Geschlechtshormone und weiblicher Zyklus
Lea ist 14 und wundert sich: Ihre Freundin Mia hat ihre Regelblutung fast genau alle vier Wochen. Bei Lea kommt sie mal nach 26, mal nach 34 Tagen. Woher „weiß“ der Körper, wann es Zeit für die nächste Blutung ist? Die Antwort liegt in einem fein abgestimmten Zusammenspiel von Hormonen. Am Ende der Seite kannst du Leas Frage beantworten.
Der Zyklus im Überblick
Ab der Pubertät reift in den Eierstöcken regelmäßig eine Eizelle heran. Gleichzeitig bereitet sich die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Diesen sich wiederholenden Ablauf nennt man weiblichen Zyklus. Er dauert im Mittel etwa 28 Tage. Der erste Tag der Regelblutung (Menstruation) gilt als Tag 1.
Der Zyklus hat drei Phasen; die Menstruation (Tag 1–5) gehört zum Beginn der Follikelphase:
| Phase | Tage (28-Tage-Zyklus) | Was geschieht? |
|---|---|---|
| Follikelphase | etwa 1–13 | Sie beginnt mit der Menstruation (Tag 1–5): Die Gebärmutterschleimhaut wird abgebaut und mit Blut ausgeschieden. Danach reift im Eierstock ein Follikel heran, die Schleimhaut baut sich wieder auf. |
| Eisprung (Ovulation) | etwa 14 | Der reife Follikel platzt, die Eizelle gelangt in den Eileiter. |
| Gelbkörperphase | etwa 15–28 | Der leere Follikel wird zum Gelbkörper, die Schleimhaut wird auf die Einnistung vorbereitet. |
Nenne die wichtigsten Phasen des weiblichen Zyklus und gib an, an welchem Tag bei einem 28-tägigen Zyklus der Eisprung etwa stattfindet.
Nenne die wichtigsten Phasen des weiblichen Zyklus und gib an, an welchem Tag bei einem 28-tägigen Zyklus der Eisprung etwa stattfindet.
Eine Frau hat einen regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen, der erste Tag der Regelblutung ist Tag 1. a) Bestimme, an welchem Tag etwa der Eisprung erfolgt. b) Eine Eizelle…
Eine Frau hat einen regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen, der erste Tag der Regelblutung ist Tag 1.
- a) Bestimme, an welchem Tag etwa der Eisprung erfolgt.
- b) Eine Eizelle ist etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig, Spermien überleben bis zu 3 Tage. Bestimme den Zeitraum, in dem eine Befruchtung möglich ist.
- c) Erkläre, warum die Berechnung bei unregelmäßigem Zyklus unsicher ist.
Hormone und Follikelreifung
Gesteuert wird der Zyklus von Hormonen, also Botenstoffen, die mit dem Blut transportiert werden. Du kennst Hormone schon aus der Pubertät und vom Insulin.
| Hormon | Gebildet in | Wirkung |
|---|---|---|
| FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) | Hirnanhangdrüse | fördert die Follikelreifung |
| LH (luteinisierendes Hormon) | Hirnanhangdrüse | löst den Eisprung aus, fördert die Bildung des Gelbkörpers |
| Östrogen | Follikel im Eierstock | Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, wirkt auf die Hirnanhangdrüse (Rückkopplung) |
| Progesteron (Gelbkörperhormon) | Gelbkörper im Eierstock | bereitet die Schleimhaut auf die Einnistung vor, hemmt FSH und LH |
Die Follikelreifung
Im Eierstock liegen schon vor der Geburt viele Eizellen, jede in einer Hülle aus Zellen: dem Follikel. Zu Beginn des Zyklus regt FSH mehrere Follikel zum Wachsen an, meist reift aber nur einer ganz heran. Er bildet Östrogen. Am Ende ist der Follikel mit Flüssigkeit gefüllt (reifer Follikel). Durch den LH-Anstieg platzt er: Der Eisprung findet statt. Aus der Follikelhülle wird der Gelbkörper, der Progesteron bildet.
Nenne zwei Hormone, die den weiblichen Zyklus steuern, und gib an, wo sie gebildet werden.
Nenne zwei Hormone, die den weiblichen Zyklus steuern, und gib an, wo sie gebildet werden.
Erkläre, was bei der Follikelreifung im Eierstock geschieht.
Erkläre, was bei der Follikelreifung im Eierstock geschieht.
Beantworte die folgenden Fragen zur Wirkung der Hormone FSH, LH, Östrogen und Progesteron im Zyklus in Worten: a) Welches Hormon fördert die Follikelreifung? b) Welches…
Beantworte die folgenden Fragen zur Wirkung der Hormone FSH, LH, Östrogen und Progesteron im Zyklus in Worten:
- a) Welches Hormon fördert die Follikelreifung?
- b) Welches Hormon löst den Eisprung aus?
- c) Welche Rolle hat der Gelbkörper und welches Hormon bildet er?
Die Regelung durch Rückkopplung
Damit alles zur richtigen Zeit passiert, wirken die Hormone wie ein Regelkreis. Die Hirnanhangdrüse „misst“ den Hormonspiegel im Blut und passt ihre Abgabe an.
