Minderjährige als Verbraucher
Lea (12) hat im Schulkiosk ein Eis gekauft. Am Nachmittag will sie online ein Spiel für 60 € bestellen und in Raten zahlen. Darf sie das einfach so? Warum ist das Eis kein Problem, die Bestellung aber schon? Am Ende dieser Seite kannst du es erklären.
Beschränkt geschäftsfähig
Wenn du etwas kaufst, schließt du einen Kaufvertrag. Der Verkäufer gibt dir die Ware, du gibst ihm das Geld. Beide müssen sich an den Vertrag halten.
Das Gesetz (Bürgerliches Gesetzbuch, BGB) schützt Kinder: Sie können die Folgen eines Vertrags oft noch nicht gut überblicken. Deshalb gibt es Altersstufen.
Beschränkt geschäftsfähig heißt: Du darfst Verträge nur abschließen, wenn deine Eltern (die gesetzlichen Vertreter) zustimmen. Ohne Zustimmung ist ein Vertrag zunächst schwebend unwirksam. Er ist weder gültig noch ungültig. Die Eltern entscheiden: Genehmigen sie ihn, wird er gültig. Lehnen sie ab, ist er von Anfang an unwirksam, und beide geben zurück, was sie bekommen haben.
Erkläre in eigenen Worten, was „beschränkt geschäftsfähig" bedeutet. Ab welchem Alter sind Kinder in Deutschland beschränkt geschäftsfähig, und was bedeutet das für…
Erkläre in eigenen Worten, was „beschränkt geschäftsfähig" bedeutet. Ab welchem Alter sind Kinder in Deutschland beschränkt geschäftsfähig, und was bedeutet das für Kaufverträge?
Der Taschengeldparagraph
Würden Eltern bei jedem Kauf zustimmen müssen, wäre das ziemlich umständlich. Für Eis, Comics oder Pausenbrötchen gibt es eine Ausnahme: den Taschengeldparagraphen (§ 110 BGB).
Der Grund: Die Eltern haben das Geld zur freien Verfügung gegeben. Damit stimmen sie stillschweigend den Käufen zu, die davon bezahlt werden.
Drei Bedingungen müssen stimmen:
-
Das Geld gehört dem Kind zur freien Verfügung (Taschengeld, Geldgeschenk).
-
Das Kind zahlt sofort und ganz. Ratenkauf, Pump oder Abo gehen nicht.
-
Der Kauf passt zur Höhe des Taschengelds und ist nicht erkennbar gegen den Willen der Eltern.
Erkläre, was der „Taschengeldparagraph" (§ 110 BGB) in einfachen Worten besagt. Nenne ein Beispiel.
Erkläre, was der „Taschengeldparagraph" (§ 110 BGB) in einfachen Worten besagt. Nenne ein Beispiel.
Entscheide jeweils, ob das Kind den Kauf in der Regel selbst gültig abschließen darf (Taschengeld) oder ob die Eltern zustimmen müssen: a) Ein 12-jähriges Kind kauft…
Entscheide jeweils, ob das Kind den Kauf in der Regel selbst gültig abschließen darf (Taschengeld) oder ob die Eltern zustimmen müssen:
- a) Ein 12-jähriges Kind kauft sich ein Eis für 1,80 €.
- b) Ein 12-jähriges Kind kauft ein Smartphone für 600 € auf Raten.
- c) Ein 13-jähriges Kind kauft von seinem Taschengeld einen Comic für 6 €.
Lina (12) bekommt 15 € Taschengeld im Monat. Sie kauft in einem Laden ein Spiel für 14 € und bezahlt bar. a) Erkläre, warum dieser Kauf in der Regel gültig ist. b) Lina…
Lina (12) bekommt 15 € Taschengeld im Monat. Sie kauft in einem Laden ein Spiel für 14 € und bezahlt bar.
- a) Erkläre, warum dieser Kauf in der Regel gültig ist.
- b) Lina möchte einen Tag später das Spiel zurückgeben, weil es ihr nicht mehr gefällt. Erkläre, ob der Laden das Spiel zurücknehmen muss.
Verträge, Raten und Abos
Bei Verträgen, die über längere Zeit laufen, gilt der Taschengeldparagraph nicht. Denn das Kind zahlt nicht sofort und ganz, sondern erst später. Dazu gehören Handyverträge, Abos, Ratenkäufe und Mitgliedschaften.
Auch Geldgeschenke können zur freien Verfügung stehen. Bekommt ein Kind 100 € von der Tante mit den Worten „Kauf dir, was du willst", darf es davon Inliner für 80 € kaufen. Wichtig ist: Das Geld wurde ausdrücklich zur freien Verfügung gegeben. Sagen die Eltern dagegen „nur für Schulbedarf", ist das Geld zweckgebunden. Ein anderer Kauf ist dann nicht gedeckt.
