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Q1 Grundkurs · Biologie
Neurobiologie und Stoffwechsel im Abitur-Format · Fotosynthese-Pigmente, Angepasstheiten und Stoffwechselregulation

Funktionale Angepasstheiten und Stoffwechselregulation

Im Sommer ist es unter einer Rotbuche im Teutoburger Wald angenehm kühl und dämmrig. Trotzdem wachsen dort Buchenkeimlinge, und im Kronendach hoch darüber sitzen Blätter, die in praller Sonne arbeiten. Wie schaffen es Blätter, bei so unterschiedlichem Lichtangebot Fotosynthese zu betreiben? Und wie verhindert eine Zelle, dass sie Stoffe herstellt, die sie gar nicht braucht? Beides sind Fragen nach Angepasstheit und Regulation.

Das Laubblatt: Angepasstheit an die fotoautotrophe Lebensweise

Eine Pflanze muss Licht einfangen, CO₂ aufnehmen und dabei möglichst wenig Wasser verlieren. Diese Ansprüche widersprechen sich teilweise. Der Blattaufbau ist die Lösung des Konflikts.

Querschnitt durch ein Laubblatt mit Cuticula, oberer Epidermis, Palisadengewebe, Schwammgewebe, unterer Epidermis und Spaltöffnung Cuticula obere Epidermis Palisadengewebe Interzellularen Schwammgewebe untere Epidermis Spaltöffnung zwischen zwei Schließzellen
Gewebe Bau Funktion
Cuticula Wachsschicht über der Epidermis Verdunstungsschutz
obere Epidermis durchsichtig, ohne Chloroplasten lässt Licht durch, schützt
Palisadengewebe lang gestreckte Zellen, sehr viele Chloroplasten hauptsächlicher Ort der Fotosynthese
Schwammgewebe lockere Zellen, große Interzellularen Gasaustausch und Gasverteilung, weniger Fotosynthese
untere Epidermis Schließzellen bilden Spaltöffnungen Regelung von CO₂-Aufnahme, O₂-Abgabe und Wasserdampfabgabe
Üben★☆☆Nicht begonnen
Beschreiben Sie den Aufbau eines Laubblatts (obere Epidermis, Palisadengewebe, Schwammgewebe, untere Epidermis mit Spaltöffnungen) und ordnen Sie jedem Gewebe eine…

Beschreiben Sie den Aufbau eines Laubblatts (obere Epidermis, Palisadengewebe, Schwammgewebe, untere Epidermis mit Spaltöffnungen) und ordnen Sie jedem Gewebe eine Funktion zu.

Lösen

Der Zielkonflikt der Spaltöffnungen

Offene Spaltöffnungen lassen CO₂ hinein, aber auch Wasserdampf hinaus. Bei Trockenheit schließen die Schließzellen die Spalten. Der Wasserverlust sinkt, doch es gelangt auch kaum noch CO₂ ins Blatt. Die CO₂-Konzentration in den Interzellularen sinkt, der Calvin-Zyklus (Fixierung) wird gebremst und die Fotosyntheserate fällt, obwohl genug Licht vorhanden ist. CO₂ wird dann zum limitierenden Faktor.

Üben★★☆Nicht begonnen
Die Spaltöffnungen eines Blatts schließen sich bei Trockenheit. a) Erläutern Sie den Zielkonflikt zwischen Wasserverlust und CO₂-Aufnahme. b) Beschreiben Sie die Folge…

Die Spaltöffnungen eines Blatts schließen sich bei Trockenheit.

  1. a) Erläutern Sie den Zielkonflikt zwischen Wasserverlust und CO₂-Aufnahme.
  1. b) Beschreiben Sie die Folge für die Fotosyntheserate.
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Sonnenblatt und Schattenblatt

Eine Rotbuche trägt beide Blatttypen am selben Baum: Sonnenblätter außen im Kronendach, Schattenblätter im Inneren.

Merkmal Sonnenblatt Schattenblatt
Blattdicke dick dünn
Palisadengewebe mehrschichtig einschichtig
Blattfläche kleiner größer
Chlorophyll-b-Anteil (a/b-Verhältnis) niedriger Chlorophyll-b-Anteil (höheres a/b-Verhältnis) höherer Chlorophyll-b-Anteil (niedrigeres a/b-Verhältnis)
Lichtsättigung hoch niedrig
maximale Fotosyntheserate hoch niedrig
Atmungsrate (Dunkel) hoch niedrig
Lichtkompensationspunkt hoch niedrig

Der Lichtkompensationspunkt ist die Lichtintensität, bei der Fotosynthese und Zellatmung gleich schnell ablaufen: Netto wird dann kein CO₂ aufgenommen. Das Schattenblatt hat eine geringe Atmung und erreicht diesen Punkt schon bei wenig Licht. So kommt es bei schwachem Licht noch zu einer positiven Bilanz.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Nennen Sie zwei Unterschiede im Aufbau zwischen Sonnenblatt und Schattenblatt einer Rotbuche.

