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Realschule 9 · Wirtschaft
Betriebliche Mitbestimmung, Tarifkonflikte und Existenzgründung · Mitbestimmung und Tarifkonflikte

Betriebsrat sowie Jugend- und Auszubildendenvertretung

Lena ist Auszubildende in einem Betrieb in Münster. Seit Wochen soll sie Kaffee kochen und Regale putzen, obwohl das nichts mit ihrer Ausbildung zu tun hat. Allein traut sie sich nicht, etwas zu sagen. Gibt es im Betrieb jemanden, der für sie sprechen kann? Am Ende der Seite kannst du die Frage beantworten.

Warum Mitbestimmung?

Im Betrieb treffen zwei Interessen aufeinander. Die Geschäftsleitung will, dass das Unternehmen Gewinn macht und flexibel bleibt. Die Beschäftigten wollen einen sicheren Arbeitsplatz, faire Arbeitszeiten und gute Arbeitsbedingungen. Eine einzelne Person hat gegenüber der Geschäftsleitung oft wenig Gewicht. Deshalb gibt es in Deutschland die betriebliche Mitbestimmung: Gewählte Vertreter sprechen für alle Beschäftigten.

Wählen dürfen alle Beschäftigten ab 16 Jahren, auch Teilzeitkräfte und Minijobber. Beschäftigte unter 18 Jahren und Auszubildende unter 25 Jahren wählen zusätzlich die JAV. Wer 16 oder 17 ist, wählt also beide Vertretungen, kann sich aber noch nicht in den Betriebsrat wählen lassen. Die Geschäftsleitung bestimmt den Betriebsrat nicht, und Betriebsratsmitglieder dürfen wegen ihrer Arbeit nicht benachteiligt oder leicht gekündigt werden.

Ein Betriebsrat ist kein Teil der Gewerkschaft. Er vertritt den einzelnen Betrieb, die Gewerkschaft vertritt Mitglieder branchenweit. Mehr dazu im Abschnitt zu Tarifkonflikten.

Üben★☆☆Nicht begonnen
Erkläre in zwei bis drei Sätzen, was ein Betriebsrat ist und wer ihn wählt.

Erkläre in zwei bis drei Sätzen, was ein Betriebsrat ist und wer ihn wählt.

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Aufgaben und Rechte des Betriebsrats

Der Betriebsrat achtet darauf, dass Gesetze, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen eingehalten werden. Typische Aufgaben, zum Beispiel in einem Autozulieferer in Bochum:

  • Arbeitszeiten, Schichtpläne und Pausen mitgestalten

  • Einstellungen, Versetzungen und Kündigungen begleiten

  • Arbeitsschutz und Gesundheit im Betrieb fördern

  • Beschwerden von Beschäftigten annehmen und weitergeben

  • Betriebsvereinbarungen mit der Geschäftsleitung aushandeln

Die Rechte sind abgestuft. Das ist wichtig, denn nicht überall hat der Betriebsrat das letzte Wort.

Stufe Bedeutung Beispiel
Information Die Geschäftsleitung muss den Betriebsrat rechtzeitig unterrichten. Geplante neue Maschinen
Anhörung / Beratung Der Betriebsrat darf Stellung nehmen, die Geschäftsleitung muss zuhören. Kündigung: Ohne Anhörung ist sie unwirksam
Mitbestimmung (Zustimmung) Ohne Zustimmung des Betriebsrats darf die Maßnahme nicht umgesetzt werden. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit, Schichtpläne
Drei Stufen der Beteiligung des Betriebsrats: Information, Anhörung, Mitbestimmung Information Anhörung Stellung nehmen Mitbestimmung Zustimmung nötig Mitwirkung des Betriebsrats wird stärker →
Üben★☆☆Nicht begonnen
Nenne drei Aufgaben, die ein Betriebsrat in einem Unternehmen übernimmt, zum Beispiel in einem Autozulieferer in Bochum.

Nenne drei Aufgaben, die ein Betriebsrat in einem Unternehmen übernimmt, zum Beispiel in einem Autozulieferer in Bochum.

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Üben★★☆Nicht begonnen
In einem Möbelhaus in Dortmund will die Geschäftsleitung die Arbeitszeiten im Verkauf ändern: Künftig soll bis 21:00 Uhr statt bis 19:00 Uhr gearbeitet werden. a)…

In einem Möbelhaus in Dortmund will die Geschäftsleitung die Arbeitszeiten im Verkauf ändern: Künftig soll bis 21:00 Uhr statt bis 19:00 Uhr gearbeitet werden.

