Datenschutz, IT-Sicherheit und gesellschaftliche Auswirkungen
Ein Fitnessarmband zählt deine Schritte, misst den Puls und kennt über GPS jeden Weg durch Köln. Die Daten landen auf dem Server eines Herstellers. Wem gehören diese Daten, wer darf sie nutzen und was passiert, wenn jemand das Gerät hackt? In diesem Apartment lernst du, solche Fragen mit Fachbegriffen zu analysieren und zu bewerten.
Personenbezogene Daten und DSGVO
Vernetzte Geräte (Internet der Dinge) erzeugen laufend Daten. Datenschutz fragt: Lässt sich eine Information einer bestimmten Person zuordnen?
Der rechtliche Rahmen in Deutschland und der EU ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Wichtige Grundsätze:
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Rechtmäßigkeit und Zweckbindung: Daten dürfen nur für einen vorher festgelegten Zweck verarbeitet werden.
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Datensparsamkeit (Datenminimierung): Es werden nur so viele Daten erhoben, wie für den Zweck nötig sind.
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Speicherbegrenzung: Daten werden nur so lange gespeichert, wie sie gebraucht werden.
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Transparenz und Betroffenenrechte: Auskunft, Berichtigung, Löschung.
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Einwilligung: Sie muss freiwillig, informiert, zweckgebunden und jederzeit widerrufbar sein.
Es gilt: Wo ein Personenbezug fehlt, sinkt das Risiko deutlich. Eine reine Zählung („12 Fahrgäste im Bus“) ist unproblematischer als die Erfassung einzelner Personen, weil niemand identifizierbar ist.
Ein Fitnessarmband erfasst die Herzfrequenz, die Schrittzahl und über GPS den Standort seiner Trägerin. Die Daten werden über eine App an einen Cloud-Server des…
Ein Fitnessarmband erfasst die Herzfrequenz, die Schrittzahl und über GPS den Standort seiner Trägerin. Die Daten werden über eine App an einen Cloud-Server des Herstellers übertragen. Die App fordert bei der Installation die Einwilligung in die Speicherung dieser Daten an.
- a) Nennen Sie drei Datenarten aus dem Material, die personenbezogene Daten sein können, und begründen Sie, warum sie es sind.
- b) Erläutern Sie das Prinzip der Datensparsamkeit an einem Beispiel aus diesem Material.
- c) Beschreiben Sie, was eine Einwilligung nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) beinhalten sollte.
Ein Smart Meter in einem Haushalt in Münster liefert für einen Tag folgende Verbrauchsdaten: | Zeitraum | Verbrauch in kWh | |---|---| | 00:00–06:00 Uhr | 0,3 | |…
Ein Smart Meter in einem Haushalt in Münster liefert für einen Tag folgende Verbrauchsdaten:
| Zeitraum | Verbrauch in kWh |
|---|---|
| 00:00–06:00 Uhr | 0,3 |
| 06:00–08:00 Uhr | 1,2 |
| 08:00–17:00 Uhr | 0,4 |
| 17:00–23:00 Uhr | 3,1 |
| 23:00–24:00 Uhr | 0,2 |
- a) Berechnen Sie den Gesamtverbrauch des Tages und den Anteil des Zeitraums 17:00–23:00 Uhr in Prozent.
- b) Interpretieren Sie die Tabelle: Welche Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Bewohner lassen sich ziehen?
- c) Beurteilen Sie anhand des Prinzips der Datensparsamkeit, ob das Stadtwerk den Verbrauch alle 15 Minuten statt einmal täglich erfassen sollte. Berücksichtigen Sie dabei den Zweck der Datenerhebung.
IT-Sicherheit vernetzter Geräte
IT-Sicherheit schützt Geräte und Daten. Klassische Schutzziele sind Vertraulichkeit (nur Berechtigte lesen), Integrität (Daten bleiben unverändert) und Verfügbarkeit (das System funktioniert).
Im Internet der Dinge treten oft dieselben Schwächen auf:
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Standardpasswörter („admin“) sind öffentlich bekannt. Angreifer probieren sie automatisch bei vielen Geräten aus.
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Fehlende Updates: Bekannte Sicherheitslücken bleiben offen.
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Fehlende Authentifizierung: Ein Aktor führt Befehle von jedem aus.
-
Unverschlüsselte Übertragung: Daten können mitgelesen werden.
Maßnahmen: Standardpasswort sofort durch ein langes, individuelles Passwort ersetzen, Updates einspielen, Geräte in ein eigenes Netz (z. B. Gastnetz) legen, nicht benötigte Fernzugriffe abschalten, Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen.
Einzelne Geräte wie eine Steckdose wirken harmlos. Viele tausend davon erzeugen zusammen aber so viel Datenverkehr, dass ein Server ausfällt.
In einem Wohnhaus in Köln wurden mehrere internetfähige Überwachungskameras gehackt. Alle Geräte waren mit dem vom Hersteller voreingestellten Passwort „admin“ in…
In einem Wohnhaus in Köln wurden mehrere internetfähige Überwachungskameras gehackt. Alle Geräte waren mit dem vom Hersteller voreingestellten Passwort „admin“ in Betrieb genommen worden. Die Software der Kameras wurde seit dem Kauf nie aktualisiert.
