor bindet wie ACh, wird aber nicht durch Acetylcholinesterase abgebaut zuerst Zucken, dann Lähmung (Depolarisationsblock)
E 605 (Parathion) synaptischer Spalt hemmt irreversibel die Acetylcholinesterase ACh-Anstieg: Krämpfe, dann Lähmung
Lokalanästhetika (z. B. beim Zahnarzt) Axon blockieren spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle, kein Aktionspotenzial wird weitergeleitet örtliche Schmerzlosigkeit
Opioide (z. B. Morphin) postsynaptisch (Schmerzbahnen) besetzen Opioid-Rezeptoren und hemmen die Schmerzweiterleitung starke Schmerzlinderung, Abhängigkeitsrisiko
Üben★☆☆Nicht begonnen
Ordnen Sie den Substanzen Curare, Botulinumtoxin, Nikotin und E 605 jeweils ihre Wirkung an der neuromuskulären Synapse zu: (1) blockiert die Acetylcholin-Rezeptoren,…

Ordnen Sie den Substanzen Curare, Botulinumtoxin, Nikotin und E 605 jeweils ihre Wirkung an der neuromuskulären Synapse zu: (1) blockiert die Acetylcholin-Rezeptoren, (2) hemmt die Freisetzung von Acetylcholin, (3) aktiviert die Rezeptoren dauerhaft wie Acetylcholin, (4) hemmt die Acetylcholinesterase.

Lösen
Üben★★☆Nicht begonnen
Ein Patient wird mit Botulinumtoxin vergiftet (z. B. durch verdorbene Konserven aus einem Haushalt in Niedersachsen). a) Erläutern Sie die Wirkung des Toxins auf die…

Ein Patient wird mit Botulinumtoxin vergiftet (z. B. durch verdorbene Konserven aus einem Haushalt in Niedersachsen).

  1. a) Erläutern Sie die Wirkung des Toxins auf die Signalübertragung.
  1. b) Leiten Sie daraus die Symptome ab und begründen Sie, warum Atemlähmung lebensbedrohlich ist.
Lösen
Üben★★☆Nicht begonnen
Das Insektizid E 605 (Parathion) hemmt irreversibel die Acetylcholinesterase. a) Beschreiben Sie die Auswirkung auf die Konzentration von Acetylcholin im synaptischen…

Das Insektizid E 605 (Parathion) hemmt irreversibel die Acetylcholinesterase.

  1. a) Beschreiben Sie die Auswirkung auf die Konzentration von Acetylcholin im synaptischen Spalt und auf die Muskelzelle.
  1. b) Erklären Sie, warum es zu Muskelkrämpfen und schließlich zur Lähmung kommt.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Bei einem Versuch mit einem Nerv-Muskel-Präparat des Frosches wird der Nerv gereizt und die Muskelkontraktion gemessen. Nach Zugabe von Curare bleibt die Kontraktion…

Bei einem Versuch mit einem Nerv-Muskel-Präparat des Frosches wird der Nerv gereizt und die Muskelkontraktion gemessen. Nach Zugabe von Curare bleibt die Kontraktion aus, obwohl das Aktionspotenzial im Nerv weiterhin gemessen wird. Direkte elektrische Reizung des Muskels löst weiterhin Kontraktion aus. Nach Zugabe von Neostigmin (hemmt Acetylcholinesterase) zum curarisierten Präparat tritt die Kontraktion teilweise wieder auf.

  1. a) Erklären Sie jeden der drei Befunde.
  1. b) Erläutern Sie, welche Schlussfolgerung zur Wirkungsstelle von Curare möglich ist.
  1. c) Erklären Sie die teilweise Wiederherstellung mit dem Konzept der Konkurrenz.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Bei Nikotinvergiftung kommt es zunächst zu Muskelzucken, später zu Lähmung. Nikotin bindet an den nikotinischen Acetylcholin-Rezeptor und wird nicht durch…

Bei Nikotinvergiftung kommt es zunächst zu Muskelzucken, später zu Lähmung. Nikotin bindet an den nikotinischen Acetylcholin-Rezeptor und wird nicht durch Acetylcholinesterase abgebaut.

  1. a) Erklären Sie die beiden Phasen molekular (Depolarisationsblock).
  1. b) Vergleichen Sie die Wirkung mit der von E 605 hinsichtlich Wirkort und Endergebnis.
Lösen

Summation und Hemmung

Ein einzelnes EPSP ist meist zu klein, um am Axonhügel die Schwelle zu erreichen. Das Neuron „verrechnet" daher viele Signale.

  • Zeitliche Summation: Folgen mehrere Aktionspotenziale schnell hintereinander an einer Synapse, addieren sich die EPSP, bevor das erste abgeklungen ist.

  • Räumliche Summation: Mehrere Synapsen an verschiedenen Stellen sind gleichzeitig aktiv, ihre EPSP addieren sich.

Erreicht die Summe am Axonhügel den Schwellenwert, entsteht ein Aktionspotenzial. Der genaue Wert hängt vom Zelltyp ab; in den Beispielen dieser Seite liegt er je nach Aufgabe bei −50 mV oder −55 mV.

