Sprachgebrauch kritisch reflektieren
In der großen Pause in Essen hörst du plötzlich Gekicher: Jemand hat im Biologieunterricht das Wort „Menstruation“ gesagt. Manche lachen, andere werden rot oder schauen weg. Warum ist das so? Und wie können wir über Körper und Sexualität sprechen, ohne dass sich jemand schlecht fühlt? Darum geht es auf dieser Seite.
Fachsprache und Alltagssprache
Für jeden Körperteil gibt es mehrere Wörter. Im Biologieunterricht benutzen wir Fachbegriffe. Sie sind genau, sachlich und überall gleich. Wenn du „Gebärmutter“ sagst, wissen alle sofort, welches Organ gemeint ist. Dasselbe gilt für Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Beratungsstellen.
Daneben gibt es die Umgangssprache (Alltagssprache) und den Slang. Manche dieser Wörter sind harmlos oder liebevoll gemeint. Andere sind abwertend und werden als Schimpfwörter benutzt. Sie sagen nichts über den Körper, sondern machen jemanden schlecht.
| Körper | Fachbegriff | Aufgabe (kurz) |
|---|---|---|
| weiblich | Eierstock | bildet Eizellen |
| weiblich | Eileiter | Transport der Eizelle, hier findet die Befruchtung statt |
| weiblich | Gebärmutter | Raum, in dem der Embryo heranwächst |
| weiblich | Scheide | Verbindung nach außen, Geburtsweg |
| männlich | Hoden | bilden Spermien |
| männlich | Hodensack | schützt die Hoden |
| männlich | Spermienleiter (auch: Samenleiter) | Transport der Spermien |
| männlich | Penis | Geschlechtsverkehr; die Harn-Samenröhre im Penis leitet Urin und Spermien nach außen |
Ordne die folgenden Fachbegriffe für Körperteile dem männlichen oder weiblichen Körper zu: Hodensack, Gebärmutter, Samenleiter, Eierstock.
Ordne die folgenden Fachbegriffe für Körperteile dem männlichen oder weiblichen Körper zu: Hodensack, Gebärmutter, Samenleiter, Eierstock.
Erkläre, warum es sinnvoll ist, im Biologieunterricht sachliche Fachbegriffe für Körperteile und Vorgänge zu verwenden.
Erkläre, warum es sinnvoll ist, im Biologieunterricht sachliche Fachbegriffe für Körperteile und Vorgänge zu verwenden.
Vergleiche die beiden Sätze: (1) „Der Embryo entwickelt sich in der Gebärmutter.“ (2) „Das Baby wächst in Mamas Bauch.“ a) Erkläre, welche Vorteile die Fachsprache in…
Vergleiche die beiden Sätze:
(1) „Der Embryo entwickelt sich in der Gebärmutter.“
(2) „Das Baby wächst in Mamas Bauch.“
- a) Erkläre, welche Vorteile die Fachsprache in Satz (1) gegenüber der Umgangssprache in Satz (2) hat.
- b) Nenne eine Situation, in der Fachsprache besonders wichtig ist (zum Beispiel beim Arzt).
- c) Beurteile, ob man in einem vertrauten Gespräch mit Freunden auch andere Wörter benutzen darf, und begründe.
Wörter können verletzen
Sprache ist nicht „nur Wörter“. Wenn jemand wegen seines Körpers oder seiner Pubertät beschimpft wird, fühlt er sich schnell beschämt, ausgegrenzt oder unsicher. Manche trauen sich dann nicht mehr, Fragen zu stellen oder zum Sport zu gehen.
Sprache beeinflusst auch Einstellungen: Wer immer wieder abwertende Wörter hört, hält das irgendwann für normal. Die anderen machen mit oder schweigen. So entsteht ein Klima, in dem Mobbing leichter wird.
Das gilt auch im Klassenchat. Dort lesen viele mit, und Nachrichten lassen sich nicht zurücknehmen.
Nenne zwei Beispiele für Wörter, die in der Alltagssprache oder auf dem Schulhof verwendet werden, um andere zu beleidigen und die sich auf Körper oder Sexualität…
Nenne zwei Beispiele für Wörter, die in der Alltagssprache oder auf dem Schulhof verwendet werden, um andere zu beleidigen und die sich auf Körper oder Sexualität beziehen. Erkläre in einem Satz, warum solche Wörter verletzen können. (Du musst die Wörter nicht ausschreiben, es genügt eine Umschreibung.)
In einer Klasse in Essen kichern manche Schüler, sobald im Unterricht das Wort „Menstruation“ fällt. a) Nenne mögliche Gründe für dieses Verhalten. b) Erkläre, wie sich…
In einer Klasse in Essen kichern manche Schüler, sobald im Unterricht das Wort „Menstruation“ fällt.
- a) Nenne mögliche Gründe für dieses Verhalten.
- b) Erkläre, wie sich dieses Verhalten auf Betroffene auswirken kann.
- c) Formuliere zwei Regeln für einen respektvollen Umgang im Unterricht.