  1. a) Welches Gremium muss die Geschäftsleitung in diese Entscheidung einbeziehen?
  1. b) Erkläre den Unterschied zwischen Information, Anhörung und Mitbestimmung (Zustimmung) anhand dieses Beispiels.
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Die Jugend- und Auszubildendenvertretung

Junge Beschäftigte haben oft eigene Anliegen: Ausbildungsplan, Übernahme nach der Prüfung, Überstunden, Berufsschule. Dafür gibt es die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV).

Wählen dürfen alle Beschäftigten unter 18 Jahren und alle Auszubildenden unter 25 Jahren, sofern sie im Betrieb arbeiten. Die JAV arbeitet eng mit dem Betriebsrat zusammen: Sie bringt ihre Anliegen dort ein und darf bei Betriebsratssitzungen dabei sein, wenn es um junge Beschäftigte geht.

Mögliche Themen einer JAV:

  • Einhaltung des Ausbildungsplans

  • Übernahme nach der Ausbildung

  • Ausbildungsvergütung und Arbeitszeiten

  • Schutz vor ausbildungsfremden Tätigkeiten

Üben★☆☆Nicht begonnen
Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) vertritt die Interessen junger Beschäftigter. a) Wer darf die JAV wählen? b) Nenne zwei Themen, mit denen sich eine JAV…

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) vertritt die Interessen junger Beschäftigter.

  1. a) Wer darf die JAV wählen?
  1. b) Nenne zwei Themen, mit denen sich eine JAV befassen kann.
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Üben★★☆Nicht begonnen
In einem Betrieb mit 80 Beschäftigten, darunter 9 Auszubildende unter 18 Jahren, findet eine Wahl statt. Es wird ein Betriebsrat gewählt, 62 Beschäftigte sind…

In einem Betrieb mit 80 Beschäftigten, darunter 9 Auszubildende unter 18 Jahren, findet eine Wahl statt. Es wird ein Betriebsrat gewählt, 62 Beschäftigte sind wahlberechtigt, 45 geben ihre Stimme ab.

  1. a) Berechne die Wahlbeteiligung in Prozent (auf eine Nachkommastelle gerundet).
  1. b) Erkläre, warum eine hohe Wahlbeteiligung für die Legitimation des Betriebsrats wichtig ist.
  1. c) Begründe, warum in diesem Betrieb eine JAV gewählt werden kann.
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Konflikte und Beschwerden lösen

Nicht immer sind Geschäftsleitung und Betriebsrat einer Meinung. Dann gilt eine feste Reihenfolge:

  1. Verhandlung: Beide Seiten sprechen miteinander und suchen einen Kompromiss. Sie sind zur vertrauensvollen Zusammenarbeit verpflichtet.

  2. Einigungsstelle: Klappt das nicht, entscheidet in Fällen der Mitbestimmung eine Einigungsstelle. Sie besteht aus gleich vielen Vertretern beider Seiten und einem neutralen Vorsitzenden, oft einer Richterin oder einem Richter.

  3. Arbeitsgericht: Bei Rechtsfragen kann das Gericht angerufen werden.

Der Betriebsrat darf nicht streiken. Das Betriebsverfassungsgesetz verlangt Zusammenarbeit im Betrieb. Streiks sind Sache der Gewerkschaften im Tarifkonflikt, der Betriebsrat verhandelt dagegen innerbetrieblich.

Üben★★☆Nicht begonnen
Lena (17) ist Auszubildende zur Industriekauffrau in einem Betrieb in Münster. Sie bekommt regelmäßig Aufgaben, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben (Kaffee…

Lena (17) ist Auszubildende zur Industriekauffrau in einem Betrieb in Münster. Sie bekommt regelmäßig Aufgaben, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben (Kaffee kochen, Regale putzen). Sie möchte sich beschweren.

  1. a) An wen kann sie sich im Betrieb wenden?
  1. b) Beschreibe, wie die Interessenvertretung vorgehen könnte.
  1. c) Welche weitere Stelle außerhalb des Betriebs kann helfen?
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Üben★★★Nicht begonnen
Ein Betriebsrat und die Geschäftsleitung eines Supermarkts in Köln streiten über einen neuen Schichtplan mit mehr Wochenendarbeit. a) Beschreibe, wie der Konflikt…

Ein Betriebsrat und die Geschäftsleitung eines Supermarkts in Köln streiten über einen neuen Schichtplan mit mehr Wochenendarbeit.

