Geschlechtshormone und weiblicher Zyklus
Mia ist 15 und hat in ihrem Kalender die Tage ihrer Regelblutung eingetragen. Sie wundert sich: Warum kommt die Blutung ungefähr alle vier Wochen wieder? Und woher „weiß“ ihr Körper, wann er sie auslösen muss? Die Antwort liegt in einem fein abgestimmten Zusammenspiel von Hormonen.
Der Zyklus im Überblick
Ab der Pubertät reift in den Eierstöcken regelmäßig eine Eizelle heran. Gleichzeitig bereitet sich die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Dieser Ablauf heißt weiblicher Zyklus. Er dauert im Durchschnitt 28 Tage, kann aber individuell zwischen etwa 24 und 35 Tagen schwanken.
Gezählt wird ab dem ersten Tag der Regelblutung (Tag 1). Der Zyklus hat vier Abschnitte, die nacheinander ablaufen:
| Phase | Tage (bei 28 Tagen) | Was geschieht? |
|---|---|---|
| Menstruation | 1–5 | Die Gebärmutterschleimhaut wird abgebaut und blutet |
| Follikelphase | 6–13 | Ein Follikel reift heran, die Schleimhaut baut sich wieder auf |
| Eisprung (Ovulation) | etwa 14 | Die reife Eizelle wird in den Eileiter abgegeben |
| Gelbkörperphase | etwa 15–28 | Der Gelbkörper bildet Hormone, die Schleimhaut ist bereit für die Einnistung |
Nenne die wichtigsten Phasen des weiblichen Zyklus und gib an, an welchem Tag bei einem 28-tägigen Zyklus der Eisprung etwa stattfindet.
Nenne die wichtigsten Phasen des weiblichen Zyklus und gib an, an welchem Tag bei einem 28-tägigen Zyklus der Eisprung etwa stattfindet.
Eine Frau hat einen regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen, der erste Tag der Regelblutung ist Tag 1. a) Bestimme, an welchem Tag etwa der Eisprung erfolgt. b) Eine Eizelle…
Eine Frau hat einen regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen, der erste Tag der Regelblutung ist Tag 1.
- a) Bestimme, an welchem Tag etwa der Eisprung erfolgt.
- b) Eine Eizelle ist etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig, Spermien überleben bis zu 3 Tage. Bestimme den Zeitraum, in dem eine Befruchtung möglich ist.
- c) Erkläre, warum die Berechnung bei unregelmäßigem Zyklus unsicher ist.
Follikelreifung und Eisprung
In den Eierstöcken liegen schon bei der Geburt viele Eizellen, jede in einem kleinen Bläschen, dem Follikel. Zu Beginn jedes Zyklus werden mehrere Follikel angeregt zu wachsen. Meist setzt sich nur einer durch: Er wächst, die Eizelle in ihm reift und die Follikelzellen bilden das Hormon Östrogen.
In der Zyklusmitte platzt der reife Follikel, die Eizelle wird in den Eileiter aufgenommen: der Eisprung. Der leere Follikel wandelt sich zum Gelbkörper um. Er bildet Progesteron (ein Gestagen) und etwas Östrogen.
Die Eizelle ist nur etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Spermien können im weiblichen Körper bis zu 3 Tage überleben. Eine Befruchtung ist daher ungefähr von Tag 11 bis Tag 15 möglich (bei 28 Tagen Zyklus). Das sind Näherungswerte: Je nach Frau kann sich das Zeitfenster um einen oder zwei Tage verschieben.
Erkläre, was bei der Follikelreifung im Eierstock geschieht.
Erkläre, was bei der Follikelreifung im Eierstock geschieht.
Die Hormone des Zyklus
Gesteuert wird der Zyklus von Hormonen aus zwei Orten: Der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) im Gehirn und den Eierstöcken.
| Hormon | Gebildet in | Wirkung |
|---|---|---|
| FSH (follikelstimulierendes Hormon) | Hypophyse | fördert die Follikelreifung |
| LH (luteinisierendes Hormon) | Hypophyse | löst den Eisprung aus, fördert den Gelbkörper |
| Östrogen | Follikel (Eierstock) | Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, steuert FSH und LH |
| Progesteron | Gelbkörper (Eierstock) | Auflockerung und Erhaltung der Schleimhaut, hemmt FSH und LH |
Der Verlauf in Worten:
-
Zu Beginn steigt FSH: Follikel reifen, sie bilden immer mehr Östrogen.
-
Kurz vor dem Eisprung ist der Östrogenspiegel am höchsten. Daraufhin schnellt LH hoch (LH-Gipfel) und löst den Eisprung aus.
-
Danach bildet der Gelbkörper Progesteron. Östrogen und Progesteron halten die Schleimhaut bereit.
Nenne zwei Hormone, die den weiblichen Zyklus steuern, und gib an, wo sie gebildet werden.
Nenne zwei Hormone, die den weiblichen Zyklus steuern, und gib an, wo sie gebildet werden.
Beantworte die folgenden Fragen zur Wirkung der Hormone FSH, LH, Östrogen und Progesteron im Zyklus in Worten: a) Welches Hormon fördert die Follikelreifung? b) Welches…
Beantworte die folgenden Fragen zur Wirkung der Hormone FSH, LH, Östrogen und Progesteron im Zyklus in Worten:
- a) Welches Hormon fördert die Follikelreifung?
