Fortpflanzung und Individualentwicklung bei Säugetieren und Vögeln
Im Frühling findest du im Gras manchmal ein Rehkitz, das ganz allein daliegt. Zur gleichen Zeit sitzt eine Kohlmeise im Nistkasten auf ihren Eiern. Beide Tiere sorgen für ihren Nachwuchs, aber auf sehr verschiedene Weise. Warum liegt das Rehkitz allein im Gras, und warum muss die Meise ihre Eier warm halten? Das klärst du auf dieser Seite.
Säugetiere: Entwicklung im Mutterleib
Bei Säugetieren wie Hauskatze, Reh oder Pferd werden Eizelle und Spermienzelle im Körper des Weibchens vereinigt (Befruchtung). Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich im Mutterleib ein Embryo. Er wird über die Plazenta (Mutterkuchen) in der Gebärmutter mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Der Körper der Mutter schützt ihn und hält ihn warm.
Nach der Geburt trinken die Jungen Milch aus den Milchdrüsen der Mutter. Das Säugen gibt den Säugetieren ihren Namen.
Die Entwicklung eines Lebewesens von der befruchteten Eizelle bis zum erwachsenen Tier nennt man Individualentwicklung. Sie umfasst die Zeit vor und nach der Geburt.
Erkläre den Begriff „Säugetier“ und nenne ein Beispiel für die Entwicklung der Jungen nach der Geburt.
Erkläre den Begriff „Säugetier“ und nenne ein Beispiel für die Entwicklung der Jungen nach der Geburt.
Vögel: Das Ei und das Brüten
Vögel legen Eier. Die Befruchtung findet im Körper des Weibchens statt, die Entwicklung des Embryos dann außerhalb im Ei. Damit sich ein Küken entwickelt, müssen die Eltern das Ei bebrüten, also warm halten. Beim Haushuhn dauert das etwa 21 Tage, bei 37 bis 38 °C. Wird das Ei kalt, stirbt der Embryo.
Das Hühnerei ist ein Rundumpaket:
| Teil | Aufgabe |
|---|---|
| Eischale | schützt vor Stößen und Keimen, lässt aber Luft durch |
| Eiklar | enthält Wasser und Eiweiß, polstert den Dotter |
| Dotter | Nahrungsvorrat für den Embryo |
| Keimscheibe | hier entwickelt sich der Embryo |
Während der Brutzeit wächst der Embryo auf Kosten des Dotters. Am Ende durchbricht das Küken die Schale mit dem Eizahn am Schnabel und schlüpft.
Nenne die Aufgaben der folgenden Teile eines Hühnereis: Eischale, Dotter, Eiklar.
Nenne die Aufgaben der folgenden Teile eines Hühnereis: Eischale, Dotter, Eiklar.
Beschreibe die Entwicklung eines Kükens im bebrüteten Hühnerei in Stichworten (von der befruchteten Eizelle bis zum Schlüpfen). Nenne, wie lange die Brutzeit etwa…
Beschreibe die Entwicklung eines Kükens im bebrüteten Hühnerei in Stichworten (von der befruchteten Eizelle bis zum Schlüpfen). Nenne, wie lange die Brutzeit etwa dauert, und erkläre, warum die Eltern das Ei warm halten müssen.
Säugetier oder Vogel: Die Unterschiede
| Merkmal | Säugetier | Vogel |
|---|---|---|
| Entwicklung des Embryos | im Mutterleib | im Ei außerhalb des Körpers |
| Wärme für den Embryo | durch den Körper der Mutter | durch Brüten |
| Ernährung der Jungen | Muttermilch | Futter der Eltern oder selbst gesuchtes Futter (Insekten, Samen, …) |
| Schutz des Embryos | Mutterleib | Eischale und Nest |
Nenne zwei Unterschiede zwischen der Fortpflanzung eines Säugetiers (zum Beispiel Hauskatze) und eines Vogels (zum Beispiel Haushuhn).
Nenne zwei Unterschiede zwischen der Fortpflanzung eines Säugetiers (zum Beispiel Hauskatze) und eines Vogels (zum Beispiel Haushuhn).
Vergleiche die Entwicklung eines Säugetierembryos im Mutterleib mit der Entwicklung im Vogelei. Gehe auf Versorgung, Schutz und Temperatur ein und beurteile jeweils…
Vergleiche die Entwicklung eines Säugetierembryos im Mutterleib mit der Entwicklung im Vogelei. Gehe auf Versorgung, Schutz und Temperatur ein und beurteile jeweils einen Vorteil und einen Nachteil.
Nesthocker und Nestflüchter
Nach der Geburt oder dem Schlüpfen sind Jungtiere unterschiedlich weit entwickelt.
| Nesthocker | Nestflüchter | |
|---|---|---|
| Vögel | Amsel, Kohlmeise, Feldlerche | Haushuhn, Stockente |
| Säugetiere | Kaninchen, Katze, Eichhörnchen | Pferd (Fohlen), Reh (Nestflüchter mit Drückinstinkt, siehe unten), Schaf |
| Zustand der Jungen | nackt oder kaum befiedert, blind | Fell oder Federn, Augen offen |
| Brutpflege | sehr intensiv: wärmen, füttern | Schutz, Führen; Küken suchen selbst Futter |
| Anzahl der Eier | bei Vögeln meist viele | bei Vögeln oft weniger (große Arten) |
Nestflüchter haben in der Natur eine Fluchtchance vor Fressfeinden: Ein Fohlen muss kurz nach der Geburt mit der Herde mitlaufen können. Nestflüchter sind bei der Geburt weiter entwickelt, Nesthocker weniger weit. Nesthocker brauchen deshalb intensive Pflege. Das Nest bietet Schutz. Bei Säugetieren hängt die Zahl der Jungen nicht so klar davon ab: Kaninchen bekommen viele Junge, Katzen und Eichhörnchen nur wenige mehr als ein Schaf.
