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Q2 Leistungskurs · Sozialwissenschaften
Vorbereitung auf das Abitur Sozialwissenschaften · Zentralabitur Q2: Soziale Ungleichheit, Wandel der Arbeitswelt, Sozialstaat und Globalisierung

Einkommens- und Vermögensverteilung

In Köln streiten sich zwei Verbände öffentlich: Der eine sagt, die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. Der andere hält dagegen, Deutschland sei im internationalen Vergleich ein Land mit recht ausgeglichener Verteilung. Beide zitieren Zahlen. Wie kann beides zugleich „mit Daten belegt“ sein? Am Ende der Seite können Sie diese Frage beantworten: Es hängt davon ab, welchen Indikator man wählt, welche Verteilung man betrachtet und welche Interessen dahinterstehen.

Wer bekommt was? Funktionale und personelle Verteilung

Die Verteilung von Einkommen lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR, Quelle: Destatis) liefert die Daten.

Der wichtigste Indikator der funktionalen Verteilung ist die Lohnquote:

Die Quoten sind Anteile am gleichen Ganzen. Deshalb ergänzen sie sich immer zu 100 %.

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Material: Der Gini-Koeffizient der Einkommen eines Landes beträgt vor Steuern und Sozialtransfers (Primärverteilung) 0,50 und nach Steuern und Sozialtransfers…

Material: Der Gini-Koeffizient der Einkommen eines Landes beträgt vor Steuern und Sozialtransfers (Primärverteilung) 0,50 und nach Steuern und Sozialtransfers (Sekundärverteilung) 0,30.

  1. a) Erläutern Sie die Begriffe Primärverteilung und Sekundärverteilung.
  1. b) Berechnen Sie die prozentuale Veränderung des Gini-Koeffizienten durch Steuern und Sozialtransfers.
  1. c) Nennen Sie zwei Instrumente staatlicher Umverteilung.
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Üben★★☆Nicht begonnen
Material: In einer Volkswirtschaft betrug das Volkseinkommen im Jahr 1 insgesamt 2.400 Mrd. €, davon Arbeitnehmerentgelt 1.680 Mrd. €. Im Jahr 2 betrug das…

Material: In einer Volkswirtschaft betrug das Volkseinkommen im Jahr 1 insgesamt 2.400 Mrd. €, davon Arbeitnehmerentgelt 1.680 Mrd. €. Im Jahr 2 betrug das Volkseinkommen 2.500 Mrd. €, davon Arbeitnehmerentgelt 1.700 Mrd. €. Der Rest sind Unternehmens- und Vermögenseinkommen.

  1. a) Berechnen Sie für beide Jahre die Lohnquote und die Gewinnquote.
  1. b) Beschreiben Sie die Veränderung in Prozentpunkten.
  1. c) Erläutern Sie, warum die Lohnquote als Indikator der funktionalen Einkommensverteilung nur eingeschränkt Aussagen über die personelle Verteilung zulässt.
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Indikatoren der personellen Verteilung: Quintile und Armutsrisiko

Um Ungleichheit zu messen, teilt man die Haushalte nach ihrem Einkommen in gleich große Gruppen, z. B. in fünf Quintile mit je 20 % der Haushalte. Dann vergleicht man deren Einkommensanteile.

Der zweite wichtige Indikator ist die Armutsrisikoquote. Sie misst relative Armut.

Weitere Indikatoren sind der Gini-Koeffizient (nächster Abschnitt), die Lohnquote und der Anteil der obersten 10 % am Vermögen. Ungleichheit hat außerdem Dimensionen jenseits des Einkommens. Bildung wird z. B. über Schulabschlüsse oder die Studierquote nach Herkunft gemessen, Gesundheit über die Lebenserwartung nach Einkommensgruppen, Macht über den Einfluss in Politik und Betrieben (etwa Anteil an Führungspositionen) und Prestige über das Ansehen von Berufen. Diese Dimensionen hängen oft zusammen und verstärken sich gegenseitig.

