Pilze, Tiere und Pflanzen
Du gehst nach einem Regentag durch den Buchenwald im Sauerland und siehst plötzlich Pilze aus dem Laub ragen. Sie stehen fest im Boden wie Pflanzen, sind aber nicht grün. Sind Pilze also Pflanzen? Und was machen sie eigentlich im Wald?
Was ist ein Pilz? Bau und Einordnung
Der Hutpilz, den du sammelst oder fotografierst, ist nur der Fruchtkörper. Er dient der Fortpflanzung: Unter dem Hut entstehen winzige Sporen, die der Wind verbreitet.
Der eigentliche Pilzkörper liegt meist im Boden oder im Holz. Er besteht aus feinen Fäden, den Hyphen. Alle Hyphen zusammen bilden das Myzel (Pilzgeflecht). Das Myzel kann viele Meter weit reichen, während der Fruchtkörper nur wenige Tage zu sehen ist.
Früher zählte man Pilze zu den Pflanzen. Heute bilden sie ein eigenes Reich. Der Vergleich zeigt, warum:
| Merkmal | Pflanzen | Pilze | Tiere |
|---|---|---|---|
| Chlorophyll, Fotosynthese | ja | nein | nein |
| Ernährung | autotroph | heterotroph | heterotroph |
| Zellwand | Cellulose | Chitin | keine |
| Speicherstoff | Stärke | Glykogen | Glykogen |
| Beweglichkeit | unbeweglich | unbeweglich | meist beweglich |
Mit den Pflanzen teilen Pilze also die Zellwand und die Unbeweglichkeit. Mit den Tieren teilen sie die Ernährungsweise und den Speicherstoff Glykogen. Chitin findest du auch im Panzer von Insekten. Deshalb sind Pilze mit den Tieren näher verwandt als mit den Pflanzen.
Nenne zwei Merkmale, die Pilze mit Pflanzen, und zwei, die sie mit Tieren gemeinsam haben (z. B. Zellwand, Ernährungsweise).
Nenne zwei Merkmale, die Pilze mit Pflanzen, und zwei, die sie mit Tieren gemeinsam haben (z. B. Zellwand, Ernährungsweise).
Benenne die Bestandteile eines Hutpilzes: das unterirdische Geflecht und den sichtbaren Teil. Erkläre, welcher davon der eigentliche Pilzkörper ist.
Benenne die Bestandteile eines Hutpilzes: das unterirdische Geflecht und den sichtbaren Teil. Erkläre, welcher davon der eigentliche Pilzkörper ist.
Pilze wurden früher zu den Pflanzen gezählt, heute bilden sie ein eigenes Reich, das mit den Tieren näher verwandt ist. a) Begründe mit Zellwand (Chitin), Speicherstoff…
Pilze wurden früher zu den Pflanzen gezählt, heute bilden sie ein eigenes Reich, das mit den Tieren näher verwandt ist.
- a) Begründe mit Zellwand (Chitin), Speicherstoff (Glykogen) und Ernährung, warum diese Einordnung sinnvoll ist.
- b) Erkläre, warum äußere Ähnlichkeit (Standort, Unbeweglichkeit) kein verlässliches Kriterium ist.
Ernährung: Pilze sind Heterotrophe
Pflanzen stellen mit Chlorophyll und Lichtenergie Traubenzucker her (Fotosynthese). Pilze haben kein Chlorophyll. Sie können keine Fotosynthese betreiben und brauchen organische Stoffe aus anderen Lebewesen. Sie ernähren sich daher heterotroph.
Anders als Tiere fressen Pilze nicht. Sie verdauen außerhalb ihres Körpers: Die Hyphen scheiden Verdauungsenzyme in ihre Umgebung aus. Diese zerlegen Laub oder Holz in kleine Bausteine. Die gelösten Stoffe nimmt das Myzel über die Oberfläche der Hyphen auf. Die feinen Fäden haben eine sehr große Oberfläche und durchdringen das Material.
Zurück bleiben Mineralstoffe und Humus. Pflanzen nehmen die Mineralstoffe mit den Wurzeln wieder auf. Pilze sind deshalb Destruenten (Zersetzer) und schließen den Stoffkreislauf.
Pilze besitzen kein Chlorophyll. a) Erkläre, warum sie sich heterotroph ernähren müssen. b) Beschreibe, wie ein saprobiontischer Pilz Laubstreu abbaut (außerhalb des…
Pilze besitzen kein Chlorophyll.
- a) Erkläre, warum sie sich heterotroph ernähren müssen.
- b) Beschreibe, wie ein saprobiontischer Pilz Laubstreu abbaut (außerhalb des Körpers verdauen, dann aufnehmen).
- c) Erkläre die Bedeutung für den Wald.
Drei Lebensweisen: Saprobiont, Symbiont, Parasit
Pilze leben auf drei Arten mit ihrer Umgebung.
