Existenzgründung – Voraussetzungen, Rechtsformen und Risiken
Lena aus Köln backt seit Jahren die besten Brownies der Klasse. Auf dem Schulfest waren sie nach einer halben Stunde ausverkauft. Ihre Tante meint: „Mach daraus doch ein eigenes Geschäft!“ Aber was gehört dazu, wenn man ein Unternehmen gründet? Und lohnt sich das Risiko? Am Ende dieser Seite kannst du Lena eine begründete Antwort geben.
Was ist eine Existenzgründung?
Wer ein eigenes Unternehmen gründet, macht sich selbstständig. Man arbeitet dann nicht mehr für einen Arbeitgeber, sondern auf eigene Rechnung und trägt die Verantwortung selbst.
Die Gründe sind ganz unterschiedlich:
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Man möchte sein eigener Chef sein und selbst entscheiden.
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Man hat eine Geschäftsidee, an die man glaubt (z. B. ein Café oder eine App).
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Man will mehr verdienen, als es in einer Anstellung möglich wäre.
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Man möchte seine Arbeitszeit flexibler einteilen.
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Man übernimmt den Familienbetrieb, etwa eine Bäckerei oder Kfz-Werkstatt.
Auch Handwerksmeister, Ärztinnen oder Friseure mit eigenem Salon sind Selbstständige.
Erkläre, was man unter einer Existenzgründung versteht, und nenne zwei Gründe, warum Menschen sich selbstständig machen.
Erkläre, was man unter einer Existenzgründung versteht, und nenne zwei Gründe, warum Menschen sich selbstständig machen.
Voraussetzungen: Person, Idee und Kapital
Eine gute Idee allein reicht nicht. Drei Dinge müssen zusammenpassen:
Die Person
Selbstständige brauchen bestimmte Eigenschaften:
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Eigeninitiative und Durchhaltevermögen,
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Verantwortungsbewusstsein und Risikobereitschaft,
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Organisationstalent und Belastbarkeit,
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Fachwissen und kaufmännisches Grundwissen,
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Kontaktfreude, um Kunden zu gewinnen.
Warum das wichtig ist: Niemand sagt dir, was du tun sollst. Wer nicht selbst anfängt, verdient nichts.
Die Idee und der Markt
Die Idee muss einen Bedarf treffen. Gibt es Kunden, die dafür zahlen? Wie viele Konkurrenten gibt es? Das klärt man mit einer Marktanalyse.
Das Kapital
Für den Start braucht man Geld: für Ausstattung, Waren, Miete, Werbung. Das ist der Kapitalbedarf. Er wird durch Eigenkapital (eigene Ersparnisse) und Fremdkapital (z. B. Bankkredit, Darlehen von Familie) gedeckt.
Fremdkapital bekommt man zum Beispiel über einen Bankkredit (etwa der Sparkasse vor Ort), einen KfW-Gründerkredit, ein Darlehen von Familie oder Freunden oder über Förderprogramme.
Nenne drei persönliche Eigenschaften, die für Selbstständige wichtig sind, und erkläre eine davon.
Nenne drei persönliche Eigenschaften, die für Selbstständige wichtig sind, und erkläre eine davon.
Jonas will in Siegen ein Fahrradgeschäft eröffnen. Er hat 8.000 € Ersparnisse. Die Gründungskosten betragen: Ladenausstattung 12.500 €, Warenlager 18.000 €, Mietkaution…
Jonas will in Siegen ein Fahrradgeschäft eröffnen. Er hat 8.000 € Ersparnisse. Die Gründungskosten betragen: Ladenausstattung 12.500 €, Warenlager 18.000 €, Mietkaution 3.000 €, Werbung 1.500 €.
- a) Berechne den gesamten Kapitalbedarf.
- b) Berechne, wie viel Fremdkapital (z. B. Kredit) Jonas benötigt.
- c) Nenne zwei Möglichkeiten, wie er Fremdkapital beschaffen kann.