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Material: Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der Haushaltsnettoeinkommen in einem Land (fiktive, gerundete Werte). Die Haushalte sind nach ihrem Einkommen in fünf…

Material: Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der Haushaltsnettoeinkommen in einem Land (fiktive, gerundete Werte). Die Haushalte sind nach ihrem Einkommen in fünf gleich große Gruppen (Quintile) eingeteilt.

Quintil 1. (untere 20 %) 2. 3. 4. 5. (obere 20 %)
Anteil am Gesamteinkommen 8 % 12 % 16 % 22 % 42 %
  1. a) Beschreiben Sie die Einkommensverteilung anhand der Tabelle.
  1. b) Berechnen Sie das Quintilsverhältnis $S80/S20$ und erläutern Sie, was dieser Indikator aussagt.
  1. c) Nennen Sie zwei weitere Indikatoren, mit denen soziale Ungleichheit im Bereich Einkommen erfasst wird.
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Material: Das mittlere Nettoäquivalenzeinkommen (Median) beträgt in einer Region 2.200 € im Monat. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 % des Medians zur…

Material: Das mittlere Nettoäquivalenzeinkommen (Median) beträgt in einer Region 2.200 € im Monat. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 % des Medians zur Verfügung hat. Hannah lebt allein und hat ein Nettoeinkommen von 1.250 € im Monat.

  1. a) Berechnen Sie die Armutsrisikoschwelle.
  1. b) Bestimmen Sie, ob Hannah nach dieser Definition als armutsgefährdet gilt.
  1. c) Erläutern Sie, warum die Armutsrisikoquote ein Maß für relative und nicht für absolute Armut ist.
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Lorenzkurve und Gini-Koeffizient

Die Lorenzkurve zeigt die Verteilung auf einen Blick. Auf der x-Achse steht der kumulierte Anteil der Haushalte (von arm nach reich geordnet), auf der y-Achse der kumulierte Anteil am Einkommen.

Lorenzkurve mit Gleichverteilungsgerade und den Flächen A und B Anteil der Haushalte (kumuliert) Einkommensanteil (kumuliert) 0 1 1 Gleichverteilung A B Lorenzkurve

Je stärker die Kurve durchhängt, desto ungleicher ist die Verteilung. Die Diagonale steht für völlige Gleichverteilung. Die Fläche $A$ liegt zwischen Diagonale und Kurve, die Fläche $B$ unter der Kurve.

Bei einer aus Geradenstücken zusammengesetzten Kurve berechnen Sie die Fläche $B$ unter der Kurve als Summe von Trapezen. Die Trapezfläche zwischen $x_1$ und $x_2$ ist $\frac{(x_2-x_1)\,(y_1+y_2)}{2}$.

Üben★★☆Nicht begonnen
Material: Die Lorenzkurve der Einkommensverteilung eines Landes verläuft geradlinig durch die Punkte $(0|0)$, $(0{,}4|0{,}1)$, $(0{,}8|0{,}45)$ und $(1|1)$. Dabei ist…

Material: Die Lorenzkurve der Einkommensverteilung eines Landes verläuft geradlinig durch die Punkte $(0|0)$, $(0{,}4|0{,}1)$, $(0{,}8|0{,}45)$ und $(1|1)$. Dabei ist die x-Achse der kumulierte Anteil der Haushalte und die y-Achse der kumulierte Einkommensanteil. Der Gini-Koeffizient ist $G=\dfrac{A}{A+B}$. Dabei ist $A$ die Fläche zwischen der Diagonalen und der Lorenzkurve, $B$ die Fläche unter der Lorenzkurve und $A+B=0{,}5$.

Die Vermögensverteilung desselben Landes hat einen Gini-Koeffizienten von 0,75.