Negative Rückkopplung: Steigt der Spiegel von Östrogen und Progesteron, wird die Abgabe von FSH und LH gebremst. Das verhindert, dass weitere Follikel reifen. Das Ergebnis wird also verringert, so wie ein Thermostat die Heizung abdreht.
Positive Rückkopplung: Kurz vor dem Eisprung ist der Östrogenspiegel sehr hoch. Jetzt wirkt er verstärkend: Die Hirnanhangdrüse schüttet plötzlich viel LH aus (LH-Gipfel). Dieser Gipfel löst den Eisprung aus.
Ende des Zyklus: Wird die Eizelle nicht befruchtet, bildet sich der Gelbkörper nach etwa zwei Wochen zurück. Progesteron und Östrogen sinken stark ab. Die Gebärmutterschleimhaut wird nicht mehr gehalten und abgestoßen: Die Regelblutung beginnt, ein neuer Zyklus startet. Da nun die Hemmung fehlt, steigt FSH wieder an.
Die Hormonregelung im Zyklus beruht auf negativer und positiver Rückkopplung. a) Erläutere, wie ein hoher Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte die Freisetzung…
Die Hormonregelung im Zyklus beruht auf negativer und positiver Rückkopplung.
- a) Erläutere, wie ein hoher Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte die Freisetzung von FSH und LH hemmt.
- b) Erkläre, wie der steigende Östrogenspiegel kurz vor dem Eisprung zum LH-Anstieg führt.
- c) Begründe, warum ohne Befruchtung die Regelblutung einsetzt.
Zyklus, Schwangerschaft und Störungen
Wenn eine Befruchtung stattfindet
Wird die Eizelle befruchtet, nistet sich der Embryo in der Gebärmutterschleimhaut ein. Er bildet das Hormon hCG. Es hält den Gelbkörper am Leben, sodass dieser weiter Progesteron bildet. Die Schleimhaut bleibt erhalten, die Regelblutung bleibt aus. Das viele Progesteron (später auch aus der Plazenta) hemmt FSH und LH, deshalb reift kein neuer Follikel und es gibt keinen Eisprung. Schwangerschaftstests weisen hCG im Urin nach, denn es wird nur in der Schwangerschaft gebildet.
Befruchtungsfähige Tage
Die Eizelle ist nur etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig, Spermien überleben bis zu 3 Tage im Körper der Frau. Eine Befruchtung ist daher etwa von 3 Tagen vor bis 1 Tag nach dem Eisprung möglich.
Hormonelle Verhütung und Störungen
Die Pille enthält Östrogen und Gestagen (ein Progesteron-ähnlicher Stoff). Beide halten den Hormonspiegel im Blut dauernd hoch. Durch negative Rückkopplung gibt die Hirnanhangdrüse kaum FSH und LH ab: Es reift kein Follikel heran und es gibt keinen LH-Gipfel, also keinen Eisprung.
Auch ohne Pille kann der Zyklus gestört sein. Der Hormonhaushalt wird vom Gehirn gesteuert. Stress, starker Gewichtsverlust, Leistungssport oder Erkrankungen (etwa der Schilddrüse oder der Eierstöcke) können FSH- und LH-Abgabe verändern, sodass der Eisprung ausbleibt oder verschoben wird. Ärztinnen und Ärzte messen dann die Hormonspiegel im Blut, zum Beispiel FSH, LH, Östrogen und Progesteron, und vergleichen sie mit den Normalwerten der Zyklusphase. Der Hormonspiegel hängt stark von der Phase ab (zum Beispiel ist Progesteron nur nach dem Eisprung hoch), deshalb wird zu einem bestimmten Zyklustag gemessen. Hormonelle Ursachen sind zum Beispiel eine gestörte FSH- und LH-Ausschüttung, Zysten in den Eierstöcken (PCOS), eine Schilddrüsenerkrankung oder ein zu hoher Prolaktinspiegel.
Erkläre, wie die Pille mit den Hormonen Östrogen und Gestagen den Eisprung verhindert.
Erkläre, wie die Pille mit den Hormonen Östrogen und Gestagen den Eisprung verhindert.
Bei einer Schwangerschaft bleibt die Regelblutung aus. a) Erkläre, welche Rolle das Hormon hCG des Embryos für den Gelbkörper hat. b) Erläutere, warum…
Bei einer Schwangerschaft bleibt die Regelblutung aus.
- a) Erkläre, welche Rolle das Hormon hCG des Embryos für den Gelbkörper hat.
- b) Erläutere, warum Schwangerschaftstests hCG nachweisen.
- c) Begründe, warum in der Schwangerschaft kein neuer Eisprung stattfindet.
Eine Patientin hat sehr unregelmäßige Zyklen und bekommt nur selten einen Eisprung. a) Nenne mögliche hormonelle Ursachen. b) Erkläre, warum Stress oder starker…
Eine Patientin hat sehr unregelmäßige Zyklen und bekommt nur selten einen Eisprung.
- a) Nenne mögliche hormonelle Ursachen.
- b) Erkläre, warum Stress oder starker Gewichtsverlust den Zyklus beeinflussen können.
- c) Erläutere, wie sich der Hormonspiegel im Blut zur Diagnose nutzen lässt.
Zurück zum Anfang: Leas schwankende Zykluslänge liegt daran, dass sich die Hormonregelung noch einspielt und der Eisprung mal früher, mal später stattfindet.