Auch Ansparen ist möglich: Wer über mehrere Monate Taschengeld spart und dann bar bezahlt, kann nach § 110 BGB gültig kaufen. Nur ein sehr teurer Kauf, den die Eltern erkennbar nicht wollen, kann zum Streit führen.
Paul (13) unterschreibt im Internet einen Vertrag für ein Handyabo über 24 Monate zu 15 € im Monat. Seine Eltern wissen davon nichts. a) Berechne die Gesamtkosten des…
Paul (13) unterschreibt im Internet einen Vertrag für ein Handyabo über 24 Monate zu 15 € im Monat. Seine Eltern wissen davon nichts.
- a) Berechne die Gesamtkosten des Vertrags.
- b) Erkläre, warum der Vertrag zunächst „schwebend unwirksam" ist und was die Eltern tun können.
- c) Begründe, warum das Taschengeld hier keine Rolle spielt.
Ein 11-jähriges Kind erhält von seiner Tante 100 € mit dem Satz: „Kauf dir davon, was du willst." Die Eltern sind damit einverstanden. Das Kind kauft davon Inliner für…
Ein 11-jähriges Kind erhält von seiner Tante 100 € mit dem Satz: „Kauf dir davon, was du willst." Die Eltern sind damit einverstanden. Das Kind kauft davon Inliner für 80 €.
- a) Erkläre, warum dieser Kauf gültig sein kann.
- b) Erkläre, warum ein Kind, das nur Taschengeld hat, nicht einfach auf Raten kaufen darf.
Mehmet (13) kauft in einem Onlineshop Sneakers für 90 €. Er bezahlt mit Geld, das er über drei Monate aus seinem Taschengeld (je 30 € im Monat) angespart hat, ohne die…
Mehmet (13) kauft in einem Onlineshop Sneakers für 90 €. Er bezahlt mit Geld, das er über drei Monate aus seinem Taschengeld (je 30 € im Monat) angespart hat, ohne die Eltern zu fragen.
- a) Prüfe, ob der Kauf nach dem Taschengeldparagraphen gültig sein kann, und begründe.
- b) Die Eltern sind dagegen. Beurteile, ob sie den Kauf rückgängig machen können. Nenne ein Argument dafür und eines dagegen.
- c) Erkläre, wie sich die Lage ändert, wenn die Eltern das Geld ausdrücklich nur für Schulbedarf gegeben hätten.
Eine 12-jährige Schülerin lädt ein kostenloses Spiel herunter und kauft darin per Handyvertrag der Eltern Ingame-Währung für insgesamt 120 € in einem Monat. Ihr…
Eine 12-jährige Schülerin lädt ein kostenloses Spiel herunter und kauft darin per Handyvertrag der Eltern Ingame-Währung für insgesamt 120 € in einem Monat. Ihr Taschengeld beträgt 20 € im Monat.
- a) Erkläre, warum die Käufe vermutlich nicht gültig sind.
- b) Nenne mögliche Folgen für die Eltern und das Kind.
- c) Entwickle drei Regeln, wie Familien solche Situationen verhindern können.
Schutz und Verantwortung abwägen
Das Gesetz will zwei Dinge zugleich: Kinder schützen und sie Verantwortung lernen lassen. Das passt nicht immer zusammen. Darum erörtern wir.
| Dafür: Kinder dürfen mehr selbst kaufen | Dagegen: Kinder brauchen Schutz |
|---|---|
| Sie lernen, mit Geld umzugehen. | Sie können Folgen oft nicht überblicken. |
| Sie fühlen sich ernst genommen. | Gefahr von Schulden, z. B. durch Abos. |
| Fehler im Kleinen sind gute Lehrstücke. | Werbung und Gruppendruck wirken stark. |
Erörtere: „Kinder sollten ab 10 Jahren alles selbst kaufen dürfen." Nenne mindestens zwei Argumente dafür und zwei dagegen. Berücksichtige Schutz vor Überschuldung und…
Erörtere: „Kinder sollten ab 10 Jahren alles selbst kaufen dürfen." Nenne mindestens zwei Argumente dafür und zwei dagegen. Berücksichtige Schutz vor Überschuldung und das Lernen von Verantwortung. Formuliere eine begründete eigene Meinung.
Zurück zum Anfang: Das Eis zahlt Lea sofort mit eigenem Taschengeld, der Kauf ist nach § 110 BGB gültig. Die Bestellung auf Raten ist ohne Zustimmung der Eltern schwebend unwirksam.