Küken des Haushuhns sind Nestflüchter, junge Amseln sind Nesthocker. a) Erkläre beide Begriffe. b) Beschreibe, wie sich die Brutpflege bei beiden Gruppen unterscheidet.…
Küken des Haushuhns sind Nestflüchter, junge Amseln sind Nesthocker.
- a) Erkläre beide Begriffe.
- b) Beschreibe, wie sich die Brutpflege bei beiden Gruppen unterscheidet.
- c) Nenne ein Säugetier, das zu den Nestflüchtern zählt.
Eine Kaninchenmutter bekommt nackte, blinde Junge. Ein Fohlen steht kurz nach der Geburt auf. a) Ordne beide Tiere den Begriffen Nesthocker und Nestflüchter zu. b)…
Eine Kaninchenmutter bekommt nackte, blinde Junge. Ein Fohlen steht kurz nach der Geburt auf.
- a) Ordne beide Tiere den Begriffen Nesthocker und Nestflüchter zu.
- b) Begründe, warum Fohlen anders ausgestattet sein müssen.
- c) Beschreibe, wie die Jungen bei beiden ernährt werden.
Brutpflege und Schutz der Jungen
Nesthocker-Eltern haben viel zu tun. Eine Kohlmeise füttert ihre Jungen am Tag mehrere Hundert Mal. Die Jungen wachsen schnell und haben immer Hunger. Beide Elternteile fliegen deshalb ständig zwischen Nest und Futterplatz hin und her. Weil junge Nesthocker ihre Körpertemperatur noch nicht selbst halten können, werden sie zusätzlich gewärmt: Die Eltern setzen sich dazu auf die Jungen (man nennt das Hudern).
Gefahren drohen den Jungen vor allem durch Fressfeinde wie Katze, Marder, Rabenvögel oder Fuchs. Die Feldlerche brütet am Boden auf Äckern. Das Nest ist dort durch Mähmaschinen, Fuchs und Hunde gefährdet. Die Kohlmeise brütet in Baumhöhlen und ist besser geschützt, aber auch Marder und Spechte können eindringen.
Warum legen Nesthocker meist mehr Eier? Wenn Fressfeinde einen Teil der Jungen fressen oder nicht genug Futter da ist, überleben trotzdem einige. Eine begründete Vermutung: Viele Nachkommen gleichen die hohen Verluste aus.
Das Rehkitz im Gras
Ein Rehkitz ist ein Nestflüchter: Es hat Fell, offene Augen und kann laufen. Trotzdem liegt es in den ersten Tagen regungslos im hohen Gras – das ist kein Widerspruch, sondern ein angeborenes Schutzverhalten (Drückinstinkt). Es hat kaum Eigengeruch und ein getupftes Fell, das es tarnt. Die Ricke (Rehmutter) kommt nur zum Säugen. So findet der Fuchs es schwer. Fasst ein Mensch das Kitz an, bleibt Menschengeruch am Fell. Außerdem stört der Mensch das Kitz und kann Fressfeinde anlocken. Darum gilt: nicht anfassen, nicht mitnehmen. Das Kitz ist nicht verlassen.
Eine Feldlerche brütet am Boden auf Äckern, eine Kohlmeise in Baumhöhlen. Beide sind Nesthocker. a) Erkläre, welche Gefahren für die Jungen bestehen. b) Erkläre, warum…
Eine Feldlerche brütet am Boden auf Äckern, eine Kohlmeise in Baumhöhlen. Beide sind Nesthocker.
- a) Erkläre, welche Gefahren für die Jungen bestehen.
- b) Erkläre, warum beide Eltern viel Zeit mit Füttern verbringen.
- c) Eine Kohlmeise legt oft 8 bis 12 Eier. Stelle eine begründete Vermutung auf, warum sie so viele Eier legt.
Ein Rehkitz und ein Rotkehlchen-Küken werden verglichen. a) Stelle in einer Tabelle Merkmale der Individualentwicklung (Ernährung, Wärmeschutz, Beweglichkeit nach der…
Ein Rehkitz und ein Rotkehlchen-Küken werden verglichen.
- a) Stelle in einer Tabelle Merkmale der Individualentwicklung (Ernährung, Wärmeschutz, Beweglichkeit nach der Geburt/dem Schlüpfen) gegenüber.
- b) Begründe, warum das Rehkitz trotz Nestflüchter-Verhalten oft im hohen Gras liegt.
- c) Beurteile, warum man ein Rehkitz im Gras nicht anfassen oder mitnehmen sollte.
Zurück zum Anfang: Das Rehkitz liegt allein, weil es getarnt und geruchsarm geschützt ist. Die Meise brütet, weil der Embryo im Ei von außen Wärme braucht.
Auf einen Blick
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Säugetiere: Entwicklung im Mutterleib, lebende Junge, Säugen mit Milch.
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Vögel: Eier mit Schale, Eiklar und Dotter; die Eltern bebrüten sie (Huhn: ca. 21 Tage).
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Nesthocker sind nach Geburt oder Schlüpfen hilflos und brauchen intensive Pflege (Amsel, Kaninchen).
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Nestflüchter sind weit entwickelt und folgen der Mutter (Huhn, Fohlen, Reh).
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Vögel, die Nesthocker sind, legen meist mehr Eier als große Nestflüchter.
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Rehkitze nie anfassen: Sie sind nicht verlassen, sondern getarnt.