Existenzgründung: Voraussetzungen, Rechtsformen und Risiken
Jonas aus Siegen repariert seit Jahren die Fahrräder seiner Freunde. Jetzt überlegt er, daraus einen eigenen Laden zu machen. Aber: Reicht seine Idee? Wie viel Geld braucht er? Und was passiert, wenn der Laden nicht läuft? Am Ende der Seite kannst du Jonas einen begründeten Rat geben.
Was ist eine Existenzgründung?
Eine Existenzgründung liegt vor, wenn jemand ein eigenes Unternehmen aufbaut und davon dauerhaft leben möchte. Die Person ist dann selbstständig: Sie entscheidet selbst, was sie anbietet, und trägt das wirtschaftliche Risiko selbst. Das Gegenstück ist die abhängige Beschäftigung (Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer mit festem Gehalt).
Typische Gründe für eine Gründung:
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eigene Ideen verwirklichen und „eigene Chefin“ oder „eigener Chef“ sein,
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flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte,
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die Chance auf ein höheres Einkommen,
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Nachfolge im Familienbetrieb (z. B. Bäckerei oder Handwerksbetrieb),
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fehlende Alternativen, z. B. nach einer Kündigung.
Chancen und Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| eigene Entscheidungen | kein festes Monatsgehalt |
| flexible Zeiteinteilung | viel Arbeit, oft auch abends und am Wochenende |
| Gewinn gehört dir | Verluste trägst du selbst |
| Verwirklichung eigener Ideen | Haftung, je nach Rechtsform auch mit dem Privatvermögen |
| Möglichkeit zu wachsen | Kranken-, Renten- und Arbeitslosenschutz muss man selbst regeln |
Erkläre, was man unter einer Existenzgründung versteht, und nenne zwei Gründe, warum Menschen sich selbstständig machen.
Erkläre, was man unter einer Existenzgründung versteht, und nenne zwei Gründe, warum Menschen sich selbstständig machen.
Ordne zu, ob es sich um eine Chance oder ein Risiko der Selbstständigkeit handelt: a) eigene Chefin sein b) kein festes Monatsgehalt c) flexible Arbeitszeiten d)…
Ordne zu, ob es sich um eine Chance oder ein Risiko der Selbstständigkeit handelt:
- a) eigene Chefin sein
- b) kein festes Monatsgehalt
- c) flexible Arbeitszeiten
- d) persönliche Haftung mit dem Privatvermögen
Voraussetzungen: Person, Idee und Kapital
Eine Gründung gelingt nur, wenn mehrere Dinge zusammenpassen.
1. Persönliche Voraussetzungen. Wichtig sind zum Beispiel:
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Eigeninitiative und Durchhaltevermögen: Niemand sagt dir, was du tun sollst.
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Verantwortungsbewusstsein und Risikobereitschaft: Du entscheidest und trägst die Folgen.
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Kunden- und Kommunikationsfähigkeit: Ohne Kunden kein Umsatz.
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Fachwissen und kaufmännisches Grundwissen: Wer Fahrräder reparieren kann, muss auch Preise kalkulieren können.
2. Eine tragfähige Geschäftsidee. Sie muss einen Bedarf treffen: Gibt es genug Kunden, die dafür zahlen? Wer sind die Konkurrenten? Das klärt eine Marktanalyse.
3. Kapital. Zum Start braucht man Geld für Ausstattung, Waren, Miete und Werbung. Das ist der Kapitalbedarf.
Woher kommt Fremdkapital? Bankkredit (z. B. von der Sparkasse oder Volksbank), KfW-Gründerkredite (Förderbank des Bundes), Darlehen von Familie und Freunden, Beteiligungen von Geldgebern. Der Staat unterstützt Gründungen zusätzlich, z. B. durch den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit für zuvor Arbeitslose. Der Gründungszuschuss sichert in der Startphase den Lebensunterhalt, weil er das fehlende feste Einkommen teilweise ersetzt. KfW-Kredite sind zinsgünstige Darlehen der Förderbank des Bundes, die über die Hausbank beantragt werden und das Eigenkapital ergänzen.
Nenne drei persönliche Eigenschaften, die für Selbstständige wichtig sind, und erkläre eine davon.