  1. a) Bestimmen Sie den Gini-Koeffizienten der Einkommensverteilung, indem Sie die Fläche unter der Lorenzkurve in Teilflächen zerlegen.
  1. b) Vergleichen Sie die Einkommens- und die Vermögensverteilung des Landes.
  1. c) Erläutern Sie zwei Gründe, warum Vermögen ungleicher verteilt ist als Einkommen.
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Üben★★★Nicht begonnen
Material: Zwei Länder A und B haben denselben Gini-Koeffizienten der Einkommen von 0,30. In Land A erhalten die ärmsten 20 % der Haushalte 6 % des Einkommens und die…

Material: Zwei Länder A und B haben denselben Gini-Koeffizienten der Einkommen von 0,30. In Land A erhalten die ärmsten 20 % der Haushalte 6 % des Einkommens und die reichsten 10 % erhalten 30 %. In Land B erhalten die ärmsten 20 % der Haushalte 9 % des Einkommens und die reichsten 10 % erhalten 22 %. (Die Daten sind fiktiv; Angaben zu den mittleren Einkommensgruppen liegen nicht vor.)

  1. a) Erläutern Sie, wie trotz gleichen Gini-Koeffizienten unterschiedliche Lorenzkurven möglich sind.
  1. b) Beurteilen Sie die Aussagekraft des Gini-Koeffizienten als alleiniger Indikator für soziale Ungleichheit. Entwickeln Sie dazu Kriterien und beziehen Sie die Angaben zu den Ländern A und B ein.
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Vermögen, Umverteilung und Interessen

Die Vermögensverteilung ist in Deutschland deutlich ungleicher als die Einkommensverteilung: Der Gini-Koeffizient des Vermögens liegt weit über dem der Einkommen, und ein kleiner Teil der Haushalte hält einen großen Anteil am Nettovermögen. Orientierungswerte: Der Gini-Koeffizient des Nettovermögens liegt bei etwa 0,7 bis 0,8, der der Einkommen bei etwa 0,3. Die reichsten 10 % der Haushalte besitzen grob die Hälfte des Nettovermögens (Quelle: Destatis und Bundesbank, gerundet). Das hat Gründe: Vermögen wird angespart und vererbt. Es bringt selbst wieder Erträge, die sich ansammeln.

Der Staat verändert die Verteilung durch Umverteilung:

  • Einnahmen: progressive Einkommensteuer, Sozialversicherungsbeiträge, Erbschaftsteuer

  • Ausgaben: Transfers wie Kindergeld, Wohngeld, Bürgergeld und Rente sowie öffentliche Leistungen wie Schulen und Kitas

Vergleicht man Primär- und Sekundärverteilung, so sinkt der Gini-Koeffizient durch Steuern und Transfers deutlich.

Wie die Verteilung bewertet wird, ist politisch umstritten. Der Kernlehrplan fordert, Positionen und ihre Interessengebundenheit zu untersuchen. Dabei gilt das Kontroversitätsgebot: Man stellt Positionen dar, ohne die Bewertung vorzugeben.

Üben★★☆Nicht begonnen
Material: In einer Pressemitteilung fordert ein Gewerkschaftsbund die Einführung einer Vermögensteuer mit einem Freibetrag von 2 Mio. € je Person. Er begründet dies mit…

Material: In einer Pressemitteilung fordert ein Gewerkschaftsbund die Einführung einer Vermögensteuer mit einem Freibetrag von 2 Mio. € je Person. Er begründet dies mit der hohen Vermögenskonzentration und mit Investitionsbedarf bei Schulen und Kitas. Ein Arbeitgeberverband lehnt die Steuer ab. Er verweist auf mögliche Belastungen für Familienunternehmen im Mittelstand, auf die Gefahr von Kapitalabwanderung und auf den hohen Verwaltungsaufwand.