Rechtsform und Businessplan
Die Rechtsform
Jedes Unternehmen braucht eine Rechtsform. Sie bestimmt vor allem die Haftung: Wer zahlt, wenn das Unternehmen Schulden hat?
| Rechtsform | Gründer | Haftung |
|---|---|---|
| Einzelunternehmen | 1 Person | unbeschränkt, auch mit dem Privatvermögen |
| GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) | mind. 2 Personen | jeder Gesellschafter unbeschränkt |
| GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) | 1 oder mehr Personen | nur mit dem Gesellschaftsvermögen (Stammkapital i. d. R. 25.000 €) |
Das Einzelunternehmen ist einfach und billig zu gründen, aber riskant. Die GmbH schützt das Privatvermögen, ist aber teurer und aufwendiger (Notar, Handelsregister, Stammkapital).
Der Businessplan
Der Businessplan ist der schriftliche Plan für das Unternehmen. Er besteht aus:
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Gründeridee und Produkt,
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Marktanalyse (Kunden, Konkurrenz),
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Marketing (wie erfahren Kunden davon?),
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Finanzplan (Kosten, Umsatz, Gewinn, Kapitalbedarf),
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Rechtsform und Organisation.
Er zwingt zum genauen Nachdenken. Außerdem verlangen Banken und Förderstellen ihn, bevor sie Geld geben. Sie prüfen die Kreditwürdigkeit, z. B. an Fachkenntnis der Gründerin, Eigenkapital, Erfolgsaussichten der Idee und Sicherheiten.
Zwei Freundinnen aus Aachen gründen eine kleine Firma für Webdesign. a) Nenne zwei mögliche Rechtsformen und erkläre jeweils die Haftung. b) Entscheide, welche…
Zwei Freundinnen aus Aachen gründen eine kleine Firma für Webdesign.
- a) Nenne zwei mögliche Rechtsformen und erkläre jeweils die Haftung.
- b) Entscheide, welche Rechtsform du empfehlen würdest, und begründe.
Ein Businessplan enthält Gründeridee, Marktanalyse, Marketing, Finanzplan und Rechtsform. Eine Bank in Bielefeld prüft den Kreditantrag einer Gründerin. a) Erkläre,…
Ein Businessplan enthält Gründeridee, Marktanalyse, Marketing, Finanzplan und Rechtsform. Eine Bank in Bielefeld prüft den Kreditantrag einer Gründerin.
- a) Erkläre, warum die Bank einen Businessplan verlangt.
- b) Nenne drei Kriterien, nach denen die Bank die Kreditwürdigkeit beurteilt.
- c) Beurteile, welche Teile des Businessplans für die Bank am wichtigsten sind.
Gewinn, Chancen und Risiken
Gewinn und Umsatzrendite
Selbstständige bekommen kein festes Gehalt. Ihr Einkommen ist der Gewinn.
Wichtig: Vom Gewinn muss die Inhaberin noch Steuern, Krankenversicherung, Altersvorsorge und ihren Lebensunterhalt bezahlen. Ein Arbeitnehmer bekommt einen Teil davon vom Arbeitgeber mitfinanziert.
Bruttogehalt und Gewinn vergleichen
Wer ein Angestelltengehalt mit dem Gewinn einer Selbstständigkeit vergleicht, muss fair rechnen. Das Bruttogehalt ist noch nicht das, was auf dem Konto landet: Davon gehen Lohnsteuer und Sozialversicherung ab (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung). Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich etwa die Hälfte dieser Beiträge. Der Gewinn einer Selbstständigen ist ebenfalls ein Wert vor Steuern. Außerdem zahlt sie ihre Kranken- und Rentenvorsorge allein und hat keinen bezahlten Urlaub und keine Lohnfortzahlung bei Krankheit. Beide Zahlen sind also „brutto“, aber bei der Selbstständigkeit fehlen noch mehr Absicherungen. Ein höherer Gewinn bedeutet deshalb nicht automatisch ein höheres Einkommen.