Mykorrhiza ist eine Symbiose zwischen Pilzmyzel und Baumwurzeln, z. B. Steinpilz und Fichte oder Buche. Der Pilz liefert Wasser und Mineralstoffe, denn sein Myzel erreicht viel mehr Boden als die Wurzel. Der Baum liefert Traubenzucker aus seiner Fotosynthese. Auf stark gedüngten Böden sind Mineralstoffe ohnehin reichlich vorhanden. Der Baum „spart“ dann den Partner und bildet weniger Mykorrhiza.
Flechten bestehen aus einem Pilz und einer Alge (oder einem Cyanobakterium). Der Pilz schützt die Alge und hält Wasser. Die Alge macht Fotosynthese und liefert Zucker. Flechten wachsen auf kahlem Fels, wo es sonst kaum Leben gibt, und sind deshalb Pioniere. Viele reagieren empfindlich auf Luftschadstoffe, besonders Schwefeldioxid. Sie sind daher Zeigerorganismen für die Luftqualität: Wo viele Flechten wachsen, ist die Luft sauber.
Parasiten sind z. B. der Hallimasch an lebenden Bäumen, der Mehltau an Rosen und der Fußpilz beim Menschen. Vorbeugen kann man etwa durch trockene Füße und eigene Handtücher, bei Rosen durch einen luftigen Standort und durch Entfernen befallener Blätter.
Ordne die Begriffe Parasitismus, Symbiose und saprobiontische Lebensweise den Beispielen zu: Hallimasch an lebenden Bäumen, Steinpilz-Mykorrhiza mit der Fichte,…
Ordne die Begriffe Parasitismus, Symbiose und saprobiontische Lebensweise den Beispielen zu: Hallimasch an lebenden Bäumen, Steinpilz-Mykorrhiza mit der Fichte, Champignon auf Kompost.
Eine Buche im Sauerland lebt mit einem Pilz in Mykorrhiza. a) Beschreibe, was jeder Partner dem anderen liefert. b) Erkläre, warum Bäume auf stark gedüngten Böden oft…
Eine Buche im Sauerland lebt mit einem Pilz in Mykorrhiza.
- a) Beschreibe, was jeder Partner dem anderen liefert.
- b) Erkläre, warum Bäume auf stark gedüngten Böden oft weniger Mykorrhiza bilden.
Der Fußpilz beim Menschen und der Mehltau an Rosen sind Parasiten. a) Erkläre den Begriff Parasitismus. b) Nenne je eine Maßnahme zur Vorbeugung. c) Begründe, warum…
Der Fußpilz beim Menschen und der Mehltau an Rosen sind Parasiten.
- a) Erkläre den Begriff Parasitismus.
- b) Nenne je eine Maßnahme zur Vorbeugung.
- c) Begründe, warum nicht alle Pilze schädlich sind, und nenne ein Beispiel für ihren Nutzen.
Flechten bestehen aus einem Pilz und einer Alge. a) Erkläre, warum Flechten eine Symbiose darstellen. b) Begründe, warum Flechten auf kahlem Fels Pioniere sein können.…
Flechten bestehen aus einem Pilz und einer Alge.
- a) Erkläre, warum Flechten eine Symbiose darstellen.
- b) Begründe, warum Flechten auf kahlem Fels Pioniere sein können.
- c) Erkläre, warum Flechten als Zeigerorganismen für Luftqualität dienen.
Pilze im Stoffkreislauf des Waldes
Nach einem Sturm im Sauerland sterben Fichten ab. Der Hallimasch breitet sich als Parasit aus. Er befällt geschwächte Bäume und zersetzt dann das tote Holz als Saprobiont. Unter Buchen dagegen leben viele Mykorrhizapilze, die den Bäumen Wasser und Mineralstoffe liefern.
So tragen Pilze zum Kreislauf bei: Pflanzen (Produzenten) bauen Biomasse auf. Tiere fressen sie, und Laub und Totholz fallen auf den Boden. Pilze und Bodenlebewesen zersetzen diese Reste zu Mineralstoffen. Die Pflanzen nehmen sie wieder auf.
Zurück zum Anfang: Pilze sind keine Pflanzen und keine Tiere, sondern ein eigenes Reich. Im Wald sind sie unverzichtbare Zersetzer, Partner der Bäume und manchmal Parasiten.
Ein Forstbetrieb in NRW beobachtet, dass nach einem Sturm die Fichten absterben und sich Hallimasch ausbreitet, während unter Buchen viele Mykorrhizapilze vorkommen. a)…
Ein Forstbetrieb in NRW beobachtet, dass nach einem Sturm die Fichten absterben und sich Hallimasch ausbreitet, während unter Buchen viele Mykorrhizapilze vorkommen.
- a) Ordne dem Hallimasch und den Mykorrhizapilzen jeweils ihre Lebensweise (Parasit, Saprobiont, Symbiont) zu und begründe deine Zuordnung.
- b) Erkläre, wie Pilze zum Stoffkreislauf im Wald beitragen.
- c) Beurteile, welche Folgen das Fehlen von Pilzen für den Wald hätte.