Nenne drei persönliche Eigenschaften, die für Selbstständige wichtig sind, und erkläre eine davon.
Jonas will in Siegen ein Fahrradgeschäft eröffnen. Er hat 8.000 € Ersparnisse. Die Gründungskosten betragen: Ladenausstattung 12.500 €, Warenlager 18.000 €, Mietkaution…
Jonas will in Siegen ein Fahrradgeschäft eröffnen. Er hat 8.000 € Ersparnisse. Die Gründungskosten betragen: Ladenausstattung 12.500 €, Warenlager 18.000 €, Mietkaution 3.000 €, Werbung 1.500 €.
- a) Berechne den gesamten Kapitalbedarf.
- b) Berechne, wie viel Fremdkapital (z. B. Kredit) Jonas benötigt.
- c) Nenne zwei Möglichkeiten, wie er Fremdkapital beschaffen kann.
Rechtsformen und Haftung
Jedes Unternehmen braucht eine Rechtsform. Sie bestimmt vor allem: Wer haftet für Schulden, wie viel Startkapital ist nötig und wie viel Verwaltungsaufwand entsteht.
| Rechtsform | Gründer | Haftung | Mindestkapital |
|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen | 1 Person | unbeschränkt, auch mit dem Privatvermögen | keines |
| GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) | mind. 2 Personen | unbeschränkt, jede Person persönlich | keines |
| GmbH | 1 oder mehrere Personen | beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen | 25.000 € Stammkapital (bei Gründung müssen mindestens 12.500 € eingezahlt werden) |
| UG (haftungsbeschränkt) | 1 oder mehrere Personen | beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen | ab 1 € |
Unbeschränkte Haftung heißt: Bei Schulden greifen Gläubiger auch auf Auto, Wohnung und Ersparnisse zu. Beschränkte Haftung heißt: Nur das Vermögen der Gesellschaft steht für die Schulden gerade. Dafür ist die Gründung aufwendiger und teurer (Notar, Handelsregister, Buchführung).
Zwei Freundinnen aus Aachen gründen eine kleine Firma für Webdesign. a) Nenne zwei mögliche Rechtsformen und erkläre jeweils die Haftung. b) Entscheide, welche…
Zwei Freundinnen aus Aachen gründen eine kleine Firma für Webdesign.
- a) Nenne zwei mögliche Rechtsformen und erkläre jeweils die Haftung.
- b) Entscheide, welche Rechtsform du empfehlen würdest, und begründe.
Businessplan, Finanzplan und Rentabilität
Der Businessplan ist der schriftliche Plan der Gründung. Er zwingt die Gründerin, die Idee zu durchdenken, und überzeugt Banken und Förderstellen.
Typische Bestandteile:
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Gründeridee und Angebot,
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Marktanalyse (Kunden, Konkurrenz, Standort),
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Marketing (Preis, Werbung, Vertrieb),
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Finanzplan (Kapitalbedarf, Finanzierung, Umsatz- und Kostenplanung),
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Rechtsform und Organisation.
Eine Bank prüft die Kreditwürdigkeit der Gründerin, z. B. nach: fachlicher und persönlicher Eignung, Eigenkapital, Sicherheiten (z. B. Bürgschaft), Erfolgsaussichten laut Finanzplan.
Wichtig: Der Gewinn ist nicht das Nettoeinkommen. Davon müssen noch Steuern, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bezahlt werden, die bei Angestellten teilweise der Arbeitgeber übernimmt.
Ein Café in Münster plant mit folgenden Zahlen pro Monat: Umsatz 9.000 €, Wareneinsatz 3.000 €, Miete 1.800 €, Personal 2.700 €, sonstige Kosten 900 €. a) Berechne den…
Ein Café in Münster plant mit folgenden Zahlen pro Monat: Umsatz 9.000 €, Wareneinsatz 3.000 €, Miete 1.800 €, Personal 2.700 €, sonstige Kosten 900 €.
- a) Berechne den monatlichen Gewinn.
- b) Berechne die Umsatzrendite in Prozent (Gewinn : Umsatz).
- c) Beurteile, ob der Gewinn als Einkommen für die Inhaberin ausreicht, wenn sie 2.000 € Lebenshaltungskosten hat und Steuern sowie Versicherungen hinzukommen.
