Kernfunktionen eines Unternehmens und betriebliche Mitbestimmung
Ein Möbelhersteller in Ostwestfalen will im nächsten Jahr eine neue Schrankserie auf den Markt bringen. Dafür muss Holz eingekauft, produziert, verkauft und bezahlt werden, und Menschen müssen all das erledigen. Die Geschäftsführung möchte außerdem die Schichtzeiten ändern. Wer entscheidet das alles, und wer redet mit? Genau das klären Sie in diesem Abschnitt.
Kernfunktionen eines Unternehmens
Ein Unternehmen (Betrieb) kombiniert Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, Boden), um Güter oder Dienstleistungen herzustellen und am Markt abzusetzen. Dabei fallen immer dieselben Aufgabenbereiche an. Man nennt sie Kernfunktionen. Sie hängen eng zusammen: Wird in einem Bereich etwas geändert, wirkt sich das auf die anderen aus.
Nennen Sie vier Kernfunktionen eines Unternehmens (z. B. Beschaffung, Produktion, Absatz, Finanzierung, Personal) und beschreiben Sie diese je in einem Satz am Beispiel…
Nennen Sie vier Kernfunktionen eines Unternehmens (z. B. Beschaffung, Produktion, Absatz, Finanzierung, Personal) und beschreiben Sie diese je in einem Satz am Beispiel einer Möbelfabrik.
Ein Handwerksbetrieb in Bielefeld überlegt, einen Teil der Produktion ins Ausland zu verlagern. a) Ordnen Sie die Entscheidung den Kernfunktionen zu. b) Nennen Sie je…
Ein Handwerksbetrieb in Bielefeld überlegt, einen Teil der Produktion ins Ausland zu verlagern.
- a) Ordnen Sie die Entscheidung den Kernfunktionen zu.
- b) Nennen Sie je zwei Vor- und Nachteile aus Sicht des Betriebs.
- c) Beschreiben Sie, wie sich die Entscheidung auf die Beschäftigten auswirkt.
Betriebliche Mitbestimmung und Betriebsrat
Im Betrieb treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Die Geschäftsführung will Kosten senken und Gewinne sichern. Die Beschäftigten wollen sichere Arbeitsplätze, faire Arbeitszeiten und gute Bezahlung. Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) regelt deshalb die Mitbestimmung: Die Beschäftigten dürfen bei bestimmten Entscheidungen mitreden.
Die Rechte des Betriebsrats sind abgestuft:
| Stufe | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| Information | Der Arbeitgeber muss rechtzeitig unterrichten. | Wirtschaftliche Lage, Personalplanung |
| Anhörung und Beratung | Der Betriebsrat darf Stellung nehmen; der Arbeitgeber muss ihn vorher anhören. | Anhörung vor jeder Kündigung (§ 102 BetrVG: ohne Anhörung ist die Kündigung unwirksam) |
| Mitbestimmung | Ohne Zustimmung ist die Maßnahme nicht möglich. | Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit, Schichtpläne, Urlaubsgrundsätze, Regeln zur Ordnung im Betrieb |
Bei Betriebsänderungen wie Stellenabbau oder Verlagerung muss der Arbeitgeber den Betriebsrat früh einbeziehen. Meist verhandeln beide einen Interessenausgleich und einen Sozialplan (zum Beispiel Abfindungen). Einigen sie sich nicht, kann eine Einigungsstelle entscheiden.
Erklären Sie, was man unter betrieblicher Mitbestimmung versteht, und nennen Sie die Aufgabe des Betriebsrats.
Erklären Sie, was man unter betrieblicher Mitbestimmung versteht, und nennen Sie die Aufgabe des Betriebsrats.
In einem Betrieb mit 300 Beschäftigten plant die Geschäftsführung, die Schichtzeiten zu ändern und 20 Stellen abzubauen. a) Nennen Sie, bei welchen Punkten der…
In einem Betrieb mit 300 Beschäftigten plant die Geschäftsführung, die Schichtzeiten zu ändern und 20 Stellen abzubauen.