In einem Gruppenchat schreibt jemand abwertend über das Aussehen eines Mädchens in der Pubertät. a) Beschreibe, wie das Mädchen sich dadurch fühlen könnte. b) Nenne zwei…
In einem Gruppenchat schreibt jemand abwertend über das Aussehen eines Mädchens in der Pubertät.
- a) Beschreibe, wie das Mädchen sich dadurch fühlen könnte.
- b) Nenne zwei Möglichkeiten, wie Mitschüler reagieren können.
- c) Erkläre, warum es wichtig ist, dass Veränderungen in der Pubertät als normal angesehen werden.
Ein Schüler sagt: „Das sind doch nur Wörter, das ist nicht so schlimm.“ a) Nimm kritisch Stellung zu dieser Aussage. b) Erläutere, wie Sprache Einstellungen und…
Ein Schüler sagt: „Das sind doch nur Wörter, das ist nicht so schlimm.“
- a) Nimm kritisch Stellung zu dieser Aussage.
- b) Erläutere, wie Sprache Einstellungen und Verhalten gegenüber Menschen beeinflussen kann.
- c) Entwickle eine Klassenvereinbarung mit drei Punkten für respektvolle Sprache beim Thema Sexualität.
Die Pubertät ist bei jedem anders
Manche Jugendliche lachen über andere, weil diese sich „früher“ oder „später“ entwickeln. Biologisch ist das unsinnig. Der Beginn der Pubertät liegt bei den meisten zwischen etwa 10 und 15 Jahren. Er wird durch Hormone ausgelöst, die der Körper in einem eigenen Tempo bildet. Wann das beginnt, hängt unter anderem von den Erbanlagen ab. Ein späterer oder früherer Beginn sagt nichts über Gesundheit oder Wert eines Menschen aus.
Analysiere folgende Situation: Zwei Jungen machen sich über einen Mitschüler lustig, weil dieser noch keine Veränderungen der Pubertät zeigt, und verwenden dabei…
Analysiere folgende Situation: Zwei Jungen machen sich über einen Mitschüler lustig, weil dieser noch keine Veränderungen der Pubertät zeigt, und verwenden dabei abwertende Wörter.
- a) Erkläre biologisch, warum der Beginn der Pubertät individuell stark unterschiedlich ist.
- b) Beurteile das Verhalten der beiden Jungen.
- c) Beschreibe, wie die Klasse oder die Lehrkraft konstruktiv eingreifen kann.
Respektvoll sprechen und Fragen stellen
Wie gelingt ein respektvoller Umgang? Mit ein paar klaren Regeln:
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Wir benutzen im Unterricht Fachbegriffe und keine Schimpfwörter.
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Wir lachen niemanden aus. Wer verlegen ist, darf auch einmal kichern, aber niemand wird bloßgestellt.
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Jeder darf Nein sagen und eigene Grenzen setzen.
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Fragen sind erlaubt. Es gibt keine dummen Fragen.
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Wir greifen ein oder holen Hilfe, wenn jemand beleidigt wird.
Wenn du dich nicht traust, vor der Klasse zu fragen, gibt es die anonyme Fragebox. Du schreibst deine Frage auf einen Zettel ohne Namen, und die Lehrkraft beantwortet sie sachlich. So müssen sich Jugendliche nicht blamieren, und andere haben oft dieselbe Frage.
Erwachsene Ansprechpersonen und Anlaufstellen sind zum Beispiel:
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Eltern oder andere Vertrauenspersonen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit
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Kinder- und Jugendärztin oder -arzt, Frauenarztpraxis
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pro familia Beratungsstellen
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die Nummer gegen Kummer (116 111) für Kinder und Jugendliche
Ein Jugendlicher fragt in einer anonymen Fragebox: „Warum benutzen alle komische Wörter für Sexualität und niemand sagt, wie es richtig heißt?“ a) Verfasse eine…
Ein Jugendlicher fragt in einer anonymen Fragebox: „Warum benutzen alle komische Wörter für Sexualität und niemand sagt, wie es richtig heißt?“
- a) Verfasse eine sachliche, einfühlsame Antwort mit mindestens drei Fachbegriffen.
- b) Erkläre, warum anonyme Fragen im Unterricht hilfreich sein können.
- c) Nenne zwei Anlaufstellen in Deutschland, an die sich Jugendliche mit Fragen wenden können (zum Beispiel Beratungsstellen oder Vertrauenspersonen).
Zurück zum Anfang: Das Kichern bei „Menstruation“ entsteht meist aus Unsicherheit. Mit sachlichen Fachbegriffen und gegenseitigem Respekt wird das Wort so normal wie „Herz“ oder „Lunge“.
Auf einen Blick
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Fachbegriffe sind genau und sachlich, deshalb benutzen wir sie im Unterricht und beim Arzt.
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Abwertende Wörter über Körper und Sexualität verletzen und können Mobbing fördern, auch im Chat.
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Der Beginn der Pubertät ist von Mensch zu Mensch verschieden (etwa 10 bis 15 Jahre) und völlig normal.
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Respektvoll sprechen heißt: Fachbegriffe nutzen, niemanden auslachen, Grenzen achten, Hilfe holen.
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Bei Fragen helfen die anonyme Fragebox, Vertrauenspersonen und Beratungsstellen wie pro familia.