- b) Welches Hormon löst den Eisprung aus?
- c) Welche Rolle hat der Gelbkörper und welches Hormon bildet er?
Rückkopplung: So regelt der Körper den Zyklus
Die Hormone beeinflussen sich gegenseitig. Das ist ein Regelkreis mit zwei Arten von Rückkopplung.
Negative Rückkopplung: Ein hoher Hormonspiegel bremst die eigene Bildung. In der Gelbkörperphase ist der Progesteronspiegel hoch. Er hemmt die Hypophyse: FSH und LH werden kaum noch freigesetzt. Deshalb reift kein neuer Follikel heran und es gibt keinen weiteren Eisprung.
Positive Rückkopplung: Ein hoher Hormonspiegel verstärkt die Bildung. Kurz vor dem Eisprung ist der Östrogenspiegel so hoch, dass er die Hypophyse zu einer plötzlichen, starken LH-Ausschüttung anregt. Der LH-Gipfel löst den Eisprung aus.
Und ohne Befruchtung? Etwa 12 bis 14 Tage nach dem Eisprung bildet sich der Gelbkörper zurück. Progesteron und Östrogen sinken. Die Schleimhaut wird nicht mehr versorgt und wird als Regelblutung abgestoßen. Da die Hemmung wegfällt, steigt FSH wieder an und ein neuer Zyklus beginnt.
Die Hormonregelung im Zyklus beruht auf negativer und positiver Rückkopplung. a) Erläutere, wie ein hoher Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte die Freisetzung…
Die Hormonregelung im Zyklus beruht auf negativer und positiver Rückkopplung.
- a) Erläutere, wie ein hoher Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte die Freisetzung von FSH und LH hemmt.
- b) Erkläre, wie der steigende Östrogenspiegel kurz vor dem Eisprung zum LH-Anstieg führt.
- c) Begründe, warum ohne Befruchtung die Regelblutung einsetzt.
Schwangerschaft, Pille und Störungen
Schwangerschaft. Wird die Eizelle befruchtet, nistet sich der Embryo in der Schleimhaut ein. Seine Zellen bilden das Hormon hCG. Es hält den Gelbkörper am Leben, sodass er weiter Progesteron bildet. Die Schleimhaut bleibt erhalten, die Regelblutung bleibt aus. Da Progesteron FSH und LH hemmt, findet auch kein neuer Eisprung statt. Später übernimmt die Plazenta die Hormonbildung. Weil hCG nur in der Schwangerschaft gebildet wird und im Urin nachweisbar ist, nutzen Schwangerschaftstests es als Nachweis.
Die Pille. Sie enthält Östrogen und Gestagen (ähnlich dem Progesteron). Diese Hormone halten den Hormonspiegel dauerhaft hoch. Durch negative Rückkopplung bleiben FSH und LH niedrig, es reift kein Follikel und es kommt zu keinem Eisprung. Ohne Eisprung gibt es keine Befruchtung.
Störungen. Ein unregelmäßiger Zyklus oder fehlender Eisprung kann hormonelle Ursachen haben, zum Beispiel eine Fehlfunktion der Hypophyse oder der Eierstöcke, zu viel männliche Hormone oder eine Schilddrüsenerkrankung. Auch Stress und starker Gewichtsverlust wirken: Sie beeinflussen den Hypothalamus im Gehirn, der die Hypophyse steuert, und die Hormonausschüttung gerät durcheinander. Ärztinnen und Ärzte messen den Hormonspiegel im Blut zu bestimmten Zyklustagen und erkennen so, welches Hormon zu hoch oder zu niedrig ist.
Erkläre, wie die Pille mit den Hormonen Östrogen und Gestagen den Eisprung verhindert.
Erkläre, wie die Pille mit den Hormonen Östrogen und Gestagen den Eisprung verhindert.
Bei einer Schwangerschaft bleibt die Regelblutung aus. a) Erkläre, welche Rolle das Hormon hCG des Embryos für den Gelbkörper hat. b) Erläutere, warum…
Bei einer Schwangerschaft bleibt die Regelblutung aus.
- a) Erkläre, welche Rolle das Hormon hCG des Embryos für den Gelbkörper hat.
- b) Erläutere, warum Schwangerschaftstests hCG nachweisen.
- c) Begründe, warum in der Schwangerschaft kein neuer Eisprung stattfindet.
Eine Patientin hat sehr unregelmäßige Zyklen und bekommt nur selten einen Eisprung. a) Nenne mögliche hormonelle Ursachen. b) Erkläre, warum Stress oder starker…
Eine Patientin hat sehr unregelmäßige Zyklen und bekommt nur selten einen Eisprung.
- a) Nenne mögliche hormonelle Ursachen.
- b) Erkläre, warum Stress oder starker Gewichtsverlust den Zyklus beeinflussen können.
- c) Erläutere, wie sich der Hormonspiegel im Blut zur Diagnose nutzen lässt.
Zurück zum Anfang: Mias Blutung kommt etwa alle vier Wochen, weil der Hormonkreislauf nach dem Abbau des Gelbkörpers und dem Wegfall von Progesteron von selbst neu beginnt.