Nennen Sie zwei Unterschiede im Aufbau zwischen Sonnenblatt und Schattenblatt einer Rotbuche.

Lösen
Üben★★☆Nicht begonnen
Die Lichtsättigung der Fotosyntheserate liegt beim Sonnenblatt bei 1.000 µmol Photonen/(m²·s) mit maximal 20 µmol CO₂/(m²·s), beim Schattenblatt bei 200 µmol…

Die Lichtsättigung der Fotosyntheserate liegt beim Sonnenblatt bei 1.000 µmol Photonen/(m²·s) mit maximal 20 µmol CO₂/(m²·s), beim Schattenblatt bei 200 µmol Photonen/(m²·s) mit maximal 6 µmol CO₂/(m²·s).

  1. a) Berechnen Sie das Verhältnis der maximalen Raten.
  1. b) Erklären Sie die Unterschiede mit Blattaufbau und Pigmenten.
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Alle Systemebenen im Überblick

Biologische Angepasstheit lässt sich auf mehreren Ebenen beschreiben. Für ein Schattenblatt gilt:

Systemebene Angepasstheit Wirkung
Organ große, dünne Blattfläche, waagerecht ausgerichtet fängt viel von dem wenigen Licht
Gewebe einschichtiges Palisadengewebe, viel Schwammgewebe schwaches Licht wird schon in der dünnen Schicht genutzt, mehrere Zellschichten wären unnötig
Zelle viele Chloroplasten, oft nahe der Zelloberfläche gute Lichtnutzung
Zellorganell (Feinbau Chloroplast) viele Grana-Thylakoide mit Chlorophyll in der Thylakoidmembran, Stroma als eigener Reaktionsraum große Membranfläche für die Primärreaktionen, Kompartimentierung: Primärreaktionen (Thylakoide) und Calvin-Zyklus (Stroma) laufen räumlich getrennt, aber gekoppelt ab
Molekül viel Chlorophyll b und weitere Pigmente, wenig Enzyme schwaches Licht wird gut absorbiert, geringe Atmung

Konsequenz für die Energiebilanz: Das Schattenblatt investiert wenig in Enzyme und Atmung. Der Kompensationspunkt liegt niedrig, schon bei wenig Licht entsteht Nettogewinn an Glucose. Bei starkem Licht ist dagegen die Sättigung früh erreicht.

Üben★★★Nicht begonnen
Beschreiben Sie die Angepasstheit eines Blatts auf den Systemebenen Organ, Gewebe, Zelle und Molekül für ein Schattenblatt der Rotbuche im Wald bei Göttingen und…

Beschreiben Sie die Angepasstheit eines Blatts auf den Systemebenen Organ, Gewebe, Zelle und Molekül für ein Schattenblatt der Rotbuche im Wald bei Göttingen und erläutern Sie die Konsequenz für die Energiebilanz.

Lösen

Stoffwechselregulation: Endprodukthemmung

Stoffwechselwege bestehen aus mehreren Schritten, jeder wird von einem Enzym katalysiert: $A \xrightarrow{E_1} B \xrightarrow{E_2} C \xrightarrow{E_3} D$. Die Zelle soll nicht mehr von D herstellen, als sie braucht. Das erreicht sie so: Das Endprodukt D hemmt das Schlüsselenzym am Anfang des Wegs (E₁).

Stoffwechselweg A nach D mit Endprodukthemmung von Enzym 1 durch D A B C D E1 E2 E3 Hemmung (–)

Diese Rückkopplung ist eine negative Rückkopplung: Steigt D, sinkt die Bildung von D. Sinkt D, wird E₁ wieder aktiv.

Meist handelt es sich um allosterische Hemmung: D bindet nicht am aktiven Zentrum, sondern an einer anderen Stelle (allosterisches Zentrum) von E₁. Das Enzym ändert seine Raumstruktur, das aktive Zentrum passt nicht mehr zum Substrat A.

kompetitive Hemmung allosterische Hemmung
Bindung des Hemmstoffs am aktiven Zentrum am allosterischen Zentrum
Hemmstoff ähnelt dem Substrat? ja nein
durch viel Substrat aufhebbar? ja nein

Die Regulation am ersten Enzym ist sinnvoll: Es werden keine Zwischenprodukte B und C angehäuft und kein Ausgangsstoff A verschwendet. Würde D das letzte Enzym hemmen, liefen die Schritte davor weiter, B und C häuften sich an, es gäbe Verschwendung und möglicherweise schädliche Konzentrationen.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Erklären Sie den Begriff Endprodukthemmung und nennen Sie die Art der Hemmung am ersten Enzym eines Stoffwechselwegs.