Chancen und Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| eigene Chefin / eigener Chef | kein festes Monatseinkommen |
| flexible Zeiteinteilung | persönliche Haftung (Einzelunternehmen, GbR) |
| unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten | hohe Arbeitsbelastung, oft viele Stunden |
| Verwirklichung eigener Ideen | selbst abzusichern (Kranken-, Rentenversicherung) |
| Arbeitsplätze schaffen | Gefahr der Insolvenz |
Viele Neugründungen scheitern in den ersten Jahren. Typische Ursachen:
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Kapitalmangel: Das Geld reicht nicht, bis genug Kunden kommen.
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Fehlende Marktkenntnis: Es gibt zu wenig Nachfrage oder zu viel Konkurrenz.
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Standortfehler: Der Laden liegt dort, wo kaum Kunden vorbeikommen.
Dagegen helfen eine Gründungsberatung (z. B. Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer), ein sorgfältiger Businessplan und staatliche Förderung, etwa der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit oder KfW-Kredite.
Ordne zu, ob es sich um eine Chance oder ein Risiko der Selbstständigkeit handelt: a) eigene Chefin sein b) kein festes Monatsgehalt c) flexible Arbeitszeiten d)…
Ordne zu, ob es sich um eine Chance oder ein Risiko der Selbstständigkeit handelt:
- a) eigene Chefin sein
- b) kein festes Monatsgehalt
- c) flexible Arbeitszeiten
- d) persönliche Haftung mit dem Privatvermögen
Ein Café in Münster plant mit folgenden Zahlen pro Monat: Umsatz 9.000 €, Wareneinsatz 3.000 €, Miete 1.800 €, Personal 2.700 €, sonstige Kosten 900 €. a) Berechne den…
Ein Café in Münster plant mit folgenden Zahlen pro Monat: Umsatz 9.000 €, Wareneinsatz 3.000 €, Miete 1.800 €, Personal 2.700 €, sonstige Kosten 900 €.
- a) Berechne den monatlichen Gewinn.
- b) Berechne die Umsatzrendite in Prozent (Gewinn : Umsatz).
- c) Beurteile, ob der Gewinn als Einkommen für die Inhaberin ausreicht, wenn sie 2.000 € Lebenshaltungskosten hat und Steuern sowie Versicherungen hinzukommen.
Nils verlässt eine feste Stelle (3.200 € brutto monatlich) und gründet ein Lieferunternehmen. Im ersten Jahr rechnet er mit durchschnittlich 2.400 € Gewinn pro Monat vor…
Nils verlässt eine feste Stelle (3.200 € brutto monatlich) und gründet ein Lieferunternehmen. Im ersten Jahr rechnet er mit durchschnittlich 2.400 € Gewinn pro Monat vor Steuern, ab dem dritten Jahr mit 4.000 €.
- a) Berechne den Einkommensunterschied im ersten Jahr im Vergleich zur Anstellung.
- b) Berechne den Unterschied ab dem dritten Jahr pro Jahr.
- c) Beurteile die Entscheidung unter Berücksichtigung von Risiko, Absicherung (Krankenversicherung, Rente) und persönlichen Zielen.
Statistisch scheitern viele Neugründungen in den ersten fünf Jahren. Mögliche Ursachen sind Kapitalmangel, fehlende Marktkenntnis und Fehler bei der Standortwahl. a)…
Statistisch scheitern viele Neugründungen in den ersten fünf Jahren. Mögliche Ursachen sind Kapitalmangel, fehlende Marktkenntnis und Fehler bei der Standortwahl.
- a) Erkläre jede dieser Ursachen an einem Beispiel.
- b) Entwickle für jede Ursache eine Gegenmaßnahme.
- c) Bewerte, welche Rolle staatliche Förderung (z. B. Gründungszuschuss, KfW-Kredite) und Gründungsberatung spielen können.
Zurück zum Anfang: Lena sollte ihre Idee mit einer Marktanalyse prüfen, den Kapitalbedarf berechnen, eine Rechtsform wählen und einen Businessplan schreiben. Erst wenn der erwartete Gewinn ihren Lebensunterhalt und ihre Absicherung deckt, lohnt sich der Schritt. Zum Testen kann sie zunächst nebenberuflich starten.