- a) Nennen Sie, bei welchen Punkten der Betriebsrat mitbestimmen oder informiert werden muss.
- b) Beschreiben Sie, welche Interessen Geschäftsführung und Belegschaft jeweils haben.
- c) Nennen Sie einen möglichen Kompromiss.
Unternehmensmitbestimmung im Aufsichtsrat
Neben der betrieblichen Mitbestimmung gibt es die Unternehmensmitbestimmung. Sie betrifft die Spitze großer Kapitalgesellschaften (AG, GmbH). Dort kontrolliert ein Aufsichtsrat die Geschäftsführung (den Vorstand).
Aufgaben des Aufsichtsrats: Er bestellt und entlässt den Vorstand, überwacht dessen Arbeit, prüft den Jahresabschluss und muss wichtigen Entscheidungen zustimmen (zum Beispiel großen Investitionen oder Standortschließungen, je nach Satzung).
| Gesetz | Größe des Unternehmens | Zusammensetzung |
|---|---|---|
| Drittelbeteiligungsgesetz | über 500 Beschäftigte | ein Drittel Arbeitnehmervertreter, zwei Drittel Anteilseigner |
| Mitbestimmungsgesetz (1976) | über 2.000 Beschäftigte | je zur Hälfte Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter |
Beim Mitbestimmungsgesetz sind unter den Arbeitnehmervertretern auch Gewerkschaftsvertreter und leitende Angestellte. Bei Stimmengleichheit hat der Aufsichtsratsvorsitzende, der in der Regel von den Anteilseignern gestellt wird, eine Zweitstimme. Er wird zunächst mit Zweidrittelmehrheit gewählt; scheitert das, wählen die Anteilseigner ihn allein. Die Anteilseigner behalten also im Zweifel das letzte Wort. Man nennt das „paritätisch, aber nicht gleichgewichtig“.
Ein Unternehmen mit 2.500 Beschäftigten hat einen Aufsichtsrat nach dem Mitbestimmungsgesetz. a) Erläutern Sie die Zusammensetzung (Anteilseigner- und…
Ein Unternehmen mit 2.500 Beschäftigten hat einen Aufsichtsrat nach dem Mitbestimmungsgesetz.
- a) Erläutern Sie die Zusammensetzung (Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter).
- b) Erklären Sie die Aufgaben des Aufsichtsrats.
- c) Erläutern Sie, wie die Mitbestimmung die Unternehmensentscheidungen beeinflussen kann.
Betriebsrat und Gewerkschaft
Beide vertreten Beschäftigte, aber auf verschiedenen Ebenen und mit verschiedenen Mitteln.
| Betriebsrat | Gewerkschaft | |
|---|---|---|
| Ebene | einzelner Betrieb | Branche oder Region (z. B. IG Metall, ver.di) |
| Wer gehört dazu? | gewählt von allen Beschäftigten | Mitglieder, freiwillige Mitgliedschaft |
| Rechtsgrundlage | Betriebsverfassungsgesetz | Tarifvertragsgesetz, Koalitionsfreiheit (Art. 9 GG) |
| Aufgaben | Arbeitszeit, Personalfragen, Betriebsänderungen | Tarifverträge über Löhne, Urlaub, Arbeitszeit |
| Druckmittel | Einigungsstelle, Gericht; kein Streikrecht | Streik |
Betriebsrat und Arbeitgeber unterliegen der betrieblichen Friedenspflicht (§ 74 BetrVG): Der Betriebsrat darf keinen Arbeitskampf führen. Gewerkschaften dürfen streiken; sie sind nur während der Laufzeit eines Tarifvertrags an die tarifliche Friedenspflicht gebunden. Beim Lohn gilt meist der Tarifvertrag; der Betriebsrat sorgt dafür, dass er im Betrieb eingehalten wird, und regelt Details wie Schichtpläne.
