Transposition und Vergleich
In der Pause steckt Mila ihrer Freundin Aylin einen Zettel zu: „Treffen nach der Schule am Rhein!“ Wenn der Zettel auf dem Schulhof verloren geht, soll ihn niemand verstehen. Aber Aylin muss ihn trotzdem lesen können. Dafür braucht man ein Verschlüsselungsverfahren. Das Caesar-Verfahren kennst du schon. Jetzt lernst du ein ganz anderes Prinzip kennen, bei dem kein einziger Buchstabe ersetzt wird.
Substitution oder Transposition?
Es gibt zwei grundlegende Wege, einen Text unlesbar zu machen:
Der lesbare Text heißt Klartext, der verschlüsselte Text Geheimtext.
| Substitution (Caesar) | Transposition (Skytale) | |
|---|---|---|
| Beispiel | HALLO → KDOOR | HALLO → LALOH |
| Was passiert? | Buchstaben werden ausgetauscht | Buchstaben werden umsortiert |
| Buchstaben im Geheimtext | andere als im Klartext | genau dieselben wie im Klartext |
Beachte: Bei HALLO → KDOOR kommt kein A mehr vor. Bei HALLO → LALOH kommen H, A, L, L und O weiterhin vor, nur an anderen Stellen.
Beim Caesar-Verfahren werden Buchstaben durch andere ersetzt (Substitution). Bei der Skytale bleiben die Buchstaben dieselben, nur ihre Reihenfolge ändert sich…
Beim Caesar-Verfahren werden Buchstaben durch andere ersetzt (Substitution). Bei der Skytale bleiben die Buchstaben dieselben, nur ihre Reihenfolge ändert sich (Transposition).
Entscheide für jedes Verfahren, ob es sich um Substitution oder Transposition handelt:
- a) „HALLO“ wird zu „KDOOR“.
- b) „HALLO“ wird zu „LALOH“.
- c) „MAUS“ wird zu „SUAM“ (Wort rückwärts).
- d) „ROM“ wird zu „URP“.
Die Skytale: Verschlüsseln
Schon vor über 2.000 Jahren benutzten die Spartaner ein Transpositionsverfahren: die Skytale. Man wickelte einen Lederstreifen um einen Holzstab und schrieb die Nachricht der Länge nach darauf. Wickelte man den Streifen ab, standen die Buchstaben durcheinander. Nur wer einen Stab mit der gleichen Dicke hatte, konnte den Text lesen.
Wir ersetzen den Stab durch eine Tabelle. Die Anzahl der Spalten ist dabei der Schlüssel.
Das Wickeln um den Stab entspricht genau diesem Wechsel: Du schreibst in Zeilen, liest aber in Spalten. Dadurch geraten Buchstaben, die im Text nebeneinander stehen, weit auseinander.
Bei einer Skytale wird ein Papierstreifen um einen Stab gewickelt. Das Beispiel zeigt das Prinzip als Tabelle mit 3 Zeilen: Der Klartext „TREFFPUNKTSCHULHOF“ wird…
Bei einer Skytale wird ein Papierstreifen um einen Stab gewickelt. Das Beispiel zeigt das Prinzip als Tabelle mit 3 Zeilen: Der Klartext „TREFFPUNKTSCHULHOF“ wird zeilenweise in eine Tabelle mit 6 Spalten geschrieben (3 Zeilen). Der Geheimtext entsteht, indem man die Tabelle spaltenweise abliest.
- a) Schreibe die Tabelle auf.
- b) Gib den Geheimtext an.
Der Klartext „WIRTREFFENUNSMORGEN“ soll mit einer Skytale verschlüsselt werden, deren Tabelle 5 Spalten hat. Der Text wird zeilenweise eingetragen, am Ende wird bei…
Der Klartext „WIRTREFFENUNSMORGEN“ soll mit einer Skytale verschlüsselt werden, deren Tabelle 5 Spalten hat. Der Text wird zeilenweise eingetragen, am Ende wird bei Bedarf mit X aufgefüllt. Der Geheimtext wird spaltenweise gelesen.
- a) Wie viele Zeilen hat die Tabelle und wie viele X werden gebraucht?
- b) Gib den Geheimtext an.
Die Skytale: Entschlüsseln
Der Empfänger muss alles in umgekehrter Reihenfolge tun: Er schreibt den Geheimtext spaltenweise in die Tabelle und liest zeilenweise. Dazu muss er wissen, wie lang jede Spalte ist, also wie viele Zeilen die Tabelle hat.
Der Geheimtext „STRCZTHKEAAX“ wurde mit einer Transposition erzeugt: Der Klartext wurde zeilenweise in eine Tabelle mit 4 Spalten geschrieben und spaltenweise gelesen.…
Der Geheimtext „STRCZTHKEAAX“ wurde mit einer Transposition erzeugt: Der Klartext wurde zeilenweise in eine Tabelle mit 4 Spalten geschrieben und spaltenweise gelesen. Wie viele Zeilen hat die Tabelle? Der Klartext hat 11 Buchstaben, das letzte Zeichen X ist nur Füllzeichen. Gib die Anzahl der Zeilen an und erkläre, wie viele Buchstaben jede Spalte hat.
Anna erhält den Geheimtext „TFMNREBHENAOFAHF“ (16 Buchstaben). Er wurde mit einer Tabelle mit 4 Zeilen verschlüsselt: zeilenweise geschrieben, spaltenweise gelesen. a)…
Anna erhält den Geheimtext „TFMNREBHENAOFAHF“ (16 Buchstaben). Er wurde mit einer Tabelle mit 4 Zeilen verschlüsselt: zeilenweise geschrieben, spaltenweise gelesen.
