Wirbellose und Bodenlebewesen – Körperbau, Bestimmung und Bedeutung
Du hebst im Buchenwald am Rand von Köln eine Handvoll Falllaub hoch und siehst: Es krabbelt. Kleine Tiere in allen Formen laufen durcheinander. Wer sind sie, wie kannst du sie sicher unterscheiden, und was tun sie eigentlich im Boden? Genau das klärst du auf dieser Seite.
Wirbellose im Waldboden: Körperbau und Gruppen
Alle Tiere im Falllaub haben keine Wirbelsäule: Sie sind Wirbellose. Die meisten gehören zu den Gliederfüßern. Ihr Körper ist in Abschnitte gegliedert, sie haben gegliederte Beine und einen festen Panzer aus Chitin. Man unterscheidet sie vor allem an der Zahl der Beinpaare und an den Antennen.
| Gruppe | Beinpaare | Antennen | Beispiele im Laubwald |
|---|---|---|---|
| Insekten | 3 | 1 Paar | Laufkäfer, Ameise |
| Spinnentiere | 4 | keine | Weberknecht, Hornmilbe |
| Tausendfüßer (Hundertfüßer, Doppelfüßer) | viele: Hundertfüßer 1 Beinpaar je Segment, Doppelfüßer 2 Beinpaare je Segment | 1 Paar | Steinläufer (Hundertfüßer), Schnurfüßer (Doppelfüßer) |
| Springschwänze (Sechsbeiner, keine Insekten) | 3 (sechs Beine), keine Flügel | 1 Paar | Springschwanz (mit Sprunggabel) |
| Krebstiere | 7 (bei der Assel) | 2 Paar | Kellerassel, Mauerassel |
Der Springschwanz hat ebenfalls sechs Beine, gehört aber nicht zu den Insekten, sondern bildet eine eigene Gruppe der Sechsbeiner (Springschwänze). Er hat keine Flügel. Du erkennst ihn an der Sprunggabel am Hinterleib.
Daneben leben im Boden weitere Wirbellose ohne Beine:
-
Regenwürmer (Ringelwürmer): Der Körper besteht aus vielen Ringen (Segmenten), es gibt keine Beine.
-
Schnecken: weicher Körper, oft mit Gehäuse.
Ordne den Gruppen Insekten, Spinnentiere, Tausendfüßer und Krebstiere je eine Beinzahl oder ein Merkmal zu: 3 Beinpaare, 4 Beinpaare, viele Beinpaare, zwei…
Ordne den Gruppen Insekten, Spinnentiere, Tausendfüßer und Krebstiere je eine Beinzahl oder ein Merkmal zu: 3 Beinpaare, 4 Beinpaare, viele Beinpaare, zwei Antennenpaare. Beispiele: Springschwanz, Weberknecht, Steinläufer, Kellerassel.
Eine Kellerassel und ein Steinläufer werden verglichen. Die Assel hat sieben Beinpaare und atmet über Kiemen an den Hinterleibsbeinen, der Steinläufer hat ein Beinpaar…
Eine Kellerassel und ein Steinläufer werden verglichen. Die Assel hat sieben Beinpaare und atmet über Kiemen an den Hinterleibsbeinen, der Steinläufer hat ein Beinpaar je Segment und atmet über Tracheen.
- a) Ordne beide Tiere Klassen der Gliederfüßer zu.
- b) Begründe, warum die Assel feuchte Lebensräume braucht.
- c) Erkläre, welche Angepasstheit Tracheen für das Landleben darstellen.
Tiere bestimmen mit dem Bestimmungsschlüssel
Ein Bestimmungsschlüssel hilft dir, ein unbekanntes Lebewesen sicher zu benennen. Er stellt dir Schritt für Schritt Entweder-oder-Fragen zu Merkmalen, die du am Tier selbst überprüfen kannst. Jede Antwort führt entweder zum Namen oder zur nächsten Frage.
So benutzt du ihn:
-
Beginne immer bei 1.
-
Lies beide Aussagen (a und b) und entscheide, welche zum Tier passt.
