Auswirkungen der Globalisierung und Globalisierungskritik
Ein T-Shirt, das in Köln für 20 € im Regal liegt, hat oft schon Tausende Kilometer hinter sich. Wer verdient an diesem Weg – und wer trägt die Risiken? Diese Frage begleitet Sie durch den Apartado: Sie analysieren Auswirkungen der Globalisierung, werten Daten aus und beurteilen Positionen von Kritikern und Befürwortern.
Dimensionen und Ursachen der Globalisierung
Globalisierung bedeutet die weltweit zunehmende Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Kultur und Umwelt. Sie lässt sich in Dimensionen unterscheiden:
Ursachen der wachsenden Verflechtung sind vor allem:
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sinkende Transportkosten (Containerschifffahrt),
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sinkende Kommunikationskosten (Internet, Mobilfunk),
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Liberalisierung durch Zollabbau und Handelsabkommen,
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technischer Fortschritt, der Produktion in einzelne Schritte zerlegbar macht.
Rechenweg zur prozentualen Veränderung: Rückgang = (Neuwert − Altwert) / Altwert.
Material (fiktive Werte): Die Transportkosten je Paar Schuhe auf dem Seeweg sanken durch Containerverkehr von 0,30 € auf 0,10 €. Gleichzeitig verbessern Internet und…
Material (fiktive Werte): Die Transportkosten je Paar Schuhe auf dem Seeweg sanken durch Containerverkehr von 0,30 € auf 0,10 €. Gleichzeitig verbessern Internet und Mobilfunk die weltweite Kommunikation.
- a) Nennen Sie vier Dimensionen der Globalisierung.
- b) Berechnen Sie den prozentualen Rückgang der Transportkosten.
- c) Erläutern Sie, wie sinkende Transport- und Kommunikationskosten die weltwirtschaftliche Verflechtung fördern.
Wertschöpfungsketten, Macht und Kritik
Eine globale Wertschöpfungskette zerlegt die Produktion in Stufen an verschiedenen Orten. Entscheidend ist, wo der Wert entsteht und bei wem er bleibt. Den Anteil einer Stufe berechnen Sie so:
$$\text{Anteil} = \frac{\text{Wertschöpfung der Stufe}}{\text{Verkaufspreis}} \cdot 100\,\%$$Machtkonstellationen erkennen Sie daran, wer Preise setzt: Marken- und Handelsunternehmen mit Marktmacht und Nachfragemacht bestimmen oft die Konditionen; viele kleine Produzenten stehen in Konkurrenz zueinander und sind austauschbar. Wertschöpfungsstarke Stufen wie Design, Marketing und Handel liegen häufig im Industrieland.
Globalisierungskritische Organisationen (z. B. Attac, Oxfam, Fairtrade, Germanwatch, Greenpeace) fordern faire Handelsregeln, Mindeststandards und Transparenz. Ihre Mittel: Kampagnen und Petitionen, Medienarbeit, Boykottaufrufe, Siegel, Lobbyarbeit, Klagen.
Material: Eine Organisation fordert faire Handelsregeln und ein Lieferkettengesetz. Als Beispiel nennt sie Kaffee. Von einem Verkaufspreis von 12 € je kg Röstkaffee…
Material: Eine Organisation fordert faire Handelsregeln und ein Lieferkettengesetz. Als Beispiel nennt sie Kaffee. Von einem Verkaufspreis von 12 € je kg Röstkaffee erhält der Bauer im Anbauland 0,72 €.
- a) Berechnen Sie den Anteil des Bauern am Verkaufspreis in Prozent.
- b) Nennen Sie zwei globalisierungskritische Organisationen und jeweils ein Ziel.
- c) Beschreiben Sie zwei Mittel, mit denen solche Organisationen Einfluss nehmen.
Material (fiktive Werte): Ein T-Shirt wird für 20 € verkauft. Die Wertschöpfung verteilt sich so: Näherin im Produktionsland 0,40 €; Fabrik einschließlich Stoff 5 €;…
Material (fiktive Werte): Ein T-Shirt wird für 20 € verkauft. Die Wertschöpfung verteilt sich so: Näherin im Produktionsland 0,40 €; Fabrik einschließlich Stoff 5 €; Transport und Zoll 1,60 €; Markenunternehmen (Design, Marketing) 6 €; Einzelhandel 7 €. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet größere Unternehmen, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Lieferketten zu prüfen.
- a) Berechnen Sie den prozentualen Anteil jeder Stufe am Verkaufspreis.
- b) Analysieren Sie die Verteilung der Wertschöpfung im Hinblick auf Machtkonstellationen.