- a) Beschreiben Sie das Sicherheitsrisiko, das von Standardpasswörtern ausgeht.
- b) Nennen Sie drei Maßnahmen, mit denen Nutzerinnen und Nutzer solche Angriffe erschweren können.
- c) Erläutern Sie die Bedeutung regelmäßiger Software-Updates für die Sicherheit vernetzter Geräte.
Ein Hersteller von Smart-Home-Steckdosen stellt zwei Jahre nach Markteinführung die Bereitstellung von Sicherheitsupdates ein. Kurz darauf wird eine Sicherheitslücke…
Ein Hersteller von Smart-Home-Steckdosen stellt zwei Jahre nach Markteinführung die Bereitstellung von Sicherheitsupdates ein. Kurz darauf wird eine Sicherheitslücke bekannt, über die Angreifer die Steckdosen fernsteuern können. Tausende Geräte werden daraufhin zu einem Botnetz zusammengeschlossen, das gezielt Webserver überlastet.
- a) Erläutern Sie, was ein Botnetz ist und welche Gefahr von vernetzten Haushaltsgeräten dafür ausgeht.
- b) Vergleichen Sie die Verantwortung von Hersteller und Nutzerinnen und Nutzern in diesem Fall.
- c) Beurteilen Sie eine gesetzliche Pflicht, Sicherheitsupdates für vernetzte Geräte mindestens fünf Jahre lang bereitzustellen.
Pseudonymisierung und Verschlüsselung im Datenschutz
Zwei Techniken verringern Risiken, haben aber Grenzen.
Pseudonymisierung ersetzt ein Identifizierungsmerkmal durch einen Code. Wird der Code aber mit einem bekannten Verfahren berechnet, lässt er sich oft zurückrechnen. Eine MAC-Adresse hat 48 Bit, also $2^{48} \approx 2{,}8 \cdot 10^{14}$ Möglichkeiten. Das klingt riesig, doch ein Rechner kann die Codes aller möglichen Adressen vorab berechnen und vergleichen. Gelingt die Zuordnung, ist die Person wieder identifizierbar. Bleibt außerdem derselbe Code über Tage gleich, lassen sich Bewegungsprofile erstellen.
Anonymisierung entfernt den Personenbezug unumkehrbar, zum Beispiel durch das Speichern nur aggregierter Zahlen („Geräte pro Minute“). Dann gilt die DSGVO nicht mehr.
Transportverschlüsselung (TLS) schützt Daten auf dem Weg zum Server. Der Betreiber des Servers sieht sie aber im Klartext. Bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung besitzt nur der Endnutzer den Schlüssel. Der Server speichert nur Chiffretext und kann ihn nicht auswerten. Das schützt die Vertraulichkeit stärker, schränkt aber Funktionen wie serverseitige Personenerkennung ein.
| Variante | Klartext sieht | Schutz vor |
|---|---|---|
| Transportverschlüsselung | Sender, Server-Betreiber | Mithören im Netz |
| Ende-zu-Ende | nur Sender und Empfänger | Mithören und Zugriff durch den Betreiber |
Bei einem Karnevalsumzug in Düsseldorf soll die Zahl der Besucherinnen und Besucher mithilfe von Sensoren ermittelt werden. Die Sensoren erfassen die MAC-Adressen der…
Bei einem Karnevalsumzug in Düsseldorf soll die Zahl der Besucherinnen und Besucher mithilfe von Sensoren ermittelt werden. Die Sensoren erfassen die MAC-Adressen der Smartphones in Funkreichweite. Eine MAC-Adresse hat 48 Bit. Der Veranstalter diskutiert drei Varianten:
| Variante | Speicherung |
|---|---|
| A | MAC-Adressen werden im Klartext 30 Tage gespeichert. |
| B | Es wird nur die Anzahl erkannter Geräte pro Minute gespeichert. |
| C | Jede MAC-Adresse wird durch einen aus ihr berechneten Pseudonym-Code ersetzt, der mit einem festen, bekannten Verfahren erzeugt wird. |
- a) Analysieren Sie, ob in den Varianten A und B personenbezogene Daten verarbeitet werden, und begründen Sie Ihre Antwort.
- b) Berechnen Sie die Anzahl möglicher MAC-Adressen und die Zeit in Tagen, die das Durchprobieren aller Adressen dauert, wenn $10^9$ Adressen pro Sekunde geprüft werden. Beurteilen Sie damit den Schutz durch Variante C.
- c) Bewerten Sie die drei Varianten unter Berücksichtigung der Interessen von Veranstalter, Besuchern und Stadt und entwickeln Sie eine begründete Empfehlung.
Der Hersteller einer Überwachungskamera für das Smart Home bietet zwei Betriebsarten an: Transportverschlüsselung: Die Videodaten werden auf dem Weg von der Kamera zum…
Der Hersteller einer Überwachungskamera für das Smart Home bietet zwei Betriebsarten an:
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Transportverschlüsselung: Die Videodaten werden auf dem Weg von der Kamera zum Cloud-Server mit TLS verschlüsselt, auf dem Server aber unverschlüsselt gespeichert und dort automatisch ausgewertet, zum Beispiel zur Personenerkennung.
