Minderjährige als Verbraucher
Mia ist 12 und kauft sich in der großen Pause am Schulkiosk ein Brötchen. Niemand fragt ihre Eltern. Später sieht sie im Internet ein Smartphone für 600 €. Darf sie das auch einfach kaufen? Wer darf in Deutschland eigentlich welche Verträge abschließen? Am Ende der Seite weißt du die Antwort.
Geschäftsfähigkeit: Wer darf Verträge abschließen?
Wenn du etwas kaufst, schließt du einen Kaufvertrag. Der Verkäufer verspricht dir die Ware. Du versprichst, dafür zu bezahlen. Damit ein Vertrag gilt, müssen beide wissen, was sie tun. Deshalb gibt es im Gesetz (Bürgerliches Gesetzbuch, BGB) Altersstufen.
Das Gesetz schützt Kinder: Sie können Folgen oft noch nicht gut einschätzen. Deshalb gilt für beschränkt Geschäftsfähige: Ein Vertrag braucht in der Regel die Zustimmung der Eltern (gesetzliche Vertreter). Bis die Eltern entscheiden, ist der Vertrag schwebend unwirksam. Er gilt also weder noch gilt er nicht. Stimmen die Eltern zu, ist er gültig. Lehnen sie ab, ist er unwirksam.
Erkläre in eigenen Worten, was „beschränkt geschäftsfähig" bedeutet. Ab welchem Alter sind Kinder in Deutschland beschränkt geschäftsfähig, und was bedeutet das für…
Erkläre in eigenen Worten, was „beschränkt geschäftsfähig" bedeutet. Ab welchem Alter sind Kinder in Deutschland beschränkt geschäftsfähig, und was bedeutet das für Kaufverträge?
Der Taschengeldparagraph
Müssten Eltern jedem Eis zustimmen? Das wäre unpraktisch. Deshalb gibt es eine Ausnahme: den Taschengeldparagraphen (§ 110 BGB).
Es müssen also drei Dinge zusammenpassen:
-
Das Kind bezahlt sofort (bar oder mit Guthaben, das es schon hat).
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Es bezahlt vollständig. Raten und Schulden gehören nicht dazu.
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Das Geld stammt aus eigenen Mitteln zur freien Verfügung.
Auch die Höhe zählt. Ein Eis für 1,80 € ist bei Taschengeld normal. Eine sehr teure Anschaffung passt nicht dazu, außer das Kind hat dafür Geld zur freien Verfügung, das lange gespart wurde.
Erkläre, was der „Taschengeldparagraph" (§ 110 BGB) in einfachen Worten besagt. Nenne ein Beispiel.
Erkläre, was der „Taschengeldparagraph" (§ 110 BGB) in einfachen Worten besagt. Nenne ein Beispiel.
Entscheide jeweils, ob das Kind den Kauf in der Regel selbst gültig abschließen darf (Taschengeld) oder ob die Eltern zustimmen müssen: a) Ein 12-jähriges Kind kauft…
Entscheide jeweils, ob das Kind den Kauf in der Regel selbst gültig abschließen darf (Taschengeld) oder ob die Eltern zustimmen müssen:
- a) Ein 12-jähriges Kind kauft sich ein Eis für 1,80 €.
- b) Ein 12-jähriges Kind kauft ein Smartphone für 600 € auf Raten.
- c) Ein 13-jähriges Kind kauft von seinem Taschengeld einen Comic für 6 €.
Lina (12) bekommt 15 € Taschengeld im Monat. Sie kauft in einem Laden ein Spiel für 14 € und bezahlt bar. a) Erkläre, warum dieser Kauf in der Regel gültig ist. b) Lina…
Lina (12) bekommt 15 € Taschengeld im Monat. Sie kauft in einem Laden ein Spiel für 14 € und bezahlt bar.
- a) Erkläre, warum dieser Kauf in der Regel gültig ist.
- b) Lina möchte einen Tag später das Spiel zurückgeben, weil es ihr nicht mehr gefällt. Erkläre, ob der Laden das Spiel zurücknehmen muss.
Wenn die Eltern zustimmen müssen
Was passiert bei Verträgen, die nicht unter den Taschengeldparagraphen fallen? Das sind zum Beispiel Handyverträge, Abos, Ratenkäufe und Käufe im Internet auf Rechnung.
Ein Geldgeschenk kann zur freien Verfügung gegeben sein. Beispiel: Die Tante schenkt 100 € und sagt „Kauf dir davon, was du willst." Dann darf das Kind davon Inliner für 80 € kaufen. Denn es bezahlt sofort mit freiem Geld. Auf Raten dürfte es nicht kaufen: Dann wäre das Geld noch gar nicht vorhanden, und das Kind könnte sich verschulden.
Wichtig: Gekaufte Ware ohne Mangel muss ein Laden nicht zurücknehmen, nur weil sie nicht mehr gefällt. Ein gültiger Kauf bleibt gültig. Ein Umtausch ist dann nur Kulanz des Ladens. Bei Fernabsatz (Internet) gibt es ein Widerrufsrecht, das Eltern für Kinder nutzen können.