- c) Erläutern Sie Zielsetzung und mögliche Wirkungen des Lieferkettengesetzes für Unternehmen und Beschäftigte.
Material (fiktives Szenario): Ein Textilunternehmen aus Köln lässt in einem Land mit schwachem Arbeitsschutz produzieren. Nach einem Fabrikbrand mit zahlreichen…
Material (fiktives Szenario): Ein Textilunternehmen aus Köln lässt in einem Land mit schwachem Arbeitsschutz produzieren. Nach einem Fabrikbrand mit zahlreichen Todesopfern fordern Nichtregierungsorganisationen höhere Sicherheitsstandards. Das Unternehmen schätzt Zusatzkosten von 0,30 € je Stück bei 2 Mio. Stück im Jahr. Es befürchtet Wettbewerbsnachteile, wenn Konkurrenten nicht investieren.
- a) Berechnen Sie die jährlichen Zusatzkosten des Unternehmens.
- b) Erläutern Sie die Bedeutung der Grund- und Menschenrechte für das Handeln von Unternehmen in globalen Lieferketten.
- c) Analysieren Sie den Zielkonflikt zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Menschenrechtsschutz und die Rolle von Politik und Zivilgesellschaft.
Material (fiktives Szenario): Eine globalisierungskritische Organisation startet eine Kampagne gegen die Produktionsbedingungen eines Konzerns mit einem Jahresumsatz von…
Material (fiktives Szenario): Eine globalisierungskritische Organisation startet eine Kampagne gegen die Produktionsbedingungen eines Konzerns mit einem Jahresumsatz von 2,5 Mrd. €. Die Kampagne erreicht 1,2 Mio. Unterschriften. Der Konzern verzeichnet einen Umsatzrückgang von 3 % und kündigt freiwillige Verbesserungen bei einem Teil der Zulieferer an. Kritiker bemängeln fehlende unabhängige Kontrollen. Eine Wirtschaftsvertretung warnt vor Verlagerung von Aufträgen in Länder ohne Standards.
- a) Berechnen Sie den Umsatzrückgang in Euro.
- b) Beurteilen Sie Ziele, Möglichkeiten und Grenzen des Einflusses globalisierungskritischer Organisationen anhand des Falls und formulieren Sie ein begründetes Urteil.
Klimawandel und nachhaltige Entwicklung
Der Klimawandel ist eine ökologische Folge globalen Wirtschaftens: Industrialisierung, Verkehr und Konsum erhöhen die CO₂-Emissionen. Verursachung und Betroffenheit fallen auseinander.
| Land | CO₂ je Einwohner (fiktive Werte) |
|---|---|
| Deutschland | 7,5 t |
| Indien | 2,0 t |
| Bangladesch | 0,6 t |
Faktor Deutschland/Bangladesch: $7{,}5 : 0{,}6 = 12{,}5$. Ein Mensch in Deutschland verursacht im Schnitt das 12,5-Fache. Bangladesch ist dennoch durch Überschwemmungen und Meeresspiegelanstieg stark betroffen und hat weniger Mittel zur Anpassung. Das wirft Gerechtigkeitsfragen auf (Verursacherprinzip, Verantwortung der Industrieländer, aber auch wachsende Emissionen der Schwellenländer).
Material (fiktive, gerundete Werte): Der jährliche CO₂-Ausstoß je Einwohner beträgt in Deutschland 7,5 t, in Indien 2,0 t und in Bangladesch 0,6 t. Bangladesch ist durch…
Material (fiktive, gerundete Werte): Der jährliche CO₂-Ausstoß je Einwohner beträgt in Deutschland 7,5 t, in Indien 2,0 t und in Bangladesch 0,6 t. Bangladesch ist durch Überschwemmungen und Meeresspiegelanstieg stark vom Klimawandel betroffen.
- a) Berechnen Sie, um welchen Faktor der Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland höher ist als in Bangladesch.
- b) Analysieren Sie Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels als Folge der Globalisierung unter dem Aspekt von Verursachung und Betroffenheit.
- c) Erläutern Sie die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung.
Eigenes Handeln, Migration und Urteilsbildung
Lokales Handeln im globalen Zusammenhang
Konsumentscheidungen haben globale Folgen. Beispiel Smartphone (600 €, 70 kg CO₂ in der Herstellung):
Migration
Migration hat Push-Faktoren (Armut, Konflikte, fehlende Perspektiven) und Pull-Faktoren (Arbeitsplätze, Sicherheit, Bildungschancen). Auswirkungen auf das Herkunftsland: Rücküberweisungen (Einkommen für Familien, Devisen), aber auch Abwanderung Qualifizierter („Brain Drain“). Anteil der Rücküberweisungen am BIP: $2 : 40 = 0{,}05$, also 5 %.