Mitbestimmung beurteilen
Zu den Aufgaben im Fach gehört, Positionen abzuwägen. Dabei sind Aussagen über Tatsachen (deskriptiv, zum Beispiel „Der Aufsichtsrat bestellt den Vorstand“) von Wertungen (präskriptiv, zum Beispiel „Mitbestimmung ist zu teuer“) zu trennen.
| Pro Mitbestimmung | Contra Mitbestimmung |
|---|---|
| Schutz der Beschäftigten, Interessenausgleich | Entscheidungen dauern länger |
| Motivation und Identifikation, weniger Fluktuation | Kosten für Betriebsratsarbeit, Freistellungen |
| Kenntnis des Betriebs verbessert Entscheidungen | Gefahr, dass Standortentscheidungen blockiert werden |
| Sozialer Frieden, wenige Arbeitskämpfe im Betrieb | Kleine Betriebe fühlen sich belastet, viele haben keinen Betriebsrat |
Erklären Sie den Unterschied zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft.
Erklären Sie den Unterschied zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft.
„Mitbestimmung bremst Unternehmen aus und schadet dem Standort Deutschland." Erörtern Sie diese Aussage mit Pro- und Contra-Argumenten und kommen Sie zu einem…
„Mitbestimmung bremst Unternehmen aus und schadet dem Standort Deutschland."
Erörtern Sie diese Aussage mit Pro- und Contra-Argumenten und kommen Sie zu einem begründeten Urteil.
Ein mittelständisches Unternehmen ohne Betriebsrat steht vor Gewinneinbrüchen. Die Geschäftsführung erwägt Lohnkürzungen. Ein Teil der Belegschaft möchte einen…
Ein mittelständisches Unternehmen ohne Betriebsrat steht vor Gewinneinbrüchen. Die Geschäftsführung erwägt Lohnkürzungen. Ein Teil der Belegschaft möchte einen Betriebsrat gründen.
- a) Analysieren Sie die Interessenlage aller Beteiligten.
- b) Erläutern Sie die rechtlichen Möglichkeiten der Belegschaft.
- c) Beurteilen Sie, ob ein Betriebsrat die langfristige Wettbewerbsfähigkeit eher stärkt oder schwächt.
Vergleichen Sie die Rolle der Arbeitnehmervertretung im Betrieb mit der Rolle der Gewerkschaften auf Branchenebene. Beurteilen Sie, in welchen Fragen die jeweilige Ebene…
Vergleichen Sie die Rolle der Arbeitnehmervertretung im Betrieb mit der Rolle der Gewerkschaften auf Branchenebene. Beurteilen Sie, in welchen Fragen die jeweilige Ebene die besseren Lösungen findet.
Zurück zum Anfang: Die Möbelfabrik beschafft, produziert, verkauft, finanziert und beschäftigt. Über die neuen Schichtzeiten kann die Geschäftsführung nicht allein entscheiden; sie braucht die Zustimmung des Betriebsrats.
Auf einen Blick
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Kernfunktionen: Beschaffung, Produktion, Absatz, Finanzierung, Personal; Entscheidungen berühren meist mehrere Bereiche.
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Betriebsrat: gewählte Vertretung im Betrieb; Rechte reichen von Information über Anhörung bis zur echten Mitbestimmung (Arbeitszeit, Schichtpläne).
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Aufsichtsrat: kontrolliert die Geschäftsführung; Drittelbeteiligung ab 500, paritätisch nach MitbestG ab 2.000 Beschäftigten (Zweitstimme beim Vorsitzenden).
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Gewerkschaft: Branchenebene, Tarifverträge, Streikrecht; Betriebsrat: Betriebsebene, kein Streik.
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Beurteilung: Pro und Contra gegeneinander abwägen und mit Kriterien begründen.