Erklären Sie den Begriff Endprodukthemmung und nennen Sie die Art der Hemmung am ersten Enzym eines Stoffwechselwegs.

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Üben★★☆Nicht begonnen
Ein Stoffwechselweg lautet: A →(E1) B →(E2) C →(E3) D. Das Endprodukt D hemmt E1 allosterisch. a) Beschreiben Sie, was bei steigender Konzentration von D geschieht. b)…

Ein Stoffwechselweg lautet: A →(E1) B →(E2) C →(E3) D. Das Endprodukt D hemmt E1 allosterisch.

  1. a) Beschreiben Sie, was bei steigender Konzentration von D geschieht.
  1. b) Erklären Sie den Vorteil dieser Regulation für die Zelle.
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Üben★★★Nicht begonnen
Bei einem Bakterium wird die Aminosäure Isoleucin in fünf Schritten aus Threonin synthetisiert. Wird Isoleucin dem Medium zugegeben, sinkt die Aktivität des ersten…

Bei einem Bakterium wird die Aminosäure Isoleucin in fünf Schritten aus Threonin synthetisiert. Wird Isoleucin dem Medium zugegeben, sinkt die Aktivität des ersten Enzyms (Threonin-Desaminase) auf 5 %, auch wenn Threonin in hoher Konzentration vorliegt. Die Hemmung ist durch hohe Threoninkonzentration nicht aufhebbar.

  1. a) Erklären Sie, warum es sich nicht um kompetitive Hemmung handelt.
  1. b) Erläutern Sie die Vorteile dieser Rückkopplung.
  1. c) Begründen Sie, was geschähe, wenn Isoleucin das letzte Enzym hemmte.
Lösen

Coenzyme und Nahrungsergänzungsmittel

Viele Enzyme brauchen Coenzyme, kleine organische Moleküle, die Teilchen übertragen. In der Zellatmung sind das vor allem NAD⁺ und FAD, die Reduktionsäquivalente (Elektronen und Protonen) aufnehmen und als NADH + H⁺ bzw. FADH₂ zur Atmungskette bringen. Das Coenzym TPP (Thiaminpyrophosphat) hilft bei der oxidativen Decarboxylierung. Die Vitamine B₁ (Thiamin), B₂ (Riboflavin) und Niacin sind Bausteine dieser Coenzyme.

Coenzyme werden nicht verbraucht, sondern ständig regeneriert: Eine Zelle benötigt nur geringe Mengen. Die Zellatmung wird bei ausreichender Versorgung durch den Bedarf (ATP/ADP-Verhältnis) reguliert, nicht durch das Vitaminangebot (ATP hemmt z. B. das Schlüsselenzym Phosphofructokinase der Glykolyse allosterisch, und ATP sowie NADH + H⁺ hemmen Enzyme des Tricarbonsäurezyklus: negative Rückkopplung).

Üben★★★Nicht begonnen
Ein Hersteller bewirbt ein Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Dosen Vitamin B1, B2 und Niacin für „mehr Energie“ beim Sport. Vitamine dienen als Bestandteile von…

Ein Hersteller bewirbt ein Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Dosen Vitamin B1, B2 und Niacin für „mehr Energie“ beim Sport. Vitamine dienen als Bestandteile von Coenzymen (z. B. NAD⁺, FAD, TPP) der Zellatmung.

  1. a) Erklären Sie die Rolle der Coenzyme in der Zellatmung.
  1. b) Nehmen Sie begründet Stellung zur Werbeaussage unter Berücksichtigung von Bedarf, Mangel, Überschuss und Regulation.
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Auf einen Blick

  • Das Laubblatt ist auf mehreren Ebenen angepasst: Cuticula und Epidermis schützen, das Palisadengewebe fängt Licht ein, das Schwammgewebe und die Spaltöffnungen regeln den Gasaustausch.

  • Spaltöffnungen: Zielkonflikt zwischen CO₂-Aufnahme und Wasserverlust. Bei Trockenheit sinkt die Fotosyntheserate (CO₂ limitiert).

  • Sonnenblatt: dick, mehrschichtiges Palisadengewebe, hohe Sättigung und hohe Maximalrate. Schattenblatt: dünn, große Fläche, niedriger Kompensationspunkt, früh gesättigt.

  • Endprodukthemmung: Das Endprodukt hemmt allosterisch das erste Enzym. Das ist eine negative Rückkopplung, die Ressourcen spart und Zwischenprodukte nicht anhäuft.

  • Coenzyme (NAD⁺, FAD, TPP) übertragen Teilchen und werden recycelt. Vitamine helfen bei Mangel, bei ausreichender Versorgung steigern Hochdosen die Leistung nicht.

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