Ein Businessplan enthält Gründeridee, Marktanalyse, Marketing, Finanzplan und Rechtsform. Eine Bank in Bielefeld prüft den Kreditantrag einer Gründerin. a) Erkläre,…
Ein Businessplan enthält Gründeridee, Marktanalyse, Marketing, Finanzplan und Rechtsform. Eine Bank in Bielefeld prüft den Kreditantrag einer Gründerin.
- a) Erkläre, warum die Bank einen Businessplan verlangt.
- b) Nenne drei Kriterien, nach denen die Bank die Kreditwürdigkeit beurteilt.
- c) Beurteile, welche Teile des Businessplans für die Bank am wichtigsten sind.
Risiken, Scheitern und Unterstützung
Viele Neugründungen bestehen nach fünf Jahren nicht mehr. Häufige Ursachen:
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Kapitalmangel: zu knapp kalkuliert, keine Reserve.
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Fehlende Marktkenntnis: zu wenige Kunden, Konkurrenz unterschätzt.
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Falscher Standort: ein Laden in einer Nebenstraße ohne Laufkundschaft.
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Fehlende kaufmännische Kenntnisse: falsche Preise, keine Buchführung.
Gegenmaßnahmen: realistischer Finanzplan mit Reserve, Marktforschung vor der Gründung (Kundenbefragung, Standortzählung), Gründungsberatung bei IHK, Handwerkskammer oder dem Gründernetzwerk in NRW, Fördermittel wie KfW-Gründerkredite oder den Gründungszuschuss.
Nils verlässt eine feste Stelle (3.200 € brutto monatlich) und gründet ein Lieferunternehmen. Im ersten Jahr rechnet er mit durchschnittlich 2.400 € Gewinn pro Monat vor…
Nils verlässt eine feste Stelle (3.200 € brutto monatlich) und gründet ein Lieferunternehmen. Im ersten Jahr rechnet er mit durchschnittlich 2.400 € Gewinn pro Monat vor Steuern, ab dem dritten Jahr mit 4.000 €.
- a) Berechne den Einkommensunterschied im ersten Jahr im Vergleich zur Anstellung.
- b) Berechne den Unterschied ab dem dritten Jahr pro Jahr.
- c) Beurteile die Entscheidung unter Berücksichtigung von Risiko, Absicherung (Krankenversicherung, Rente) und persönlichen Zielen.
Statistisch scheitern viele Neugründungen in den ersten fünf Jahren. Mögliche Ursachen sind Kapitalmangel, fehlende Marktkenntnis und Fehler bei der Standortwahl. a)…
Statistisch scheitern viele Neugründungen in den ersten fünf Jahren. Mögliche Ursachen sind Kapitalmangel, fehlende Marktkenntnis und Fehler bei der Standortwahl.
- a) Erkläre jede dieser Ursachen an einem Beispiel.
- b) Entwickle für jede Ursache eine Gegenmaßnahme.
- c) Bewerte, welche Rolle staatliche Förderung (z. B. Gründungszuschuss, KfW-Kredite) und Gründungsberatung spielen können.
Zurück zum Anfang: Jonas braucht Fachwissen, Kundenwünsche und einen realistischen Finanzplan. Da sein Eigenkapital nicht ausreicht, braucht er Fremdkapital, etwa einen KfW-Kredit. Da er persönlich haftet, ist die Rechtsform genau zu überlegen.
Auf einen Blick
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Eine Existenzgründung ist der Aufbau eines eigenen Unternehmens; Selbstständige tragen Risiko und Gewinn selbst.
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Voraussetzungen: persönliche Eignung, tragfähige Idee und genug Kapital.
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Kapitalbedarf − Eigenkapital = Fremdkapital (Kredit, KfW, Darlehen).
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Rechtsform: Einzelunternehmen und GbR haften unbeschränkt, GmbH und UG beschränkt.
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Ein Businessplan mit Marktanalyse und Finanzplan überzeugt Banken; Gewinn = Umsatz − Kosten, Umsatzrendite = Gewinn : Umsatz.
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Viele Gründungen scheitern an Kapitalmangel, fehlender Marktkenntnis und falschem Standort; Beratung und Förderung senken das Risiko.