  1. a) Beschreibe, wie der Konflikt innerbetrieblich gelöst werden kann (Verhandlung, Einigungsstelle).
  1. b) Begründe, warum der Betriebsrat im Gegensatz zu einer Gewerkschaft in der Regel nicht streiken darf.
  1. c) Bewerte, ob Betriebsräte die Interessen der Beschäftigten besser vertreten können als einzelne Arbeitnehmer.
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Mitbestimmung bei Veränderungen: Chancen und Grenzen

Bei Stellenabbau und Automatisierung gilt: Die Geschäftsleitung entscheidet über die unternehmerische Frage, ob sie automatisiert. Aber der Betriebsrat muss rechtzeitig informiert werden und darf bei den Folgen für die Beschäftigten mitreden. Dann wird über einen Interessenausgleich (Ob und Wie) und einen Sozialplan (Abfindungen, Ausgleich) verhandelt.

Maßnahmen, die ein Betriebsrat vorschlagen kann, zum Beispiel in einem Unternehmen in Essen:

  • Weiterbildung und Umschulung

  • Versetzung auf andere Arbeitsplätze

  • Altersteilzeit oder Abfindungen statt Kündigungen

  • Weniger Stellenabbau, dafür kürzere Arbeitszeiten

Sicht der Geschäftsleitung Sicht der Beschäftigten (Betriebsrat)
Kosten senken, wettbewerbsfähig bleiben Arbeitsplätze und Einkommen sichern
Schnell und flexibel entscheiden Mitsprache, faire Behandlung
Gewinn sichern Gute Arbeitsbedingungen

Mitbestimmung hat auch für das Unternehmen Vorteile: Entscheidungen werden besser akzeptiert, Konflikte früher erkannt, die Motivation und Bindung der Beschäftigten steigen. Nachteile sind längere Entscheidungswege.

Ein Beispiel für die JAV: Sie fordert, dass alle Auszubildenden nach der Prüfung mindestens ein Jahr übernommen werden. Die Geschäftsleitung lehnt wegen unsicherer Lage ab. Ein Kompromiss kann eine befristete Übernahme je nach Auftragslage sein, mit Weiterbildung und Prüfung nach sechs Monaten. So erhalten die Auszubildenden Planungssicherheit, und das Unternehmen bleibt flexibel.

Üben★★★Nicht begonnen
Ein Unternehmen in Essen plant, 30 von 200 Stellen abzubauen und die Produktion teilweise zu automatisieren. In dem Unternehmen besteht ein Betriebsrat. Die…

Ein Unternehmen in Essen plant, 30 von 200 Stellen abzubauen und die Produktion teilweise zu automatisieren. In dem Unternehmen besteht ein Betriebsrat. Die Geschäftsleitung sagt: „Das ist allein unsere unternehmerische Entscheidung.“

  1. a) Beurteile diese Aussage aus Sicht des Unternehmens und aus Sicht des Betriebsrats.
  1. b) Nenne zwei Maßnahmen, die der Betriebsrat vorschlagen könnte, um die Folgen für die Beschäftigten abzumildern.
  1. c) Erkläre, warum Mitbestimmung auch für das Unternehmen Vorteile haben kann.
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Üben★★★Nicht begonnen
Eine JAV in einem Betrieb in Düsseldorf fordert, dass alle Auszubildenden nach bestandener Prüfung mindestens ein Jahr übernommen werden. Die Geschäftsleitung lehnt ab,…

Eine JAV in einem Betrieb in Düsseldorf fordert, dass alle Auszubildenden nach bestandener Prüfung mindestens ein Jahr übernommen werden. Die Geschäftsleitung lehnt ab, da die wirtschaftliche Lage unsicher sei.

  1. a) Stelle die Interessen beider Seiten gegenüber.
  1. b) Entwickle einen Kompromissvorschlag und begründe ihn.
  1. c) Beurteile, welche Folgen eine Übernahme für die Motivation der Auszubildenden und das Unternehmen haben kann.
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Zurück zum Anfang: Lena kann sich an die JAV oder den Betriebsrat in Münster wenden. Außerhalb des Betriebs hilft die Kammer.

Auf einen Blick

  • Der Betriebsrat vertritt alle Beschäftigten. Wahlberechtigt sind Beschäftigte ab 16 Jahren, gewählt werden kann man ab 18 Jahren und nach sechs Monaten im Betrieb, die Wahl findet alle vier Jahre statt.

  • Seine Rechte sind abgestuft: Information, Anhörung und Mitbestimmung (Zustimmung nötig, zum Beispiel bei Arbeitszeiten).

  • Die JAV vertritt Beschäftigte unter 18 Jahren und Auszubildende unter 25 Jahren und wird alle zwei Jahre gewählt.

  • Konflikte werden verhandelt, sonst entscheidet die Einigungsstelle. Der Betriebsrat darf nicht streiken, das tun Gewerkschaften.

  • Bei Stellenabbau verhandelt der Betriebsrat über die Folgen (Sozialplan, Weiterbildung). Mitbestimmung kann auch dem Unternehmen nützen.

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