-
Folge dem Pfeil: Er nennt eine Nummer oder den Namen.
-
Prüfe am Schluss das Ergebnis mit einem Bild oder einer Beschreibung.
Erkläre, was ein Bestimmungsschlüssel ist und wie man ihn benutzt.
Erkläre, was ein Bestimmungsschlüssel ist und wie man ihn benutzt.
Ein Bestimmungsschlüssel lautet: 1a) Tier mit Gehäuse → Schnecke 1b) Tier ohne Gehäuse → 2 2a) Körper deutlich in Ringe gegliedert, ohne Beine → Regenwurm 2b) Körper mit…
Ein Bestimmungsschlüssel lautet:
1a) Tier mit Gehäuse → Schnecke
1b) Tier ohne Gehäuse → 2
2a) Körper deutlich in Ringe gegliedert, ohne Beine → Regenwurm
2b) Körper mit Beinen → 3
3a) Sechs Beine → Insekt
3b) Mehr als sechs Beine → 4
4a) Acht Beine → Spinnentier
4b) Mehr als acht Beine → Tausendfüßer oder Krebstier
Bestimme: a) ein Tier mit acht Beinen, b) ein Tier ohne Gehäuse und ohne Beine, dessen Körper in Ringe gegliedert ist, c) ein Tier mit sechs Beinen.
Bedeutung der Bodenlebewesen: Streuabbau und Humus
Jeden Herbst fällt im Buchenwald Laub zu Boden. Trotzdem liegt im nächsten Herbst kein meterhoher Laubberg dort. Der Grund: Bodenlebewesen bauen die Laubstreu ab.
Nach ihrer Ernährung unterscheidet man:
-
Zersetzer (Destruenten): fressen totes Material (Laub, Kot, Tierreste), z. B. Regenwurm, Assel, Springschwanz, Hornmilbe, Pilze.
-
Pflanzenfresser: fressen lebende Pflanzenteile, z. B. Nacktschnecken.
-
Räuber: jagen andere Tiere, z. B. Laufkäfer, Steinläufer, Weberknecht.
Regenwürmer sind besonders wichtig:
-
Sie ziehen Laub in ihre Röhren und fressen es zusammen mit Erde.
-
Ihr Kot ist reich an Humus. Beim weiteren Abbau werden daraus Mineralstoffe frei, die Pflanzen aufnehmen können.
-
Ihre Gänge lockern den Boden: Luft und Wasser dringen tiefer ein, Wurzeln wachsen leichter.
-
Sie mischen Laubreste mit Mineralboden und bilden so krümeligen Boden.
Asseln und Springschwänze zerkleinern das Laub. So können Pilze und andere Kleinstlebewesen es leichter abbauen. Am Ende entstehen Humus und Mineralstoffe, die Pflanzen wieder aufnehmen. So schließt sich der Stoffkreislauf.
Auch Pilze bauen als Destruenten Laub und Totholz ab. Sie sind weder Pflanzen noch Tiere: Sie betreiben keine Fotosynthese und müssen ihre Nahrung aufnehmen, haben aber im Gegensatz zu Tieren feste Zellwände und wachsen als Pilzgeflecht im Boden. Damit gehören sie zum Nahrungsnetz des Bodens: Pilze und Zersetzer werden von Räubern wie Laufkäfern oder Steinläufern gefressen.
Nenne drei Bodenlebewesen aus dem Laubwald und gib an, ob sie Zersetzer, Pflanzenfresser oder Räuber sind.
Nenne drei Bodenlebewesen aus dem Laubwald und gib an, ob sie Zersetzer, Pflanzenfresser oder Räuber sind.
Regenwürmer ziehen Laub in ihre Röhren, fressen Erde und scheiden Kot aus. a) Erkläre, wie dadurch Humus entsteht. b) Nenne zwei Wirkungen auf die Bodenstruktur. c)…
Regenwürmer ziehen Laub in ihre Röhren, fressen Erde und scheiden Kot aus.
- a) Erkläre, wie dadurch Humus entsteht.
- b) Nenne zwei Wirkungen auf die Bodenstruktur.