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Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Nur das Smartphone der Nutzerin besitzt den Schlüssel. Der Server speichert nur verschlüsselte Daten und kann sie nicht auswerten.
- a) Erläutern Sie den Unterschied zwischen beiden Betriebsarten und beschreiben Sie, wer jeweils die Daten im Klartext einsehen kann.
- b) Analysieren Sie für beide Betriebsarten, welche Angriffspunkte (Übertragungsweg, Server, Smartphone) bestehen.
- c) Beurteilen Sie die Entscheidung des Herstellers, die Funktion Personenerkennung anzubieten, unter rechtlichen, ethischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Bewertung: Interessen und Auswirkungen
Im Abitur sollst du Informatiksysteme bewerten. Gehe dabei strukturiert vor:
Eine gute Bewertung enthält:
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Beteiligte und ihre Interessen (Betreiber, Nutzer, Betroffene, Datenschutzbeauftragte).
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Nutzen und Risiken (rechtlich, ethisch, gesellschaftlich).
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Alternativen, die weniger Daten brauchen.
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Ein begründetes Urteil mit Abwägung.
Beispiel Fahrgastzählung in Dortmund: Das Verkehrsunternehmen will die Taktung optimieren, die Fahrgäste wünschen volle Busse zu vermeiden und Privatsphäre, die Datenschutzbeauftragte achtet auf die Einhaltung der DSGVO. Eine anonyme Zählung dient allen drei Interessen.
Ein Verkehrsunternehmen in Dortmund will in Bussen die Fahrgäste mit Sensoren an den Türen zählen. Beteiligt sind das Verkehrsunternehmen, die Fahrgäste und die…
Ein Verkehrsunternehmen in Dortmund will in Bussen die Fahrgäste mit Sensoren an den Türen zählen. Beteiligt sind das Verkehrsunternehmen, die Fahrgäste und die Datenschutzbeauftragte des Landes. Die Zählung soll helfen, die Taktung der Busse zu verbessern.
- a) Nennen Sie für jede der drei beteiligten Gruppen ein mögliches Interesse.
- b) Erläutern Sie einen Nutzen der Fahrgastzählung für die Fahrgäste.
- c) Begründen Sie, warum eine Zählung ohne Personenbezug aus Datenschutzsicht unproblematischer ist als eine Erfassung einzelner Personen.
Ein Gymnasium in Bochum will im Rahmen eines Smart-Building-Projekts in jedem Klassenraum einen Sensor einbauen. Zur Auswahl stehen: Variante A: ein CO₂-Sensor zur…
Ein Gymnasium in Bochum will im Rahmen eines Smart-Building-Projekts in jedem Klassenraum einen Sensor einbauen. Zur Auswahl stehen:
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Variante A: ein CO₂-Sensor zur Steuerung der Lüftung,
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Variante B: eine Kamera mit Personenerkennung zur Steuerung von Licht und Heizung nach Anwesenheit.
- a) Nennen Sie den Zweck, den beide Varianten verfolgen, und beschreiben Sie für jede Variante, welche Daten erhoben werden.
- b) Untersuchen Sie beide Varianten hinsichtlich ihrer datenschutzrechtlichen Problematik.
- c) Beurteilen Sie die Varianten aus der Sicht von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Schulträger und geben Sie eine begründete Empfehlung.
Der Landwirt Henrik Brüning im Münsterland setzt ein vernetztes Bewässerungssystem ein. Bodenfeuchtesensoren auf den Feldern senden ihre Messwerte per Funk an ein…
Der Landwirt Henrik Brüning im Münsterland setzt ein vernetztes Bewässerungssystem ein. Bodenfeuchtesensoren auf den Feldern senden ihre Messwerte per Funk an ein Gateway. Das Gateway leitet die Daten an einen Cloud-Server eines Anbieters weiter. Dort entscheidet eine Software, wann die Pumpen (Aktoren) eingeschaltet werden. Der Landwirt bedient das System mit einer App. Die Pumpen reagieren auf Befehle des Servers ohne weitere Authentifizierung.
- a) Analysieren Sie das System als Informatiksystem: Nennen Sie die Hardware-, Software- und Netzwerkkomponenten und beschreiben Sie die Client-Server-Struktur.
- b) Erläutern Sie zwei Sicherheitsrisiken dieses Systems und schlagen Sie jeweils eine geeignete Gegenmaßnahme vor.
- c) Bewerten Sie, ob die Steuerentscheidung besser in der Cloud oder lokal am Gateway getroffen werden sollte. Berücksichtigen Sie dabei Verfügbarkeit bei Netzausfall, Datenschutz, Kosten und Abhängigkeit vom Anbieter.
Zurück zum Einstieg: Die Daten des Fitnessarmbands gehören der Trägerin. Der Hersteller darf sie nur zweckgebunden, sparsam und mit wirksamer Einwilligung verarbeiten, und er muss sie gegen Hacker schützen.