- a) Wie viele Spalten hat die Tabelle?
- b) Schreibe die Tabelle spaltenweise auf (die ersten 4 Buchstaben bilden die erste Spalte usw.) und lies den Klartext zeilenweise ab.
Caesar und Skytale im Vergleich
Wie gut schützen die beiden Verfahren eine Nachricht? Das hängt davon ab, was ein Angreifer ohne Schlüssel ausprobieren kann.
| Kriterium | Caesar-Verfahren | Skytale |
|---|---|---|
| Art | Substitution | Transposition |
| Schlüssel | Verschiebung (1 bis 25) | Spaltenzahl |
| Buchstaben im Geheimtext | andere Buchstaben | dieselben Buchstaben |
| Häufigkeit der Buchstaben | verändert sich (E wird z. B. zu H) | bleibt genau gleich |
| Aufwand von Hand | gering | gering bis mittel |
Im Deutschen ist das E der häufigste Buchstabe, danach folgen N, I, S, R usw. Bei einer Substitution wandert diese Häufigkeit zu einem anderen Buchstaben, man kann sie aber trotzdem erkennen. Bei einer Transposition bleibt die Häufigkeit unverändert. Taucht im Geheimtext das E also am häufigsten auf, wurde vermutlich nur umsortiert.
Vergleiche Caesar-Verfahren (Schlüssel 3) und Skytale (4 Spalten) in einer Tabelle anhand dieser Kriterien: Art des Verfahrens (Substitution/Transposition), Schlüssel,…
Vergleiche Caesar-Verfahren (Schlüssel 3) und Skytale (4 Spalten) in einer Tabelle anhand dieser Kriterien: Art des Verfahrens (Substitution/Transposition), Schlüssel, Häufigkeit der Buchstaben im Geheimtext im Vergleich zum Klartext, Aufwand zum Ver- und Entschlüsseln.
Ein Geheimtext besteht aus den Buchstaben, deren Häufigkeit genau der Häufigkeit im deutschen Klartext entspricht: E kommt am häufigsten vor, danach N, I usw. a)…
Ein Geheimtext besteht aus den Buchstaben, deren Häufigkeit genau der Häufigkeit im deutschen Klartext entspricht: E kommt am häufigsten vor, danach N, I usw.
- a) Erkläre, warum das darauf hindeutet, dass eine Transposition und keine Substitution verwendet wurde.
- b) Warum ist die Skytale trotzdem leicht zu knacken, wenn der Angreifer die Länge des Klartextes kennt? Gib dazu an, wie viele Möglichkeiten es für die Spaltenzahl bei einem Text mit 24 Buchstaben (ohne Füllzeichen) gibt, die die Zahl 24 teilen, und nenne sie.
Verfahren kombinieren und beurteilen
Man kann beide Verfahren hintereinander verwenden: erst eine Transposition, dann eine Substitution. Der Angreifer muss dann beides rückgängig machen.
Beide Verfahren haben einen weiteren Nachteil: Sender und Empfänger müssen denselben Schlüssel kennen (Spaltenzahl oder Verschiebung). Diesen Schlüssel müssen sie sich vorher heimlich mitteilen. Wird er unterwegs abgefangen, nützt die beste Verschlüsselung nichts.
Wenn du ein Verfahren beurteilst, vergleichst du unter diesen Gesichtspunkten:
-
Sicherheit: Wie viele Schlüssel muss ein Angreifer ausprobieren?
-
Aufwand: Wie lange dauert Ver- und Entschlüsseln, und geht es mit der Hand oder braucht man einen Computer?
-
Schlüsselaustausch: Wie bekommt der Empfänger den Schlüssel sicher?
Am Ende steht eine begründete Empfehlung. Zum Beispiel: „Für einen Spaß-Zettel auf dem Schulhof reicht die Skytale. Für Zeugnisnoten ist sie nicht geeignet, weil …“
Zurück zum Anfang: Mila kann ihren Zettel „Treffen nach der Schule am Rhein“ mit einer Skytale verschlüsseln, zum Beispiel mit 6 Spalten. Aylin kennt die Spaltenzahl und liest den Text in Sekunden. Wer den Schlüssel nicht kennt, muss raten. Das ist beim Spaßzettel kein Problem, bei wichtigen Daten aber sehr wohl.
Kombiniere beide Verfahren: Zuerst wird „GEHEIM“ mit einer Skytale mit 2 Spalten (zeilenweise schreiben, spaltenweise lesen) verschlüsselt, danach wird das Ergebnis mit…
Kombiniere beide Verfahren: Zuerst wird „GEHEIM“ mit einer Skytale mit 2 Spalten (zeilenweise schreiben, spaltenweise lesen) verschlüsselt, danach wird das Ergebnis mit dem Caesar-Schlüssel 2 verschlüsselt.
- a) Gib den endgültigen Geheimtext an.
- b) Beschreibe, in welcher Reihenfolge der Empfänger entschlüsseln muss.
- c) Begründe, ob die Kombination sicherer ist als jedes Verfahren allein.
Die Schule möchte Noten per Mail an die Eltern schicken. Eine Lehrerin schlägt das Caesar-Verfahren vor, ein Kollege die Skytale, ein dritter sagt, man solle ein…
Die Schule möchte Noten per Mail an die Eltern schicken. Eine Lehrerin schlägt das Caesar-Verfahren vor, ein Kollege die Skytale, ein dritter sagt, man solle ein modernes Verfahren aus dem Internet verwenden (z. B. das bei HTTPS genutzte).
Beurteile die drei Vorschläge unter den Gesichtspunkten Sicherheit, Aufwand und Schlüsselaustausch. Gib am Ende eine begründete Empfehlung ab.