- c) Erkläre, warum Regenwürmer Zersetzer sind.
In einem Waldstück werden auf 1 m² zehn Proben Laubstreu untersucht. Gezählt wurden insgesamt 120 Springschwänze, 30 Asseln und 18 Hornmilben. a) Berechne den…
In einem Waldstück werden auf 1 m² zehn Proben Laubstreu untersucht. Gezählt wurden insgesamt 120 Springschwänze, 30 Asseln und 18 Hornmilben.
- a) Berechne den Durchschnitt je Probe für jede Gruppe.
- b) Berechne den Anteil der Asseln an allen Tieren in Prozent.
Angepasstheiten und Umweltfaktoren: Versuche planen
Bodentiere sind an ihren Lebensraum angepasst. Die Kellerassel atmet über Kiemen an den Hinterbeinen. Das sind umgebildete Beinpaare am Hinterleib, die nicht zum Laufen dienen, sondern als Atemorgane. Diese Kiemen müssen feucht bleiben. Außerdem verliert ihr Panzer leicht Wasser. Darum lebt sie in feuchten, dunklen Lebensräumen. Der Steinläufer (Hundertfüßer) atmet dagegen über Tracheen, ein Röhrensystem, das Luft direkt zu den Organen bringt. Es ist eine Angepasstheit an das Landleben, denn die Atmung ist auch ohne Wasserfilm auf den Atemorganen möglich.
Ob ein Umweltfaktor wirklich wichtig ist, prüft man im Versuch, z. B. mit einer Wahlkammer: Das Tier kann zwischen zwei Bereichen wählen, die sich nur in einem Faktor unterscheiden.
Zwei Standorte in NRW werden verglichen: Buchenwald (Laubstreu, feucht) und Fichtenforst (Nadelstreu, sauer). Im Buchenwald werden 80 Regenwürmer je m² gefunden, im…
Zwei Standorte in NRW werden verglichen: Buchenwald (Laubstreu, feucht) und Fichtenforst (Nadelstreu, sauer). Im Buchenwald werden 80 Regenwürmer je m² gefunden, im Fichtenforst 5.
- a) Erkläre die Unterschiede.
- b) Leite Folgen für den Streuabbau ab.
- c) Plane einen Versuch (Variablenkontrolle) zur Überprüfung, ob der pH-Wert die Regenwurmzahl beeinflusst.
Du sollst die Wirkung von Feuchtigkeit auf die Wahl des Aufenthaltsortes von Asseln untersuchen. Du hast eine Schale, Filterpapier, Wasser und 20 Asseln. a) Beschreibe…
Du sollst die Wirkung von Feuchtigkeit auf die Wahl des Aufenthaltsortes von Asseln untersuchen. Du hast eine Schale, Filterpapier, Wasser und 20 Asseln.
- a) Beschreibe einen Versuchsaufbau (Wahlkammer).
- b) Nenne die Variable, die du veränderst, und mindestens zwei, die du konstant hältst.
- c) Erkläre, wie du das Ergebnis auswertest und warum man den Versuch wiederholt.
Zurück zum Anfang: Die Tiere in deiner Handvoll Laub sind größtenteils Gliederfüßer, die du an der Beinzahl bestimmen kannst, und sie zersetzen das Laub zu Humus.
Auf einen Blick
-
Gliederfüßer unterscheidet man an der Beinzahl: Insekten 3, Spinnentiere 4, Krebstiere (Assel) 7, Tausendfüßer viele Beinpaare.
-
Regenwürmer (Ringelwürmer) und Schnecken gehören ebenfalls zu den Wirbellosen im Boden.
-
Ein Bestimmungsschlüssel führt mit Entweder-oder-Fragen zu sichtbaren Merkmalen zum Namen.
-
Zersetzer wie Regenwurm, Assel und Springschwanz bauen die Laubstreu zu Humus ab und schließen den Stoffkreislauf.
-
Regenwürmer lockern und durchmischen den Boden.
-
Im Versuch (Wahlkammer) ändert man nur eine Variable, hält die anderen konstant und wiederholt den Versuch.