Im Zielland: Fachkräftemangel wird gemildert, Sozialversicherung gestützt; Kritiker verweisen auf Integrationskosten, Wohnungsmarkt und Wettbewerb am Arbeitsmarkt. Nach dem Kontroversitätsgebot stellen Sie beide Positionen mit ihren Interessen dar.
Material: Ein Land X hat ein BIP von 40 Mrd. US-Dollar. Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten aus Land X, die im Ausland arbeiten, überweisen jährlich 2 Mrd.…
Material: Ein Land X hat ein BIP von 40 Mrd. US-Dollar. Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten aus Land X, die im Ausland arbeiten, überweisen jährlich 2 Mrd. US-Dollar an ihre Familien.
- a) Berechnen Sie den Anteil der Rücküberweisungen am BIP.
- b) Nennen Sie je zwei Push- und Pull-Faktoren der Migration.
- c) Beschreiben Sie zwei Auswirkungen von Migration auf das Herkunftsland.
Material (fiktive Werte): Ein Smartphone kostet 600 € und verursacht bei der Herstellung rund 70 kg CO₂. Eine Nutzerin ersetzt es nach 2,5 Jahren. Sie erwägt, es…
Material (fiktive Werte): Ein Smartphone kostet 600 € und verursacht bei der Herstellung rund 70 kg CO₂. Eine Nutzerin ersetzt es nach 2,5 Jahren. Sie erwägt, es stattdessen 4 Jahre zu nutzen und den Akku für 40 € tauschen zu lassen. Viele Rohstoffe werden unter schwierigen Arbeits- und Umweltbedingungen gewonnen.
- a) Berechnen Sie die jährlichen Gerätekosten (ohne Akku) und die CO₂-Herstellungsbelastung je Nutzungsjahr bei 2,5 und bei 4 Jahren Nutzung.
- b) Erörtern Sie Konsequenzen eigenen lokalen Handelns vor dem Hintergrund globaler Prozesse und beurteilen Sie die Reichweite individuellen Konsumverhaltens.
Material (fiktive Werte): In einem Land wird die Zahl der Erwerbspersonen in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich um 2 Mio. sinken. Branchen melden eine…
Material (fiktive Werte): In einem Land wird die Zahl der Erwerbspersonen in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich um 2 Mio. sinken. Branchen melden eine Fachkräftelücke von 1,5 Mio. Die Nettozuwanderung beträgt 300.000 Personen pro Jahr, von denen 70 % erwerbstätig werden. Befürworter von Zuwanderung nennen Fachkräftebedarf und Finanzierung der Sozialversicherung. Kritiker nennen Integrationskosten, Wohnungsmarkt und Wettbewerb am Arbeitsmarkt. Sie fordern stärkere Qualifizierung der inländischen Erwerbspersonen.
- a) Berechnen Sie, wie viele zusätzliche Erwerbstätige durch Zuwanderung in fünf Jahren entstehen, und vergleichen Sie das Ergebnis mit der Fachkräftelücke.
- b) Beurteilen Sie ökonomische und gesellschaftliche Auswirkungen von Migration, indem Sie die unterschiedlichen Positionen darstellen und Urteilskriterien entwickeln.
Zurück zum Anfang: Am T-Shirt aus Köln verdient die Näherin 2 %, der Einzelhandel 35 %. Die Verteilung folgt der Marktmacht, und Kritik, Gesetze und Verbraucher können sie beeinflussen.
Auf einen Blick
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Dimensionen: ökonomisch, politisch, kulturell, ökologisch, sozial; Ursachen: sinkende Transport- und Kommunikationskosten, Liberalisierung, Technik.
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Anteil einer Stufe = Wertschöpfung / Verkaufspreis · 100 %; hohe Anteile liegen oft bei Marke und Handel.
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Globalisierungskritik nutzt Kampagnen, Siegel, Lobbyarbeit; Grenzen: freiwillige Zusagen, Verlagerung, fehlende Kontrolle.
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Klimawandel: Verursachung und Betroffenheit fallen auseinander; nachhaltige Entwicklung hat drei Dimensionen.
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Migration: Push- und Pull-Faktoren, Wirkungen auf Herkunfts- und Zielland, kontroverse Positionen.
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Urteilsfrage: Beurteilen Sie, ob das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder freiwillige Konsumentscheidungen wirksamer zu fairen Handelsbedingungen beitragen.