Paul (13) unterschreibt im Internet einen Vertrag für ein Handyabo über 24 Monate zu 15 € im Monat. Seine Eltern wissen davon nichts. a) Berechne die Gesamtkosten des…
Paul (13) unterschreibt im Internet einen Vertrag für ein Handyabo über 24 Monate zu 15 € im Monat. Seine Eltern wissen davon nichts.
- a) Berechne die Gesamtkosten des Vertrags.
- b) Erkläre, warum der Vertrag zunächst „schwebend unwirksam" ist und was die Eltern tun können.
- c) Begründe, warum das Taschengeld hier keine Rolle spielt.
Ein 11-jähriges Kind erhält von seiner Tante 100 € mit dem Satz: „Kauf dir davon, was du willst." Die Eltern sind damit einverstanden. Das Kind kauft davon Inliner für…
Ein 11-jähriges Kind erhält von seiner Tante 100 € mit dem Satz: „Kauf dir davon, was du willst." Die Eltern sind damit einverstanden. Das Kind kauft davon Inliner für 80 €.
- a) Erkläre, warum dieser Kauf gültig sein kann.
- b) Erkläre, warum ein Kind, das nur Taschengeld hat, nicht einfach auf Raten kaufen darf.
Schwierige Fälle: Apps, Sparen, Meinung
Bei Spielen und Apps wird es knifflig. Viele Spiele sind kostenlos, aber im Spiel kann man echtes Geld ausgeben (Ingame-Käufe). Bezahlt wird oft über den Handyvertrag der Eltern. Das Kind zahlt dann nicht sofort mit eigenem Geld, sondern die Eltern zahlen später. Deshalb sind solche Käufe meist nicht gültig. Die Eltern können sie ablehnen. Trotzdem können Ärger, Streit und manchmal Kosten entstehen. Vorbeugen ist besser:
-
Ingame-Käufe im Handy sperren.
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Ein festes Monatsbudget vereinbaren.
-
Kauf-Passwörter nur bei den Eltern lassen.
Ersparnisse sind ein Sonderfall. Spart ein Kind Taschengeld über Monate an, ist das Geld meist weiter zur freien Verfügung. Ein Kauf davon kann gültig sein. Hatten die Eltern aber einen Zweck festgelegt (zum Beispiel Schulbedarf), ist das Geld nicht frei. Dann braucht das Kind die Zustimmung.
Bei einer Erörterung wie „Kinder sollten ab 10 alles selbst kaufen dürfen" sammelst du Argumente und wägst ab.
| Dafür | Dagegen |
|---|---|
| Kinder lernen Verantwortung. | Kinder können Folgen schlecht einschätzen. |
| Fehler am kleinen Beispiel sind lehrreich. | Gefahr von Schulden und Abofallen. |
| Mehr Selbstständigkeit. | Werbung kann Kinder leicht verleiten. |
Am Ende steht deine begründete Meinung, zum Beispiel: kleine Käufe ja, große Verträge nur mit den Eltern.
Mehmet (13) kauft in einem Onlineshop Sneakers für 90 €. Er bezahlt mit Geld, das er über drei Monate aus seinem Taschengeld (je 30 € im Monat) angespart hat, ohne die…
Mehmet (13) kauft in einem Onlineshop Sneakers für 90 €. Er bezahlt mit Geld, das er über drei Monate aus seinem Taschengeld (je 30 € im Monat) angespart hat, ohne die Eltern zu fragen.
- a) Prüfe, ob der Kauf nach dem Taschengeldparagraphen gültig sein kann, und begründe.
- b) Die Eltern sind dagegen. Beurteile, ob sie den Kauf rückgängig machen können. Nenne ein Argument dafür und eines dagegen.
- c) Erkläre, wie sich die Lage ändert, wenn die Eltern das Geld ausdrücklich nur für Schulbedarf gegeben hätten.
Eine 12-jährige Schülerin lädt ein kostenloses Spiel herunter und kauft darin per Handyvertrag der Eltern Ingame-Währung für insgesamt 120 € in einem Monat. Ihr…
Eine 12-jährige Schülerin lädt ein kostenloses Spiel herunter und kauft darin per Handyvertrag der Eltern Ingame-Währung für insgesamt 120 € in einem Monat. Ihr Taschengeld beträgt 20 € im Monat.
- a) Erkläre, warum die Käufe vermutlich nicht gültig sind.
- b) Nenne mögliche Folgen für die Eltern und das Kind.
- c) Entwickle drei Regeln, wie Familien solche Situationen verhindern können.
Erörtere: „Kinder sollten ab 10 Jahren alles selbst kaufen dürfen." Nenne mindestens zwei Argumente dafür und zwei dagegen. Berücksichtige Schutz vor Überschuldung und…
Erörtere: „Kinder sollten ab 10 Jahren alles selbst kaufen dürfen." Nenne mindestens zwei Argumente dafür und zwei dagegen. Berücksichtige Schutz vor Überschuldung und das Lernen von Verantwortung. Formuliere eine begründete eigene Meinung.
Zurück zum Anfang: Mia darf das Brötchen kaufen, denn sie bezahlt sofort mit ihrem Taschengeld. Das Smartphone für 600 € darf sie nicht ohne die Eltern kaufen. Es ist zu teuer, und wäre es auf Raten, wäre es kein Taschengeldkauf.