  1. a) Geben Sie die beiden Positionen mit eigenen Worten wieder.
  1. b) Analysieren Sie die Positionen im Hinblick auf ihre Interessengebundenheit.
  1. c) Erläutern Sie, welche Grundprinzipien staatlicher Sozialpolitik in der Forderung der Gewerkschaft zum Ausdruck kommen.
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Üben★★★Nicht begonnen
Material: In einem Land hat sich über zehn Jahre Folgendes verändert: | Indikator | Jahr 1 | Jahr 11 | |---|---|---| | $S80/S20$ | 4,4 | 5,0 | | Armutsrisikoquote | 14,0…

Material: In einem Land hat sich über zehn Jahre Folgendes verändert:

Indikator Jahr 1 Jahr 11
$S80/S20$ 4,4 5,0
Armutsrisikoquote 14,0 % 16,0 %
Anteil der obersten 10 % der Haushalte am Nettovermögen 52 % 56 %
  1. a) Berechnen Sie die Veränderung der Armutsrisikoquote in Prozentpunkten und in Prozent.
  1. b) Beurteilen Sie, ob eine solche Entwicklung die gesellschaftliche Integration gefährdet. Berücksichtigen Sie dabei Einkommens- und Vermögensverteilung.
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Verteilung und gesellschaftliche Integration beurteilen

Verteilung ist nicht nur eine Frage von Zahlen. Bei einem Urteil geht es darum, welche Folgen sie für den Zusammenhalt hat. Für ein Abitururteil brauchen Sie Kriterien und eine Abwägung.

Mögliche Kriterien:

  • Chancengleichheit: Haben Menschen unabhängig von ihrer Herkunft Zugang zu Bildung, Gesundheit und Arbeit?

  • Sozialstaatsgebot (Art. 20 Abs. 1 GG, Art. 28 GG): Verpflichtet der Staat, soziale Unterschiede auszugleichen und Mindestsicherung zu garantieren?

  • Gleichwertige Lebensverhältnisse (Art. 72 Abs. 2 GG): Gibt es regionale Unterschiede, etwa zwischen Ruhrgebiet und Münsterland?

  • Effizienz und Leistungsanreize: Welche Nebenfolgen haben Umverteilungsmaßnahmen für Investition und Leistungsbereitschaft?

Ungleiche Verteilung kann zu Resignation, sinkendem Vertrauen in Institutionen und geringerer Wahlbeteiligung führen. Eine gewisse Ungleichheit gilt dagegen als Leistungsanreiz und Voraussetzung dynamischer Wirtschaft.

Üben★★★Nicht begonnen
Material: Von 100 Kindern aus Akademikerhaushalten nehmen 79 ein Studium auf. Von 100 Kindern aus Nichtakademikerhaushalten sind es 27. Die Hochschulen eines Landes…

Material: Von 100 Kindern aus Akademikerhaushalten nehmen 79 ein Studium auf. Von 100 Kindern aus Nichtakademikerhaushalten sind es 27. Die Hochschulen eines Landes verweisen auf Studiengebühren, Wohnkosten und Informationsmängel als Hürden. Politisch diskutiert werden eine Ausweitung des BAföG, der Ausbau der Ganztagsschulen und Studienberatung an Schulen.

  1. a) Berechnen Sie, um welchen Faktor die Studierquote der Kinder aus Akademikerhaushalten höher ist.
  1. b) Erörtern Sie die politischen Maßnahmen vor dem Hintergrund des Sozialstaatsgebots (Art. 20 Abs. 1 GG) und des Gebots zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Berücksichtigen Sie Effizienz und Legitimität.
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Zurück zum Anfang: Beide Verbände können mit Daten argumentieren, weil sie unterschiedliche Indikatoren (Gini, S80/S20, Vermögensanteile), unterschiedliche Verteilungen (primär oder sekundär, Einkommen oder Vermögen) und unterschiedliche Zeiträume wählen. Ihre Aufgabe ist es, Daten auszuwerten, auf ihre Aussagekraft zu prüfen und die Interessen der Absender zu erkennen.

Auf einen Blick

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