In einer Messkurve (Mikroelektrode an der postsynaptischen Membran, Oszilloskop) sehen Sie: Das Ruhepotenzial liegt bei −70 mV (K⁺-Ausstrom, Na⁺/K⁺-Pumpe). Ein einzelnes EPSP hebt die Kurve kurz an (Na⁺-Einstrom durch ligandengesteuerte Kanäle) und klingt wieder ab. Auf dem Oszilloskop zeigt sich das als flacher Hügel von wenigen mV, anders als das steile Aktionspotenzial mit Spitze bei etwa +30 mV. Folgt das nächste EPSP vor dem Abklingen, steigt die Kurve höher (Summation). Wird die Schwelle erreicht, öffnen sich spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle und ein Aktionspotenzial entsteht.

Bei hemmenden Synapsen öffnet der Transmitter z. B. Cl⁻-Kanäle (oder K⁺-Kanäle). Das Gleichgewichtspotenzial von Cl⁻ liegt bei ca. −80 mV, also negativer als das Ruhepotenzial (−70 mV). Öffnen sich die Cl⁻-Kanäle, strömt Cl⁻ ein, weil das Membranpotenzial diesem Gleichgewichtspotenzial zustrebt. Das Membranpotenzial wird negativer (Hyperpolarisation), es entsteht ein IPSP (hemmendes postsynaptisches Potenzial). Die Zelle ist weiter von der Schwelle entfernt.

Hemmung ist für die Informationsverarbeitung wichtig: Sie lässt Neurone selektiv antworten, verhindert Dauererregung und ermöglicht, Signale abzuschwächen oder zu „verrechnen".

Üben★★☆Nicht begonnen
Bei einer Messung an der postsynaptischen Membran einer erregenden Synapse an einem Motoneuron im Rückenmark beträgt das Ruhepotenzial −70 mV; nach einem einzelnen…

Bei einer Messung an der postsynaptischen Membran einer erregenden Synapse an einem Motoneuron im Rückenmark beträgt das Ruhepotenzial −70 mV; nach einem einzelnen präsynaptischen Aktionspotenzial entsteht ein EPSP von +15 mV (also −55 mV). Die Schwelle liegt bei −50 mV.

  1. a) Begründen Sie, ob ein Aktionspotenzial ausgelöst wird.
  1. b) Beschreiben Sie, wie durch zeitliche Summation dennoch die Schwelle erreicht werden kann.
Lösen
Üben★★★Nicht begonnen
Eine hemmende Synapse bewirkt ein IPSP durch Öffnung von Cl⁻-Kanälen (ECl ≈ −80 mV). Ein Neuron mit Ruhepotenzial −70 mV erhält gleichzeitig zwei EPSP (je +6 mV) und…

Eine hemmende Synapse bewirkt ein IPSP durch Öffnung von Cl⁻-Kanälen (ECl ≈ −80 mV). Ein Neuron mit Ruhepotenzial −70 mV erhält gleichzeitig zwei EPSP (je +6 mV) und ein IPSP (−4 mV).

  1. a) Berechnen Sie das resultierende Potenzial unter der Annahme linearer Summation und beurteilen Sie, ob die Schwelle (−55 mV) erreicht wird.
  1. b) Erklären Sie die Entstehung des IPSP.
  1. c) Erläutern Sie die Bedeutung von Hemmung für die Informationsverarbeitung.
Lösen

Schmerzlinderung durch exogene Substanzen

Wie im Einstieg erwähnt: Lokalanästhetika greifen an den spannungsgesteuerten Na⁺-Kanälen des Axons ein, E 605 dagegen an der Synapse (Hemmung der Acetylcholinesterase). Beide Stoffe stören die Weitergabe von Erregung, aber an verschiedenen Stellen. Winzige Mengen reichen, weil Transmitter und Rezeptoren hochspezifisch wirken und schon wenige Moleküle eine große Wirkung auslösen.

Bei Schmerzmitteln müssen Sie Nutzen und Risiko abwägen. Beurteilen Sie dazu drei Kriterien: den Nutzen (Wirkstärke, Wirkdauer), das Risiko (Nebenwirkungen, Abhängigkeit, Atemdepression) und mögliche Alternativen (z. B. Ibuprofen oder Paracetamol bei leichten Schmerzen, nichtmedikamentöse Verfahren). Lokalanästhetika wirken örtlich begrenzt und sind nach dem Abbau wieder wirkungslos, Nebenwirkungen sind bei richtiger Dosis selten. Opioide lindern starke Schmerzen sehr wirksam, können aber Atemdepression und Abhängigkeit verursachen.

Auf einen Blick

  • Ein Aktionspotenzial öffnet Ca²⁺-Kanäle, Ca²⁺ löst die Exocytose der Transmitter-Vesikel aus. Der Transmitter bindet am Rezeptor (Schlüssel-Schloss-Prinzip), der ligandengesteuerte Kanal öffnet sich, es entsteht ein EPSP.

  • Der Transmitter wird abgebaut oder wieder aufgenommen, das Signal endet.

  • Neuromuskuläre Synapse: ACh, motorische Endplatte, Endplattenpotenzial, Kontraktion; Acetylcholinesterase spaltet ACh.

  • Curare blockiert die Rezeptoren, Botulinumtoxin hemmt die Freisetzung, Nikotin aktiviert die Rezeptoren dauerhaft, E 605 hemmt die Acetylcholinesterase.

  • EPSP summieren sich zeitlich und räumlich, ein IPSP wirkt hemmend.

Alle Aufgaben zu diesem Abschnitt anzeigen